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»Ich selbst bin ja nicht schnell von Worten beeindruckt, aber was sie gesagt hat und vor allem wie sie es gesagt hat, das hätte sogar mich dazu gebracht, mein Handeln noch einmal zu überdenken«, gab Rione amüsiert zurück.

»Danke.« Geary verdrängte die wieder auflebenden Gedanken an seinen Großneffen Michael Geary und befahl den Gefechtssystemen, alle Ziele auszunehmen, bei denen es sich um Kasernen oder um Wohnquartiere für Arbeiter handelte oder wo diese zu dicht bei geeigneten Zielen gelegen waren. Auch wenn Desjani nicht sehr glücklich über die eingeschränkte Auswahl war, hatte sich dennoch eine zwar nicht große, dennoch brauchbare Anzahl an Zielen ergeben. Geary hielt kurz inne, dann ergänzte er diese Liste um ein paar verstreut liegende Punkte auf den völlig planen Segelflächen. »Wollen wir ihnen doch mal ein bisschen ihr Urlaubsparadies verunstalten.«

»In den tieferen Regionen einige Kilometer unter dem Eis ist flüssiges Wasser vorhanden«, ließ Desjani ihn wissen. »Warum bohren wir nicht ein bisschen tiefer, einfach nur zum Spaß?«

Ein so tiefes Loch mitten im Segelgebiet würde die Syndik-Führung ganz sicher verärgern, und es würde lange Zeit daran erinnern, dass es der Allianz möglich gewesen ist, hier im Heimatsystem zuzuschlagen. »Klar, warum nicht?« Die Stunden, die sie mittlerweile damit verbrachten, sich möglichst unauffällig der abgewandten Seite der Sonne zu nähern, waren sehr angespannt, da sie sich unwillkürlich ständig fragten, ob die Syndik-Politiker wohl das Hypernet-Portal kollabieren lassen würden, noch bevor ihre eigene Flotte sie erreicht hatte, nur um ganz sicherzugehen, dass die Allianz-Schiffe auch tatsächlich vernichtet wurden. Ein kilometertiefes Loch in die Eisdecke eines gefrorenen Ozeans zu schlagen, war vielleicht genau das Richtige, um diese Anspannung ein wenig abzubauen. Die Gefechtssysteme hatten dafür schnell eine Feuerlösung errechnet, die darin bestand, mehrere kinetische Salven kurz hintereinander an immer der gleichen Stelle einschlagen zu lassen. »Überprüfen Sie bitte diese Feuerlösung. Ich möchte nicht versehentlich eine Stelle unter Beschuss nehmen, an der sich Kriegsgefangene aufhalten könnten.«

Desjani sah sich den Plan an und reichte ihn dann vorsichtshalber an einen ihrer Wachhabenden weiter. »Ich glaube, etwas Besseres kriegen wir nicht hin, Sir. Wir sind nicht sehr weit vom Planeten entfernt, aber die kinetischen Geschosse werden sie früh genug entdecken, um die Zielgebiete zu evakuieren.«

Er genehmigte die Bombardierung, und dann wurde einmal eine Welle aus kinetischen Geschossen von den Schiffen der Allianz-Flotte ausgestoßen. Für einen Moment veränderte Geary den Maßstab seines Displays, um nach den anderen Steinen zu sehen, die sie vor über zwei Tagen gestartet hatten und die immer noch auf dem Weg zu ihren Zielen waren. »Gut. So viel zum Winterwunderland der Syndiks. Dann werden wir jetzt so tun, als würden wir als Nächstes das Gleiche mit der vorrangig bewohnten Welt machen.«

Desjanis Laune schien sich dank des jüngsten Feuerbefehls etwas gebessert zu haben. »Die versuchen uns dazu zu verleiten, dass wir sie verfolgen, und wir machen das Gleiche mit ihnen, aber beide haben wir es in Wahrheit auf etwas ganz anderes abgesehen.«

»Ich habe mit… jemandem darüber gesprochen, und der meinte, dass CEO Shalin vermutlich nichts von den Plänen der Syndik-Führer weiß.«

Sein kläglicher Versuch, Riones Namen aus dem Spiel zu lassen, konnte Desjani nicht täuschen, die daraufhin wieder den Mund verzog. »Man muss schon Politiker sein, um andere Politiker zu verstehen.«

Costa war unterdessen auf die Brücke gekommen, ihre Miene verriet keine Regung. Sie musste Gearys Bemerkung gehört haben, nicht aber Desjanis gemurmelte Bemerkung. »Ich sehe das so wie Ihre Quelle, Admiral. Es ist nicht anzunehmen, dass CEO Shalin eingeweiht wurde. Man wird ihn bestraft haben«, erklärte sie geradeheraus. »Ich habe eine Weile damit verbracht, mir seine Mitteilung anzusehen, bis ich in der Lage war, meine eigene Wut zu ignorieren, um das beurteilen zu können, was er über sich selbst verschweigt. Sehen Sie sich genau an, welchen Eindruck er von sich vermittelt. Trotz seiner Ehrenabzeichen und des arroganten Auftretens wird deutlich, dass ihm die jüngere Vergangenheit geistig und körperlich zugesetzt hat. Er hat Ihre Flotte entkommen lassen, und er weiß genau, er ist ersetzbar.«

