Выбрать главу

Diaz löste seinen besorgten Blick von der Syndikat-Flotte und sah sich den Befehl für die Manticore an, dann zog er die Augenbrauen hoch. »Da draußen?«

»Ja«, bestätigte sie. »Da draußen. Wir werden uns den Kriegsschiffen frühzeitig in den Weg stellen und ihnen einen harten Schlag verpassen, bevor sie auch nur in die Nähe der Frachter kommen können.«

»Aber …«

»Machen Sie schon, Kapitan.«

»Ja, Kommodor.«

Die Hauptantriebseinheiten der Manticore wurden gezündet und brachten das Schiff weg von den Frachtern. Ringsum setzten sich auch die anderen Schiffe von Midway in Bewegung und änderten ihre Vektoren, um zu den neuen Positionen zu gelangen.

»Kommodor?«, meldete sich der Komm-Spezialist zu Wort. »Alle Executives der Frachter wollen mit Ihnen reden.«

Marphissa winkte ärgerlich ab. »Sagen Sie ihnen, ich werde verhindern, dass sie beschädigt oder zerstört werden, solange man mich nicht mit unnötiger Kommunikation von meiner Arbeit ablenkt und solange sie auf ihren Vektoren in Richtung Portal bleiben. Wenn sie auf die Idee kommen sollten, einen Fluchtversuch zu unternehmen und den Kurs zu verlassen, dann werden sie das nicht überleben.«

»Jawohl, Kommodor, ich werde es ihnen sagen.«

Es war ein gutes Gefühl, dass andere ihre Befehle befolgten, aber es fühlte sich auch ein wenig … unheimlich an. Diese Leute taten das, was sie ihnen sagte. Aber wenn der Plan nicht funktionierte, dann würde es allein ihr Fehler sein. Vermutlich käme ich damit durch, wenn ich es wie beim Syndik machen und meinen Untergebenen die Schuld in die Schuhe schieben würde. Aber das werde ich nicht tun. Außerdem würde das nicht die Frachter zurückbringen, falls die doch von der Syndikat-Flotte zerstört werden sollten.

Die Entfernung der mobilen Streitkräfte des Syndikats war auf acht Lichtminuten geschrumpft, während Marphissa ihren Schiffen befahl, die neue Abwehrformation einzunehmen. Als ihre Kriegsschiffe die zugewiesenen Positionen erreicht hatten, war der Gegner nur noch drei Lichtminuten entfernt und näherte sich mit konstant 0,1 Licht, was der Geschwindigkeit von Marphissas Kriegsschiffen entsprach.

Drei Lichtminuten bei einer kombinierten Anfluggeschwindigkeit von 0,2 Licht ließen sich innerhalb von fünfzehn Minuten zurücklegen.

Marphissa betätigte erneut ihre Kontrollen. »An alle Einheiten der Heimkehrerflotte: Hier spricht Kommodor Marphissa. Unser vorrangiges Ziel ist der Schutz der Frachter. Das heißt, wir müssen versuchen, die mobilen Streitkräfte des Syndikats von ihrem Angriffskurs abzubringen. Schiffe, die wir nicht vom Kurs ablenken konnten, sind außer Gefecht zu setzen oder zu zerstören, bevor sie in Reichweite der Frachter gelangen. Sobald ein Kriegsschiff des Syndikats vom Kurs abweicht, unternehmen Sie nichts. Sie werden nicht die Verfolgung aufnehmen, sondern Ihre Position beibehalten, von der aus Sie versuchen können, andere gegnerische Schiffe abzufangen. Eine Verfolgung des Gegners ist Ihnen ausdrücklich nur dann gestattet, wenn dessen Schiff unserem Verteidigungsschild entkommt und weiter auf die Frachter zufliegt, um sie unter Beschuss zu nehmen. Wenn das passiert, muss das Kriegsschiff des Syndikats unbedingt gestoppt werden. Wir haben unsere Kameraden aus der Gefangenschaft befreit, und jetzt müssen wir dafür sorgen, dass die Schlangen nicht verhindern, dass wir diese Kameraden nach Midway bringen. Für das Volk! Marphissa, Ende.«

Die Syndikatsflotte, die ohnehin zahlenmäßig unterlegen war, befand sich weiter auf einem Abfangkurs zu den Frachtern, wobei die sanft geschwungene Linie ihres Vektors genau durch die Mitte des von Marphissa aufgebauten Abwehrschilds hindurch verlief. Die Syndikatsschiffe hatten eine einfache Standardformation eingenommen, ein Rechteck mit den drei Leichten Kreuzern im Zentrum und den Jägern unmittelbar davor. Auf dem Display erinnerte diese Formation ein wenig an einen Rammbock, der auf den Schutzschild aus Midway-Kriegsschiffen gerichtet war. »Wird er versuchen, mitten durch uns hindurchzufliegen?«, überlegte sie laut.

