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Orgrim zog den Kriegshammer aus seinem Gürtel. Er war hier, um die Arbeiter an der verrückten Straße des Königs zu beschützen. Und er war noch in der Lage, seinen Kriegshammer zu halten. Er würde sich nicht einfach in den Schatten ducken und darauf hoffen, dass die Bronzereiter ihn nicht entdeckten!

Er musste sich mit der Linken an der Flanke des gestützten Wagens festhalten, um sein verletztes Bein zu entlasten. Die Kobolde auf den angrenzenden Steppenschiffen reagierten auf die Eindringlinge. Sie besetzen die Windenarmbrüste, die zum Lager hin wiesen, und begannen zu schießen. Doch trafen sie nicht nur Kentauren.

Orgrim trat in die Bresche. Ohne eine Herausforderung zu rufen oder förmlich den Kampf zu erklären, ließ er seinen Kriegshammer niedersausen und zerschmetterte einen Bronzehelm. Der Trollfürst war so groß und wuchtig, dass er allein die halbe Bresche füllte.

Alarmrufe gellten durch die Reihen der Uttiker. Feige waren sie nicht. Die hochgewachsenen Kentauren wichen nicht vor ihm zurück, wie ihre Vettern aus der Steppe es getan hätten. Sie riefen ihm Schmähungen entgegen und griffen an. Die Kentauren im Innern des Wagenkreises hatten noch nicht bemerkt, dass durch eine der beiden Engstellen keine Verstärkung mehr kam.

Orgrim stand mit dem Rücken zum Steppenschiff, so dass er von dort nicht angegriffen wurde, und verwehrte den nachrückenden Feinden den Durchgang. Schon hatten einige Kobolde auf dem Steppenschiff, das ihm gegenüberstand, die größer werdende Gruppe von Kentauren als lohnendes Ziel für ihre Armbrüste entdeckt.

»Ich habe gehört, eure Steppenbrüder nennen euch auch Goldbrüstchen«, rief Orgrim den Uttikern entgegen. »Glaubt ihr, eure Rüstungen helfen gegen das hier?« Er hob drohend seinen Kriegshammer.

Ein Kentaur mit kupferrotem Bart preschte vor. Geschickt duckte er sich am schwingenden Kriegshammer vorbei, um geradewegs in einen linken Haken zu laufen.

Orgrim hatte auf den Hals den Angreifers gezielt, doch er traf nicht richtig. Seine Faust prallte gegen die spitz zulaufenden Wangenklappen des Helms. Das Metall riss ihm den Handrücken auf, aber der wuchtige Hieb holte den Kentauren von den Hufen. Noch bevor er sich wieder auf-rappeln konnte, fuhr Orgrims Kriegshammer nieder.

»Will jemand dem Kerl Gesellschaft leisten?«

Zorn und Angst hielten sich bei den Uttikern die Waage. Sie fluchten, hoben drohend die Waffen, doch es dauerte eine Weile, bis ein weiterer Krieger den Mut fand anzugreifen. Er schwang eines der tödlichen Doppelschwerter und ließ es so schnell wirbeln, dass die Bewegungen zu fließendem Silber verschmolzen. Orgrim wusste, dass er mit seiner schwerfälligen Waffe niemals einen dieser Hiebe würde parieren können. Er ließ den Kentauren kommen und hob den Kriegshammer, als wolle er jeden Moment zum Schlag ausholen. Doch dann stieß er die Waffe gerade vorwärts. Es war ein Angriff, wie man ihn eigentlich nicht mit einem Hammer führte. So konnte nicht die ganze zermalmende Kraft des Hammerkopfes eingesetzt werden. Das Doppelschwert traf auf den zähen Holzschaft der Waffe. Es gab einen mächtigen Ruck.

Die Stahlklinge prallte zurück und traf den Kentauren am Helm. Es war ein Wunder, dass ihm die Waffe nicht aus der Hand gerissen worden war.

Orgrim versetzte ihm eine wuchtige Ohrfeige mit der Linken. Seine Hand klatschte auf den Helm. Der Kopf des Kriegers wurde zur Seite gerissen.

Der Kentaur wollte tänzelnd zur Seite ausweichen, trat aber auf den Kadaver seines gefallenen Gefährten und strauchelte. Im selben Augenblick ließ Orgrim erneut den Kriegshammer niederfahren. Diesmal war es ein Hieb mit der vollen Wucht der Waffe.

»Ist das alles, was ihr zu bieten habt?«, spie er ihnen entgegen. Durch die Enge konnten ihn höchstens zwei Krieger zur gleichen Zeit angreifen. Und mit jedem Gefallenen erhob sich der Schutzwall aus Fleisch vor ihm höher. »Mehr habt ihr nicht zu ... «

Zwischen den Uttikern erschien eine Elfe. Orgrim hatte das Gefühl, sie schon einmal gesehen zu haben. Ihr Gesicht war mit dem rotbraunen Saft des Dinko-Buschs bemalt. Stilisierte Wolfsköpfe schmückten ihre Wangen. Das Haar hatte sie zu einem straffen Zopf zurückgebunden. Sie sah ihn, zog in fließender Bewegung einen Pfeil aus dem Köcher, legte ihn auf die Sehne, spannte und schoss, scheinbar ohne zu zielen.

