»Gott sei Dank!«, flüsterte ich vor mich hin. »Oh, Gott sei Dank!«
Ich tastete ihn rasch ab, um nach einer Verletzung zu suchen, bevor ich ihn bewegte. Ich glaubte nicht, dass die Leichenfledderer zurückkehren würden; ich konnte die Stimmen einer Gruppe von Männern hören – eine Abordnung von Rebellen, die hier war, um die Verletzten zu holen.
Er hatte eine dicke Beule auf der Stirn, die bereits blau wurde. Sonst konnte ich nichts sehen. Der Junge hatte recht gehabt; er war nicht schwer verletzt. Dann drehte ich ihn auf den Rücken und sah seine Hand.
Ein Highlander kämpfte normalerweise mit dem Schwert in der einen und der Tartsche in der anderen Hand, dem kleinen Lederschild, der dazu diente, den gegnerischen Hieb abzufangen. Er hatte keine Tartsche gehabt.
Die Klinge hatte ihn zwischen dem dritten und vierten Finger der rechten Hand getroffen und sich in seine Hand gegraben, eine tiefe, hässliche Wunde, die ihm die Handfläche bis fast zum Gelenk spaltete.
Trotz ihres grauenhaften Aussehens blutete die Wunde nicht sehr; die Hand hatte eingerollt unter ihm gelegen, und sein Gewicht hatte wie ein Druckverband gewirkt. Die Vorderseite seines Hemdes war rot durchtränkt, besonders über seinem Herzen. Ich riss ihm das Hemd auf und fühlte darunter nach, um sicherzugehen, dass das Blut von seiner Hand stammte, doch es war so. Seine Brust war kühl und feucht vom Gras, aber unversehrt, seine Brustwarzen zusammengezogen und steif vor Kälte.
»Das … kitzelt«, sagte er mit schlaftrunkener Stimme. Er fuhr sich ungeschickt mit der linken Hand an die Brust, als wollte er meine Hand beiseiteschieben.
»Entschuldigung«, sagte ich und unterdrückte das Bedürfnis zu lachen, so froh war ich, ihn lebend und bei Bewusstsein zu sehen. Ich schob ihm einen Arm unter die Schultern und half ihm, sich aufzusetzen. Er sah wie ein Betrunkener aus, ein Auge halb zugeschwollen und das Haar voller Gras. Er benahm sich auch wie ein Betrunkener und schwankte alarmierend hin und her.
»Wie geht es dir?«, fragte ich.
»Schlecht«, sagte er kurz und bündig. Er beugte sich zur Seite und übergab sich.
Ich ließ ihn wieder ins Gras sinken und wischte ihm den Mund ab, dann machte ich mich daran, ihm die Hand zu verbinden.
»Es wird bald jemand hier sein«, versicherte ich ihm. »Wir bringen dich zum Wagen zurück, und dann kann ich mich darum kümmern.«
»Mmpfm.« Er grunzte leise, als ich den Verband festzog. »Was ist eigentlich passiert?«
»Was passiert ist?« Ich hielt inne und starrte ihn an. »Das fragst du mich?«
»Was in der Schlacht passiert ist, meine ich«, sagte er geduldig und peilte mich mit seinem unverletzten Auge an. »Ich weiß, was mit mir passiert ist – jedenfalls in etwa«, fügte er hinzu und zuckte zusammen, als er sich an die Stirn fasste.
»Ja, in etwa«, sagte ich rüde. »Du hast dich wie ein geschlachtetes Schwein klein hacken und dir den Schädel halb einschlagen lassen. Hast mal wieder den verfluchten Helden gespielt, das ist es, was mit dir passiert ist!«
»Ich habe nicht –«, begann er, doch ich unterbrach ihn, denn meiner Freude darüber, ihn lebend zu sehen, folgte jetzt rasch die Wut.
»Du hättest nicht nach Ticonderoga gehen müssen. Du hättest nicht gehen sollen! Ich bleibe beim Schreiben und Drucken, hast du gesagt. Du wolltest nicht kämpfen, wenn es nicht sein musste, hast du gesagt. Nun, es musste zwar nicht sein, aber du hast es trotzdem getan, du aufgeblasener, dickköpfiger, beifallsüchtiger Schotte!«
»Beifallsüchtig?«, erkundigte er sich interessiert.
»Du weißt genau, was ich meine, weil du dich genauso verhalten hast! Du hättest umkommen können!«
»Aye«, pflichtete er mir reumütig bei. »Ich dachte auch, es wäre so weit, als der Dragoner über mich hergefallen ist. Aber ich habe gebrüllt und sein Pferd erschreckt«, fügte er etwas fröhlicher hinzu. »Es ist gestiegen und hat mich mit dem Vorderbein im Gesicht erwischt.«
»Versuch nicht, das Thema zu wechseln!«, schnappte ich.
