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»Es geht los«, merkte Desjani an, als die Gefechtssysteme in Gearys Unterformation ebenfalls kinetische Projektile ins All schossen, sodass die Bärkühe fast von allen Seiten gleichzeitig mit Steinen attackiert wurden.

Die letzten Sekunden verstrichen, während die Kik-Armada auszuweichen versuchte, ohne dabei allerdings die Verfolgung von Badayas Formation aufgeben zu wollen. Der Commander der Bärkühe war einen Kompromiss eingegangen, wie Geary unmittelbar vor dem Kontakt erkannte. Er hatte versucht, sein Ziel nicht aus den Augen zu lassen und dennoch irgendwie ein Ausweichmanöver zu fliegen. Solche Kompromisse — also das Unvermögen, sich nur für den einen oder nur für den anderen Weg zu entscheiden — waren schon unzähligen menschlichen Befehlshabern zum Verhängnis geworden.

Er sah, wie eines der fünf überlebenden Superschlachtschiffe von mehreren Treffern erschüttert wurde. Die eigentlich leistungsfähigen Schilde brachen unter dem Ansturm der Projektile zusammen, und dann raste einer der besonders großen Steine in das Raumschiff und zerriss es in Stücke. Im nächsten Moment hatte Gearys Unterformation die Armada auch schon wieder durchflogen und hinter sich gelassen.

Diesmal spürte Geary, dass die Dauntless nur wenige Treffer abbekam, und einen Augenblick später strömten die Schadensmeldungen auf sein Display — von Tulevs Unterformation, von Duellos’ kleiner Eingreiftruppe, von Badayas Eskortschiffen.

Ihm stockte der Atem, als er ein gefürchtetes Symbol aufblinken sah, neben dem mehrere Namen aufgelistet wurden. Kein Kontakt mehr. Als zerstört eingestuft. Die Brilliant. Ein leidgeprüftes Schiff, seit Captain Caligo wegen einer Verschwörung mit Captain Kila verhaftet worden war. Kaum zu glauben, dass der Schlachtkreuzer nicht mehr existieren sollte. Die Schweren Kreuzer Emerald und Hoplon, der Leichte Kreuzer Balestra, die Zerstörer Plumbatae, Bolo, Bangalore und Morningstar. Nicht alle diese Allianz-Schiffe waren in den Sekundenbruchteilen ausgelöscht worden, die der Schlagabtausch mit der feindlichen Armada gedauert hatte, sodass sich ihre Besatzungen nicht mehr hätten retten können. Einige von ihnen hatten allen Schäden zum Trotz lange genug überlebt, um der Crew Zeit zu geben, an Bord der Rettungskapseln zu entkommen, die nun geborgen werden mussten.

Immerhin hatten die Kiks ihren Starrsinn teuer bezahlt. Selbst die Superschlachtschiffe konnten nur einem gewissen Beschuss standhalten, und die wiederholten Salven unmittelbar nach der Lawine aus kinetischen Projektilen hatten genügt, um die Armada in die Knie zu zwingen. Zwei der vier überlebenden Superschlachtschiffe waren nichts weiter als im All treibende Wracks, ein drittes war so flugunfähig, dass es bereits von den Kriegsschiffen der Spinnenwölfe bestürmt wurde, die auf seine Zerstörung hinarbeiteten. Ein viertes Schiff trudelte davon und versuchte, die Kontrolle über die Steuerung zurückzuerlangen, was angesichts einer zerrissenen Hauptantriebseinheit so gut wie unmöglich war. Die kleineren Kriegsschiffe der Bärkühe waren drastisch dezimiert worden; die gut vierzig verbliebenen Schiffe nahmen in aller Eile Kurs auf denjenigen Sprungpunkt, durch den sie ins System gelangt waren.

Sie hatten es geschafft, aber als sich Geary in seinen Sessel sinken ließ, verspürte er kein Triumphgefühl.

»Es ist vollbracht«, stellte Desjani fest, doch auch ihre Stimme klang gedämpft, und nicht wie die eines Siegers.

»Ja«, stimmte er ihr zu. »Ist Frieden nicht eine tolle Sache?«

»Kommt mir mehr wie Krieg vor«, meinte sie.

Geary rappelte sich auf. Als Erstes mussten die Rettungskapseln eingesammelt werden, um die Überlebenden der zerstörten Schiffe zu bergen. Viele von ihnen waren vermutlich verletzt und bedurften medizinischer Hilfe. »Zweites und Fünftes Leichtes Kreuzergeschwader, bergen Sie alle Rettungskapseln. Geben Sie mir sofort Bescheid, wenn Sie dabei Unterstützung benötigen.« Damit war diese vordringliche Aufgabe in Angriff genommen. Nun musste nur wieder Ordnung in die Flotte gebracht werden, wozu gehörte, zunächst einmal die Schäden der Schwere nach zu beheben und den überlebenden Schiffen die Hilfe zukommen zu lassen, die sie am dringendsten nötig hatten…

»Admiral«, sagte Desjani auf eine Weise, die ihn aufhorchen ließ.

