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Eine Frau im mittleren Alter starrte Drakon an. »Was ist aus den Syndikatwelten geworden? Die Arbeiter der Allianz haben uns gesagt, dass sie den Krieg gewonnen haben und dass alles vorüber ist. Wir wollten ihnen das nicht glauben.«

»Hat die Allianz Sie gut behandelt?«, wollte Iceni von ihr wissen, damit die Zuschauer auch etwas davon hatten.

»O ja. Ja, wirklich. Sie waren gut zu uns.«

»Der Krieg ist vorbei«, bestätigte Drakon. »Sie werden Zugang zu aktuellen Nachrichten und zu Geschichts- und Nachrichtenarchiven erhalten, damit Sie alles Versäumte nachholen können.«

»Vielen Dank, geehrter CEO …«

»General«, unterbrach Drakon sie. »Mein Dienstgrad lautet General. Die zivile Führerin dieses Sternensystems ist Präsidentin Iceni. CEOs haben hier nichts mehr zu sagen.«

»Für das Volk«, ging Iceni lautstark dazwischen, und sofort brachen die Zuschauer wieder in Jubel aus, während Ärzte herbeieilten, die die Ex-Gefangenen in einen abgeteilten Bereich führten.

Ein kleines Kind, das nie in Freiheit gelebt haben konnte, löste sich ebenfalls aus der Gruppe und lief zu Captain Bradamont. »Danke! Danke, dass du uns gerettet hast!«, rief das Kind, ehe seine Mutter es einholte und zurück zur Gruppe brachte.

Drakon sah Iceni an, die zufrieden lächelte. Dieser kleine Zwischenfall würde sich in den Nachrichten und in allen anderen Medien gut machen. Möchte wissen, ob Gwen das auch irgendwie inszeniert hat.

Captain Bradamont sah den Gefangenen nach, als sie weggebracht wurden, dann wandte sie sich wieder Drakon und Iceni zu. »Ich stehe zu Ihren Diensten.«

Sie spielte ihre Rolle gut, das musste er Bradamont lassen. Dennoch konnte Drakon hinter der gelassenen Fassade unterschwellige Nervosität ausmachen.

»So wurde es mir auch gesagt«, entgegnete Drakon. »Kommen Sie. Ihr Gepäck wird später nach unten gebracht.«

Er und Iceni gingen mit Bradamont in ihrer Mitte zurück zum VIP-Zugangsbereich. Es war ein eigenartiges Gefühl, eine Allianz-Offizierin neben sich zu haben. Ein sehr eigenartiges Gefühl sogar. Soldaten sorgten einige Meter vor und hinter ihnen für Sicherheit, außerdem waren Männer und Frauen in Zivil zwischen den Bürgern postiert worden, die zwar auf Abstand blieben, aber äußerst aufmerksam ihre Umgebung beobachteten und etwas Einschüchterndes an sich hatten.

»Mein Büro«, erklärte Iceni, »gibt eine öffentliche Erklärung zu Ihnen heraus, Captain Bradamont. Jeder im Midway-Sternensystem wird darauf hingewiesen, dass Sie als persönliche Repräsentantin von Black Jack hier sind. Sagt Ihnen der Begriff Spross etwas?«

Bradamont schüttelte den Kopf.

»Im Syndikatsystem gibt es verschiedene Arten von Gönnerarrangements«, fuhr Iceni fort. »Wir orientieren uns immer noch an diesem System, weil es den Menschen hier in Fleisch und Blut übergegangen ist und weil alle sofort wissen, um was es geht. Die meisten Gönnerarrangements sind informeller Art, sie spiegeln das unterschiedlich starke Interesse eines Höherstehenden an der Karriere und dem Leben eines bestimmten Untergebenen wider.«

»Das ist mir so weit klar«, sagte Bradamont.

»Und dann gibt es da noch den Spross«, erklärte Iceni weiter. »Ein Spross ist die förmliche Bezeichnung für eine Gönnerschaft. Wenn jemand zum Spross eines hochrangigen Amtsinhabers erklärt wird, dann bedeutet das, wenn dem Spross etwas zustößt oder wenn er bedroht wird, dann wird das so gewertet, als hätte man dem hochrangigen Gönner etwas getan oder ihn bedroht. Mein Büro gibt Sie jedem Bürger gegenüber als ein Spross von Black Jack sowie von General Drakon und mir aus.«

Iceni warf Bradamont einen ironischen Blick zu. »Wahrscheinlich hat es noch nie einen Spross gegeben, der so viel Feuerkraft auf seiner Seite hatte. Meinen Glückwunsch.«

