Alle waren ruhelos. Niemand konnte bei der Hitze schlafen, es sei denn, er war betrunken. Ich war nicht betrunken, also war ich ruhelos. Jamie war schon seit über zwei Stunden fort, und ich konnte seine Rückkehr kaum noch erwarten. Nicht, weil es mich interessiert hätte, was St. Clair der Miliz zu sagen gehabt hatte. Doch in der Hitze und Erschöpfung hatten wir seit über einer Woche nicht mehr miteinander geschlafen, und ich begann zu vermuten, dass uns die Zeit davonlief. Wenn wir in den nächsten Tagen gezwungen wurden zu kämpfen oder zu fliehen, wusste nur der Himmel, wann wir wieder einmal einen Moment nur für uns haben würden.
Ich hatte die Zeit damit verbracht, über den Exerzierplatz zu schlendern, und dabei St. Clairs Haus nicht aus den Augen gelassen. Als ich ihn schließlich herauskommen sah, setzte ich mich langsam in seine Richtung in Bewegung, um ihm Zeit zu lassen, sich von den anderen Offizieren zu verabschieden, die ihn begleitet hatten. Sie blieben kurz beieinanderstehen, und ihre hängenden Schultern und die wütende Haltung ihrer Köpfe verrieten mir, dass ihr Protest genau die Wirkung gehabt hatte, die Jamie prophezeit hatte.
Dann entfernte er sich, die Hände im Rücken verschränkt, den Kopf nachdenklich gesenkt. Ich trat an seine Seite und schob meine Hand in seine Ellenbeuge. Überrascht, aber lächelnd blickte er zu mir hinunter.
»Du bist so spät noch draußen, Sassenach. Stimmt etwas nicht?«
»Nein«, sagte ich. »Es schien mir nur so ein schöner Abend für einen Spaziergang im Garten zu sein.«
»Im Garten«, wiederholte er und blinzelte mich von der Seite an.
»Im Garten des Kommandeurs, um genau zu sein«, sagte ich und berührte meine Schürzentasche. »Ich, äh, habe den Schlüssel.« Im Inneren des Forts befanden sich einige kleine Gärten, die meisten davon praktische Beete zur Gemüseproduktion. Doch der Ziergarten hinter dem Kommandeursquartier war vor Jahren von den Franzosen angelegt worden. Es kümmerte sich zwar längst niemand mehr darum, sodass er von den Pflanzensamen aus der Luft zurückerobert worden war, doch er verfügte über einen ganz besonders interessanten Aspekt – die hohe Mauer, die ihn umgab und die ein abschließbares Törchen hatte. Den Schlüssel dazu hatte ich heute in weiser Voraussicht dem Koch des Generals entwendet, der wegen einer Halsspülung zu mir gekommen war. Ich würde ihn zurückstecken, wenn ich ihn morgen besuchte, um mir seine Halsentzündung anzusehen.
»Ah«, sagte Jamie verständnisinnig und wandte sich ohne weitere Worte wieder der Kommandantur zu.
Das Törchen befand sich außer Sichtweite an der Rückseite, und wir schlüpften hastig durch die kleine Gasse, die an der Gartenmauer entlangführte, während sich der Wachtposten vor St. Clairs Haus mit einem Passanten unterhielt. Ich schob das Törchen leise hinter uns zu, schloss es ab, steckte den Schlüssel in die Tasche und schmiegte mich in Jamies Arme.
Er küsste mich ausgiebig, dann hob er den Kopf und betrachtete mich.
»Es könnte aber sein, dass du mir ein bisschen helfen musst.«
»Das lässt sich einrichten«, versicherte ich ihm. Ich legte ihm eine Hand auf das Knie, wo der Kilt ein wenig hochgerutscht war, sodass seine Haut bloß lag. Ich bewegte den Daumen genüsslich über die sanften, drahtigen Härchen an seinem Bein. »Äh … hattest du an eine konkrete Art von Hilfe gedacht?«
Ich konnte ihn riechen, obwohl er sich sorgfältig gewaschen hatte, den getrockneten Schweiß seiner Arbeit, gewürzt mit Staub und Holzspänen. Er würde auch danach schmecken, Süße, Salz und Moschus.
Ich ließ meine Hand unter dem Kilt über seinen Oberschenkel gleiten und spürte, wie er sich bewegte und anspannte, die plötzliche Furche in seinem Muskel glatt unter meinen Fingern. Doch zu meiner Überraschung hielt er mich auf und packte meine Hand durch den Stoff hindurch.
»Ich dachte, du willst Hilfe.«
»Berühre dich selbst, a nighean«, sagte er leise.