»War das Thema nicht, dass ich nicht umgekommen bin?«, fragte er, wobei er versuchte, eine Augenbraue hochzuziehen, und erneut zusammenzuckte, als ihm das nicht gelang.
»Nein! Das Thema ist deine Dummheit, deine verflixte egoistische Sturheit!«
»Ach, das.«
»Ja, das! Du – du – Hornochse! Wie kannst du mir das antun? Meinst du, ich hätte im Leben nichts Besseres zu tun, als hinter dir herzutrotten und dir deine Einzelteile wieder anzukleben?« Inzwischen kreischte ich ihn hemmungslos an.
Zu meiner gesteigerten Wut grinste er mich an, und das halb geschlossene Auge ließ seinen Gesichtsausdruck noch verwegener aussehen.
»Du hättest ein hervorragendes Fischweib abgegeben, Sassenach«, lobte er. »Du hast genau das richtige Mundwerk dafür.«
»Jetzt halt endlich den Mund, du verdammter –«
»Gleich hören sie dich«, sagte er gelassen und deutete dabei auf den Trupp kontinentaler Soldaten, die den Abhang herunter auf uns zukamen.
»Es ist mir egal, wer mich hört! Wenn du nicht schon verletzt wärst, dann – dann –«
»Vorsicht, Sassenach«, sagte er, immer noch grinsend. »Ich glaube nicht, dass du mir noch mehr Einzelteile abreißen willst; du müsstest sie ja doch nur wieder ankleben, aye?«
»Führe mich bloß nicht in Versuchung«, knirschte ich mit zusammengebissenen Zähnen und warf einen Blick auf das Schwert, das ich hatte fallen lassen.
Er sah es und griff danach, schaffte es aber nicht ganz. Ich schnaubte verächtlich, beugte mich über ihn und packte es am Griff, den ich ihm in die Hand schob. Ich hörte einen Ausruf der Männer, die den Hügel herunterkamen, drehte mich um und winkte ihnen zu.
»Wenn dich jetzt jemand hören würde, könnte er den Eindruck bekommen, dass dir nicht besonders viel an mir liegt, Sassenach«, sagte er hinter mir.
Ich drehte mich um und sah ihn an. Das unverschämte Grinsen war verschwunden, doch er lächelte immer noch.
»Du hast ein Mundwerk wie eine echte Xanthippe«, sagte er, »aber du gibst eine wunderbare Schwertkämpferin ab, Sassenach.«
Mein Mund öffnete sich, aber die Worte, die mir noch vor einer Sekunde im Überfluss auf der Zunge gelegen hatten, hatten sich in Luft aufgelöst wie der sich lichtende Nebel. Das Schwert lag kalt und schwer in meiner Hand.
Er legte mir seine gesunde Hand auf den Arm. »Aber fürs Erste, a nighean donn – danke für mein Leben.«
Ich schloss meinen Mund. Die Männer hatten uns fast erreicht. Ihre Füße raschelten im Gras, und ihre Ausrufe und ihr Geplauder übertönten das nachlassende Stöhnen der Verwundeten.
»Gern geschehen«, sagte ich.
»Hamburger«, sagte ich leise, aber nicht leise genug. Er sah mich an und zog eine Augenbraue hoch.
»Hackfleisch«, sagte ich, und die Augenbraue senkte sich.
»Oh, aye, das ist es. Habe mit der Hand einen Schwerthieb abgefangen. Zu dumm, dass ich keine Tartsche hatte; ich hätte den Hieb leicht abwenden können.«
»Na wunderbar.« Ich schluckte. Es war bei Weitem nicht die schlimmste Verletzung, die ich je gesehen hatte, doch bei ihrem Anblick wurde mir trotzdem ein wenig übel. Die Spitze seines Ringfingers war direkt unter dem Nagel sauber in einer schrägen Linie abgetrennt worden. Das Schwert hatte ihm einen Hautfetzen von der Innenseite des Fingers geschält, ihm Mittel- und Ringfinger auseinandergerissen und seine Hand fast bis zum Handgelenk gespalten.
»Du musst es ja fast am Heft erwischt haben«, sagte ich, um Ruhe bemüht. »Sonst hätte es dir die Außenseite der Hand abgehackt.«
»Mmpfm.« Die Hand rührte sich nicht, während ich daran herumzog und -drückte, doch der Schweiß stand ihm auf der Oberlippe, und er konnte einen kurzen Schmerzenslaut nicht unterdrücken.
»Tut mir leid«, murmelte ich automatisch.
»Ist schon gut«, sagte er genauso automatisch. Er schloss die Augen, dann öffnete er sie wieder.
»Nimm ihn ab«, sagte er plötzlich.