»Bis jetzt«, warf Rione mit einem schiefen Lächeln ein.
»Aber, Sir, ich…«
Navarro lachte erleichtert auf und sah zu Rione. »Sie hatten recht, er will das wirklich nicht.« Dann drehte er sich wieder zu Geary um. »Wissen Sie, wie viele Admiräle seit Kriegsbeginn um diese Beförderung gebettelt haben? Sie dagegen wollen sie gar nicht erst annehmen.«
»Sir«, versuchte er einen weiteren Anlauf. »Ich besitze dafür gar nicht die nötige Qualifikation.«
»Meinen Sie? Dann werfen Sie mal einen Blick in Ihre Dienstakte, Mann. Eigenständiges Kommando unter den denkbar schwierigsten Umständen, und dazu dort Erfolge, wo jeder andere gescheitert wäre.« Diesmal warf Navarro Admiral Timbale einen Blick zu, der mit einem Nicken reagierte. »Sie haben sich nicht genommen, was Sie sich hätten nehmen können, Captain Geary, aber wir vermuten, dass es auch weiterhin Versuche geben wird, Sie in diese Richtung zu drängen und in den Mittelpunkt zu rücken. Indem Ihnen diese Beförderung zuteil wird, sollten diejenigen zufriedengestellt werden, die wollen, dass Ihnen mehr formale Macht eingeräumt wird, und es sollte helfen, die Gefahr für die Regierung einzudämmen.«
Wieder nickte Timbale, diesmal noch nachdrücklicher. »Ich glaube, das sehen Sie richtig, Sir. Das Personal der Flotte wird es so wahrnehmen, dass seine Sorgen und Bedürfnisse zur Kenntnis genommen worden sind.«
»Vielen Dank, Admiral. Also, Flottenadmiral Geary, werden Sie das hier nun annehmen?«
Angesichts der von Navarro angesprochenen Punkte bekam Geary ein schlechtes Gewissen, weil das Erste, was ihm durch den Kopf ging, nicht der Gedanke war, für diesen Posten hoffnungslos unterqualifiziert zu sein. Seine Hauptsorge war vielmehr etwas rein Persönliches.
Rione beobachtete ihn eine Weile und fragte schließlich: »Was müssen wir tun, damit Sie diese Beförderung annehmen, Captain Geary?«
Er sah zu ihr. Er wusste, dass sie seine größte Sorge kannte, und er fragte sich, ob sogar Rione ihn mit diesem Wissen aufziehen würde. Aber ihre nächsten Worte zeigten, dass es für sie einen anderen Grund für ihre Frage gab. »Sollte es vielleicht nicht auf Dauer sein?«
Geary klammerte sich an diesen Vorschlag wie ein ertrinkender Seemann an einen Rettungsring. »Ja, genau. Eine vorübergehende Beförderung.«
»›Vorübergehend‹?«, wiederholte Navarro verwundert. »Und wie lange soll das sein?«
»Bis… zum Kriegsende. Wenn der Krieg vorüber ist und ich die Flotte nach Abschluss ihrer Missionen nach Hause bringe, werde ich diesen vorübergehenden Dienstgrad wieder ablegen, den Befehl über die Flotte abgeben und meinen Dienstgrad des Captains dauerhaft zurückerhalten.«
Admiral Timbale sah ihn erstaunt an. »Ihnen ist doch klar, dass für uns alles, was auf dem Kriegsende basiert, dauerhaft ist, nicht wahr?«
»Aber nicht für mich, Admiral.« Geary bedachte Navarro mit einem flehenden Blick. »Kann ich diese Bedingung an die Beförderung knüpfen? Als Versprechen der Regierung?«
Navarro dachte kurz nach, dann zuckte er mit den Schultern. »Natürlich. Ich werde das in Ihre Akte aufnehmen. Wenn der Krieg vorüber ist und Sie mit der Flotte ins Allianz-Gebiet zurückgekehrt sind, werden Sie automatisch in den dauerhaften Rang eines Captains zurückgestuft, und gleichzeitig geben Sie das Kommando über die Flotte ab.«
Sekundenlang zögerte Geary, da er sich fragte, wieso Navarro so schnell zugestimmt hatte. Aus seiner Erfahrung wusste er, dass die Leute Black Jack Geary nicht so leicht davonkommen ließen, wenn sie ihn für irgendetwas brauchten. Aber er konnte sich nicht gegen einen Befehl der Regierung stellen, wenn die bereits Bedingungen zugestimmt hatte, die zu stellen er eigentlich gar nicht befugt war. »Gut, Sir.«
Wieder streckte Navarro ihm die Hand hin. »Dann nehmen Sie die Abzeichen, Captain. Oh, entschuldigen Sie. Dann nehmen Sie die Abzeichen, Flottenadmiral.«
Geary ließ sich die goldenen Supernovae geben und starrte sie eine Zeit lang einfach nur an.
