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Etwas Merkwürdiges lag in Ians Stimme, und überrascht richtete Jamie den Blick zuerst auf ihn, dann auf das Zelt.

Zunächst war sein einziger Gedanke ein flüchtiges Gefühl der Verwirrung. Dann veränderte sich die Welt.

Es herrschte Zwielicht, doch sie waren jetzt höchstens noch fünfzig Meter entfernt; es konnte kein Irrtum sein. Er hatte noch jeden Moment in Erinnerung, den er je mit dem Jungen verbracht hatte: seine Haltung, seine flinken, eleganten Bewegungen – die hat er von seiner Mutter, dachte er wie betäubt, als er sah, wie die Hand des hochgewachsenen jungen Offiziers eine Geste vollführte, die Geneva Dunsany war, wie sie leibte und lebte –, die Form seines Rückens, seines Kopfes und seiner Ohren, obwohl sich die schmalen Schultern jetzt endgültig zu denen eines Mannes ausgewachsen hatten. Meine, dachte er und wurde von einem Stolz durchspült, der ihn mindestens genauso sehr schockierte, wie es Williams plötzliches Auftauchen getan hatte. Das sind meine.

Sosehr ihn diese Gedanken auch erschütterten, sie benötigten weniger als eine halbe Sekunde, um ihm durch den Kopf und wieder hinauszuschießen. Ganz langsam atmete er ein und wieder aus. Das Feldlager begann mit den Vorbereitungen für das Abendessen. Besser, wenn sie handelten, auch ohne den Schutz der Dunkelheit.

»Ich muss es tun, aye?« Ian packte ihn beim Handgelenk, um ihn zur Konzentration zu zwingen. »Willst du sie vorher oder hinterher ablenken?«

»Hinterher.« Er hatte darüber nachgedacht, während sie auf das Lager zuschlichen, und seine Entscheidung war gefallen, als hätte ein anderer sie getroffen. »Besser, wenn wir ihn im Stillen fortschaffen können. Versuch das, und wenn es nicht geht, dann schrei.«

Ian nickte, und ohne ein weiteres Wort legte er sich auf den Bauch und begann, sich verstohlen durch das Gebüsch zu winden. Nach der Hitze des Tages war der Abend kühl und angenehm, doch Jamies Hände fühlten sich eisig an, und er legte sie um den tönernen Bauch des kleinen Feuertöpfchens, das er aus ihrem Lager mitgenommen und unterwegs mit trockenen Stöckchen genährt hatte. Es zischte leise vor sich hin, während es ein vertrocknetes Stück Hickoryholz verzehrte. Es war weder zu sehen noch zu riechen, weil der Dunst der Lagerfeuer zwischen den Bäumen hing und die blutrünstigen Mücken vertrieb, Gott und seiner Mutter sei Dank.

Während er sich über seine Nervosität wunderte – das war ihm gar nicht ähnlich –, fasste er an seinen Sporran, um sich noch einmal zu vergewissern, dass sich der Korken der Terpentinflasche nicht gelöst hatte, obwohl er eigentlich wusste, dass es nicht so war; das hätte er gerochen.

Die Pfeile in seinem Köcher verrutschten, als er sich bewegte, und ihre gefiederten Enden raschelten. Er war in Schussweite des Kommandeurszeltes, konnte die Leinwand in Sekunden entflammen lassen, wenn Ian aufschrie. Wenn nicht …

Wieder setzte er sich in Bewegung, und sein Blick suchte den Boden nach einer geeigneten Stelle ab. Es gab zwar reichlich trockenes Gras, doch es würde zu schnell herunterbrennen, wenn es der einzige Brennstoff blieb. Er wollte zwar ein schnelles Feuer, aber gleichzeitig ein großes.

Die Soldaten hatten den Wald mit Sicherheit schon nach Brennholz abgesucht, doch er erspähte einen herabgefallenen Fichtenstumpf, der zu schwer war, um ihn davonzutragen. Die unteren Zweige waren zwar entfernt worden, doch es waren noch genug übrig, und sie waren voller trockener Nadeln, die der Wind noch nicht mitgenommen hatte. Langsam wich er gerade so weit zurück, dass er sich schnell wieder nähern konnte, und trug dann armweise trockenes Gras und abgeschabte Rinde von einem umgestürzten Baumstamm zusammen, alles, was sich als Zunder benutzen ließ.

Brandpfeile im Kommandeurszelt würden zwar spontane Aufmerksamkeit erregen, doch sie würden auch allgemeinen Alarm auslösen; die Soldaten würden aus dem Lager schwärmen wie die Hornissen und nach Angreifern suchen. Ein Grasfeuer, nein. So etwas kam immer wieder vor, und es würde zwar für Ablenkung sorgen, doch niemand würde sich weiter umsehen, wenn erst feststand, dass es keine verdächtige Ursache hatte.

