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Angesichts der Tatsache, dass der Boden aus aufgewühltem Staub und zertrampeltem Gras bestand, war das eindeutig eine leere Drohung, doch er presste Augenlider und Lippen fest zusammen, legte sich schwer atmend auf das Kissen zurück und schluckte alle paar Sekunden seinen Brechreiz hinunter. Ich zog einen Hocker herbei und setzte mich neben das Feldbett, um zu warten.

»Wie fühlst du dich?«, fragte ich nach ein paar Minuten.

»Benommen«, erwiderte er. Er öffnete sein Auge einen Spaltbreit und betrachtete mich durch den schmalen blauen Schlitz, dann stöhnte er und schloss es wieder. »Als ob ich von einer Klippe stürze. Es fühlt sich sehr unangenehm an, Sassenach.«

»Versuch, einen Moment lang an etwas anderes zu denken«, schlug ich vor. »Etwas Schönes, um dich abzulenken.«

Seine Stirn zog sich kurz in Falten, dann entspannte sie sich.

»Steh einmal kurz auf, ja?«, sagte er. Folgsam stand ich auf und fragte mich, was er wohl wollte. Er öffnete die Augen, streckte die gesunde Hand aus und klammerte sie fest um meine Pobacke.

»Da«, sagte er. »Das ist das Beste, was mir einfällt. Wenn ich deinen Hintern festhalte, kann mich nichts aus dem Gleichgewicht bringen.«

Ich lachte und rückte ein paar Zentimeter näher an ihn heran, sodass seine Stirn an meine Oberschenkel gedrückt war.

»Nun, zumindest ist es ein transportables Heilmittel.«

Er schloss die Augen und hielt mich fest. Sein Atem ging langsam und tief. Die schroffen Linien der Erschöpfung und des Schmerzes in seinem Gesicht begannen, sich zu glätten, als die Wirkung der Droge einsetzte.

»Jamie«, sagte ich nach einer Minute leise. »Es tut mir leid.«

Er öffnete die Augen, blickte zu mir auf und lächelte, wobei er mich leicht drückte.

»Aye, na ja«, sagte er. Seine Pupillen hatten zu schrumpfen begonnen; seine Augen waren unauslotbar und tief wie der Ozean, als blickte er in weite Ferne.

»Sag mir, Sassenach«, sagte er ein paar Sekunden später. »Wenn man einen Mann vor dich hinstellen und dir sagen würde, dass der Mann am Leben bleibt, wenn du dir den Finger abschneidest, und dass er sterben muss, wenn nicht – würdest du es tun?«

»Ich weiß es nicht«, sagte ich leicht erschrocken. »Wenn das die Entscheidung wäre und es daran nichts zu rütteln gäbe und es ein guter Mann wäre … Ja, ich denke, ich würde es tun. Besonderen Spaß würde es mir aber nicht machen«, fügte ich nüchtern hinzu, und sein Mund verzog sich zu einem Lächeln.

»Nein«, sagte er. Sein Gesichtsausdruck wurde jetzt sanft und verträumt. »Hast du gewusst«, sagte er einen Moment später, »dass mich ein Oberst aufgesucht hat, als du im Lazarett bei der Arbeit warst? Oberst Johnson; Micah Johnson war sein Name.«

»Nein. Was hat er denn gesagt?«

Seine Hand begann, sich von meinem Hintern zu lösen; ich legte die meine darüber, um sie in Position zu halten.

»Es war seine Kompanie – in der Schlacht. Ein Teil von Morgans Leuten und der Rest des Regiments von der anderen Hügelseite waren in der Schusslinie der Briten. Wenn deren Vorstoß gelungen wäre, hätten sie die Kompanie mit Sicherheit verloren, und weiß Gott, was aus dem Rest geworden wäre.« Sein sanfter Highlandakzent verstärkte sich jetzt; sein Blick war auf meinen Rock geheftet.

»Also hast du sie gerettet«, fasste ich sanft zusammen. »Wie viele Männer sind in einer Kompanie?«

»Fünfzig«, sagte er. »Obwohl ich nicht annehme, dass sie alle umgekommen wären.« Seine Hand rutschte ab; er fing sich und erneuerte leise glucksend seinen Griff. Durch meinen Rock konnte ich seinen Atem warm auf meinen Oberschenkeln spüren.

»Es hat mich an die Bibel erinnert, aye?«

»Ja?« Ich drückte seine Hand gegen die Rundung meiner Hüfte und hielt sie dort fest.

»Die Stelle, wo Abraham mit dem Herrn der Städte in der Ebene verhandelt. ›Würdest du die Stadt nicht zerstören‹«, zitierte er, »›wenn es dort fünfzig Gerechte gäbe?‹ Und dann handelt Abraham ihn herunter, immer etwas mehr, von fünfzig auf vierzig, dann auf dreißig und zwanzig und zehn.«

Seine Augen waren halb geschlossen, seine Stimme friedvoll und gelassen.

»Ich hatte keine Zeit, um Nachforschungen über die Moral in dieser Kompanie anzustellen. Aber man würde doch annehmen, dass unter ihnen zehn Gerechte wären – gute Männer?«

»Ganz bestimmt.« Seine Hand war schwer, sein Arm fast ganz erschlafft.

