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»Wir könnten Uttika niederbrennen«, hörte er Elija sagen. »Die Steppenstämme bekommen wir nicht zu fassen. Aber die Uttiker können nicht vor uns davonlaufen.

Ihre Fürsten haben große Ländereien. Landhäuser, auf deren Felder Hunderte Kobolddiener arbeiten. Wie Sklaven!«

»Das war nicht Katanders Werk«, sagte Orgrim laut. »Ich kenne ihn. Er kämpft nicht auf diese Weise. Er hat sich jeden Morgen dem Beschuss der Katapulte ausgesetzt, um seinen Mut zu beweisen. Tapfer, aber völlig sinnlos. Das hier ist das Werk von Nestheus. Katander war nur sein Verbündeter. Dann könnten wir auch gleich losziehen und die Wälder der Maurawan niederbrennen. Auch sie haben mit den Kentauren gekämpft.«

»Und was schlägst du vor, großer Kriegsherr?« Skangas Stimme war leise. Sie stand mehr als dreißig Schritt von ihm entfernt, und doch hörte er sie so deutlich, als wäre sie neben ihm und würde ihm ins Ohr flüstern. Und er hätte geschworen, dass alle anderen genauso empfanden. Alle Gespräche auf dem Schlachtfeld waren verstummt.

Alle blickten zu ihm. Manche besorgt. Andere voll boshafter Neugier. Ihr Tonfall hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass er ihre Gunst verloren hatte. Man konnte ohne die Gunst des Königs leben. Man zog sich dann einfach zurück. Aber wer Skangas Missfallen erregte, der blickte in sein offenes Grab.

»Ein kluger Mann vermeidet einen Krieg, den er nicht gewinnen kann.«

»Du glaubst, wir verlieren?« Selbst das Fliegengesumm verstummte jetzt. Unheimliche Stille lag auf dem Schlachtfeld.

Orgrim machte eine weit ausholende Geste. »Sieht das nach einem Sieg aus?«

»Wir haben gelernt, uns nicht noch einmal einer Mammutherde in den Weg zu stellen, würde ich sagen.« Es war Gilmarak, der nun sprach. »Im Übrigen habe ich den Eindruck, dass du, mein Feldherr, noch nicht ganz begriffen hast, worum wir kämpfen.

Wir werden nun ins Herzland zurückkehren. Es wird eine neue Flotte von Steppenschiffen gebaut werden. Heute Abend besuchst du mich, Orgrim. Du und Skanga. Unsere Schamanin wird dich daran erinnern, dass Trolle ihrem König gehorchen. Und ich werde dich lehren, worum es wirklich geht. Ich glaube, wir haben grundverschiedene Vorstellungen vom Sieg, der zu erreichen ist. Du willst nur Schlachten gewinnen, Orgrim. Ich aber, ich werde die Welt verändern. So tiefgreifend, dass niemand es mehr rückgängig machen kann!«

Nach zwei weiteren Jahren

Blau

Nikodemus spürte einen Albenstern. Er wusste, dass sie einen Zeitsprung gemacht hatten. Es war Wahnsinn, in einen Albenpfad einzudringen. Das war von den Alben nicht vorgesehen gewesen. Er musste heraus, sofort! Je länger sie blieben, desto mehr Zeit verstrich. Ein Lidschlag ein Jahr. Ein Wort ein Jahrzehnt.

Er nahm all seine Macht zusammen. Er öffnete das Tor nicht einfach, er riss es auf.

Seine Magie bezwang es. Schnörkellos. Direkt. Sofort trat er über die Schwelle. Ollowain mit der Königin in den Armen war so dicht hinter ihm, dass er ihm gegen die Rute stieß.

Wasser! Überall!

Panik überkam ihn. Blaues Licht umgab sie. Er sank! Nikodemus schrie! Etwas war vor seiner Schnauze. Durchsichtig. Gallertartig. Es klammerte sich an sein Gesicht! Er griff danach und wollte es fortreißen, doch Ollowain fiel ihm in den Arm. »Nicht!«

Wieso konnte er den Elfen hören? Nikodemus stemmte sich mit aller Macht gegen den Griff des Elfen. Er hatte das Gefühl, ersticken zu müssen. Sie waren tief im Wasser.

Helles Licht stand weit über ihnen. Das Wasser war warm.

Die Atemblase schützt dich, Nikodemus. Reiß sie nicht fort, dann wirst du ertrinken.

Nikodemus verdrehte die Augen und starrte auf das Ding, dass seine Schnauze umgab. Es war halb durchsichtig. Es pulsierte. »Das ist ein Tier!«

Beruhige dich, sagte Ollowain. Es ist ein magisches Geschöpf. Durch Zauber erschaffen. Nicht aus einem Ei oder einem lebendigen Leib geboren. Ich kenne sie. Es gab sie auch schon vor sehr langer Zeit. Es ist ein Schutzzauber der Alben, damit Lungenatmer wie wir, die versehentlich durch einen Albenstern im Meer treten, nicht ertrinken.

