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Zwei Schritt hoch waren die Räder mit dicken Eisenplatten miteinander verbunden.

Die Ramme war schwer wie ein Haus.

»Verzeih«, murmelte der Fürst. Er biss die Zähne zusammen, als er den Ruck spürte, der durch den so schlecht ausbalancierten Wagen lief.

Die kopflastige Belagerungswaffe schwang noch etwas weiter aus. Katander stemmte sich mit all seiner Kraft gegen die Stange und wurde leicht angehoben. Schreckens-schreie hallten ihm in den Ohren. »Nicht loslassen!«, brüllte er aus Leibeskräften.

Wieder drückte die Stange des schlingernden Wagens ihn in die Höhe. Ein bisschen mehr noch als eben. »Nicht loslassen!«

Krachend traf eine Steinkugel die schweren Balken. Einem Kentauren aus der Eskorte schlug ein anderes Geschoss ein fast kopfgroßes Loch durch den Brustpanzer.

Keine zehn Pferdelängen mehr, dann war es geschafft! Noch neun.

Katander wurde wieder von den Hufen gerissen. »Nicht loslassen!« Er drückte nach unten, auch wenn diese Bemühung ohne jede Bedeutung war.

Noch sieben Pferdelängen! Gleich war es geschafft. Krachend schlugen die Räder auf seiner Seite auf den weichen Erdboden. Ein splitterndes Geräusch jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Das Rad neben ihm drehte sich nicht mehr rund. Die Achse war gebrochen! Und jetzt neigte sich der verfluchte Karren in seine Richtung.

»Lauft, Fürst!« Die beiden Kentauren neben ihm ließen die Stange los und scherten seitlich aus.

»Bleibt, ihr verdammten Feiglinge! Ich werde euch ... « Seine Worte gingen in ohrenbetäubendem Splittern und Bersten unter. Die Holzverstrebungen, die den massigen Baumstamm hielten, knickten ein wie Kornähren im Hagelschlag.

Das Rad neben ihm geriet aus der Spur. Die wirbelnden Speichen berührten ihn fast.

Erschrocken ließ Katander die Stange los. Fast augenblicklich traf ihn ein wuchtiger Hieb in den Rücken und fegte ihn von den Beinen. Stürzend wurde ihm klar, wo sein Fehler lag: Als er losgelassen hatte, während der Karren weitergerollt war, hatte ihn die Stange hinter ihm in den Rücken getroffen. Selbst seine eiserne Rückenplatte hatte den Schlag kaum abgemildert.

Er bekam keine Luft mehr, fühlte sich vom Treffer aber nicht benommen. Im Gegenteil, er nahm alles um sich herum mit größter Deutlichkeit war. Zugleich fühlte er sich unbeteiligt, als sei er nicht mitten im Geschehen, sondern ein Zuschauer, der alles aus großer Ferne betrachtete. Fühlte sich so der Tod an? Hatte die schwere Holzstange ihm das Rückgrat zerschmettert?

Ein zersplitterter Balken stieß neben ihm in die Erde wie ein Speer. Der Karren war vollends aus der Bahn geraten. Ein Rad lief schlingernd davon. Die Stangen pflügten durch die Erde und zersplitterten. Katander blickte auf und sah den Baumstamm hinabstürzen. Und er war hilflos, konnte sich nicht bewegen, nur noch schauen.

Der Sturz

»Schießt!«, schrie der Geschützmeister. Eine der beiden Rammen hatten die Geschütze vernichtet, doch die zweite war nur noch wenige Schritt entfernt. Sie würde das Steppenschiff etwa in der Mitte des Gefechtsdecks treffen.

Die Kobolde hatten vergessen, die Seitenwand herunterzuklappen. Die Geschützkugel riss eine der hölzernen Zinnen mit sich fort. Der Schuss war gut gezielt, nur ein wenig zu hoch. Er traf den Baumstamm der Ramme, riss eine helle Spur in die Rinde und verschwand in der Nacht.

»Komm!« Orgrim packte Zargub beim Arm.

Der Rudelführer blickte noch immer fassungslos auf die Ramme, als könne er nicht begreifen, warum das Schicksal ausgerechnet dieses Steppenschiff dem Untergang weihte. Für Orgrim stand das außer Frage. Es war das größte in der vordersten Linie.

Hier würde die breiteste Bresche in die Verteidigungslinie geschlagen, wenn es fiel.

»Los!« Der Herzog zerrte Zargub mit Gewalt von der Bordwand fort. Die Ramme war nur noch vier oder fünf Schritt entfernt. Unter den Kobolden auf dem Geschützdeck war bereits heillose Panik ausgebrochen. Auch sie versuchten, das Schiff zu verlassen und in den vermeintlich sicheren Lagerkreis zu gelangen.

