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»Bringt das keine Probleme für Sie mit sich? Ich kann Sie für eine Weile ablösen, wenn Sie sich ausruhen möchten.«

Marphissa schüttelte den Kopf, ohne den Blick vom Display abzuwenden. »Sie haben es selbst gesagt, Honore, und Sie hatten damit recht. Nachdem sie jetzt wissen, was Sie sind, werden sie sich von Ihnen nichts befehlen lassen. Ich muss das selbst erledigen.«

»Dann sorgen Sie wenigstens dafür, dass ich auch genug Aufputscher abbekomme.«

»Und ich ebenfalls«, warf Diaz ein.

Sie überlegte, ob sie den beiden Ruhepausen befehlen sollte, entschied sich aber dagegen. Wenn diese beiden es nicht schaffen, schaffe ich es auch nicht. Also werden wir es zu dritt angehen. »Achten Sie darauf, dass die Wachspezialisten und anderen Crewmitglieder sich an ihre Schichten halten und Ruhezeiten bekommen«, wies sie Diaz an.

»Wir werden den Wachwechsel anpassen müssen, damit es funktioniert«, sagte Diaz. »Acht Stunden Dienst, dann vier Stunden Pause, wobei individuelle Schichten gestaffelt werden. Wir haben nicht genug Spezialisten an Bord, und nur auf diese Weise können wir rund um die Uhr den Gefechtsstatus gewährleisten.«

Das verdammte Syndikat mit seinen Kürzungen beim Personal! Keine Sorge, hatte man immer zu hören bekommen, wenn etwas kaputtgeht, reparieren wir es, wenn Sie das nächste Mal in der Werft sind. Ein toller Trost für jemanden, der sich mitten in einem Raumgefecht befindet! »Ich verstehe. Ich habe das schon durchgemacht. Wir müssen in den nächsten einundvierzig Stunden perfekte Gefechtsbereitschaft wahren, weil wir davon ausgehen können, dass uns diese Syndikat-Flotte keine Ruhepause gönnen wird.«

»Eine Nachricht von Colonel Rogero geht ein«, meldete der Komm-Spezialist.

Jede Nachricht bedeutete in diesem Moment für Marphissa eine unwillkommene Ablenkung, aber sie konnte Rogero nicht einfach ignorieren. »Ja, Colonel?«

Rogero stand auf der Brücke des Frachters, er trug seine Gefechtsrüstung. »Kommodor, ich wollte Ihnen mitteilen, dass Sie nicht befürchten müssen, einer der Frachter könnte sich über Ihre Befehle hinwegsetzen. Ich habe auf der Brücke jedes Frachters Wachleute postiert. Ich lasse mindestens einen Soldaten dort, solange wir in Indras sind, um dafür zu sorgen, dass keiner Ihrer Befehle falsch ausgelegt oder falsch verstanden wird.«

Ihr war klar, was sie zwischen den Zeilen daraus lesen musste: Mindestens ein Frachter-Executive hatte versucht, aus der Formation auszubrechen und die Flucht zu ergreifen, und er war nur von Rogeros bewaffneten Soldaten daran gehindert worden, die darauf achteten, dass Marphissas Befehle befolgt wurden. »Danke, Colonel. Das ist schon mal eine Sorge weniger.«

Rogero lächelte finster. »Ich werde Sie nur wieder stören, wenn es unbedingt notwendig ist, Kommodor. Für das Volk. Ende.«

»Irgendwelche Probleme?«, erkundigte sich Diaz.

»Nein«, antwortete sie. »Nur ein wenig Verstärkung für das Rückgrat des einen oder anderen Frachter-Executive.«

»Aha. Kein Wunder«, meinte Diaz. »Die Frachter-Executives sind ja auch kein Militär. Keine Waffen, keine Panzerung, gar nichts. Die sitzen einfach die ganze Zeit auf dem Präsentierteller. Das kann nicht leicht für sie sein.«

»Finden Sie, was wir tun, ist leicht?«

Ihr Tonfall ließ ihn leicht zusammenzucken. »Nein, Kommodor.«

Dennoch dachte sie darüber nach, dachte an all die Männer und Frauen auf den Frachtern. Die meisten von ihnen waren ohne Zugriff auf ein Display, so dass sie keine Ahnung hatten, was sich um sie herum überhaupt abspielte. Sie konnten sich nicht verteidigen, konnten nur dasitzen und abwarten, ob sich womöglich Höllenspeere durch die Schiffshülle bohrten und Tod und Elend verbreiteten.

Wenigstens verfügten die Kriegsschiffe über eine zumindest theoretisch ausreichend große Zahl an Rettungskapseln, um der Crew ein Entkommen zu ermöglichen, wenn das Schiff kurz vor seiner völligen Zerstörung stand. Theoretisch, weil die Zahl der Plätze nicht für die komplette Besatzung ausreichte, sondern auf eine durchschnittliche Anzahl von Crewmitgliedern zugeschnitten war, von denen — statistisch betrachtet — anzunehmen war, dass sie zu dem Zeitpunkt noch lebten, wenn ein Schiff so stark beschädigt worden war, dass es aufgegeben werden musste. Das alles war streng wissenschaftlich errechnet worden, um zu ermitteln, wie man günstiger davonkam: ob man einer überlebenden Crew die Möglichkeit zur Rettung gewährte oder sie sie einfach durch neue Besatzungsmitglieder ersetzte, die aber erst noch einberufen, transportiert und geschult werden mussten.