Ganz egal, ob es ein Zauber der Alben war, dachte Nikodemus, da klammerte sich ein glibberiges Tier um seine Schnauze! Was für ein erbärmlicher Zauber war das denn!

Hätten die Alben sich nichts Besseres ausdenken können? Schließlich hatten sie ganze Welten erschaffen!

Wieso können wir im Wasser sprechen?

Auch das sind diese Kreaturen. Wir sprechen nicht wirklich. Sie sondern ein Sekret ab. Eine Droge. Ich kann deine Gedanken wie gesprochene Worte hören.

Das war ein Traum, entschied Nikodemus. Ganz sicher ein Traum! Er wollte nicht, dass irgendwelche Tiere ein Sekret in ihn absonderten. Während er das dachte, sanken sie tiefer. Das Blau wurde dunkler.

Ein sehr überzeugender Traum, dachte der Lutin. Aber nicht mehr. Er musste ohnmächtig geworden sein. Beim Übergang ins Goldene Netz. Wenn er erwachte, hätte es ihn in eine ferne Zukunft verschlagen.

Ein Seehund erschien vor ihm und glotzte ihn an. Er schwamm um ihn herum, begaffte auch Ollowain und Emerelle und verschwand dann wieder im tiefen Blau.

Nikodemus trat mit den Füßen. Er war nie ein sonderlich guter Schwimmer gewesen.

Das Ding auf seiner Schnauze drückte. Er war versucht, es abzureißen. Aber wenn es kein Traum war ...

Seine Augen brannten. Kam das vom Salz im Meerwasser?

Das war eine Selkie.

Eine was ... Woher kennst du das alles? Wir sind in Eleborns Reich. Wir sind dem Geisterhund entkommen. Dank dir, Nikodemus. Al ein die mächtigsten Zauberweber können ein Tor auf einem Albenpfad öf nen, weit ab von jedem Albenstern. Ich muss gestehen, ich habe dich bisher unterschätzt.

Nikodemus hatte noch nie von einem Lutin gehört, der in das Reich unter den Wogen gereist war. Das musste einen Grund haben! Es war nicht gut, hier zu sein. Zumindest für einen Lutin. Er blickte zu Emerelle. Sie lag noch immer in Ollowains Arm. Man hätte die beiden für Liebende halten können, wäre da nicht Emerelles Gesichtsausdruck. Viel mehr als ihre Augen und ihre Stirn sah er nicht. Der Rest war auch bei der Königin von einem durchscheinenden Gallertgeschöpf verdeckt. Emerelle wirkte zu Tode erschöpft. Und älter. Nikodemus hatte gesehen, dass der Geisterhund etwas aus ihr herausgezerrt hatte. Lag sie im Sterben?

Geht es ihr gut?

Nein. Aber ich bin zuversichtlich, dass bald Hilfe kommt. Eleborn besitzt einen Albenstein. Der Fürst unter den Wogen ist sehr mächtig. Er wird ihr helfen können. Du hast eine gute Wahl getroffen, als du uns hierher gebracht hast.

Nikodemus bemühte sich, nicht daran zu denken, dass er einfach nur aus dem erstbesten Albenstern getreten war. Er blickte hinauf. Das Licht über ihnen war fast verschwunden. Dafür konnte er jetzt erkennen, dass das Ding auf seiner Schnauze von einem leichten, grüngelben Schimmer umgeben wurde.

Nikodemus versuchte angewidert, an etwas anderes zu denken. Aber immer wieder musste er auf dieses Ding starren. Man konnte sogar sehen, wie sich Flüssigkeiten in ihm bewegten!

Was sind Seikies?

Seikies sind Gestaltwandler. Manche sagen, sie seien die Kinder Eleborns. Man kann ihnen als Otter oder Seehund begegnen. Oder als ausnehmend hübsche Frauen, die uns Elfen sehr ähnlich sind.

Mit diesen Gedankenreden war es seltsam. Man spürte mehr, als gesagt wurde.

Erinnerungen, die hinter den Worten standen, tauchten als Bilder in Nikodemus’ Gedanken auf. Ollowain kannte die Seikies gut. Er war mehr als einer begegnet, und Emerelle würde nicht wissen wollen, was ihr weißer Ritter und diese Meeresgeschöpfe miteinander getan hatten. Eine ganze Flut von Bildern brach auf den Lutin herein. Er sah Ollowain auf großen Festen, an Spieltischen. Immer wieder an Spieltischen. Er spielte das Falrach-Spiel. Offensichtlich um Geld. Nikodemus folgte den Gedankenbildern. Geld durch Spielen zu verdienen, fand er außerordentlich interessant! Bisher war ihm das Falrach-Spiel immer nur viel zu kompliziert und verworren erschienen. Als Kind hatte er ein paar Mal versucht, es zu erlernen, und war kläglich gescheitert.