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Der König nickte lächelnd. »Ja, so soll es sein. Ohne einen fähigen Kopf wie dich an seiner Seite wäre Dumgar sicher rettungslos verloren. Du bist mein bester Feldherr. Ich vertraue darauf, dass eure gemeinsamen Siege genauso strahlend sein werden wie der heutige Tag.«

Skanga zog sich zurück. Branbart hatte sie verblüfft. Er hatte sich dem Unvermeidlichen gefügt. Orgrim war an seinem Ziel. Endlich war er Herzog. Und zugleich war er auf eine Weise gestraft, dass es ihn wohl kaum schlimmer hätte treffen können. Sollte Dumgar Erfolg haben, dann würde der Herzog vom Mordstein allein allen Ruhm ernten. Wurde er aber besiegt, dann würde Branbart Orgrim dafür verantwortlich machen. Skanga ging den Eisschiffen entgegen. Dort irgendwo würde sie sich einen ruhigen Platz suchen und schlafen.

Schwer stützte sie sich auf ihren Stab. Nach einem Sieg spürte sie die Last der Jahrhunderte stets besonders deutlich. Es war lange her, dass sie gut gelaunt zu Siegesfeiern gegangen war. Sie zog sich stattdessen zurück. Sollten diese Welpen ruhig feiern, die nicht wussten, was es hieß, dem Atem der Zeit standzuhalten. Die es nie wissen würden ...

Die Schamanin stutzte. Sie spürte den Boden unter ihren Füßen erzittern. Ganz leicht nur. Da war etwas, tief im Berg.

Shahondin hatte dorthin keinen Weg finden können. Die Normirga waren berühmt für ihre Zauberer. Aber nicht ein Zauberweber hatte in der Schlacht gekämpft, dachte Skanga beunruhigt. Wo steckten sie? Was geschah tief im Innern des Berges? Sie straffte sich. Diese Schlacht war noch nicht gewonnen. Vielleicht wollten die Elfen, dass sie in den Berg kamen?

Wieder spürte sie das leichte Beben. Sie musste herausfinden, was dort in der Tiefe geschah!

Von vergessenen Helden

... »Gebaut für Jahrhunderte, verloren in Tagen.« So sprechen heute viele von Phylangan. Doch es sind meist stolze, noch junge Krieger, die nicht dort waren in jenen Tagen des Untergangs. Sie ahnen nichts vom einsamen Mut jener, die sich mit all ihrer Kraft gegen das Unabwendbare stemmten.

Unvergessen bleibt Ollowain, der Wächter der Shalyn Falah. Er war stets dort, wo man das Lied der Klingen sang. Seine kühlen Scherze gaben jenen Kraft, die scheinbar endlos Wacht hielten. Doch wie viele andere gab es, deren Namen heute niemand mehr im Munde führt! Da war Gondoran, jener Holde, der Herr der Wasser aus dem fernen Vahan Calyd, ein Freund des Fürsten Orimedes, der einen einsamen Kampf in der Dunkelheit focht und selbst dann noch unerkannt blieb, als er dem Steinernen Garten einen letzten Sieg schenkte.

Vergessen jener Menschensohn von edlem Geblüt und übler Zunge, der mit seinen Männern Tunnel einriss und Gänge mit Steinen verfüllte, um den Trollen den Weg zum Himmelshafen zu verwehren. Selbst wenn sie vor Müdigkeit kaum noch die Hacken heben konnten, zögerte keiner der Menschensöhne, in die Schlacht zu ziehen, wenn der übermächtige Feind auf ein Neues durchgebrochen war. Nie wird man erfahren, woher sie diesen Mut nahmen, bestand doch der Lohn, den sie zu erwarten hatten, aus den Narben, die sie auf ihren sterblichen Leibern trugen.

Vier große goldene Tore gab es in dem weiten Tunnel, der jenseits der Himmelshalle zum verbliebenen Hafen führte. Man hatte ihn so gebaut, dass mit umgelegten Masten selbst die größten Eissegler quer durch den Berg von einem Hafen zum anderen gelangen konnten. Nach jenen Toren heißen heute die letzten Schlachten, die in Phylangan geschlagen wurden. Es waren das Tor der Gärten, das zur Himmelshalle führte, das Lilientor bei der Nekropole, in der jene, die den Weg ins Mondlicht verfehlt hatten, in Eis eingeschlossen ruhten, das Alte Tor, nahe dem Fürstenpalast Landorans, und das Himmelstor, das letzte Bollwerk vor dem verbliebenen Hafen. Einen Tag brauchten die Trolle für jedes der Tore, um es mit Rammböcken und Äxten zu zerstören. Und wenn ihnen das gelang, erwartete sie ein Weg, auf dem sie für jeden Schritt mit Blut bezahlten.

