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Wenn ich zurück auf der Oberfläche bin, werde ich bei meinen Brigadekommandanten nachfragen, welchen Eindruck sie von der Situation haben. Erst mal müssen wir diese Operation reibungslos hinter uns bringen. »Bleiben Sie in Alarmbereitschaft, wenn die Gefangenen rauskommen«, befahl Drakon. »Es gab Probleme, als sie von unseren Shuttles abgeholt wurden.«

Der Major zog besorgt die Brauen zusammen. »Die Allianz?«

»Nein, nein, die Allianz scheint diese Leute sehr gut behandelt zu haben. Die Probleme hatten damit zu tun, dass diese Bürger von den Enigmas festgehalten worden sind. Sie sind noch sehr zerbrechlich.«

»Oh. Jawohl, Sir. So wie jemand, der aus dem Arbeitslager kommt? Ich werde meine Leute darauf hinweisen.«

Das Gemurmel schwoll an, kaum dass Gwen Iceni den Hangar betrat. Im Vorbeigehen winkte sie den Bürgern zu, die hinter der Absperrung standen und warteten. »I-ce-nii! I-ce-nii!«, rief die jubelnde Menge.

Drakon ging ihr entgegen. »Sie sind beliebt«, stellte er fest.

Sie musterte ihn, lächelte ihn überraschend an und griff dann nach seiner Hand, um sie in die Höhe zu strecken. Drakon fühlte sich sofort unbehaglich, als der Jubel noch lauter wurde und er zwischen den begeisterten Rufen für Iceni auf einmal auch »Drakon« und »der General« heraushörte.

»So etwas vertraue ich nicht«, raunte er Iceni zu, als sie den Arm sinken ließ und seine Hand losließ.

»Sie meinen die Heldenverehrung durch die Menge?«, fragte sie. »Sie sind gut beraten, dem Jubel nicht zu trauen. So etwas kann genau so schnell umschlagen wie das Wetter, und ehe wir uns versehen, hat die Bewunderung ein jähes Ende, und sie wollen unser Blut. Es war eine gute Idee, dass wir hier oben zusammentreffen. So können alle sehen, wie wir etwas gemeinsam unternehmen, praktisch als Team.«

»Vielleicht sollten wir nach Leuten Ausschau halten, die sich darüber nicht zu freuen scheinen«, überlegte Drakon.

»Das ist keine schlechte Idee«, erwiderte sie und sprach in ihr persönliches Komm. »Meine Sicherheitsleute werden mittels Erkennungssoftware in den Bildern der Überwachungskameras nach Gesichtern suchen, deren Ausdruck nicht zum Anlass passt.«

»Wo sind Ihre Leibwächter?«

»Wenn ihr Einsatz erforderlich wird, werden Sie sie schon sehen.« Sie lächelte ihn an. »Und Sie?«

»Ich habe genügend Soldaten zur Hand.«

»Sind Ihnen irgendwelche spezifischen Bedrohungen bekannt?«

»Nein«, antwortete Drakon. »Und genau das stört mich. Irgendjemand sollte rumpöbeln, jemand sollte sich betrinken und verkünden, was er eines Tages tun wird. Jemand, der CEOs hasst, sollte einen Anschlag auf uns planen, damit wir für unsere Vergangenheit büßen. Und nicht zu vergessen: Da sind auch noch irgendwo Schlangen unterwegs, die sich bislang erfolgreich vor uns verstecken konnten. Warum will niemand etwas von mir? Schließlich hatten die es schon auf Ihr Leben abgesehen.«

»Stimmt. Wir können uns keine Gedankenlosigkeit leisten, und dass wir keinerlei Meldungen über Drohungen zu hören kriegen, ist schon seltsam. Außerdem müssen wir uns jetzt auch noch Gedanken darüber machen, welche Gefahren Captain Bradamont drohen könnten. Sie wird als Erste das Schiff verlassen. Wir müssen unseren Bürgern zeigen, dass diese Allianz-Offizierin unsere Freundin ist. Wie könnte man das besser demonstrieren als in der Form, dass sie uns die Gefangenen übergibt, die von Black Jack befreit wurden?«

»Das wird zwar nicht genügen, aber es ist immerhin ein Anfang«, räumte Drakon ein. »Da, die Luke geht auf. Hoffen wir, dass das nicht als Fiasko endet.«

Das beständige Murmeln wurde leiser, als Captain Bradamont die Luke durchschritt und geradewegs auf Drakon und Iceni zuging. Dass sie eine Allianz-Uniform trug, war nicht zu übersehen, und schon an ihrer Gangart konnte man auf den ersten Blick erkennen, dass sie keine befreite Gefangene war. Die Gespräche innerhalb der Menschenmenge kamen völlig zum Erliegen, dann waren hier und da wütende Rufe zu hören.

