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»Öffnet für ihn ein Tor zur Snaiwamark-Karawane. Er reist mit dringenden Nachrichten für den Herzog Orgrim.« Jetzt klang die Stimme seines Vaters anders. Hart. Befehlsgewohnt. Anderan war von Geburt an ein Fürst gewesen. Doch so hatte er früher nur gesprochen, wenn er zu Gericht saß. Burg Elfenlicht hatte ihn verändert.

Einer der Fuchsmänner sprach ein Wort der Macht.

Baidan sah, wie sich das Kind auf dem Schneelöwenfell unruhig im Schlaf wand. Die Schlangen des Mosaiks schienen lebendig zu werden. Eine wurde zu smaragdenem Licht und erhob sich.

Kein einziger Schläfer im Saal erwachte! Sie hatten die Magie entzaubert, dachte Baidan. Sie ins Alltägliche hinabgezerrt. Die Goldenen Pfade der Alben wurden zum Viehtrieb genutzt. Er wusste, dass ihr Lager im Windland nicht anders zu versorgen war. Und doch machte es ihn traurig. Eine Welt, die ihre Geheimnisse und Wunder verlor, war eine traurige Welt.

Sein Vater trat neben ihn und schlug ihm derb auf die Schulter. So etwas hatte er früher nie getan. »Pass auf dich auf, Junge.«

Baidan betrachtete den Mann, der sich so sehr verändert hatte. »Du auch, Vater«, sagte er leise. Dann trat er durch den Bogen aus Licht. Sofort umgab ihn Finsternis, in der allein der schmale goldene Pfad vor seinen Füßen Schutz verhieß. Er fühlte sich belauert. Ein klammes Gefühl machte sich in seinem Bauch breit.

Baidan ging mit schnellen Schritten. Dann öffnete sich vor ihm das zweite Tor. Hastig trat er hindurch - und wurde in ein Chaos aus Schreien, Hitze und Rauch geworfen.

Fast wäre er in das sich schließende Tor zurückgetaumelt. Ein Lutin mit angstweiten Augen zerrte ihn vom Albenstern fort. »Kommt Hilfe?«, schrie der Fuchsmann.

Baidan brauchte Zeit, um sich zu sammeln.

»Kommt Hilfe?«, drang der Lutin erneut auf ihn ein.

Der Horizont jenseits des äußeren Wagenkreises stand in Flammen. Einzelne Pfeile steckten im Boden. Im inneren Kreis! Das war noch nie geschehen. Die hohen Wagen des inneren Kreises verstellten ihm den Blick auf die Ereignisse, doch konnte es keinen Zweifel daran geben, dass die Kentauren es irgendwie geschafft haben mussten, die äußere Verteidigungslinie zu überwinden.

Baidan sah sich nach dem Wagen mit dem Stander des Kommandanten um. »Orgrim ist gefallen!«, rief der Lutin. »Wir sind alle verloren, hörst du! Orgrim ist tot!«

Baidan weigerte sich, das zu glauben. Er lief auf den höchsten Wagen der inneren Verteidigungslinie zu. Trupps von Trollen standen untätig herum. Sie wirkten verunsichert. Niemand gab ihnen Befehle. Konnte es stimmen, was der Lutin gesagt hatte?

Der Kobold erklomm die Sprossen an der Außenseite des Wagens und enterte das Gefechtsdeck. Was er sah, raubte ihm den Atem. Kentauren waren durch den äußeren Kreis eingebrochen. Zwei Wagen des äußeren Kreises standen in hellen Flammen.

Orgrims Steppenschiff war gestürzt.

Eine schwere Steinkugel zog dicht über Baidan hinweg. »Was geht hier vor? Wo ist der Kommandant? Wer gibt hier die Befehle?«

»Bruder ... « Ein blutbespritzter Kobold mit breiter grüner Schärpe stieg von der Geschützplattform. »Der Kreis ist durchbrochen.«

»Das sehe ich!«, fuhr Baidan ihn wütend an. »Was... « Da sah er den Troll. Neben dem Mast lag er lang hingestreckt. Sein Rumpf war eine einzige klaffende Wunde. »Wer?«

»Rustur«, sagte der Geschützmeister. »Er hatte den Befehl über den inneren Kreis.«

Baidan kannte ihn. Er war einer der Vertrauten Orgrims gewesen. Ein Krieger, der für einen Troll ungewöhnlich besonnen gewesen war.

Es krachte. Ein Treffer erschütterte das Steppenschiff. Splitter flogen über das Gefechtsdeck. Etwas schrammte über Baidans Gesicht. Im Schanzkleid klaffte ein troll-kopfgroßes, gezacktes Loch.

»Elfen. Sie haben mindestens zwei der Steppenschiffe im äußeren Ring gestürmt. Wir wissen nicht genau, welche.«

Baidan stieg auf den Wehrgang. »Warum schießen wir nicht?«

»Ein Befehl von Rustur. Dort unten sind zu viele Arbeiter ... Wir ... « Schrilles Trompeten übertönte jeglichen Kampflärm.