Ein paar Minuten, und sein Ablenkungsmanöver war bereit. Er war so beschäftigt gewesen, dass er nicht einmal daran gedacht hatte, noch einmal nach seinem Sohn zu sehen.

»Du gottverdammter Lügner, Jamie Fraser«, murmelte er und richtete den Blick auf die Zelte.

William war fort.

Die Soldaten saßen beim Abendessen; fröhliche Gespräche und Essenslärm überdeckten jedes leise Geräusch, das Ian machte, während er langsam um das linke Zelt herumging. Wenn ihn jemand sah, würde er auf Mohawk antworten und behaupten, ein Kundschafter aus Burgoynes Lager zu sein, der Neuigkeiten mitbrachte. Bis sie ihn zum Kommandeur gebracht hatten, würde er sich entweder eine schöne, pittoreske Neuigkeit ausdenken – oder schreien und sich freikämpfen, während sie durch die Brandpfeile abgelenkt waren.

Doch das würde Denny Hunter nicht helfen, und so war er vorsichtig. Es gab zwar Feldwachen, doch er und Onkel Jamie hatten sie lange genug beobachtet, um ihren Rhythmus auszumachen und den toten Punkt zu erkennen, an dem ihnen die Bäume die Sicht verstellten. Er wusste, dass er hinter dem Zelt nicht zu sehen war, es sei denn, jemand, der zum Pinkeln in den Wald ging, stolperte über ihn.

Am Boden des Zeltes stand eine Lücke offen, und im Inneren brannte eine Kerze; auf der Leinwand glühte ein dumpfer Fleck im Zwielicht. Er beobachtete die Lücke, sah aber keinen Schatten, der sich bewegte. Also gut.

Er legte sich hin und schob vorsichtig eine Hand hinein. Er tastete sich auf dem nackten Boden vor und hoffte, dass ihm niemand im Inneren des Zeltes auf die Hand treten würde. Wenn er ein Feldbett finden konnte, konnte er sich unter der Zeltwand hindurchwinden und sich darunterlegen. Wenn – etwas berührte seine Hand, und er biss sich fest auf die Zunge.

»Bist du Freund oder Feind?«, flüsterte Dennys Stimme. Ian konnte den hockenden Schatten des Quäkers verschwommen auf der Leinwand sehen, und Denny nahm ihn fest bei der Hand.

»Aye, ich bin es«, erwiderte er flüsternd. »Ruhig. Macht Platz.«

Denny bewegte sich, und Ian hörte Metall klirren. Verdammt, die Mistkerle hatten ihm Eisen angelegt. Er presste die Lippen zusammen und glitt unter der Zeltkante hindurch.

Denny begrüßte ihn lautlos, und Hoffnung und Alarm ließen sein Gesicht aufleuchten. Der kleine Quäker hob die Hände und wies kopfnickend auf seine Füße. Alles in Eisen. Himmel, sie hatten wirklich vor, ihn zu hängen.

Ian beugte sich zu Denny hinüber, um ihm ins Ohr zu flüstern.

»Ich gehe zuerst. Legt Euch dorthin, so leise Ihr könnt und so dicht Ihr könnt.« Er wies mit dem Kinn zur Rückseite des Zeltes. »Bewegt Euch nicht selbst; ich ziehe Euch heraus.« Dann würde er sich Denny über die Schultern legen wie ein totes Reh, und ab in den Wald, wo ein Eulenruf Onkel Jamie wissen lassen würde, dass es Zeit war, das Feuer zu legen.

Es war unmöglich, einen Mann in Ketten völlig lautlos zu transportieren, doch mit etwas Glück würden das Schaben der Löffel auf dem Blechgeschirr und das Gespräch der Soldaten jedes verirrte Klirren übertönen. Er zog das Zeltleinen vor, so weit er konnte, griff darunter und packte Denny fest bei den Schultern. Der kleine Kerl war schwerer, als er aussah, doch Ian zog seinen Oberkörper ohne große Schwierigkeiten aus dem Zelt. Schwitzend rückte er zur Seite und langte erneut in das Zelt, um Dennys Fußgelenke zu packen. Dabei wickelte er sich die Kette um das Handgelenk, damit sie nicht über den Boden schleifte.

Ian hörte kein Geräusch, doch sein Kopf fuhr hoch, bevor ihm sein Verstand auch nur mitteilen konnte, dass sich die Luft neben ihm auf eine Weise bewegt hatte, die bedeutete, dass dort jemand stand.

»Psst!«, sagte er automatisch, ohne zu wissen, ob er Denny meinte oder den hochgewachsenen Soldaten, der hinter ihm aus dem Wald getreten war.

»Was zum Teufel –«, begann der Soldat mit verblüffter Stimme. Er beendete die Frage nicht, sondern kam auf Ian zu und griff nach seinem Handgelenk.