»Oder fünf. Oder auch nur ein einziger. Einer würde reichen.«

»Ich bin mir sicher, dass es einen gibt.«

»Der Junge mit den Apfelbäckchen, der dir im Lazarett geholfen hat – ist er so einer?«

»Ja, das ist er.«

Er seufzte tief, die Augen fast geschlossen.

»Dann sag ihm, ich bin ihm nicht böse wegen des Fingers«, sagte er.

Ich hielt seine gesunde Hand eine Minute lang fest. Er atmete langsam und tief, sein Mund war in völliger Entspannung erschlafft. Ich drehte ihn behutsam auf den Rücken und legte ihm die Hand auf die Brust.

»Verflixter Kerl«, flüsterte ich. »Ich wusste doch, dass du mich zum Weinen bringen würdest.«

Draußen im Lager herrschte die Stille der letzten Augenblicke des Schlummers, bevor die aufgehende Sonne die Männer in Bewegung versetzte. Hin und wieder konnte ich einen Wachtposten rufen hören, und zwei Verpflegungssammler unterhielten sich murmelnd, als sie auf dem Weg in den Wald dicht an meinem Zelt vorüberkamen. Die Lagerfeuer waren bis auf die Glut heruntergebrannt, doch ich hatte drei Laternen, die ich so angebracht hatte, dass sie Licht spendeten, ohne Schatten zu werfen.

Ich legte mir ein dünnes Kieferbrettchen als Arbeitsfläche auf den Schoß. Jamie lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Feldbett, und sein Kopf war mir zugewandt, sodass ich seine Gesichtsfarbe im Blick hatte. Er schlief fest; er atmete langsam und rührte sich nicht, als ich die Spitze einer Sonde gegen seinen Handrücken drückte. Alles bereit.

Die Hand war geschwollen und aufgedunsen und hatte sich verfärbt; die Schwertwunde bildete eine dicke schwarze Linie auf der sonnengoldenen Haut. Ich schloss einen Moment die Augen, hielt sein Handgelenk fest und zählte seine Pulsschläge: Eins und zwei und drei und vier …

Ich betete nur selten bewusst, wenn ich mich auf eine Operation vorbereitete, doch ich suchte nach etwas – etwas, das ich nicht beschreiben konnte, aber immer erkannte; eine gewisse Seelenruhe, jene losgelöste Geistesgegenwart, die es mir möglich machte, auf dem schmalen Grat zwischen Rücksichtslosigkeit und Mitgefühl zu wandeln, zugleich in äußerster Intimität mit dem Körper unter meinen Händen vereint – und doch fähig, das, was ich berührte, im Namen der Heilkunst zu zerstören.

Eins und zwei und drei und vier …

Mit einem Mal bemerkte ich, dass sich mein eigener Herzschlag verlangsamt hatte; der Pulsschlag in meiner Fingerspitze stimmte mit dem in Jamies Handgelenk überein, Schlag um Schlag, langsam und kraftvoll. Wenn ich auf ein Zeichen wartete, so reichte dies wohl aus. Achtung, fertig, los, dachte ich und ergriff das Skalpell.

Ein kurzer Einschnitt oberhalb der Fingerknöchel von Ringfinger und kleinem Finger, dann schnitt ich die Haut abwärts fast bis zum Handgelenk auf. Ich grub mich vorsichtig mit der Scherenspitze unter die Haut, dann schlug ich den losen Hautlappen mit einer der langen Stahlsonden zurück, die ich fest in das Weichholzbrettchen steckte.

Ich hatte einen kleinen Pumpzerstäuber, der mit einer Lösung aus destilliertem Wasser und Alkohol gefüllt war; da es nicht möglich war, sterile Bedingungen herzustellen, benutzte ich ihn, um die Operationsfläche leicht einzunebeln und das erste aufquellende Blut wegzuspülen. Nur nicht zu viel; der Vasokonstriktor, den ich ihm verabreicht hatte, wirkte, aber das würde nicht lange anhalten.

Ich zerteilte vorsichtig die Muskelfasern, die noch intakt waren, um den Knochen freizulegen und die Sehne, die silbern zwischen den anderen Farben des Körpers aufglänzte. Das Schwert hatte die Sehne etwa drei Zentimeter oberhalb der Mittelhandknochen fast ganz zertrennt. Ich zerschnitt die wenigen verbleibenden Fasern, und die Hand reagierte mit einem Zuckreflex, der mich etwas aus der Fassung brachte. Ich biss mir auf die Lippe, doch es war alles in Ordnung; abgesehen von der Hand, hatte er sich nicht bewegt. Er fühlte sich anders an; es war mehr Leben in seinem Gewebe als in dem eines Mannes unter Äther oder Pentothal. Er war nicht anästhesiert, sondern lag nur im Tiefschlaf; seine Haut und seine Muskeln fühlten sich elastisch an, nicht nachgiebig und schlaff, wie ich es zu meiner Zeit im Krankenhaus gewohnt gewesen war. Dennoch war es etwas ganz anderes – und eine unermessliche Erleichterung – als die lebendigen, panischen Zuckungen, die ich im Lazarettzelt unter meinen Händen gespürt hatte.