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Und jetzt auch noch das.

»Wo ist Sobek?«, wollte Iceni wissen, die besorgt die Stirn runzelte. Die Antwort tauchte auf dem Display auf, wo sich ein Fenster öffnete und eine Region zeigte, die ein ganzes Stück näher Richtung Allianz gelegen war. »Warum sollte ausgerechnet Sobek verschont bleiben?«

»Das ergibt keinen richtigen Sinn«, entgegnete Drakon. »Vielleicht hat Prime das ja so befohlen, und bei Sobek lief bloß irgendetwas schief, weshalb das Portal nicht zusammengebrochen ist.«

»Das ergibt doch gar keinen Sinn! Prime soll die Abschaltung des eigenen Hypernets angeordnet haben? Warum begeht die Regierung dann nicht gleich kollektiven Selbstmord?« Sie ließ den Kopf leicht nach vorn sinken und rang mit solcher Anstrengung um Fassung, dass die Umstehenden ihr das anmerken mussten. »Haben Sie eine Vorstellung davon, welche Folgen das für uns haben wird? Dadurch wird unser Portal praktisch nutzlos.«

»Wir haben immer noch die Sprungpunkte«, wandte Drakon ein.

»Ja. Relativ gesehen ist das für uns immer noch ein Vorteil, aber … oh, zum Teufel mit denen!«

»Könnte es sein, dass Black Jack uns nur erzählt, dass es so ist?«

»Warum sollte er das tun? In dem Moment, in dem ein Schiff von einem anderen Portal als von dem bei Sobek auftaucht, wüssten wir ja, dass er gelogen hat. Togo, ich will, dass unsere Techniker sich das Tor gründlich ansehen. Ich will eine vollständige Ferndiagnose und eine Überprüfung der erreichbaren Portale, für die sie unsere Überwachungssoftware nutzen sollen.«

»Ja, Madam Präsidentin.« Togo hielt in lauschender Pose inne, eine Hand an das Telefonrelais in seinem Ohr gelegt. »Ich hatte bereits unseren Technikern hier aufgetragen, sich mit den Statussignalen zu befassen, die wir vom Portal empfangen. Die Signale lassen keine Probleme in Bezug auf die Funktionstüchtigkeit des Portals erkennen.«

»Wenn es keine Probleme mit unserem Portal gibt, sind dann all die anderen Portale tatsächlich nicht mehr da?«, fragte Iceni. »Schicken Sie ein Schiff hin. Ich will, dass die Techniker das Portal selbst unter die Lupe nehmen. Boyens hat sich mit seiner Flotte lange Zeit in der Nähe des Dings aufgehalten. Vielleicht ist es ihm ja gelungen, irgendwas in den Kontrollmechanismus einzuschleusen, was uns jetzt Probleme macht.«

»Theoretisch«, gab Togo zu bedenken, »müsste ein solcher Mechanismus oder ein Programm feststellbar sein, weil es zu Interferenzen mit dem Kontrollmechanismus kommen würde.«

»Ich hatte nicht um eine theoretische Abhandlung gebeten! Nach allem, was die Allianz herausgefunden hat, stammt die Technologie für diese Portale von den Enigmas. Wir wissen viel zu wenig über das Hypernet und über die Portale. Tun Sie, was ich Ihnen gesagt habe!« Iceni drehte sich um und sah Drakon aufgebracht an. »Was haben diese Dreckskerle vom Syndikat uns da nur angetan? Schalten die einfach alles um sich herum ab, nur um sicherzustellen, dass wir ebenfalls verlieren?«

Doch Drakon hörte ihr kaum zu, sondern schaute konzentriert auf das Display. Schließlich konnte sie ihre Wut noch bändigen, bevor sie explodierte. »Gibt es da irgendwas zu sehen, was ich nicht erkennen kann?«, zischte sie Drakon an.

»Nein.« Gedankenverloren schüttelte er den Kopf. »Es ist nur ein Portal übrig, das bei Sobek. Aber wieso Sobek?«

»Das hatte ich Sie schon gefragt.«

»Das heißt, Black Jack muss mit seiner Flotte nach Sobek reisen«, betonte er.