Das letzte überlebende Superschlachtschiff hatte inzwischen seine Flugbewegungen halbwegs unter Kontrolle gebracht, aber die Steuerdüsen hatten ihre Arbeit eingestellt, obwohl es sich immer noch um seine eigene Achse drehte.

»Es sitzt auf dem Präsentierteller«, äußerte sich Desjani.

»Sollen die Spinnenwölfe sich…«, begann Geary, setzte sich dann aber wieder gerader hin. »Es kann nicht entkommen.«

»Ob sie die Selbstzerstörung einleiten werden?«, fragte sich Desjani.

»Wir haben bislang bei keinem ihrer Schiffe eine Selbstzerstörung beobachten können. Außerdem sind keine…« Er unterbrach sich, da ihm auf einmal etwas bewusst wurde. »Wir haben nicht eine einzige Rettungskapsel aus einem der von uns zerstörten Kik-Schiffe kommen sehen.«

»Ich schätze, sie betrachten so was als unnötige Ausgaben. Wenn man Milliarden von Bärkühen hat, die blindlings tun, was man ihnen sagt, warum sollte man sich dann die Mühe machen, hier und da ein paar von ihnen zu retten. Die Herde ist immer noch stark.« Dann hob Desjani einen Finger. »Aber, Admiral, wenn sie dieses Superschlachtschiff nicht zerstören wollen oder können, dann ist es unser gutes Recht, es zu entern und in Besitz zu nehmen.«

Ein riesiges Raumschiff vollgestopft mit der Technologie der Bärkühe, mit ihren Überlebenden, ihrer Literatur, ihrer Geschichte, Kunst, Wissenschaft…

»Es wird nicht einfach werden, das Schiff einzunehmen«, stellte Geary fest.

Dennoch wusste er, dass ihnen nichts anderes übrig blieb, als es zu versuchen.

Acht

»Sagen Sie ihnen, sie sollen es in Ruhe lassen!«, verlangte Geary.

Die Bilder von General Charban und der Gesandten Rione, die die ganze Zeit darum bemüht waren, mit den Spinnenwölfen zu kommunizieren, sahen sich kurz an. »Wir sind uns nicht sicher, ob wir bereits in der Lage sind, ihnen etwas Derartiges zu vermitteln«, antwortete Charban diplomatisch.

»Dann versuchen Sie es. Sie haben doch diese zivilen Experten, die mit Ihnen zusammenarbeiten, nicht? Vermitteln Sie ihnen gemeinsam eine entsprechende Nachricht. Wir wollen nicht, dass das Kriegsschiff der Bärkühe zerstört wird. Es gehört uns!«

Etliche Kriegsschiffe der Spinnenwölfe hatten sich um das flugunfähige Superschlachtschiff geschart, aber da es noch immer über Schilde, Panzerung und Waffen verfügte, verharrten die Spinnenwölfe in sicherer Entfernung zu ihm. Die übrigen dagegen prügelten buchstäblich auf jene Bärkuh-Kriegsschiffe ein, die unverändert beschleunigten und auf den Sprungpunkt zuhielten. Sie würden noch fast einen Tag benötigen, ehe sie dort eintrafen, auch wenn sie sich noch so sehr beeilten. Doch die Spinnenwölfe wollten sicherstellen, dass sie es sich nicht noch einmal anders überlegten.

Nachdem Geary die Verbindung zu Charban und Rione beendet hatte, lehnte er sich zurück und rieb sich die Stirn. Nur widerstrebend ließ er seinen Blick zum Display wandern, um sich die neuesten Informationen anzusehen. Die Allianz-Flotte fand allmählich wieder zusammen, um ihre Wunden zu lecken. Zerstörer und Leichte Kreuzer jagten durch das weitläufige Gebiet, in dem sich die jüngste Schlacht abgespielt hatte, um die Rettungskapseln der zerstörten Allianz-Schiffe einzusammeln. Geary hatte bislang nicht ein einziges zerstörtes Schiff der Spinnenwölfe entdecken können, was für ihn angesichts der eigenen Verluste Anlass für eine gewisse Verbitterung gewesen war. Doch dann spielte er die Aufzeichnung vom letzten Sturm auf die Bärkühe ab und musste feststellen, dass die Spinnenwölfe sich ihm angeschlossen hatten und mit ins Herz der Kik-Armada geflogen waren, um die Front des Gegners zu knacken. Dabei hatten sie selbst auch etliche Schiffe verloren. Die kleinen Rettungsboote dieser Schiffe waren gleich nach dem Ausstoß von anderen Spinnenwolf-Schiffen aufgelesen worden.