Erschrocken blickte Baidan nach links. Die Mammuts! Sie waren kurz davor, in Panik zu verfallen. Ihr Leitbulle warf wild den Kopf hin und her. Wenn die Mammutherde durchging, würden Hunderte sterben. Entweder rannten sie kopflos durch die Wagenburg und trampelten alles nieder, was ihnen vor die Füße geriet, oder aber sie stürzten die Steppenschiffe um. Sie wären stark genug dazu. Dann würden die Kentauren über die Arbeiter kommen.

Baidan blickte zum Steppenschiff Orgrims. Die beiden Lücken waren eng. Nur einzelne Kentauren kamen hindurch. »Wo sind Orgrim und Zargub?«

»Mit ihrem Steppenschiff gefallen.«

Baidan fluchte leise. Er musste etwas unternehmen. Die Elfen hatten es geschafft, sie zu enthaupten. Al ihre Anführer waren tot oder verschollen. »Du weißt, wer ich bin, Geschützmeister?«

»Ja …«

»Ich übernehme hiermit das Kommando. Mein erster Befehl ist, dass ihr auf die Wagen zurückschießt, die uns beschießen.«

»Aber Rustur ... «

»Rustur ist tot. Ich übernehme den Befehl, und du gehorchst mir, Bruder! Ich trage die Verantwortung. Ihr schießt, und du lässt sofort Signal setzen, dass alle Wagen im äußeren Kreis zu beschießen sind, bei denen der Verdacht besteht, dass sie von Elfen besetzt sind.«

»Dafür gibt es kein Signal.«

»Dann schickst du Boten, verdammt nochmal. Und ich rate dir, meine Befehle ernst zu nehmen. Ich gehe jetzt dort runter zu den Trollen, und wenn ich wiederkomme und weiß, dass meinen Befehlen nicht Folge geleistet wurde, dann lass ich dich an der Rah dieses Steppenschiffs aufknüpfen. Vergiss nicht, ich bin ein Vertrauter Orgrims. Ich werde deine Hinrichtung durchsetzen, und wenn ich dafür bis zum Kronrat gehen muss, in dem mein Vater sitzt. Schick jetzt Boten los. Sofort!«

Der Geschützmeister nahm die Beine in die Hand. Wieder sah Baidan auf das Durcheinander. Wann würden die Elfen die Brandkugeln in den besetzten Steppenschiffen finden? Wie lange blieben die Mammuts noch ruhig? Er musste handeln. Die Einzigen, die jetzt noch Rettung bringen konnten, waren die Hornschildechsen der Lutin.

Baidan kletterte vom Steppenschiff hinab und ging geradewegs zu dem Trupp Trolle, der im inneren Kreis lagerte. »Wer führt hier den Befehl?«

Ein riesiger Krieger mit vernarbter Schnauze trat vor. Er sah aus, als habe ihn ein Stiertritt ins Gesicht getroffen. Seine Oberlippe war zerfetzt, so dass man seine Zähne sehen konnte. Baidan erinnerte sich, den Kerl schon einmal gesehen zu haben.

Hoffentlich erinnerte sich der Troll auch an ihn. »Orgrim schickt mich! Ihr sollt mich zu den Hornschildechsen bringen.«

»Orgrim ist nicht tot?«, fragte der Rudelführer misstrauisch.

»Wie sollte er mich dann mit einem Befehl zu dir schicken?«

Der Troll nickte langsam. Baidan war sich nicht ganz sicher, ob der Rudelführer ihm glaubte. Doch zumindest war dem Kerl klar, dass es dumm war, noch weiter herumzustehen und auf einen echten Befehl zu warten, der womöglich niemals kommen würde.

Baidan musste den Kopf in den Nacken legen, um zu dem Troll aufzublicken. Der Kerl war selbst unter seinesgleichen ein Hüne. Baidan ging ihm nicht einmal bis zum Knie. »Du bringst mich mit den zehn besten deiner Männer als Begleitschutz zu den Hornschildechsen. Alle Übrigen gehen die Kentauren an, die in den Wagenkreis eingebrochen sind. Noch irgendwelche Fragen?«

Der Rudelführer schüttelte den Kopf. Dann wiederholte er mit lauter Stimme Baidans Befehle.

Der Kobold deutete auf das niedrigste der Steppenschiffe. Es lag abgewandt von dem Durchbruch, den die Kentauren geschafft hatten. »Dort gehen wir rüber zum äußeren Kreis! Los!«

Baidan ging entschieden voran. Die Trolle überholten ihn. Sie kletterten über die breiten Sprossen, die an die Außenwand des Steppenschiffs genagelt waren, und hinweg über die hochgeklappten Kufen, die den riesigen Karren einmal über das Eis der Snaiwamark tragen würden.