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»Sie haben sie provoziert«, warf Costa ihm vor. »Und jetzt wollen Sie, dass wir Sie vor dem Schicksal bewahren, dass Sie sich selbst eingebrockt haben.«

»Ich bin nicht mit allem vertraut, was wir getan haben! Aber was macht das jetzt noch aus? Was geschehen ist, gehört der Vergangenheit an! Es ist passiert, und es kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Jetzt und hier werden unzählige unschuldige Menschen leiden, wenn Sie nichts unternehmen!«

Rione hatte währenddessen die Tastenfelder an ihrem Platz bedient, nun sah sie Boyens an. »Es sieht so aus, dass Sie bei einer Übernahme dieses Systems durch die Aliens über zwanzig andere Sternensysteme aufgeben müssten, um eine Grenze einrichten zu können, die sich verteidigen lässt.«

Boyens sah auf das Display, dann nickte er. »Das dürfte stimmen. Mehrere Milliarden müssten umgesiedelt werden.«

»Haben Sie genügend Schiffe, um das zu bewerkstelligen?«

»In der Grenzregion auf keinen Fall. Was das ganze Syndik-Territorium angeht, weiß ich es nicht, allerdings möchte ich es bezweifeln. Und selbst wenn, wir könnten nicht sofort darauf zurückgreifen.«

»Was passiert mit Menschen, die auf einem Planeten zurückbleiben, der von den Aliens übernommen wird?«

»Ich weiß es nicht. Das weiß keiner. Von ihnen haben wir nie wieder etwas gehört oder gesehen. Alles, was wir zu ihnen geschickt haben, hat sich in Luft aufgelöst und keinerlei Spuren hinterlassen.«

Eine Weile herrschte Schweigen im Raum, dann wandte sich Rione zu Geary um. »Haben wir irgendeine andere Wahl?«

»Was halten Sie von dem Ultimatum?«, gab er zurück. »Passt es zu dem, was der andere CEO dazu gesagt hat?«

»Ja. Es ist direkt und bedingungslos, es duldet keinen Widerspruch. Und es gibt absolut keinen Hinweis darauf, wie die Aliens denken. Es könnte von einem Menschen verfasst worden sein.«

»Vielleicht ist das ja auch der Fall, immerhin wissen die Syndiks nicht, was die Aliens mit Menschen machen, die in ihre Gewalt geraten.«

Sakais Blick ruhte auf dem Text des Ultimatums. »Gefangene? Sklaven? Diener? Gäste? Haustiere? Wenn wir zumindest wüssten, was davon zutrifft.«

»Sie haben in Ihrer Aufzählung ›tot‹ vergessen«, fügte Rione leise an. »Auf jede nur denkbare Weise. Wir müssen eine Antwort auf diese Frage finden, sonst können wir nicht beurteilen, ob eine friedliche Koexistenz möglich ist.«

»Friedlich?«, schnaubte Costa entrüstet. »So etwas ist doch sehr unwahrscheinlich. Sie haben selbst gesehen, was sie bei Kalixa gemacht haben! Diese Wesen sind unmenschlich!«

Rione warf der anderen Senatorin einen zornigen Blick zu. »Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie eine gewisse Senatorin vorgeschlagen hat, wir sollten doch die Hypernet-Portale als Waffen einsetzen, obwohl ihr bekannt war, welche Verheerung sie anrichten. Die vormaligen Führer der Syndikatwelten haben eine solche Entscheidung getroffen. Würden sich diese Aliens als menschlich entpuppen, wäre das für mich kein Trost.«

Costa wurde rot im Gesicht, wandte sich aber wieder an Geary. »Also, Admiral, was werden Sie machen?«

Den Vorfahren dafür danken, dass ich niemals Politiker werden wollte. Nach außen hin machte er nur eine vage Geste in Richtung des Ultimatums und des Sternendisplays. »Ich möchte erst mit einigen meiner Offiziere reden, bevor ich eine Entscheidung treffe.« Er erhob sich von seinem Platz und sah dabei wieder Boyens an. »Gibt es sonst noch irgendetwas, das Sie uns sagen können? Je mehr ich weiß, umso wahrscheinlicher wird es, dass ich mich entscheide, diesen Leuten zu helfen.«

»Meinen Leuten«, murmelte Boyens. »Ich habe Ihnen gesagt, was ich weiß. Da wäre nur noch eine Sache: Sie haben uns vorgeworfen, wir hätten die Enigma-Rasse provoziert und sie dazu gebracht, sich der Menschheit gegenüber so feindselig zu verhalten. Ich habe Ihnen gesagt, dass ich nicht weiß, was die Syndikatwelten in den ersten Jahrzehnten nach dem Erstkontakt getan haben, und das entspricht der Wahrheit. Aber unser Befehl in den letzten zehn oder mehr Jahren lautete, nichts zu tun, was die Aliens verärgern oder zu einer angespannteren Situation beziehungsweise zu echten Problemen führen könnte. Ich war immer davon ausgegangen, dass dieser Befehl erteilt wurde, weil wir es uns nicht leisten können, an zwei Fronten gleichzeitig zu kämpfen. Vielleicht gab es ja noch einen anderen Grund. Auf jeden Fall haben wir uns seit Langem ruhig verhalten.«

»Vielleicht haben diese Aliens ja ein gutes Gedächtnis«, gab Sakai zu bedenken.

