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»Und einen Dickschädel«, murmelte ich.

»Häh?« Er warf mir einen verwirrten Seitenblick zu.

»Nichts«, sagte ich. »Stillhalten, nur noch einen Moment; ich bin fast fertig.«

Es wurde eine höllische Nacht. Einige der Verwundeten lagen noch in den Schluchten und Senken, genau wie sämtliche Tote. Die Schreie aus der Ferne verrieten uns, dass die Wölfe, die lautlos aus dem Wald kamen, nicht zwischen ihnen unterschieden.

Es war kurz vor Tagesanbruch, als ich mich endlich in das Zelt begeben konnte, in dem jetzt auch Jamie lag. Ich hob leise den Eingang an, um ihn nicht zu stören, doch er war schon wach, lag zusammengerollt auf der Seite und blickte zum Eingang. Sein Kopf ruhte auf einer zusammengefalteten Decke.

Er lächelte schwach, als er mich sah.

»Eine harte Nacht, Sassenach?«, fragte er. Seine Stimme war etwas heiser, weil er sie so lange nicht benutzt hatte und die Luft so kalt war. Nebel kroch unter dem Eingang hindurch und färbte sich im Licht der Laterne gelb.

»Ich habe schon schlimmere erlebt.« Ich strich ihm das Haar aus dem Gesicht und betrachtete ihn sorgfältig. Er war bleich, aber nicht feucht. Sein Gesicht war schmerzverzerrt, doch seine Haut fühlte sich kühl an – keine Spur von Fieber. »Du hast nicht geschlafen, oder? Wie fühlst du dich?«

»Ich habe ein wenig Angst«, gab er zu. »Und mir ist ein wenig übel. Aber jetzt, wo du hier bist, geht es mir besser.« Seine schiefe Grimasse war beinahe ein Lächeln.

Ich legte ihm die Hand unter das Kinn und drückte mit den Fingern auf den Puls an seinem Hals. Sein Herz schlug regelmäßig unter meinen Fingerspitzen, und ich erschauerte kurz, weil ich an die Frau auf dem Schlachtfeld denken musste.

»Du frierst ja, Sassenach«, sagte er. »Und müde bist du auch. Geh schlafen, aye? Ich halte es noch ein bisschen aus.«

Ich war müde. Mein Adrenalinspiegel, der von der Schlacht und der arbeitsreichen Nacht im Lazarettzelt hoch gehalten worden war, sank rapide; Erschöpfung kroch mir den Rücken entlang und ließ meine Gelenke weich werden. Doch ich konnte mir gut vorstellen, wie viel Kraft ihn das stundenlange Warten bereits gekostet hatte.

»Es dauert nicht lange«, versicherte ich ihm. »Und es geht dir besser, wenn es vorbei ist. Dann kannst du in Ruhe schlafen.«

Er nickte, obwohl er nicht sehr beruhigt aussah. Ich klappte den kleinen Arbeitstisch auseinander, den ich aus dem Operationszelt mitgebracht hatte, und stellte ihn in Reichweite auf. Dann holte ich meine kostbare Flasche Laudanum hervor und goss etwa zwei Fingerbreit der dunklen, stark riechenden Flüssigkeit in einen Becher.

»Trink das schluckweise«, ordnete ich an und drückte ihm den Becher in die linke Hand. Ich begann, mir die Instrumente zurechtzulegen, die ich brauchen würde, und vergewisserte mich, dass alles ordentlich bereitlag. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, Lester darum zu bitten, mir zu assistieren, doch er war am Ende fast im Stehen eingeschlafen und hatte unter den gedämpft leuchtenden Laternen des Operationszeltes wie ein Betrunkener geschwankt. Also hatte ich ihn davongeschickt, damit er sich eine Decke und einen Platz am Feuer suchte.

Ein kleines Skalpell, frisch geschliffen. Das kleine Glas mit Alkohol, in dem sich das feuchte Nähmaterial zusammenrollte wie ein Nest kleiner Vipern, jeder Faden mit einer kleinen, gebogenen Nadel wie mit einem Zahn versehen. Ein weiteres Glas mit den trockenen, gewachsten Sehnen, die mir als Arterienkompressen dienten. Ein Strauß von Sonden, deren Enden in Alkohol standen. Zange. Wundhaken mit langen Griffen. Das Tenakel mit seinen Häkchen zum Festhalten der Ränder durchtrennter Arterien.

