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Baron von Riedesel war auch dabei; er nahm die Regimentsflaggen an sich. Er würde sie seiner Frau geben, sagte er, die sie in ein Kissen einnähen und nach Braunschweig schmuggeln würde.

All dies interessierte William nicht. Er war von tiefer Trauer erfüllt, denn nie zuvor hatte er Kameraden auf einem Schlachtfeld zurückgelassen, um davonzumarschieren. Und von Beschämung, aber nicht sehr – der General hatte recht; sie hätten keinen weiteren Angriff unternehmen können, ohne den Großteil der Armee zu verlieren, so desolat war ihr Zustand.

Auch jetzt sahen sie desolat aus, während sie schweigend Aufstellung nahmen, doch als Flöte und Trommel zu spielen begannen, folgten die Regimenter ihren Flaggen, in zerlumpten Uniformen – oder den beliebigen Kleidungsstücken, die noch aufzutreiben waren –, die Köpfe hoch erhoben. Der Feind hatte sich auf Gates’ Befehl hin zurückgezogen, sagte der General. Das war sehr diplomatisch, dachte William betäubt; die Amerikaner würden nicht zu Zeugen ihrer Erniedrigung werden.

Rotröcke zuerst, dann die deutschen Regimenter: Dragoner und Grenadiere in Blau, die grün berockte Infanterie und Artillerie aus Hessen-Kassel.

Am Flussufer lagen Dutzende toter Pferde, und der Gestank trug das Seine zum nüchternen Schrecken der Szene bei. Die Artillerie stellte ihre Geschütze dazu, und die Infanterie leerte in endlosen Reihen ihre Patronendosen und stapelte ihre Musketen. Einige der Männer waren so wütend, dass sie die Kolben ihrer Schusswaffen zertrümmerten, bevor sie sie auf die Stapel warfen; William sah, wie ein Trommler das Fell seines Instruments zertrat, bevor er sich abwandte. Er selbst war weder wütend noch entsetzt.

Alles, was er jetzt noch wollte, war, seinen Vater wiederzusehen.

Die Kontinentaltruppen und die Milizen marschierten zum Bethaus von Saratoga und reihten sich von dort aus zu beiden Seiten der Uferstraße auf. Einige der Frauen gingen mit, um die Szene aus einiger Entfernung zu beobachten. Ich hätte im Lager bleiben können, um Zeugin der historischen Kapitulationszeremonie zwischen den beiden Generälen zu werden, doch stattdessen folgte ich den Soldaten.

Die Sonne war aufgegangen, und der Nebel hatte sich zerstreut, genau wie jeden Tag im Lauf der letzten Wochen. Rauchgeruch hing in der Luft, und der Himmel war in endloses Oktoberblau getaucht.

Artillerie und Infanterie standen in ebenmäßigen Abständen an der Straße, doch diese Abstände waren das einzig Förmliche an ihnen. Es gab keine Einheitskleidung, und die Ausrüstung der Männer war genauso individuell – sowohl, was sie dabeihatten, als auch, wie sie es trugen –, doch jeder von ihnen hatte seine Muskete oder sein Gewehr dabei oder stand an der Seite seiner Kanone.

Sie waren in jeder Hinsicht ein zusammengewürfelter Haufen mit ihren Pulverhörnern und Munitionstaschen, einige mit seltsam altmodischen Perücken. Und sie standen ernst und schweigend da, den rechten Fuß vorgesetzt, die rechte Hand an der Schusswaffe, um dem ehrenvollen Abmarsch des Feindes zuzusehen.

Ich stand ein kleines Stück hinter Jamie im Wald und sah, wie sich seine Schultern ein wenig versteiften. William schritt hoch aufgerichtet an ihm vorüber, sein Gesicht das Gesicht eines Mannes, der eigentlich gar nicht da ist. Jamie senkte nicht den Kopf und versuchte auch sonst nicht zu verhindern, dass er zu sehen war – doch ich merkte, wie er kaum sichtbar den Kopf wandte und William und seine Männer mit dem Blick verfolgte, bis er nicht mehr zu sehen war. Dann ließ er die Schultern ein kleines bisschen fallen, als sei eine Last von ihm genommen worden.

Geschafft, sagte diese Geste, obwohl er immer noch so gerade dastand wie das Gewehr an seiner Seite. Gott sei Dank. Er ist in Sicherheit.

Kapitel 70

Schutzrecht

Lallybroch

Roger hätte nicht genau sagen können, was ihn dazu bewog, es zu tun, abgesehen von der friedlichen Atmosphäre der Stelle, doch er hatte damit begonnen, die alte Kapelle wieder aufzubauen. Von Hand und allein, Stein für Stein.