Boyens schaute ihn lange an, dann nickte er. »Ja, vielleicht. Ich kann nicht schwören, dass nichts vorgefallen ist, aber mir ist nichts bekannt, schon gar nicht aus jüngerer Zeit.«

»Es gibt gegliederte Aktionen«, warf Rione ein. »Maßnahmen, von denen nicht mal diejenigen etwas wissen, die in der gleichen Region aktiv sind. Würden Sie davon etwas wissen?«

Geary sah dem Mann an, wie er zögerte. Er benötigte keinen Verhörraum, um sagen zu können, dass der Syndik-CEO überlegte, ob er lügen oder die Wahrheit sagen sollte. Schließlich jedoch schüttelte Boyens den Kopf. »Nein, nicht zwangsläufig. Aber warum sollte irgendjemand so was gemacht haben?«

»Warum haben die Syndikatwelten einen Krieg gegen die Allianz begonnen?«, fragte Geary.

Boyens sah ihn an. »Das weiß ich nicht. Ich vermute, sie dachten, sie könnten gewinnen. Warum sie das gedacht haben, kann ich mir nicht erklären.«

»In den Reihen der CEOs der Syndikatwelten hat man doch sicher darüber spekuliert, oder nicht?«, fragte Rione.

»Eigentlich nicht. Es ist nicht so wichtig… es war nicht so wichtig. Vor hundert Jahren hat es interessiert, als sie diesen idiotischen Entschluss fassten, den Krieg zu beginnen. Wenn wir darüber redeten, war es das Einzige, was gesagt wurde. Eben, dass es idiotisch war. Aber die Gründe für den Krieg interessierten schon lange niemanden mehr. Wir hatten den Krieg am Hals, und niemand wusste, wie wir ihm ein Ende setzen sollten.« Der CEO ließ den Kopf sinken, doch seine schmerzverzogene Miene entging keinem der Anwesenden. »Glauben Sie mir, einige von uns wollten den Krieg beenden. Aber niemand hatte eine Vorstellung davon, wie man das anstellen sollte, und deshalb haben wir einfach weitergekämpft.«

»Vielen Dank. Admiral, würden Sie CEO Boyens von Ihren Marines zurück in sein Quartier bringen lassen?« Rione wartete, bis der Syndik gegangen war, dann seufzte sie leise. »Meine Empfehlung lautet, verteidigen Sie die ehemalige Syndik-Grenze. Wenn wir sie zerfallen lassen und es den Aliens erlauben, über etliche ehemalige Syndik-Systeme die Kontrolle zu übernehmen, könnte es am Ende die Fähigkeiten der Allianz übersteigen, diese Grenze wiederherzustellen.«

Sakai nickte bedächtig. »Mein Rat lautet ganz genauso.«

»Ich kann mich dem nicht anschließen«, erklärte Costa. »Wir haben wegen der Syndiks genug geblutet. Sie haben sich das Ganze selbst eingebrockt, sollen sie zusehen, wie sie sich da wieder rausmanövrieren.«

»Und wenn ihnen das nicht gelingt?«, hielt Sakai dagegen. »Wird die Allianz dann nicht früher oder später gezwungen sein, sich mit den Folgen zu befassen?«

»Die Syndiks haben uns hundert Jahre lang abwehren können«, sagte die Senatorin. »Wenn sie sich wirklich mit diesen Aliens auseinandersetzen wollen, dann sollen sie es selbst machen, anstatt uns darum zu bitten, den Scherbenhaufen wegzufegen, den sie zu verantworten haben. Wir haben in diesem Krieg schon genug Männer und Frauen und auch Kinder verloren. Die Allianz wurde durch den Krieg fast in den Bankrott getrieben. Wir haben das alles geschehen lassen, weil es sein musste. Aber wir müssen uns nicht in einen Streit zwischen den Syndiks und einer fremden Rasse einmischen, über deren Motive wir so wenig wissen wie über deren Fähigkeiten. Wir müssen keine idiotische Entscheidung treffen, mit der wir vielleicht den nächsten Krieg auslösen.« Die Anspielung auf die Dummheit der Syndiks war nicht zu überhören gewesen.