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Bradamont lächelte kurz. »Er ist wirklich beeindruckend. Er muss zwar noch sehr viel lernen, aber ich bin davon überzeugt, dass er alles sehr schnell begreifen wird. Er kommt einem Naturtalent am Nächsten.«

»Einem Naturtalent?«, wiederholte Iceni verwundert.

»Jemand, der instinktiv weiß, was er wie tun muss«, warf Drakon ein. »Diesen Eindruck hat Colonel Rogero ebenfalls von Kontos.«

Zwar verzog Bradamont keine Miene, als Rogeros Name fiel, aber sie schaute Drakon an.

Das entging auch Iceni nicht, die dem General einen fragenden Blick zuwarf. »Ich werde mich jetzt von Ihnen verabschieden, Captain Bradamont. General Drakon und ich reisen aus Sicherheitsgründen in getrennten Shuttles. Ich habe von Kommodor Marphissa einen Vorschlag für eine sehr riskante Mission vorgelegt bekommen, über den ich gern bald mit Ihnen reden würde. General, Sie werden an dieser Besprechung ebenfalls teilnehmen müssen, weil für diese Mission auch einige Leute Ihrer Bodenstreitkräfte notwendig sein werden.«

»Ja«, sagte Bradamont. »Ich möchte auch gern so bald wie möglich darüber reden, allerdings glaube ich nicht, dass diese Mission jetzt überhaupt noch durchführbar ist, nachdem das Syndik-Hypernet nicht mehr zur Verfügung steht.«

»Haben Sie das noch nicht gehört? Vor ein paar Stunden ist ein Frachter durch das Hypernet-Portal hergekommen. Es funktioniert alles wieder.«

Bradamont sah Iceni ungläubig an. »Sie … die Syndikatwelten können das? Die können Ihr Hypernet nach Belieben ein- und ausschalten?«

»Das Syndikat ist dazu offenbar in der Lage«, antwortete Drakon. »Wir hingegen nicht.« Als er Icenis ermahnenden Blick sah, war ihm sofort klar, was sie meinte, und erklärte: »Captain Bradamont muss das wissen. Sie muss der Allianz mitteilen können, dass wir immer noch ein Hypernet-Portal besitzen, das für sie von großem Wert ist. Und Black Jack soll erfahren, dass es nicht unsere Idee war, ihm beim Heimflug Steine in den Weg zu legen.«

Nachdem Iceni kurz darüber nachgedacht hatte, nickte sie. »Sie haben recht, General. Die Ankunft dieses Frachters war schon ein ziemlicher Schock für uns, Captain Bradamont.«

»Ich muss diese Neuigkeit so schnell wie möglich nach Hause übermitteln«, entgegnete Bradamont. »Bevor Sie sich auf den Rückweg machen, Madam Präsidentin, möchte ich Ihnen und General Drakon noch das hier geben.« Sie griff in ihre Tasche und holte zwei Datenscheiben heraus, wobei sie nichts davon zu merken schien, dass die verbliebenen Leibwächter jede ihrer Bewegungen argwöhnisch verfolgten. »Von Admiral Geary. Das sind Berichte über das, was wir im Territorium der Enigmas, der Kiks und der Tänzer vorgefunden haben, außerdem alle verfügbaren Informationen über jede der drei Spezies.«

Drakon nahm eine der kleinen Scheiben an sich. »Sind die beiden identisch?«

»Die Discs? Ja, Sir, eine für jeden von Ihnen.«

»Wie diplomatisch«, merkte Iceni an und nahm die andere Disc in die Hand. »Erwarten uns irgendwelche Überraschungen?«

»Ich weiß nicht«, sagte Bradamont. »Ich weiß, dass Admiral Geary Ihnen bereits einiges erzählt hat. Er sagte, dass Sie die vorderste Linie zwischen der Menschheit und diesen Spezies bilden. Deshalb sollen Sie alles über sie wissen, was an Erkenntnissen vorhanden ist.«

»Zu schade, dass er nicht ein paar von unseren Technikern an Bord dieses erbeuteten Superschlachtschiffs gelassen hat«, konterte Iceni.

Bradamont machte eine entschuldigende Geste. »Nicht mal unsere eigenen Techniker durften bislang an Bord gehen. Es befindet sich ein Sicherheitstrupp auf der Invincible, aber keiner von uns wagt es irgendetwas anzurühren, solange wir nicht zurück im Allianz-Gebiet sind.«

Drakon musste zugeben, dass das nach einer einleuchtenden Erklärung klang, andererseits war es genau die Art von Ausrede, die er auch jedem aufgetischt hätte, der seine Nase in Angelegenheiten stecken wollte, die ihn nichts angingen. Wenigstens teilt uns Black Jack auf eine höfliche Art mit, dass wir uns zum Teufel scheren sollen. »Geben Sie mir Bescheid, wenn der Termin für die Besprechung feststeht«, sagte er zu Iceni, dann führte er Bradamont zu seinem Shuttle.