Er hatte versucht, es Brianna zu erklären; sie hatte ihn gefragt.

»Es ist für sie«, sagte er schließlich hilflos. »Es ist eine Art … Ich habe das Gefühl, dass ich ihnen dort nah sein möchte.«

Sie ergriff eine seiner Hände, spreizte seine Finger und fuhr ihm sanft mit dem Daumenballen über die Knöchel, die Finger, berührte die Narben und Schrammen, den geschwärzten Nagel, der unter einen Stein geraten war.

»Sie«, wiederholte sie vorsichtig. »Du meinst meine Eltern.«

»Ja, unter anderem.« Nicht nur die Nähe zu Jamie und Claire, zu dem Leben, das sich ihre Familie aufgebaut hatte. Seinem eigenen Selbstverständnis als Mann – Beschützer, Versorger. Und doch war es dieser angeborene Beschützerinstinkt gewesen, der ihn dazu gebracht hatte, all seine christlichen Prinzipien aufzugeben – und das am Vorabend seiner Ordination – und Stephen Bonnet nachzusetzen.

»Vielleicht versuche ich ja, eine Antwort zu finden«, hatte er mit einem ironischen Lächeln gesagt. »Darauf, wie ich das, was ich einmal für Gewissheit gehalten habe, mit dem in Einklang bringen kann, was ich, glaube ich, heute bin.«

»Ist es etwa nicht christlich, wenn man seine Frau davor retten will, vergewaltigt und in die Sklaverei verkauft zu werden?«, erkundigte sie sich mit einem deutlich gereizten Unterton. »Denn wenn es das nicht ist, konvertiere ich mit den Kindern zum Judentum oder zum Shintoismus oder so.«

Sein Lächeln war herzlich und aufrichtig geworden.

»Ich habe dort etwas gefunden.« Er suchte nach Worten.

»Und einiges verloren«, flüsterte sie. Ohne den Blick von seinen Augen abzuwenden, hatte sie die Hand ausgestreckt, und ihre Fingerspitzen hatten sich kühl auf seinen Hals gelegt. Die Narbe war zwar ein wenig verblichen, doch sie war immer noch als dunkler Streifen zu sehen; er versuchte nicht, sie zu verstecken. Manchmal konnte er sehen, wie die Leute, mit denen er sich unterhielt, die Blicke darauf hefteten; angesichts seiner Körpergröße kam es öfter vor, dass sein Gegenüber seine Worte direkt an die Narbe richtete statt an ihn.

Er hatte sein Selbstverständnis als Mann gefunden, das gefunden, was er für seine Berufung hielt. Und das war es wohl auch, was er unter diesen umgestürzten Steinhaufen suchte, unter den Augen einer blinden Heiligen.

Öffnete ihm Gott eine Tür, wollte Er ihm zeigen, dass er jetzt Lehrer werden sollte? War dies, die Sache mit dem Gälischen, das, was er tun sollte? Er hatte reichlich Platz für seine Fragen, Platz und Zeit und Ruhe. Antworten gab es kaum. Er hatte nun fast den ganzen Nachmittag dort gearbeitet; ihm war heiß, und er war erschöpft und reif für ein Bier.

Jetzt fing sein Blick den Hauch eines Schattens im Eingang auf, und er drehte sich um – Jem oder vielleicht Brianna, die ihn zum Essen holen wollten. Es war keiner von ihnen.

Im ersten Moment starrte er den Neuankömmling an und durchforstete sein Gedächtnis. Zerschlissene Jeans und Sweatshirt, das zerzauste, schmutzig blonde Haar kurz abgehackt. Er kannte diesen Mann doch; das breitknochige, gut aussehende Gesicht kam ihm bekannt vor, selbst unter den dichten hellbraunen Bartstoppeln.

»Kann ich Ihnen helfen?«, fragte Roger und packte den Griff seiner Schaufel. Der Mann kam ihm nicht bedrohlich vor, doch er war schäbig gekleidet und schmutzig – ein Landstreicher vielleicht –, und irgendetwas an ihm rief Beklommenheit in Roger hervor.

»Das ist doch eine Kirche, aye?«, fragte der Mann und grinste, obwohl nichts Warmes in seinen Augen lag. »Dann bin ich wohl hier, um mein Schutzrecht in Anspruch zu nehmen.« Er trat ins Licht, und Roger konnte seine Augen besser sehen. Kalt, ein auffallendes, tiefes, leuchtendes Grün.