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Sie betätigte die interne Komm-Kontrolle. »Kapitan-Leytenant Diaz, melden Sie sich auf der Brücke.«

Auch wenn es viel länger zu dauern schien, verging nicht mal eine Minute, bis Diaz auf die Brücke kam. »Ja, Kommodor?«

Diesen Augenblick hatte Marphissa nicht herbeigesehnt, daher kostete es sie einige Überwindung, aufzustehen und sich zu Diaz umzudrehen. »Kapitan Toirac, da Sie nicht in der Lage sind, Ihrer Verantwortung nachzukommen, entziehe ich Ihnen hiermit das Kommando und entbinde Sie von all Ihren Pflichten. Kapitan-Leytenant Diaz, ich befördere Sie hiermit zum Kapitan und übertrage Ihnen mit sofortiger Wirkung das Kommando über die Manticore

Diaz konnte erst nicht glauben, was er hörte, dann warf er Toirac einen betrübten Blick zu. Schließlich nickte er und salutierte. »Ja, Kommodor.«

»Kapitan Toirac, Sie werden Ihr Quartier bis auf Weiteres nicht verlassen«, fuhr Marphissa fort und rang mit sich, damit ihre Stimme sie nicht im Stich ließ. Warum haben Sie mich dazu getrieben?

Toirac stürmte ohne Salut oder ohne irgendeine andere Geste an Marphissas Adresse von der Brücke.

»Ich werde dafür sorgen, dass er ohne … Zwischenfall sein Quartier erreicht«, sagte Kontos. »Wenn Sie gestatten, Kommodor.«

»Ja, gehen Sie.« Sie sah Kontos hinterher, wie der zügig Toirac nach draußen folgte, um darauf zu achten, dass der Mann keinen Unfug anstellte. Schließlich drehte sie sich wieder zu Diaz um. »Sie wissen, warum ich zu dieser Maßnahme greifen musste. Übernehmen Sie das Kommando über dieses Schiff, Kapitan Diaz.«

»Das werde ich machen.« Er sah zu Bradamont.

»Dann gebe ich hiermit das Kommando an Kapitan Diaz zurück«, sagte sie.

»Danke, Kapitan … Bascare?«

»Bradamont. Ich bin Captain Bradamont.«

Marphissa legte ihr eine Hand auf die Schulter. »Sie gehört zu Black Jack. Sie wurde zu uns geschickt, um Präsidentin Iceni zu assistieren und uns dabei zu helfen, die Syndikat-Flotte aus dem System zu vertreiben. Captain Bradamont wird die Manticore bald wieder verlassen, aber sie wird in diesem Sternensystem bleiben, wenn Black Jack abreist, weil er jeden hier wissen lassen will, dass er die Freiheit des Midway-Sternensystems unterstützt.«

Sie konnte spüren, wie die Stimmung auf der Brücke einen anderen Tenor annahm.

»Eine Allianz-Offizierin?«, fragte Diaz skeptisch.

»Eine von Black Jacks Offizieren«, stellte Marphissa mit fester Stimme richtig. »Die Befehlshaberin eines seiner Schlachtkreuzer.« Jedem auf der Brücke war die Bedeutung dieser Worte klar, die Mienen der Besatzungsmitglieder ließen zähneknirschenden Respekt erkennen.

»Kommodor«, fragte der Seniorspezialist zögerlich, »sie wird nicht unsere Befehlshaberin sein?«

»Nein. Das war nur diesmal erforderlich, um die Syndikat-Flotte dazu zu verleiten, das Feuer auf ein Schiff unter der Flagge der Allianz zu eröffnen, das auch noch von einer Allianz-Offizierin befehligt wird. Das gab Black Jack die nötige Rechtfertigung, um die Syndikat-Flotte anzugreifen, die dummerweise entkommen ist. Aber sie ist nicht hier, um das Kommando über dieses Schiff zu übernehmen. Captain Bradamont ist hier als ein Zeichen für Black Jacks Verpflichtung zu unserer Freiheit.«

»Warum sollte Black Jack eine Rechtfertigung benötigen, wenn er doch tun kann, was er will?«, wollte die Ablauf-Spezialistin wissen.

Marphissa hätte die Frau wegen dieser Frage fast zusammengestaucht, aber Bradamont kam ihr zuvor. »Weil Admiral Geary, also der Mann, den Sie Black Jack nennen, kein CEO der Syndikatwelten ist. Er tut nie einfach das, was er will, sondern hält sich an die Gesetze.«

Das machte Eindruck. Sie waren zwar immer noch skeptisch, aber die Spezialisten nickten und blickten Marphissa an. Schließlich stand der Seniorspezialist auf und salutierte. »Wir haben verstanden, Kommodor.«

Als Marphissa mit Bradamont die Brücke verließ, seufzte die Offizierin leise. »Ich habe so ein Gefühl, als sollte ich mich besser auch in mein Quartier zurückziehen und nicht mehr rauskommen.«

