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»Admiral!« Captain Smythe machte einen so abgekämpften Eindruck, als hätte er nicht nur eine halbe Stunde, sondern einen ganzen Tag anstrengender Arbeit hinter sich. »Wir helfen den betroffenen Schiffen per Ferndiagnose, aber das sind verdammt viele Schiffe.«

»Dessen bin ich mir sehr wohl bewusst, Captain«, gab Geary zurück. »Wie sieht es auf der Titan aus?«

»Commander Lommand hat die Probleme unter Kontrolle und glaubt, das Schiff wird auch unter Belastung durchhalten.«

»Commander Lommand hat sich bislang immer gut bewährt«, betonte Geary. »Ich bin bereit, ihn beim Wort zu nehmen. Was ist mit der Witch? Kann Captain Tyrosian deren Schilde in den nächsten Minuten hochfahren?«

Die Hilfsschiffe waren bei einem Gefecht immer die größten Sorgenkinder, da man auf ihre Unterstützung zwischen zwei Raumschlachten unmöglich verzichten konnte. Sie verfügten ohnehin über einen nur schwachen Schutz, und jeder weitere Leistungsabfall der Schilde war daher umso beunruhigender.

»Sie arbeitet daran«, sagte Smythe.

Damit blieb nichts anderes zu tun als zu warten und von Zeit zu Zeit einen Blick auf die aktualisierten Statusanzeigen der diversen Schiffe zu werfen, an deren plötzlich ausgefallenen Systemen emsig gearbeitet wurde. Nein, das war eigentlich falsch formuliert, überlegte Geary. Schließlich bedeutete der Begriff »plötzlich«, dass etwas unerwartet kam. In Wahrheit wusste er aber seit einer Weile, dass man diese Schiffe so konzipiert hatte, dass sie die wenigen Jahre bis zu ihrer erwarteten Zerstörung durch die Syndiks gerade eben überstehen konnten. Gearys Auftauchen und das mit ihm verbundene Ende des Kriegs gegen die Syndikatwelten hatten diese Erwartungen über den Haufen geworfen, und nun blieben die Kriegsschiffe viel länger als geplant in einem Einsatz, der mit weiteren Schlachten verbunden war. Die internen Systeme gaben allmählich den Geist auf, da sie längst hätten abgeschaltet werden müssen. Smythe und seine Leute arbeiteten auf Hochtouren daran, die befallenen Komponenten zu verbessern oder auszutauschen, doch das Ganze war ein langer und schwieriger Prozess.

In der Zwischenzeit musste er in eine Schlacht ziehen, obwohl seine Kriegsschiffe nach vier oder auch nur nach zwei Jahren zu »plötzlichen« Systemausfällen neigten.

»An alle Einheiten: Bei Zeit drei null führen Sie das vorgegebene Manöver Alpha One aus.« Es fiel ihm schwer, den Blick von der Titan zu nehmen, während die Sekunden weiter verstrichen. Was würde geschehen, wenn die Titan versuchen sollte, die in Mitleidenschaft gezogene Antriebseinheit zu aktivieren? Das erste Mal, als ihm von der Titan Probleme gemeldet worden waren, hatten die sich auch schon um den Antrieb gedreht. Und jetzt waren sie genau dorthin zurückgekehrt.

Bei jenem ersten Mal war vermutlich sein Großneffe Michael Geary an Bord der Repulse ums Leben gekommen, mit der er versucht hatte, für die Titan ein wenig Zeit herauszuholen.

So etwas würde diesmal nicht geschehen. Auf gar keinen Fall.

»Es ist so weit«, verkündete Desjani, als die Steuerdüsen die Dauntless nach oben schoben, unmittelbar gefolgt vom Schub des Hauptantriebs, der den Schlachtkreuzer aufwärts und nach Backbord lenkte. Gleichzeitig beschrieb gut ein Drittel der anderen Kriegsschiffe seiner in Auflösung befindlichen Flotte die gleiche Flugbewegung.

Die Bärkühe würden diese Manöver nur wenig später sehen, da sie nur noch fünfzig Lichtsekunden voneinander entfernt waren, doch es sollte sie einige Zeit kosten, ehe sie durchschauten, was die Allianz-Flotte vorhatte. Und dann würden sie noch einmal ein paar Sekunden benötigen, um zu entscheiden, wie sie vorgehen sollten.