Zu dem Zeitpunkt war Bradamont bereits bei Drakon und Iceni angekommen, sie blieb stehen und salutierte nach Art der Allianz, wobei die Fingerspitzen der rechten Hand die rechte Schläfe leicht berührten. Sie behielt diese Haltung bei, während sie mit kraftvoller Stimme zu reden begann: »Präsidentin Iceni, General Drakon, es ist mir eine große Freude, Ihnen im Namen der Allianz jene Bürger zurückzubringen, die noch bis vor Kurzem von der Enigma-Rasse festgehalten wurden. Wir haben sie ihrem Wunsch entsprechend nach Hause gebracht und übergeben sie jetzt in die Hände ihrer Freunde und Familien.«

Drakon reagierte mit dem Syndik-Salut, bei dem er die rechte Faust an die linke Brust legte. »Wir danken Ihnen.«

Iceni nickte. »Wir stehen alle tief in Black Jacks Schuld, der diese Bürger aus der Gewalt der Enigmas befreit und sie unter großen Gefahren hierher zurückgebracht hat und der dafür von uns keinerlei Gegenleistung gefordert hat.«

Wieder setzte Gemurmel ein, diesmal jedoch verhaltener, da die Bürger auf das reagierten, was ihretwegen inszeniert wurde. Drakon vermutete, dass Bradamonts kurze Ansprache von Iceni bearbeitet worden war, bevor sie an Bord des Frachters eingetroffen war.

Bradamont machte noch einen Schritt auf sie zu und ergänzte dann entschieden leiser: »Beobachten Sie die befreiten Gefangenen sehr aufmerksam, wenn sie rauskommen, und behandeln Sie sie sehr behutsam, wenn einer von ihnen aus der Reihe tanzt. Diese Leute sind sehr nervös. Sie sind nicht gefährlich, aber äußerst schreckhaft.«

»Alles klar«, sagte Drakon und sah zu den befreiten Gefangenen, die nach und nach aus der Luke traten. Einige trugen neue Overalls, andere Sachen, die ihnen die Allianz-Flotte zur Verfügung gestellt hatte, während sich ein Großteil an der zusammengewürfelten Kleidung festklammerte, die sie im Augenblick ihrer Befreiung getragen hatten. Sie bewegten sich als Gruppe vorwärts und blieben dabei dicht zusammen. Das erinnerte an Tierherden, die sich auf ganz ähnliche Weise untereinander Schutz spenden. Manche sahen sich verwundert um, andere starrten stur vor sich hin. Die meisten Leute stellten aber ein erleichtertes Lächeln zur Schau, als sie Uniformen und Symbole wiedererkannten, die ihnen verrieten, dass sie tatsächlich heimgekehrt waren.

Einer aus der Gruppe, ein älterer Mann, entdeckte Drakon und verließ die anderen. Vor Drakon blieb er dann stehen und salutierte auf eine etwas ungelenke, eingerostete Weise, so als sei ihm die Geste nur noch schwach in Erinnerung.

»Manager Olan Paster«, sagte er. »Melde mich zum Dienst.«

Drakon sah den alten Mann ernst an, während er den Salut erwiderte. »Welche Einheit?«

»Jäger 9356G, Sir.«

»Jäger der G-Klasse werden schon seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut«, erwiderte Iceni und sah auf die Daten, die sie soeben überprüft hatte. »Jäger 9356G wird als Schiff gelistet, das vor fünfundvierzig Jahren bei Pele spurlos verschwand.«

»Solange ist es schon her?« Der alte Mann zwinkerte verwirrt. »Wir hatten keinerlei Anhaltspunkt, wie die Zeit verging. Die Allianz hat uns das universelle Datum zwar genannt, aber wir waren nicht sicher. Es tut mir leid, ich kenne die Uniform nicht, die Sie tragen. Daher weiß ich nicht, mit welchem Titel ich Sie anreden soll.«

»Wir haben uns von der Syndik-Kleidung losgesagt«, ließ Drakon ihn wissen. »Ich bin General Drakon, dies ist Präsidentin Iceni. Wir gehören nicht länger zu den Syndikatwelten.«

»Nicht?«

»Nein«, bestätigte Iceni und lächelte den Mann aufmunternd an. »In diesem Sternensystem gibt es keine Schlangen mehr«, erklärte sie dann an alle ehemaligen Gefangenen gerichtet. »Wir sind keine Diener des Syndikats mehr, wir sind nicht länger Sklaven der CEOs auf Prime. Wir und Sie, wir alle sind frei. Wir werden Sie in Quartieren auf dieser Station unterbringen und versorgen. Sobald wir wissen, wer Ihre Angehörigen in diesem Sternensystem sind, werden die Sie besuchen dürfen. Kooperieren Sie so gut wie Sie können bei allen Fragen, die man Ihnen stellt. Bürger von Taroa, wir haben vorübergehend Ihrer Unterbringung zugestimmt, bis Sie wissen, ob Sie die neue Regierung im Taroa-Sternensystem akzeptieren wollen. Alle anderen sind bei uns herzlich willkommen, während wir versuchen, Ihr Zuhause ausfindig zu machen und einen Transport dorthin zu arrangieren.«