»Vielen Dank, aber das wäre nicht nötig gewesen …«

»Doch, das war es«, beharrte Drakon. »Jeder muss wissen, dass jeglicher Versuch, Ihnen Schaden zuzufügen, genau so behandelt wird, als hätte derjenige es auf mich oder auf Präsidentin Iceni abgesehen. Das schützt Sie natürlich nicht vor Leuten, die entschlossen sind, einen von uns aus dem Weg zu räumen, aber es wird diejenigen zweimal darüber nachdenken lassen, die meinen, sie müssten noch eine alte Rechnung aus Kriegszeiten an Ihnen begleichen.«

»Und es wird dafür sorgen«, ergänzte Iceni, »dass man Sie Ihrem Dienstgrad entsprechend behandelt. Jemand, der Sie beleidigt, der beleidigt damit auch uns.« Sie holte eine Komm-Einheit aus der Tasche und gab sie Bradamont. »Das ist für Sie. Es ist vollgepackt mit persönlichen Kontaktnummern, unter denen Sie mich, General Drakon und einige unserer höherrangigen Assistenten erreichen können. Wenn Sie mit dieser Einheit eine offizielle Nummer anrufen, wird die Unterhaltung automatisch verschlüsselt. Das bedeutet aber nicht, dass niemand das Signal abfangen und die Unterhaltung mithören kann. Sagen Sie also nie etwas Vertrauliches, wenn Sie diese Einheit benutzen oder sich in der Öffentlichkeit unterhalten. Solche Gespräche dürfen Sie nur führen, wenn Sie Ihrem Gesprächspartner persönlich gegenüberstehen und sich in einer gesicherten Umgebung aufhalten.«

»Wir haben ein Quartier in meinem Kommandokomplex für Sie vorbereitet«, ergänzte Drakon. »Sie verfügen auch über eine Suite, um VIPs zu empfangen. Das ist deutlich mehr, als einem Offizier Ihres Dienstgrads normalerweise zur Verfügung stünde, allerdings sind Sie ja auch eher eine Art Botschafterin. Sie im Kommandokomplex zu haben macht es viel leichter, Sie zu beschützen.«

Diesmal nickte Bradamont nur und betrachtete die militärischen und zivilen Wachen um sie herum. Ihre Miene ließ nicht erkennen, was sie in diesem Moment dachte, aber Drakon fragte sich, ob sich vergleichbare Führungspersönlichkeiten der Allianz auch mit einem solchen Maß an Wach- und Sicherheitsleuten umgaben. Wahrscheinlich ja. Die Syndikatwelten haben sicher kein Monopol auf gemeingefährliche Spinner. Aber jemand, der wie Bradamont in der Rangordnung viel weiter unten angesiedelt ist, muss diesen Aufwand für verrückt halten.

Sie hatten den Zugang zum VIP-Dock erreicht und ließen den größten Teil der Wachen sowie alle Schaulustigen hinter sich zurück, die sich im öffentlich zugänglichen Bereich aufhielten. »Sagen Sie«, wandte sich Iceni dann an Bradamont, »welchen Eindruck hatten Sie von Kommodor Marphissa?«

»Sie ist talentiert und besitzt großes Potenzial«, antwortete Bradamont ohne zu zögern. »Durch die zügige Beförderung auf ihren jetzigen Posten muss sie noch ein wenig Erfahrung nachholen, aber ich habe keinen Zweifel daran, dass sie das schnellstens erledigen wird.«

»Wie ich hörte, waren Sie anwesend, als Kapitan Toirac das Kommando entzogen wurde«, fuhr Iceni fort.

»Ja, das stimmt.«

»Wie war Ihr Eindruck von Kapitan Toirac?«

Diesmal ließ sich Bradamont etwas Zeit mit ihrer Antwort und sprach dann jedes Wort wohlüberlegt aus. »Er ist über seine Fähigkeiten hinaus befördert worden. Er ist unfähig, mit der damit verbundenen Verantwortung umzugehen, und er ist nicht bereit, seine Schwächen einzusehen. Und jetzt ist er so verbittert, dass ich ihm keinen Autoritätsposten mehr anvertrauen würde.«

»Ich verstehe.« Iceni blieb stehen und zwang damit die ganze Gruppe zum Anhalten. »Haben Sie mit Kommodor Marphissa gesprochen?«

»Ja, Ma’am.«

»Und Kapitan-Leytenant Kontos? Was halten Sie von ihm?«