Zahlreiche Schiffe nahmen rings um die Dauntless ihre Positionen ein, die nach wie vor das Leitschiff für diesen Teil der Flotte war. Ein anderes Drittel hatte sich nach Steuerbord verlagert, um sich um die Leviathan von Captain Tulev zu scharen, während der Rest der Streitmacht ein Stück weit abtauchte und dabei der Illustrious von Captain Badaya folgte.

Die Titan folgte Captain Badayas Flottenteil, genauso wie die Kupua, die Alchemist und die Cyclops. Die Kriegsschiffe rund um Tulevs Leviathan wurden von der Tanuki, der Domovoi, der Witch und der Jinn begleitet. Unterdessen hatten sich die vier Sturmtransporter Tsunami, Typhoon, Mistral und Haboob um die Dauntless herum angeordnet. »Wenn die Kiks sich die leichter bewaffneten Versorgungsschiffe vornehmen wollen, können sie sich nicht darauf beschränken, sich auf eine einzelne der drei Formationen zu konzentrieren«, stellte Desjani fest. »Schön gemacht.«

Die Kriegsschiffe rings um die Dauntless nahmen eine ovale Formation ein, wobei die Sturmtransporter sich auf der von den Bärkühen abgewandten Seite in Position brachten. Die Flugbahn dieses Ovals beschrieb eine lang gestreckte Kurve, die auf die Kik-Armada zuführte.

Die Schiffe der Allianz bewegten sich mit 0,15 Licht durch den Raum, während die Bärkühe bis auf 0,23 Licht beschleunigt hatten, was vor dem jetzigen Kurswechsel eine Annäherungsgeschwindigkeit von 0,08 Licht zur Folge gehabt hatte. Da alle Allianz-Formationen aber zwischenzeitlich gewendet hatten und auf ihre Verfolger zuhielten, stieg die Annäherungsgeschwindigkeit damit auf fast 0,4 Licht. Geary beobachtete, wie die Positionen der Kik-Kriegsschiffe auf seinem Display von klar definierten Lichtpunkten zu verwischten Klecksen wurden, da die enorme kombinierte Geschwindigkeit für Verzerrungen der Realität sorgten, die selbst mit den besten technischen Mitteln nicht ausgeglichen werden konnten. Die Allianz-Schiffe jagten an den Bärkühen vorbei, ehe der Gegner überhaupt richtig verstehen konnte, was um ihn herum geschah.

»Sie fliegen stur geradeaus weiter«, meldete Desjani. »Ihr Ziel sind die Spinnenwölfe.«

»Dann wollen wir mal unseren neuen Freunden helfen.« Geary schickte neue Befehle an die Flotte. »Sofort ausführen: Alle Einheiten in Gamma One One, drehen Sie eins neun null Grad nach Steuerbord und null zwei Grad nach unten. Einheiten in Gamma One Two, drehen Sie eins acht fünf Grad nach Steuerbord. Einheiten in Gamma One Three, drehen Sie eins drei Grad nach oben.« Er schaltete auf die individuellen Komm-Kanäle um. »Captain Tulev, Captain Badaya, sobald Ihre Formationen auf ihrem neuen Kurs sind, arbeiten Sie eigenständig. Konzentrieren Sie sich darauf, die Begleitschiffe auszuschalten.«

Desjani sah ihn erstaunt an. »Sie befehlen den Formationen von Tulev und Badaya nicht, was sie zu tun haben?«

»Nein. Nach allem, was wir über diese Kiks herausgefunden haben, glauben sie an das Prinzip, dass nur einer das Sagen hat. Wenn alle Schiffe meinen Befehlen folgen, dann erfüllen wir ihre Erwartungen, und es wird ein Kampf, bei dem ein Verstand gegen einen anderen arbeitet. Würde jedes unserer Schiffe völlig eigenständig handeln, dann wären sie uns mit ihren aufeinander abgestimmten Aktionen überlegen.«

Sie nickte verstehend. »Aber drei Formationen erlauben es uns, ihnen drei schwere Schläge gleichzeitig zu verpassen, während die Kiks es gleich mit drei Widersachern zu tun haben, die zwar zusammenarbeiten, aber dabei dennoch individuell agieren.«

»Vier Widersacher«, korrigierte Geary sie. »Vorausgesetzt, die Spinnenwölfe versuchen nicht bloß, dem Kampf aus dem Weg zu gehen. Ich hoffe, das unterschiedliche Temperament der Formationsbefehlshaber verwirrt die Bärkühe noch etwas mehr. Tulev arbeitet methodisch und konstant, während Badaya schnell und wagemutiger ist.«

»Und Sie selbst sind unberechenbar«, ergänzte Desjani.