Rione stellte sich zu ihm und drückte ihm die Hand zu, dann sagte sie leise: »Lassen Sie sich von Ihrem Captain helfen, sie an Ihrer Uniform zu befestigen. Das wird sie glücklich machen. Es war nicht meine Idee, aber als der Vorschlag gemacht wurde, habe ich mich mit Nachdruck dafür ausgesprochen.«
Navarro lächelte Geary an. »Viel Glück, Flottenadmiral. Das ist schon eigenartig. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, als eine niedere Lebensform angesehen zu werden, der man nicht vertrauen kann, dass sie wirklich im Interesse der Allianz entscheidet. Und jetzt hoffe ich auf einmal, dass ich Sie nicht enttäuschen werde, weil Sie ernsthaft daran glauben, dass ich mehr bin als nur diese Lebensform.«
Eine weitere Last fiel von ihm ab, als sein Shuttle die Station Ambaru wieder verließ und die Marines völlig entspannt im hinteren Abteil saßen. Hätte er nicht immer noch die Abzeichen in der Hand gehalten, dann hätte er sich vermutlich gefühlt, als schwebe er auf Wolke Sieben. Die goldenen Supernovae verhinderten das, da sie ihn nach unten zogen, als hätten sie die gleiche Anziehungskraft wie echte Sterne.
»Sir«, rief der Pilot ihm zu. »Die Dauntless bittet um routinemäßige Identifizierung der Passagiere und ihres Status. Sind Sie… immer noch… ähm…«
Geary fiel auf, dass er und Rione noch niemandem ein Wort gesagt hatten. »Oh, entschuldigen Sie. Ja, ich bin immer noch Befehlshaber der Flotte.«
»Den lebenden Sternen sei… Ich wollte sagen, danke, Sir!«
»Sie wird es im ganzen Sternensystem herumerzählen«, merkte Rione leise an.
»Ich gehe davon aus, dass es in Kürze ohnehin eine offizielle Bekanntmachung geben wird«, erwiderte Geary achselzuckend.
»Das wird nicht das Einzige sein, was sie bekanntgeben werden, Captain Geary.« Dann lehnte sie sich zurück, schloss die Augen und schien sich zu entspannen.
Der vertraute Rumpf der Dauntless rückte schnell näher und schob sich abrupt aus dem Blickfeld, da das Shuttle mit einer zusätzlichen Drehung andockte, als würde es sich auch über die jüngsten Ereignisse freuen. Geary verließ allen voran das Shuttle und lächelte, als er sah, dass Desjani am Fuß der Rampe auf ihn wartete. Sie nickte ihm zu und erwiderte das Lächeln, das sich ein wenig verzog, als ihr Blick auf Rione fiel, während Geary den Sideboys salutierte, die zu Ehren des an Bord zurückgekehrten Flottenbefehlshabers aufgestellt worden waren.
»Da wären wir«, verkündete Rione, als sie das Ende der Rampe erreicht hatten. »Einmal John Geary, unversehrt und wohlbehalten, ohne Kratzer oder Ähnliches.«
Desjani hielt den Blick auf Geary gerichtet. »Sie behalten das Kommando über die Flotte? Wie lange?«
»Bis meine Mission abgeschlossen ist«, erwiderte er.
Was das bedeutete, wusste Desjani, weshalb auch ein Leuchten ihre Augen erfüllte. »Willkommen zurück an Bord, Sir. Wann brechen wir auf?«
Geary sah, dass Rione in eine andere Richtung davonging, während er mit Desjani den Weg zu seinem Quartier einschlug. »Frühestens in einer Woche. Erst müssen die Reparaturen erledigt sein, und wir benötigen Vorräte aller Art, außerdem muss das Personal aufgestockt werden.«
»Ja, das ist alles dringend nötig.« Desjani sah in die Richtung, in die sich Rione entfernt hatte. »Musste sie hierher zurückkommen? Gab es nicht irgendeinen Asteroiden oder Planeten oder ein Straflager, wo sie dringend benötigt wird?«
»Wahrscheinlich wird sie uns wieder begleiten, Tanya«, ließ Geary sie wissen und versuchte, nicht zu lächeln, als er sah, wie sie zusammenzuckte. »Es werden auch noch einige andere Senatoren mitkommen, allerdings weiß ich nicht, wer das sein wird.«
»Ich glaube, ich hätte lieber einen Haufen Syndiks an Bord. Vertraut man Ihnen nicht?«
»Doch, das tun sie.« Er zögerte, da er sich noch nicht in der Lage fühlte, Desjani von der Beförderung zu erzählen. »Der Große Rat hat beide Vorschläge angenommen. Erst nehmen wir uns die Syndiks vor, und wenn die Umstände es zulassen, werden wir ein paar Worte mit den Aliens reden.«