»Natürlich, das ist doch …« Sie unterbrach sich mitten im Satz, als sie begriff, was Drakon ihr damit sagen wollte. »Prime will Black Jack dazu zwingen, nach Sobek zu fliegen, und zwar ausschließlich nach Sobek.«

»Richtig.« Drakon zog die Brauen zusammen. »Das würde erklären, warum nur noch das Portal bei Sobek existiert. So muss Black Jack den Heimweg nehmen, auf dem Prime ihn haben will. Und so wie ich das sehe, bleibt ihm gar keine andere Wahl. Er muss sich in die Höhle des Löwen begeben, wenn er in akzeptabler Zeit nach Hause zurückkehren will. Allein mit dem Sprungantrieb würde das viel zu lange dauern. Aber das erklärt nicht, warum Prime einen so extremen Schritt unternimmt und das restliche Hypernet abschaltet, nur um Black Jack nach Sobek zu lotsen.«

»Die Tänzer?« Iceni verspürte bei diesem Gedanken einen eisigen Schauer. »Könnte es sein, dass die Syndikatwelten diesen Preis bezahlen, nur um die Tänzer davon abzuhalten, ins Gebiet der Allianz vorzudringen?«

»Das wäre denkbar.« Drakons Miene verfinsterte sich noch stärker. »Der erste Kontakt der Menschen mit einer nichtmenschlichen Intelligenz, wenn man die Enigmas nicht mitzählt, was man eigentlich auch nicht machen kann. Zu denen gibt es keinen Kontakt, die führen nur Krieg gegen uns. Aber die Tänzer sind anders. Es würde zu den CEOs auf Prime passen, dass sie notfalls die Syndikatwelten vernichten, nur um die Allianz an einem freundschaftlichen Kontakt mit einer fremden Spezies zu hindern.«

»Das könnte eine Erklärung sein. Und dann ist da ja auch noch dieses Superschlachtschiff. Boyens hat nur umso stärker darauf gedrängt, an dieses Schiff heranzukommen, nachdem klar war, dass Black Jack ihn nicht mal bis auf eine Lichtstunde Abstand an das Monstrum lassen würde. Uns hat Black Jack auch nur verraten, dass es an Bord des Kik-Schiffs möglicherweise nutzbare neue Technologie gibt und dass er hofft, mehr über die Kiks zu erfahren. Vielleicht ist das tatsächlich alles, was er momentan weiß, aber diese Kik-Technologie könnte in jedem Fall ein Vermögen wert sein.« Iceni ballte die Faust und drückte sie gegen die Stirn. »Aber das sind alles langfristige Erwägungen. Auf kurze Sicht wären die Folgen für die Wirtschaft in den Syndikatwelten verheerend. Ich kann mir einfach nicht ausmalen, wie sie so etwas tun könnten. Ich werde Black Jack mitteilen, dass wir keine Ahnung haben, wo das Problem liegt, dass wir aber alles versuchen werden, um mehr darüber zu erfahren.«

»Wollen Sie ihn warnen, dass er besser nicht Kurs auf Sobek nimmt?«, fragte Drakon.

»Meinen Sie wirklich, dass das noch nötig ist?«

»Nein. Wenn wir die Gefahr erkannt haben, können wir getrost davon ausgehen, dass Black Jack das auch gesehen hat.«

Iceni ging zu dem gesicherten Büro, das sie in letzter Zeit regelmäßig nutzte, dicht gefolgt von Togo. »Wann hat zum letzten Mal ein Schiff das Hypernet-Portal benutzt, ohne automatisch nach Sobek geschickt zu werden?«, fragte sie ihren Assistenten auf dem Weg zum Büro.

Togo schaute auf sein Daten-Pad. »Vor zwei Tagen. Ein Frachter traf von Nanggal kommend hier ein.«

»Seitdem ist nichts mehr passiert? Das ist ungewöhnlich, wenn auch nicht besonders außergewöhnlich. Kein Wunder, dass das so überraschend gekommen ist.«

Sie betrat den Raum, Togo war hinter ihr und wartete, dass sich die Tür auch tatsächlich komplett schloss. Ein Blick über die Schulter ließ sie das grüne Licht der Lampen erkennen, das anzeigte, dass das Büro geschützt war. Dann ging sie um den Schreibtisch herum zu ihrem Stuhl und …

»Halt!«

Togo benutzte einen solchen Befehlston ihr gegenüber nur, wenn es wirklich sehr, sehr dringend war.

Iceni blieb so abrupt stehen, dass jeder Muskel protestierte. Doch sie ignorierte die Schmerzen und konzentrierte sich ganz darauf, sich bloß nicht von der Stelle zu rühren.

Sie sah Togo, wie er an ihr vorbeiging und dabei den Blick zunächst auf einen seiner Sicherheitssensoren gerichtet hielt, dann aber den Schreibtisch betrachtete. Er wurde langsamer, jede Bewegung erfolgte nur noch mit Bedacht und großer Vorsicht. Schließlich kniete er sich hin und schaute unter den Schreibtisch. Obwohl er nur Sekunden in dieser Haltung verharrte, kam es Iceni sehr viel länger vor, zumal sie versuchte auf eine Art zu atmen, bei der sie keine unnötigen Bewegungen machen musste.