Die Chirurgenschere mit ihren kurzen, geschwungenen Schneiden und den Griffen, die für meine Hände maßgefertigt waren, nach meinen Wünschen von Stephen Moray, dem Silberschmied, hergestellt. Zumindest fast nach meinen Wünschen. Ich hatte darauf bestanden, dass er die Schere so einfach wie möglich gestaltete, damit sie leicht zu säubern und zu desinfizieren war. Stephen war meinem Wunsch in Form eines nüchternen, eleganten Designs nachgekommen, hatte aber der Versuchung nicht widerstehen können und eine kleine Verzierung angefügt – ein Griff trug eine hakenähnliche Verlängerung, gegen die ich meinen kleinen Finger stützen konnte, um mehr Druck ausüben zu können, und diese Verlängerung bildete eine glatte, geschmeidige Kurve, an deren Ende eine schlanke Rosenknospe in einem Blätterstrauß erblühte. Über den Kontrast zwischen den kräftigen, brutalen Schneiden am einen Ende und dieser zarten Eitelkeit am anderen musste ich jedes Mal lächeln, wenn ich die Schere aus ihrem Kasten hob.

Verbandsmaterial aus Baumwollgaze und schwerem Leinen, Wattebäusche, Klebpflaster, deren Rotfärbung von den Drachenblutharzen herrührte, die als Kleber dienten. Eine offene Schale mit Alkohol zur Desinfektion während der Arbeit, und die Gefäße mit Chinarinde, zerstampftem Knoblauch und Schafgarbe zum Verbinden.

»Fertig«, sagte ich zufrieden, als ich mein Sortiment ein letztes Mal überprüfte. Alles musste vorbereitet sein, da ich allein arbeitete; wenn ich etwas vergaß, würde niemand da sein, der es mir holte.

»Sieht nach ziemlich viel Vorbereitung für einen mickrigen Finger aus«, bemerkte Jamie hinter mir.

Ich fuhr herum und sah, dass er sich auf einen Ellbogen aufgestützt hatte und den Becher mit Laudanum unangetastet in der Hand hielt.

»Könntest du ihn nicht einfach mit dem Messer abhacken und die Wunde mit einem heißen Eisen versiegeln, so wie es die Regimentsärzte tun?«

»Doch, das könnte ich«, sagte ich trocken. »Aber glücklicherweise brauche ich es nicht; wir haben genug Zeit, es vernünftig zu machen. Darum habe ich dich warten lassen.«

»Mmpfm.« Er ließ den Blick wenig begeistert über die Reihe der glänzenden Instrumente schweifen, und es war ihm anzusehen, dass es ihm viel lieber gewesen wäre, die ganze Angelegenheit so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Mir wurde klar, dass dies für ihn nach langsamer, ritueller Folter aussah und nicht nach einer komplexen chirurgischen Operation.

»Ich möchte, dass du deine Hand später noch benutzen kannst«, sagte ich entschlossen. »Keine Infektion, kein vereiterter Stumpf, keine ungeschickte Verstümmelung und – so Gott will – keine Schmerzen, wenn es erst einmal verheilt ist.«

Bei diesen Worten hoben sich seine Augenbrauen. Er hatte es zwar nie erwähnt, doch mir war sehr wohl bewusst, dass seine rechte Hand und ihr problematischer Ringfinger ihm seit Jahren immer wieder Schmerzen verursachten. Der Finger war im Gefängnis von Wentworth zerschmettert worden, wo man Jamie in den Tagen vor dem Stuart-Aufstand festgehalten hatte.

»Versprochen ist versprochen«, sagte ich und wies kopfnickend auf den Becher in seiner Hand. »Trink.«

Er hob den Becher, schob die lange Nase widerstrebend über den Rand, und seine Nasenflügel zuckten, als ihn der widerlich süße Geruch traf. Er berührte die dunkle Flüssigkeit mit der Zungenspitze und verzog das Gesicht.

»Mir wird schlecht davon.«

»Du schläfst davon ein.«

»Ich bekomme davon Albträume.«

»Solange du nicht im Schlaf auf Kaninchenjagd gehst, spielt das keine Rolle«, versicherte ich ihm. Er musste lachen, versuchte es aber noch ein letztes Mal.

»Es schmeckt wie das Zeug, das man einem Pferd aus den Hufen kratzt.«

»Und wann hast du zum letzten Mal einem Pferd den Huf ausgeleckt?«, wollte ich wissen und stemmte die Hände in die Hüften. Mein funkelnder Blick nahm Intensitätsstufe zwei an, die normalerweise der Einschüchterung kleinlicher Bürokraten und niederer Armeefunktionäre diente.

Er seufzte.

»Du meinst es ernst, aye?«

»Ja.«

»Na gut.« Mit einem vorwurfsvollen Blick duldsamer Resignation warf er den Kopf zurück und schüttete den Inhalt des Bechers in einem Schluck hinunter.

Ein Schauder schüttelte ihn, und er stieß leise Würgegeräusche aus.

»Ich habe gesagt, du sollst es schluckweise trinken«, bemerkte ich nachsichtig. »Wenn es dir wieder hochkommt, darfst du es vom Boden auflecken.«