Trotz all dem war man auf einem Kriegsschiff immer noch besser aufgehoben als auf einem dieser Frachter. Die einzige Rettungskapsel an Bord eines Frachters war für die Crew und bestenfalls eine Hand voll Passagiere ausgelegt. »Ja, Sie haben recht«, sagte Marphissa schließlich zu Kapitan Diaz. »Es kann nicht leicht für die Leute auf den Frachtern sein.«

»Für Sie ist es aber auch nicht leicht, oder?«, fragte er.

»Nein, das ist es nicht«, räumte sie ein. »Es ist immer angenehmer, wenn man sich an einen Vorgesetzten wenden kann, wenn ein anderer da ist, der die Entscheidungen treffen muss. Nachdem ich mein Leben lang bei den mobilen Streitkräften von Vorgesetzten geplagt worden bin, die diese Rolle nicht gut ausfüllten, habe ich jetzt die Freiheit, selbst zu entscheiden und meine eigenen Fehler zu machen. Da, passen Sie auf.«

Die Kriegsschiffe des Syndikats hatten alle gleichzeitig beigedreht und waren wieder auf Vektoren eingeschwenkt, die auf die Frachter abzielten. Marphissa beobachtete mit höchster Konzentration die gesamte Situation und suchte nach möglichen Stellen, an denen eines ihrer Schiffe von den Angreifern abgehängt werden könnte. Dabei nahm sie kaum wahr, wie Diaz die Manticore in Richtung des ihnen zugewiesenen Leichten Kreuzers manövrierte, achtete dafür auf ihrem Display aber genauestens auf jeden noch so kleinen Hinweis darauf, ob der Kapitan sich verkalkulierte und der Leichte Kreuzer die Gelegenheit bekam, unbehelligt an ihnen vorbeizufliegen. Gleichzeitig behielt sie dabei auch die Flugbewegungen aller anderen Schiffe im Auge, während sie nur hoffen konnte, dass weder ihr noch den anderen Schiffskommandanten ein wichtiges Detail entging.

Ein Syndikatsschiff nach dem anderen brach den Anflug auf die Frachter ab, sobald ihm klar wurde, dass ein Midway-Schiff mit überlegener Feuerkraft auf Abfangkurs gegangen war. Sie zogen sich auf ihre Positionen rings um die Midway-Flotte zurück und bewegten sich dort angekommen ohne Unterlass hin und her, wie rastlose Wölfe, die auf eine Unaufmerksamkeit des Schäferhunds warten, um ein Schaf reißen zu können.

Im Verlauf der nächsten Stunden wiederholte sich dieses Spiel in unregelmäßigen Abständen unzählige Male.

Manchmal stürmten alle Angreifer gleichzeitig los, dann wieder rückten sie gestaffelt vor, und etliche Male stellten nur ein oder zwei Schiffe die Verteidiger der Frachter kurz auf die Probe. »Sub-CEO Qui versucht Sie mürbe zu machen«, sagte Bradamont. »Er hofft, wenn er nur lange genug Druck auf Sie ausübt, werden Sie oder irgendeiner Ihrer Kommandanten die Geduld verlieren und einen folgenschweren Fehler begehen.«

»Ich halte das länger durch als er«, erwiderte Marphissa. Der Aufputscher an ihrem Arm gab beständig Medikamente an ihren Körper ab, die dafür sorgten, dass sie hellwach und aufmerksam blieb. Später würde sie dafür zwar bezahlen müssen, doch im Augenblick fühlte sie sich gut.

Weitere Stunden verstrichen, in denen die Syndikat-Flotte ihre Taktik beibehielt. Gleichzeitig schwärmten die Schiffe immer weiträumiger um die Midway-Flotte aus, bis sie schließlich komplett in dem die Frachter und Marphissas Kriegsschiffe umgebenden Raum verteilt waren. Verteidigt werden musste inzwischen eine sehr in die Länge gezogene Blase, die sich entlang des Vektors erstreckte, auf dem die Frachter sich dem Hypernet-Portal näherten. Im All konnte jedes Schiff eine hohe Geschwindigkeit erreichen, wenn man ihm nur genügend Zeit zum Beschleunigen ließ. Frachter flogen normalerweise nicht so schnell, weil die Beschleunigungs- und Bremsmanöver Brennstoffzellen kosteten, die Transportunternehmen ihre Kosten aber am liebsten so gering wie möglich hielten. Diesmal allerdings hatte Marphissa den Executives befohlen, auf 0,1 Licht zu beschleunigen und diese Geschwindigkeit beizubehalten.