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»Das ist bei mir nicht anders.« Iceni stand auf und hielt ihm die Hand hin. »Gibt es irgendjemanden in diesem Sternensystem, dem Sie vertrauen?«

Er musste erst gründlich nachdenken, bevor er darauf antworten konnte. Dann stand er ebenfalls auf und gab ihr sehr kurz die Hand. »Ja.«

Er wusste, dass sie auf eine weitergehende Erklärung wartete, bevor sie Hardrads ehemaliges Büro verließen, doch ihn wurmte immer noch ihre Äußerung, sie könne außer der Allianz-Verbindungsoffizierin niemandem trauen. Also sagte er nichts weiter.

Black Jacks Flotte war abgereist, hatte aber etwas zurückgelassen, das Drakons persönliches Erscheinen in der Hauptorbitaleinrichtung erforderte. Die Bürger der Syndikatwelten, die von der Enigma-Rasse gefangen genommen und festgehalten worden waren, hatten sich alle dafür entschieden, in Midway zu bleiben, und zwar alle dreihundertdreiunddreißig. Black Jack hatte ihnen achtzehn angeboten, die aus dem System stammten, aber im entscheidenden Moment, als die kleinere Gruppe sich vom Rest trennen sollte, überlegten alle anderen es sich spontan anders und wollten bei diesen achtzehn bleiben. Das war eine von diesen Reaktionen, wie man sie von Leuten erwarten konnte, die unter den Nachwirkungen einer langen Gefangenschaft litten. Jetzt waren alle frei, und sie waren auf dem Weg hierher. Sie wussten nichts über die Enigmas, dennoch würde ihre Anwesenheit in Midway so etwas wie einen diplomatischen Coup darstellen.

Drakon saß allein im Passagierabteil eines militärischen Shuttles, das hoch in die Atmosphäre aufstieg. Das große Display an der vorderen Wand des Abteils war zweigeteilt, eine Hälfte zeigte das unendliche Schwarz mit seinen unendlich vielen Sternen, die andere bot den Blick auf den Planeten unter ihm, über den weiße Wolken zogen, darunter das Blau eines Ozeans, der von Inselketten und ein paar kleineren Inselkontinenten unterbrochen war. Drakon hatte das Gefühl, zwischen zwei Extremen in der Luft zu hängen, ein Gefühl, als ob seine Entscheidungen und sein Handeln hier oben in der Schwebe zwischen Himmel und Welt ihm entweder einen glühenden Wiedereintritt in die Atmosphäre oder ein Ende in der eisigen Finsternis bereiten könnten.

Das beharrliche Klingeln seiner Komm-Einheit war eine willkommene Unterbrechung, die ihn aus dem verstörenden Tagtraum holte. »Was gibt’s?«, fragte er, als das Bild von Colonel Malin Gestalt annahm. »Wird sich Präsidentin Iceni verspäten?« Iceni war mit einem eigenen Shuttle zur Orbitaleinrichtung unterwegs. Auch wenn es für die Bürger besser gewesen wäre, sie beide gemeinsam in einem Shuttle reisen zu sehen, damit sie sie als die gemeinsam handelnden Herrscher über den Planeten wahrnahmen, wurde das Risiko, möglichen Attentätern zwei so extrem verlockende Ziele zu präsentieren, als unverantwortlich groß eingestuft. Außerdem ließen sich Unfälle nie ausschließen — also echte Unfälle, nicht solche, bei denen praktischerweise politische Rivalen ums Leben kamen.

»Nein, Sir«, antwortete Malin. »Das Shuttle der Präsidentin ist gestartet. Aber es gibt eine interessante Entwicklung. Vor wenigen Stunden ist ein Frachter durch das Hypernet-Portal im System eingetroffen. Er kommt aus Taniwah.«

Gerade wollte Drakon fragen, was daran so erwähnenswert sein sollte, da begriff er und starrte Malin an. »Aus Taniwah? Nicht aus Sobek? Ganz sicher?«

»Ja, Sir. Als der Frachter eintraf, hat Kommodor Marphissa die Kraken zum Hypernet-Portal geschickt, um überprüfen zu lassen, welche Zielportale als erreichbar aufgelistet sind. Alle bekannten Portale im Hypernet der Syndikatwelten standen zur Verfügung, ausgenommen natürlich zerstörte Portale wie beispielsweise Kalixa.«

Drakon lehnte sich zurück und rieb sich das Kinn. »Wir haben also wieder Zugang zum gesamten Hypernet. Dann haben die CEOs auf Prime das Netz also doch nicht zerstört.«

»Richtig, Sir. Sie haben vielmehr auf irgendeine Weise vorübergehend den Zugang zu allen Portalen außer dem von Sobek blockiert.«