»So etwas wurde schon versucht«, merkte Bradamont an. »Wenn er es macht, wie viele werden dann durchkommen?«

»Wenn ich meinen Verteidigungsschild ganz auf seinen Vektor konzentriere und mit allem auf ihn feuere, was mir zur Verfügung steht, wird das nicht viel sein. Aber wenn es ihm ausschließlich darum geht, die Frachter zu erreichen, dann würde ich vermuten, dass ein oder zwei Jäger und vielleicht auch noch ein Leichter Kreuzer durchkommen werden, außer natürlich wir landen etliche Glückstreffer.« Nachdenklich beugte sich Marphissa vor. »Er ist eine Schlange. Es kümmert ihn nicht, wie viele Bürger sterben. Aber Ausrüstung ist ihm wichtig. Wenn er versucht, sich den Weg freizurammen, wird er mindestens zwei Drittel seiner Streitmacht verlieren, und das nur, wenn es uns nicht gelingt, auch noch seine Überlebenden zu erwischen, nachdem die es geschafft haben, die Frachter zu treffen. Das ist eben die große Frage: Wie wichtig ist es ihm, die Frachter zu zerstören?«

»Wir kennen seine Befehle nicht«, warf Kapitan Diaz ein.

»Aber er ist eine Schlange. Er befehligt diese Flotte, und das heißt, er befolgt die Befehle der Senior-Schlange in diesem Sternensystem. Was würde eine Senior-Schlange wollen?«

Diaz schnaubte verächtlich. »Er ist CEO des Syndikats, richtig? Also will er mit dem geringsten Aufwand das beste Ergebnis herausholen.«

Marphissa nickte. »Genau. Er wird bei dieser Operation keine Verluste hinnehmen wollen. Oder zumindest sollen sich die Verluste auf ein Minimum beschränken. Das hier ist kein Kriegseinsatz, sondern eine Maßnahme der Inneren Sicherheit. Unsere Verluste sind ihnen völlig egal, aber ihre eigenen Verluste wollen sie so gering wie möglich halten.«

»Aber warum bleibt er dann auf diesem Kurs? Wir werden unseren Verteidigungsschild zusammenziehen, um ihn mit allem unter Beschuss zu nehmen, das wir zu bieten haben. Er wird massive Verluste erleiden und nicht mehr über genügend Feuerkraft verfügen, um die Frachter ernsthaft zu beschädigen.«

»Ja!« Marphissa klatschte mit der Faust gegen ihre Stirn. »Das macht er! Sein Ziel ist es, zu den Frachtern durchzukommen!«

»Das habe ich doch gerade eben gesagt«, beklagte sich Diaz.

»Er will, dass ich den Schutzschild konzentriere! Und ich werde ihn glauben lassen, dass ich genau das auch mache!« Ihre Finger huschten über das Display und zeichneten neue Kurse für ihre Schiffe ein, die sie als Phase Eins des Manövers kennzeichnete. Anschließend ließ sie sie für Phase Zwei massive Kursänderungen vornehmen. Ich muss das zeitlich ganz genau abpassen. Er soll glauben, ich wäre auf ihn reingefallen. »An alle Kriegsschiffe der Heimkehrerflotte, anhängend erhalten Sie neue Kursvorgaben. Setzen Sie sie bei Zeit eins sieben um. Marphissa, Ende.«

Zunächst nickte Diaz noch, als er die neuen Befehle las, dann jedoch stutzte er. Aber er war innerhalb des Syndikatssystems aufgewachsen und ausgebildet worden, also gab er ohne weitere Kommentare oder Fragen die Anweisungen ins Steuersystem der Manticore ein.

Bei Zeit eins sieben wurden die Steuerdüsen der Kreuzer und Jäger der Midway-Streitmacht gezündet. Die Schiffe rückten daraufhin näher zusammen, um den Verteidigungsschild deutlich schrumpfen zu lassen und die herannahende Syndikatsflotte noch konzentrierter unter Beschuss zu nehmen. Was ist, wenn ich mich irre?, überlegte Marphissa. Wenn ich falsch liege, werde ich ihm mit dem nächsten Manöver den Weg zu seinem Ziel frei machen, und er wird viel weniger Schiffe verlieren. Aber ich darf mich nicht irren. Sub-CEO Qui mag egal sein, wie hoch seine Verluste ausfallen, aber er wird darauf bedacht sein, seine Befehle auszuführen, und dafür brauchte er einsatzfähige Schiffe.