Das brachte mich ein wenig aus der Fassung, standen wir doch in einem zugewucherten Garten nur ein paar Meter von einer Gasse entfernt, die ein bevorzugter Aufenthaltsort der Milizionäre war, wenn sie sich in aller Stille besaufen wollten. Dennoch … Ich lehnte mich an die Wand und schob mir das Hemd bis über das Knie hoch. Dort hielt ich es fest und streichelte sanft über die Innenseite meines Oberschenkels. Die andere Hand ließ ich über mein Korsett gleiten, bis sie die Oberkante erreichte, an der meine Brüste unter der dünnen, feuchten Baumwolle aufquollen.
Sein Blick war schwer; er war halb trunken vor Erschöpfung, wurde jedoch mit jeder Sekunde wacher. Er stieß ein leises, fragendes Geräusch aus.
»Wie du mir, so ich dir – schon mal gehört?«, sagte ich und spielte wie zufällig mit dem Bändchen, das mein Hemd am Halsausschnitt zusammenhielt.
»Was?« Das riss ihn aus seiner Betäubung; er erwachte vollends und riss die blutunterlaufenen Augen weit auf.
»Du hast mich genau gehört.«
»Du willst, dass ich … dass ich –«
»Ja.«
»Das könnte ich nicht. Vor deinen Augen?«
»Wenn ich es vor deinen Augen kann, kannst du mir den Gefallen leicht erwidern. Aber wenn es dir natürlich lieber wäre, dass ich aufhöre …« Ich ließ die Hand – langsam – von dem Bändchen sinken. Hielt inne und ließ den Daumen ganz sacht über meiner Brust hin und her ticken, hin und her wie ein Metronom. Ich konnte meine Brustwarze spüren, rund und fest wie eine Musketenkugel; sie musste selbst bei diesem Licht durch den Stoff zu sehen sein.
Er schluckte, ich hörte es.
Ich lächelte und ließ die Hand noch weiter sinken, bis sie meinen hochgeschobenen Rocksaum erreichte. Und hielt mit fragend hochgezogener Augenbraue inne.
Wie hypnotisiert streckte er die Hand aus und griff nach dem Saum seines Kilts.
»Braver Junge«, murmelte ich und stützte mich mit einer Hand ab. Ich hob mein Knie und stellte den Fuß an die Mauer, sodass mein Oberschenkel freigelegt wurde. Senkte die Hand.
Er murmelte etwas auf Gälisch. Ich konnte nicht sagen, ob es ein Kommentar über den Anblick war, der sich ihm bot, oder ob er Gott seine Seele anvertraute. Jedenfalls hob er seinen Kilt.
»Was sollte das heißen, du brauchst Hilfe?«, fragte ich, als ich ihn betrachtete.
Er stieß einen kurzen, drängenden Laut aus, um mir zu sagen, dass ich fortfahren sollte, also tat ich das.
»Was denkst du gerade?«, fragte ich nach ein paar Sekunden fasziniert.
»Ich denke gar nicht.«
»Doch, das kann ich deinem Gesichtsausdruck ansehen.«
»Du willst es aber nicht hören.« Schweiß begann auf seinen Wangenknochen aufzuglänzen, und seine Augen hatten sich zu Schlitzen verengt.
»Oh, doch, das will – oh, halt. Wenn du gerade an jemand anderen denkst als an mich, will ich es nicht hören.«
Er öffnete die Augen und fixierte mich mit einem Blick, der mir geradewegs zwischen die zitternden Beine fuhr. Er hörte nicht auf.
»Oh«, sagte ich, selbst ein wenig atemlos. »Nun … wenn du wieder reden kannst, will ich es hören.«
Er fixierte mich weiter, wobei sein Blick jetzt dem eines Wolfs ähnelte, der ein fettes Schaf im Visier hat. Ich verlagerte mein Gewicht an der Wand und wedelte einen Mückenschwarm beiseite. Er atmete schnell, und ich konnte seinen Schweiß riechen, bitter und scharf.
»Du«, sagte er, und ich sah, wie sich seine Kehle bewegte, als er schluckte. Er streckte mir den gekrümmten Zeigefinger seiner freien Hand entgegen.
»Hierher.«
»Ich …«
»Auf der Stelle.«
Wie gebannt löste ich mich von der Mauer und trat zwei Schritte auf ihn zu. Bevor ich noch irgendetwas sagen oder tun konnte, flog sein Kilt, und eine große, heiße Hand hatte mich am Nacken gepackt. Dann lag ich zwischen hohen Gräsern und wildem Tabak auf dem Rücken, Jamie fest in mir, und die Hand lag auf meinem Mund – was auch gut so war, wie mir dumpf zu Bewusstsein kam, denn in der Gasse auf der anderen Seite der Mauer näherten sich Stimmen.