»Tut mir leid, aber Sie haben tatsächlich recht. Da sind Sie sicherer aufgehoben.«

»Grund zur Klage habe ich ja eigentlich nicht. Ein Syndik-Offizier auf einem Schiff der Allianz wäre mit dem gleichen Problem konfrontiert.«

»Ich werde nachfragen, ob Präsidentin Iceni Sie von einem Frachter auf routinemäßiger Tour abholen lassen will oder ob sie einen Jäger oder ein anderes Kriegsschiff schicken wird«, sagte Marphissa. »Bis dahin stelle ich eine Wache vor Ihrem Quartier auf. Ich hoffe, Sie haben dafür Verständnis.«

»Sie sollten besser auch eine Wache vor dem Quartier des Kapitans postieren«, gab Bradamont zurück.

»Ich bedauere, dass Sie das mitansehen mussten.« Marphissa machte eine Geste, die Verärgerung und Frust zugleich ausdrücken sollte. »Warum musste er es mir nur so schwer machen?«

»Das machen sie immer«, versuchte Bradamont sie zu trösten. »Diejenigen, die ihre Arbeit nicht bewältigen können, machen es auch jedem anderen so schwer, wie es nur geht.«

»Er war ein Freund von mir.«

»Oha. Sie wurden ziemlich schnell befördert, richtig? Willkommen in der Welt der höheren Dienstgrade. Bereit zu sein, das zu tun, was getan werden muss, es aber trotzdem nicht tun wollen — das gehört mit dazu. Manche Leute kommen damit zurecht, andere nicht.«

Marphissa verzog den Mund. »Sie werden mir fehlen, Captain. Viel Glück für die Zeit nach der Manticore

»Wir werden uns wiedersehen, Kommodor. Immerhin müssen wir Ihre Vorgesetzten davon überzeugen, dass Sie diese Kriegsgefangenen zurückholen dürfen, auch wenn das bedeutet, dass etliche Ihrer Kriegsschiffe für einige Zeit weit weg sein werden. Das wird nun noch schwerer werden, da Admiral Geary dies Sternensystem bald verlassen wird, nachdem die Syndik-Flotte nun vertrieben worden ist. Dann wird Midway hinsichtlich der Verteidigung wieder ganz auf sich gestellt sein.«

»Präsidentin Iceni, wir stehen vor einer ungewöhnlichen Situation. Wir können nicht auf die Hypernet-Portale bei Indras, Praja, Kachin und Taniwah zugreifen«, sagte Black Jack. »CEO Boyens hatte mich davor gewarnt, dass die Syndikatregierung uns die Heimreise mühseliger machen würde, als uns recht sein könnte, aber wir waren nicht davon ausgegangen, dass sie das Hypernet-System der Syndikatwelten weitestgehend abschalten. Laut unserem Hypernet-Schlüssel können wir nur noch Sobek anfliegen.«

Drakon, der ins Kommandozentrum gekommen war, um die Abreise von Gearys Flotte mitanzusehen, schüttelte ungläubig den Kopf, als er diese Mitteilung hörte. »Prime hat fast jedes Hypernet-Portal abgeschaltet? Damit werden ja auch noch die Reste der Syndikatwelten lahmgelegt. Allein die wirtschaftlichen Folgen werden gewaltig sein, aber vor allem behindern sie sich selbst, weil sie so kein Militär mehr schnell verlegen können, um auf Bedrohungen von außen und von innen zu reagieren. Haben sie sich etwa ihrer einzigen Chance beraubt, den Rest der Syndikatwelten zusammenzuhalten, nur damit Black Jacks Heimreise beschwerlicher wird?«

»Auf mich wirkt das, als würde sich jemand die Haare ausreißen, um zu vermeiden, dass er eine Glatze bekommt«, meinte Iceni dazu. Sie wusste, dass sie in letzter Zeit schlechte Laune hatte, und sie gab sich alle Mühe, diese Laune abzuschütteln. Aber Boyens war entkommen und hatte damit die Auslöschung seiner Flotte verhindern können. Black Jacks Schiffe waren im Aufbruch begriffen, und mit ihnen würde Midway all den Schutz verlieren, den diese riesige Flotte geboten hatte. Und dann war da noch die Tatsache, dass sich mindestens eine Schlange in ihrer unmittelbaren Nähe versteckt hielt, der es gelungen war, eine Agentin in das planetare Kommandozentrum einzuschleusen. Zu allem Überfluss machte ihr dann auch noch dieses vage Gefühl zu schaffen, dass an noch ganz anderen Plänen gefeilt wurde, die mit Personen und Ereignissen zu tun hatten, deren Existenz ihr nicht mal beiläufig bewusst war. Das alles war vergleichbar mit der Verschiebung der Kontinentalplatten, die so langsam vonstatten ging, dass man sie nur dann wahrnehmen konnte, wenn es auf einmal ein verheerendes Erdbeben gab.