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Dort, wo sich Captain Cresidas Platz befunden hatte, saß nun ein Captain von einem der neuen Schlachtkreuzer. Er war ein Ersatz, aber gleichzeitig war er genau das nicht. Wenigstens waren Captain Duellos und Captain Tulev anwesend, zwei standhafte, zuverlässige Kommandanten. Und Desjani befand sich mit Geary in diesem Raum.

»Um die Sicherheit für unsere Pläne zu gewährleisten, werde ich bei Atalia weitere Befehle ausgeben«, fuhr Geary fort. »Es gefällt mir nicht, Sie bis dahin alle im Ungewissen zu lassen, aber es ist von entscheidender Bedeutung, dass unsere Pläne geheim bleiben. Gibt es irgendwelche Fragen?«

Die meisten Offiziere machten einen enttäuschten Eindruck, bekundeten aber mit einem Kopfschütteln, dass für sie alles klar war. Die Befehlshaber dagegen, die sich erst bei Varandal der Flotte angeschlossen hatten, schauten sich verständnislos um. Geary wusste, was sie von ihm erwarteten, nämlich eine ausführliche Vorstellung seines Plans und das anschließende Bemühen, die Offiziere seiner Flotte davon zu überzeugen, damit er ihre Unterstützung bekam. Sie erwarteten politisches Taktieren, bis der Flottenkommandant das Gefühl hatte, genügend Untergebene auf seiner Seite zu haben, um dann eine Abstimmung durchzuführen. Diese Angewohnheit hatte er schnellstens über Bord geworfen, trotzdem waren Flottenkonferenzen lange Zeit ein zermürbendes Unterfangen gewesen.

»Flottenadmiral Geary«, meldete sich Captain Olisa vom Schlachtkreuzer Ascendant zu Wort. Sein Tonfall schwankte zwischen Respekt und Herausforderung. »Flottenoffiziere sind es gewöhnt, zu diesem Zeitpunkt mehr Informationen über einen vorgeschlagenen Plan zu erhalten.«

Geary reagierte mit einem höflichen, aber entschlossenen Blick. »Meine Pläne werden nicht vorgeschlagen, Captain, sondern gefasst. Ich werde Sie mehr wissen lassen, sobald ich das vertreten kann.«

»Aber wir müssen darüber diskutieren, was…«

Leidenschaftslos fiel Tulev ihm ins Wort: »Flottenadmiral Geary hat nichts gegen Vorschläge und Anmerkungen einzuwenden, Isvan. Ich kann Ihnen versichern, dass er sich alles anhört, was Sie zu sagen haben. Aber er handelt nicht so, wie Sie es gewöhnt sind. Er folgt dem Pfad unserer Vorfahren.«

»Unserer Vorfahren?« Olisa verzog den Mund, nickte dann aber. »Ich hatte schon davon gehört, dass sich einiges geändert hat. Allerdings wird es eine Weile dauern, sich an alles zu gewöhnen.«

»Das kann ich verstehen«, erwiderte Geary. »Ich musste mich auch erst an einige Dinge gewöhnen.«

»Können Sie unsere Mission bestätigen, Flottenadmiral Geary?«, fragte Captain Armus von der Colussus. »Ist es wirklich unser Ziel, den Krieg zu beenden?«

Geary wog seine Antwort gründlich ab. Armus hatte sich gelegentlich als schwierig erwiesen, und er war alles andere als ein beseelter Offizier. Allerdings war er tapfer und befolgte die ihm erteilten Befehle. Im Moment verhielt er sich zudem respektvoll und angemessen, was ein entsprechendes Auftreten ihm gegenüber rechtfertigte. Schließlich nickte Geary. »Das ist korrekt. Unsere Absicht ist es, die Syndiks in eine Ecke zu treiben und sie dort festzusetzen, bis sie sich damit einverstanden erklären, die Kämpfe einzustellen. Es geht nicht nur um einen Waffenstillstand, sondern um ein Ende des Kriegs.«

Captain Badaya, der sich seit Gearys Beförderung überheblich und zufrieden zugleich zu geben schien, nickte bestätigend, als hätte Geary ein Geheimnis mit ihm geteilt. »Indem wir Ihren Plan anwenden, Flottenadmiral Geary.«

»Ja, richtig. Ich verspreche Ihnen, bei Atalia werden Sie alle viel mehr Details erfahren.«

Während sich die Bilder der Offiziere auflösten, bemerkte Geary, dass die beiden neuen politischen Beobachter zurückblieben, als ob sie noch irgendetwas erwarteten. »Ja, Senatoren?«

Costa lächelte Geary flüchtig an. »Jetzt, da die anderen weg sind, können Sie uns informieren.«

Desjani schien sich auf die Unterlippe zu beißen, um sich von einem Kommentar abzuhalten, während Geary nach der passenden diplomatischen Erwiderung suchte.