»Spring nicht von der Breitseite!«

Zargub riss sich los. Sein Staunen war blankem Entsetzen gewichen. Er stürmte mit den Kobolden. Es blieb keine Zeit mehr, ihn zurückzuholen. Orgrim stürmte nach achtern. Da traf die Ramme das Steppenschiff. Der Schlag riss Orgrim von den Beinen.

Die hölzernen Zinnen splitterten. Eines der schweren Torsionsgeschütze wurde aus seiner Verankerung im Deck gerissen und rutschte hinter den flüchtenden Kobolden her.

Das ganze Steppenschiff lehnte sich zur Seite. Die Ko bolde auf dem Geschützdeck unter ihm kreischten in Panik. Und noch weiter unten keilten die Ochsen aus und brüllten ihre Angst heraus.

Orgrim rutschte zusammen mit Tauen, Kobolden, Kisten und steinernen Geschützkugeln über das sich immer steiler erhebende Deck. Der Troll ruderte mit den Armen und versuchte etwas zu packen bekommen, was ihm Halt gab. Doch nichts in der Welt schien mehr fest an seinem Ort zu stehen. Er schlug hart gegen den Laufgang der rückwärtigen Zinnen. Neben ihm wurde ein Kobold von einer rollenden Steinkugel zermalmt.

Der Troll drehte sich. Griff nach den Zinnen und erinnerte sich an seine eigenen Worte.

Er durfte nicht hier springen. Nicht hier!

Neben ihm warf sich der Geschützführer der Kobolde über Bord.

Orgrim trampelte über Gestürzte hinweg. Immer steiler ragte das Deck zum Himmel.

Im Inneren des Steppenschiffs hörte er Hölzer brechen. Ein Torsionsgeschütz aus dem unteren Deck schlug durch die Bordwand, verfing sich mit seinen Armen aber in dem klaffenden Loch, das es geschlagen hatte, und stürzte hinab.

Die Rah des Mastes bohrte sich in die Grasnabe. Ein Zittern durchlief das Steppenschiff. Orgrim erklomm den Wehrgang und setzte einen Fuß auf die Zinnen.

Ein Pfeil streifte seine Schulter. Der Feldherr wusste, dass die dünne Rah das gewaltige Gewicht des Steppenschiffs nicht halten konnte. Er stieß sich vom Wehrgang ab.

Im selben Augenblick zersplitterte die Rah, und der riesige Karren stürzte.

Orgrim landete hart. Ein Bein knickte um. Der Kriegshammer, den er am Gürtel trug, schlug ihm tief in die Achselhöhle. Stechender Schmerz pochte in seinem Knie.

Das gestürzte Steppenschiff lag so nah vor ihm, dass er es mit ausgestreckter Hand berühren konnte. Er hatte Glück gehabt, entkommen zu sein. Die meisten, die über die Längsseite gesprungen waren, waren dem stürzenden Koloss nicht entkommen.

Orgrim sah Zargub und wandte den Blick ab. Was für ein Ende! Fast hätte der Rudelführer es geschafft… Fast…

Das Steppenschiff war so massig, dass sich durch seinen Sturz nur rechts und links zwei schmale Lücken geöffnet hatten. Selbst querliegend stellte der massige Körper des riesigen Karren für Kentauren noch ein unüberwindliches Hindernis dar.

Orgrim zog sich hoch und versuchte vorsichtig sein linkes Bein zu belasten.

Unmöglich. Sofort stach ein Schmerz durch sein Knie, als habe ihm jemand einen Dolch ins Gelenk gestoßen.

Durch die Lücke neben ihm preschten einige Kentauren aus Uttika ins Innere der Schiffsburg. Die Handwerker und Straßenarbeiter, die durch den Sturz des Steppenschiffs ohnehin schon geschockt waren, liefen panisch davon. Aber in dem völlig überfüllten Kreis zwischen äußerer und innerer Wagenburg gab es keinen Platz zum Flüchten. Sie strauchelten übereinander oder versuchten unter die Steppenschiffe zu kriechen.

Immer mehr der in Bronze gewappneten Uttiker kamen durch die beiden Engen.

Tagelang hatten sie vergeblich gegen die waffenstarrende Schiffsburg angekämpft.

Dutzende ihrer Krieger waren durch die Steinkugeln der Torsionsgeschütze zerrissen worden. Nun kannten die Uttiker keine Gnade mehr. Sie machten jeden nieder, der ihnen vor ihre wuchtigen Doppelschwerter kam, merkwürdige Waffen, die aussahen, als habe man auf einen armlangen Griff zwei Schwertklingen gesteckt, so dass eins in jede Richtung wies. Sie vermochten diese tückischen Waffen wie Windmühlenflügel zu drehen und waren tödlich schnell im Wechselspiel von Parade und Angriff.