»Ich wusste nicht, dass so etwas möglich ist.«

»So etwas sollte auch gar nicht möglich sein«, gab Malin zurück. »Wir wissen nicht, wie man das anstellt. Allerdings müssen wir davon ausgehen, dass Prime nun sehr genau weiß, was zu tun ist.«

»Na, großartig. Woher haben Sie diese Information?«

»Sie wurde auf Befehl von Präsidentin Iceni vom planetaren Kommandozentrum an uns weitergeleitet, General.«

»Wie stehen die Chancen, dass unsere Spione im Syndikatgebiet herausfinden, wie dieser Trick mit dem Hypernet funktioniert und wie man ihn wieder aufheben kann?«

»Ich werde entsprechende Anweisungen an unsere Quellen in den vom Syndikat kontrollierten Gebieten versenden«, sagte Malin. »Aber da diese Anweisungen über Routineflüge von Frachtern an ihr Ziel gelangen, wird es große Umwege erfordern, die offizielle Blockade unseres Systems durch das Syndikat zu umgehen. Es wird daher eine Weile dauern, ehe diese Anweisungen ihre Ziele erreichen. Ich weiß auch nicht, ob irgendwelche unserer Quellen überhaupt an diese Informationen herankommen können. Das Syndikat wird die entsprechenden Daten nur über die am besten abgeschirmten Kanäle verbreiten.«

»Und was ist mit unseren Technikern? Können die eine Antwort liefern, nachdem sie jetzt wissen, dass es machbar ist?«

»Sie sind bereits informiert worden, General. Ich habe gehört, dass Präsidentin Iceni diese Recherche zur obersten Priorität erklärt hat.«

»Gut, vielen Dank.« Als Malins Bild verschwand, konzentrierte sich Drakon wieder auf das große, zweigeteilte Display, wo die Sterne und die Planetenoberfläche nach wie vor die Aussicht auf zwei völlig verschiedene, aber gleichermaßen unerfreuliche Schicksale boten.

Das Stimmengewirr der Arbeiter der Hauptorbitaleinrichtung und der Angehörigen, die sich eingefunden hatten, um die Ankunft der aus der Gewalt der Enigmas befreiten Gefangenen zu erleben, wurde lauter, als Drakon die Szene betrat. Er gab sich alle Mühe, gelassen zu wirken, während er stehenblieb, um mit den Soldaten zu reden, die für alle Fälle in den Shuttlehangar gekommen waren. »Was sagt Ihr Gefühl?«, fragte er den Major, der den Befehl über die Wachmannschaft hatte. »Haben Sie genug Leute?«

»Die Bürger sind aufgeregt, General«, erwiderte der Major. »Aber es liegt keine Angst in der Luft, und es braut sich auch kein Ärger zusammen. Niemand glaubt, wir hätten etwas zu verbergen. Sollte irgendetwas Unerwartetes geschehen, haben wir genügend Soldaten hier.«

Drakon nickte, den Blick auf die Luke gerichtet, durch die die befreiten Gefangenen kommen würden. »Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, Major, aber ich muss feststellen, dass es ganz angenehm ist, auf der gleichen Seite zu stehen wie die Bürger.«

Der Major grinste breit, ganz so wie die Soldaten, die sich in Hörweite aufhielten. »Ja, Sir. Anstatt die Drecksarbeit für die Schlangen und die CEOs zu erledigen, tun wir etwas für die Leute. Daran könnte ich mich gewöhnen.«

»Eine willkommene Abwechslung, nicht wahr?« Diese Soldaten waren so wie etliche andere auch in der Vergangenheit für Sicherheitseinsätze herangezogen worden. Die Schlangen hatten sich nie die Finger schmutzig gemacht, wenn es darum ging, Menschenmassen zu lenken, Unruhen niederzuschlagen oder andere »interne Sicherheitsmaßnahmen gegen Menschenansammlungen« auszuführen. Also hatten die CEOs den normalen Truppen befohlen, diese lästigen Tätigkeiten zu erledigen.

Allerdings beobachtete Drakon jetzt seine Soldaten und sah, dass sie sich so verhielten, als wären sie selbst ein Teil der anderen Menschenmenge, und nicht eine Truppe, die für die Ordnung innerhalb dieser Menge sorgen sollte. Unwillkürlich musste er sich fragen, was wohl geschehen würde, sollten sie den Befehl erhalten, mit Gewalt gegen diese oder auch gegen eine andere Ansammlung von Bürgern vorzugehen. Iceni hatte ihm gesagt, dass sie und Drakon immer noch die Möglichkeit hatten, Gewalt ins Spiel zu bringen, um Menschenmassen zu kontrollieren, doch beim Anblick der Situation hier und jetzt war sich Drakon nicht mehr ganz so sicher, dass diese Einschätzung weiterhin zutraf.