Ein wuchtiger Schlag traf Orgrim im Oberarmgelenk. Sengender Schmerz trieb ihm Tränen in die Augen. Seine rechte Hand öffnete sich gegen seinen Willen. Der Kriegshammer fiel ins zertretene Gras. Er versuchte den Arm zu bewegen, doch der Schmerz brannte in seinen Nerven, so dass ihm schwarz vor Augen wurde. Er konnte den Arm nicht mehr bewegen.

»Geht hin und tötet ihn«, rief die Elfe. Und die Uttiker folgten ihrem Befehl.

Der letzte Gardist

Adrien konnte Kampflärm hören, doch im dichten Wald war er sich nicht ganz sicher, aus welcher Richtung die Geräusche kamen. Er ließ die Zügel locker. Sein Pferd fand immer den Weg in die Schlacht.

Der junge Ritter duckte sich unter einem tief hängenden Ast hindurch. Eine Böe fuhr rauschend durch das dichte Blätterdach von Eichen und Buchen. Der Boden war schlammig. Vor einer Stunde noch hatte es geregnet. Es regnete viel zu oft hier. Er mochte die Wälder Drusnas nicht. Sie waren zu nass. Zu dicht. Zu feindlich.

Eine Bewegung im Astwerk einer Eiche ließ ihn aufblicken. Er sah einen Fuß. Etwas weiter links schimmerte Metall durch das dichte Blätterdach. Kaum einen Herzschlag lang.

Hast du sie gesehen?

»Zwei, würde ich sagen.«

Wenn man zwei sieht, sind es mindestens drei.

Adrien lächelte. Sein Schimmel liebte es, das letzte Wort zu haben.

Wie machen wir es?

»Arglos. Das glückt immer ganz gut.«

Du verlässt dich zu sehr auf deine Rüstung, Junge.

»Ich vertraue auf Gott.«

Erzähl mir nichts! Du vertraust auf deine Rüstung und führst leichtfertig den Namen Tjureds im Munde, du scheinheiliger Tunichtgut.

Adrien kratzte sich unter der linken Achsel. So war seine Hand dicht über dem Schwertgriff, und er hoffte, dass die Männer im Baum dennoch nicht misstrauisch wurden.

Der Schimmel bewegte sich genau auf die Eiche zu. Ein gellender Todesschrei übertönte den Kampflärm. So oft hatte er solche Schreie schon gehört. Er hasste den Krieg im Wald. Hier gab es keine Ritterlichkeit, nur Heimtücke und Mord. Wenn er tatsächlich einmal einen großen Ritterorden gründen sollte, dann würde er in den Ordensregeln festschreiben, dass niemals in diesen dunklen Wäldern gekämpft werden sollte. Die Ritter würden die Grenze Fargons verteidigen und die Gläubigen beschützen. Aber in den finsteren Wäldern der Heiden hätten sie nichts verloren!

Ein bärtiger Kerl sprang vom Baum herab hinter ihm in den Sattel. Ein Zweiter und Dritter landeten unmittelbar vor ihm auf dem weichen Waldboden. Etwas traf ihn in den Rücken, vermochte die Rüstung aber nicht zu durchdringen. Er konterte mit einem Ellenbogenstoß in den Magen.

Sein Pferd stieg. Ein Huftritt verwandelte das Gesicht des Drusniers, der den Fehler gemacht hatte, die Hand nach den Zügeln auszustrecken, in eine blutige Masse.

Adrien versetzte dem Mann hinter sich noch einen zweiten Stoß, der ihn zu Boden schickte. Der Ritter ließ sich aus dem Sattel gleiten.

Noch bevor seine Füße den Boden berührten, hatte er sein Schwert gezogen.

Zwei weitere Männer sprangen vom Baum. Der Ritter stürmte vor. Er stieß den ersten von ihnen mit seinem Schild nieder, noch bevor er richtig auf den Beinen stand. Der andere schwang eine kurze Spaltaxt. Er war noch jung. Ihm spross gerade der erste Flaum auf den Wangen.

Adrien griff an. Mit der kurzen Axt war der Junge ihm hoffnungslos unterlegen.

Adrien täuschte einen Hieb auf den Kopf an. Der Drusnier riss die Waffe hoch und versuchte zu parieren. Statt die Klinge niedersausen zu lassen, ging Adrien in Kontakt und rammte den Eberknauf des Schwertes ins Gesicht des Jünglings. Dessen Nase brach. Blut schoss ihm aus den Nasenlöchern und der aufgeplatzten Lippe. Er taumelte zurück. Ein Hieb mit der flachen Seite des Schwertes traf seine Hand. Die Axt fiel zu Boden. Adrien trat die Waffe zur Seite, so dass sie im dichten Unterholz verschwand.