Die Wachsoldatin an der Zugangsrampe gab sich alle Mühe, Bradamont nicht anzustarren, und dem Shuttlepiloten ging es nicht anders. Drakon gab der Offizierin ein Zeichen, damit sie vorging, dann folgte er ihr ins Passagierabteil und nahm neben ihr Platz.

Als sich die Luke schloss, atmete sie einmal hastig durch. Drakon entging nicht, wie sie mit einer Hand die Armlehne fest umklammerte. Das letzte Mal, als sie mit einem Offizier der Syndikatwelten in einem Raum gesessen hat, war sie eine Gefangene. Jetzt ist sie wieder bei diesen Leuten gelandet und ihnen letztlich hoffnungslos ausgeliefert. »Wissen Sie, was Schlangen sind?«, fragte er.

Bradamont nickte. »Ich bin mit den Reptilien genauso vertraut wie mit der menschlichen Variante.«

»Die menschliche Variante haben wir in diesem Sternensystem fast vollständig eliminiert. Wir jagen nur noch ein paar versteckte Überbleibsel.«

»Davon hat Colonel Rogero gesprochen«, sagte sie und wirkte nach wie vor angespannt. »Ich hoffe, Sie verstehen, dass es einen Unterschied macht, ob man etwas weiß oder ob man es akzeptiert.«

»Ich weiß«, bestätigte er. »Ich selbst habe damit auch immer noch Schwierigkeiten. Aber es ist in unserem besten Interesse, Sie gut zu behandeln, Captain Bradamont, und ich werde alles tun, um sicherzustellen, dass man das auch tatsächlich tun wird.«

Sie sah ihm ins Gesicht. »Keine Eskorte in diesem Shuttle?«

»Sie sind unser Gast, wozu sollten wir Wachen brauchen?« Drakon beobachtete sie, während das Shuttle ablegte und zum Flug zurück auf den Planeten unter ihnen ansetzte. »Colonel Rogero hat einige Jahre lang unmittelbar unter mir gedient. Er ist einer der besten Offiziere, die ich je hatte.«

Bradamont zog eine Braue hoch. »Und?«

»Falls Sie sich fragen, warum sie ihn bislang nicht zu Gesicht bekommen haben, das liegt daran, dass ich mir erst persönlich ein Bild von Ihnen machen wollte. Ihretwegen wäre er beinahe hingerichtet worden.«

»Ich weiß.«

»Aber daran war er selbst in gleichem Maß schuld«, fuhr Drakon fort. »Mich interessiert nur, ob wir mit einer Allianz-Offizierin zusammenarbeiten können. Nach allem, was ich gehört habe, war Ihre Leistung auf der Manticore gut.«

»Ich war in erster Linie als Beobachterin an Bord, um die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.«

»Ich kenne ein paar der Auszeichnungen, die Sie da tragen, Captain. Die hat man Ihnen nicht fürs Beobachten verliehen.« Er deutete auf eine Auszeichnung mit roten, grünen und silbernen Streifen. »Die da kenne ich. Die ist für Ajatar, richtig?«

»Ja, Sir. Woher wissen Sie das?«

»Aus einem von diesen Geheimdienstberichten«, erklärte er. »Ich musste eigentlich nicht wissen, welches Abzeichen wofür steht. Aber das ist mir aufgefallen, weil ich auf Ajatar war. Auf der Planetenoberfläche.«

Wieder sah sie ihn an. »Bei den Bodenstreitkräften? Auf dem zweiten Planeten?«

»Ja. Sie haben damals ordentlich auf uns eingedroschen.«

Sie schüttelte den Kopf. »Unsere eigenen Bodenstreitkräfte haben anschließend gesagt, dass sie es nicht fassen konnten, wie Sie so lange durchgehalten haben, bis eine Syndik-Flotte eintraf, die groß genug war, um uns aus dem System zu vertreiben.«

Drakon zuckte mit den Schultern und sah weg, als er von den Erinnerungen bestürmt wurde. »Es war nicht einfach. Zu dem Zeitpunkt lebten nur noch wenige von uns. Ich war ein … Sie würden den Dienstgrad wohl Major nennen. Ich traf mit einem Bataillon auf dem Planeten ein, und als man uns da endlich wieder rausholte, lebten noch gerade genug Leute für einen Zug.«

»Im All war es auch übel. Ich war gerade erst ein Ensign auf einem Schweren Kreuzer, der Sallet. Wir wurden förmlich in Stücke geschossen. Gut vierzig von uns schafften es noch in die Rettungskapseln, bevor das Schiff explodierte.«