Plötzlich drehte sich Rione zu Costa um und sagte: »Ich werde sie auf den aktuellen Stand bringen, Flottenadmiral Geary.«

War das ihr Ernst? Er hatte Rione nicht in die Details seiner Pläne eingeweiht. Hatte sie die Sicherheitsvorkehrungen überwunden, um auf seine Daten zuzugreifen? Dann jedoch zwinkerte sie ihm so zu, dass die beiden Senatoren davon nichts mitbekommen konnten. »Okay«, meinte er. »Captain Desjani?«

Er und Desjani verließen zügig den Raum, während er sich fragte, was Rione den anderen wohl erzählen würde, um sie ruhigzustellen. »Möchte wissen, ob es eine Möglichkeit gibt, diese beiden aus der Konferenzsoftware herauszunehmen.«

»Wenigstens haben Sie diese Politikerin, die sich um sie kümmern kann«, grummelte Desjani. »Mögen die Vorfahren mir diese Worte verzeihen, aber im Augenblick bin ich tatsächlich dankbar dafür, dass sie an Bord ist.«

»Das wird schon wieder«, versicherte er ihr ironisch.

»Ja, und hoffentlich schon sehr bald«, stimmte Desjani ihm zu. »Werden Sie für den Sprung nach Atalia auf die Brücke kommen?«

»Selbstverständlich.« Geary schwieg kurz. »Davon hängt eine Menge ab. Aber erst sollte ich noch etwas anderes erledigen.«

»Dorthin bin ich auch unterwegs.« Sie begaben sich tief ins Innere der Dauntless, in den am besten geschützten Teil des Schiffs, wo sich die religiösen Zwecken dienenden Räumlichkeiten befanden. Desjani verabschiedete sich vor einem der Räume, wobei sie ihm einen Moment lang in die Augen sah, ehe sie die Tür hinter sich schloss.

Er setzte sich in seinem Raum auf die traditionelle Holzbank und fragte sich zum ersten Mal, von welcher Welt dieses Holz wohl stammte. Auf vielen Welten fanden sich Bäume und ähnliche Vegetation, und die Menschheit hatte von den langen Reisen durch die Weite des Alls sehr viele Pflanzen mitgebracht. Geary zündete die einzelne Kerze an, dann saß er da und betrachtete eine Weile die Flamme. Es fiel ihm schwer, seine vielen Empfindungen in Worte zu fassen, aber schließlich sprach er leise. »Ich bitte nicht um Erfolg für mich, sondern für alle, die auf mich zählen. Bitte helft mir, diesem Krieg ein Ende zu setzen. Wenn es mein Schicksal ist, auf dieser Mission zu sterben, dann sorgt bitte dafür, dass Tanya Desjani unversehrt nach Hause zurückkehren kann.«

Eine halbe Stunde später saßen er und Desjani auf der Brücke der Dauntless und sahen mit an, wie die in drei Unterformationen aufgeteilte, gefechtsbereite Flotte den Sprung nach Atalia unternahm.

Vier

Vier Tage später kehrte die Allianz-Flotte am Sprungpunkt bei Atalia in den Normalraum zurück.

»Was soll denn das?«, war Gearys erste Reaktion, als die Sensoren der Flotte die Situation aktualisierten.

Der Sprungpunkt wurde nicht durch Minen blockiert, weder in unmittelbarer Nähe des Sprungpunkts noch weiter entfernt zog eine Kriegsflotte ihre Bahnen. Stattdessen hielt sich vier Lichtminuten entfernt eine große Gruppe von Handelsschiffen auf, als hätten sie dort auf die Ankunft der Allianz-Kriegsschiffe gewartet.

Desjani legte verwundert die Stirn in Falten, während sie den Wachhabenden auf der Brücke befahclass="underline" »Finden Sie über diese Handelsschiffe heraus, was Sie in Erfahrung bringen können!«

»Captain«, meldete sich der Ablauf-Wachhabende. »Jedes dieser Handelsschiffe ist von einer Reihe kleinerer Schiffe umgeben, bei den größeren sind es zum Teil bis zu zwanzig Stück.«