Rione sah Costa fragend an. »Meinen Sie, wir könnten mit ihm etwas aushandeln?«

Desjani drehte sich hastig auf ihrem Platz um. Ihr Gesicht verriet keine Regung, aber Geary konnte ihr deutlich anmerken, wie aufgebracht sie war. Schließlich erging es ihm selbst nicht anders. Eine Abmachung mit diesem CEO? Nicht nur, dass er für den Hinterhalt verantwortlich war, der dieser Flotte schwere Verluste zugefügt hatte, auf sein Konto ging auch der kaltblütige Mord an den Offizieren, die sich mit ihm zu Unterhandlungen getroffen hatten. Aber Rione hatte bereits davon gesprochen, dass es aufgrund eben dieser Vorfälle keinerlei Vertrauensbasis für Shalin gab. Wieso sprach sie dann aber jetzt Costa auf diese Möglichkeit an?

»Ein Handel?« Costa zog die Mundwinkel nach unten. »Das möchte ich bezweifeln, selbst dann, wenn wir ihm vertrauen könnten. Wenn ich ihn richtig einschätze, wird er, sobald er sich im Nachteil wähnt, alles unternehmen, um die Oberhand zu gewinnen. Er würde uns ohne zu zögern hintergehen.«

»Ja, das sehe ich auch so«, sagte Rione.

Geary entging nicht, dass die Augen der anderen Senatorin vor Freude kurz aufblitzten. Dann wurde ihm klar, dass Rione diese Frage nur gestellt hatte, damit sie öffentlich der Meinung dieser Frau zustimmen konnte, um sich auf diese Weise eine gewisse Dankbarkeit zu sichern. Ich könnte niemals ein Politiker sein. Solche Spielchen würde ich niemals beherrschen. Aber die Unterhaltung warf eine andere Frage auf. »Warum trägt er Auszeichnungen, wenn man ihn bestraft hat? Warum haben die Syndiks ihm weitere Orden verliehen, wenn sie wütend auf ihn sind, dass er uns hat entwischen lassen?«

»Plausibilität.« Costa beschrieb eine vage Geste in die Richtung, in der sich in etwa das Schiff mit den Syndik-Führern befand. »Während diese Flotte als verschollen galt, verbreiteten die Syndiks weiter ihre Propaganda, dass die Flotte hier vollständig vernichtet worden sei. Hätte man den CEO, der damals den Angriff geleitet hat, nicht mit Orden behängt, wären Fragen laut geworden, ob mit den Behauptungen vom Sieg an ganzer Front vielleicht etwas nicht stimmt. Glauben Sie mir, wir hätten uns auf unserer Seite auch über so etwas gewundert.«

»Wenn er aus dem Grund diese Auszeichnungen erhalten hat, dann wundert es mich, dass er sie tatsächlich trägt«, meinte Geary und wandte sich an Desjani, die sich wieder beruhigt hatte, nachdem sie wusste, dass niemand versuchen würde, mit dem CEO der Syndik-Flotte zu verhandeln. »Noch zwei Stunden, dann können die Syndiks das Portal nicht mehr zeitig genug kollabieren lassen, um uns noch zu erwischen.«

»Das dürfte ein interessantes Experiment in Sachen Zeitdehnung werden«, erwiderte sie. Ihr Blick kehrte zurück zum Display. Geary wusste, wohin sie sah, nämlich auf den Punkt, von dem auch er immer wieder wie magisch angezogen wurde. Das Hypernet-Portal hing wie ein riesiges Auge im All, das sie beobachtete, das mit ihnen spielte und das wie ein Zyklopengott aus einer primitiven Mythologie bereit war, entsetzliche Kräfte zu entfesseln. »Diese Stunden werden uns vermutlich wie Tage vorkommen«, fuhr Desjani fort. »Wann werden Sie die Eingreiftruppe losschicken?«

»Sobald wir Kurs auf den Windschatten der Sonne nehmen.« Bislang hatte er die Aufgabe vor sich hergeschoben, Duellos detaillierte Befehle zu geben, doch das musste nun erledigt werden.

Als sie nickte, wurde Desjani bewusst, dass sie ihn wieder einmal ganz beiläufig dazu gebracht hatte, sich einer Betätigung zu widmen, um die er lieber einen Bogen gemacht hätte. »Der Rest der Flotte kann weitere Ziele in festen Orbits bombardieren, sobald wir es hinter den Stern geschafft haben«, machte sie deutlich. »Aber wenn die Syndiks beschließen, die Flucht anzutreten, dann hat unsere Eingreiftruppe keine Chance mehr sie einzuholen. Selbst ein Schlachtschiff kann sich einen Schlachtkreuzer vom Hals halten, wenn er nur genügend Vorsprung hat.«