Verzweifelt kämpften die Verteidiger von rasch errichteten Barrikaden aus oder schlüpften durch enge Tunnel, um durch verborgene Ausfallpforten überraschend in den Flanken der Angreifer aufzutauchen. Sie ließen brennende Eisseglerrümpfe den abschüssigen Tunnel hinabgleiten und trieben den Trollen mit manngroßen Blasebälgen, die man aus den Essen der Schmiedehallen geholt hatte, Flammen und Rauch entgegen. Zweiundzwanzig Tage kämpften jene, denen man höchstens eine Woche gegeben hatte. Dann zerschmetterten die Trolle das Himmelstor.

Eine Reiterattacke, geführt von Orimedes und seinen Kentauren, warf die überraschten Feinde noch einmal zurück Doch jeder wusste, dass nun die Zeit gekommen war, den Steinernen Garten zu verlassen. Und die Überlebenden losten aus, wer zurückbleiben sollte, um den Flüchtenden noch ein paar Stunden zu erkaufen.

Ein weißer Stein bedeutete einen Platz auf den letzten Eisseglern, die die Festung verließen. Ein schwarzer Stein verhieß den Tod....

Aus: Der Blick des Falken, s.912,
Die Lebenserinnerungen
von Fenryl, Graf von Rosenberg

Gold und Steine

»Lass dich von meiner Nase nicht täuschen, Dalla.« Lambi klopfte sich auf den Hosenlatz. »Hier unten ist noch alles in Ordnung.«

Die Hure des Königs verknotete den Verband an seinem Kopf. Dann sah sie ihn mit ihren grünen Augen an. Lambi war rothaarigen Frauen gegenüber immer voreingenommen gewesen. Sie brachten nichts als Ärger, hieß es.

Er dachte an den Stein, den er in der Hosentasche trug. Egal was für Ärger er sich einhandelte, er würde nicht lange dauern. Er grinste.

»Na, wie wäre es mit uns beiden? Bis zum Abmarsch bleibt gerade noch genug Zeit.«

Dalla legte ihm die Hand auf die Brust, dort, wo sein Herz war. »Ich weiß, dass hier bei dir alles in Ordnung ist, Lambi. Das ist das Einzige, was mich an Männern interessiert.«

Der Jarl konnte sein Glück kaum fassen. »Dann wollen wir also? Ich kenne da einen Ort, ganz in der Nähe, der ist ...«

Sie schüttelte den Kopf. »Ich muss nach den Verwundeten sehen, das weißt du.«

»Gerade hast du mein Herz verwundet. Das wird mich umbringen, wenn du dich nicht sofort darum kümmerst!«

Dalla lachte. Dann stand sie auf. »Möge Luth dir einen langen Faden spinnen.«

»Mit Rothaarigen hab ich nie Glück«, murmelte Lambi gerade laut genug, dass sie es noch hören konnte. »Die laufen mir immer davon.«

Die Heilerin schüttelte den Kopf, dass ihr die roten Locken nur so um die Schultern tanzten. »Vielleicht fragst du einfach nur zur falschen Zeit.« Sie schenkte ihm ein hinreißendes Lächeln, dann war sie hinaus zum weiten Hafentor und stieg auf einen der Eissegler, auf dem man die Verletzten untergebracht hatte.

Lambis Hand spielte mit dem Stein in seiner Hosentasche. Die richtige Zeit zum Fragen würde er nicht mehr finden. »War ohnehin nur eine Rothaarige«, murrte er. »Hätt es mit ‚ner Blonden versuchen sollen.« Er ging hinüber zu dem Schlitten mit der roten Plane. Es war der Letzte, den sie am Morgen beladen hatten. Ragnar, einer seiner Krieger, saß auf dem Kutschbock. Er war ein bulliger Kerl mit kurzem weißblondem Haar. Eigentlich war er Holzfäller, aber solange Lambi zurückdenken konnte, hatte Ragnar nie eine Gelegenheit ausgelassen, sich zu prügeln. Sein vernarbtes Gesicht und die breite, mehrfach gebrochene Nase erzählten mehr als alle Geschichten.

»Komm mir nicht auf die Idee durchzubrennen, du alter Hurenbock. Mit dem, was auf der Kutsche liegt, könntest du dir alle Freudenhäuser in Gonthabu kaufen und lebenslänglich kostenlos vögeln.«

Der Kutscher lächelte verschwörerisch. »Dafür haben wir dich zum Jarl gewählt, Lambi. Du hast immer die besten Einfälle. Darauf war ich noch gar nicht gekommen.«

Aus den Augenwinkeln sah Lambi Alfadas in Richtung des Schlittens eilen. Der hatte ihm hier gerade noch gefehlt! So sehr er Alfadas schätzte, es gab Dinge, die würde der Elfenjarl niemals verstehen, und von denen musste er auch gar nichts wissen.