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»Verdammt. Das ist schon irgendwie witzig, dass Sie auf einem der Schiffe gedient haben, von denen wir mit Steinen beworfen wurden. Ist die Galaxis nicht klein?« Dragon seufzte leise. »Ich bin froh, dass es vorüber ist.«

»Ist es denn vorüber?«

»Nein, schließlich kämpfen wir immer noch, nicht wahr? Nur dass es jetzt andere Feinde sind. Aber ich rede mir gern ein, dass es vorüber ist.«

»Das kann bei einem Senioroffizier eine schlechte Angewohnheit sein«, stellte sie fest.

Diese schnörkellose Aussage hätte ihn mit ihrem Hang zur Insubordination ärgern können, doch Drakon musste ironisch lächeln. »Eine sehr schlechte Angewohnheit, vor allem bei der Planung einer Operation. Allmählich beginne ich zu verstehen, was Colonel Rogero in Ihnen sieht und warum Black Jack Sie für diese Mission ausgewählt hat.«

»Werde ich … General, das ist eine rein persönliche Frage. Wird es mir erlaubt werden, Colonel Rogero zu sehen?«

»Erlaubt? Sie werden ihn sogar sehen müssen. Er wird ihr offizieller Betreuer sein, auch wenn er den Posten als einer meiner Brigadekommandanten beibehalten wird.«

Bradamont schluckte und sah ihn mit großen Augen an. »Danke, General.«

»Ich habe das für ihn gemacht«, sagte Drakon, dem diese offensichtliche Dankbarkeit unangenehm war. »Ihnen werden ein paar Wachen zugeteilt, doch die werden Ihre Privatsphäre respektieren. Aber denken Sie immer daran, was Präsidentin Iceni Ihnen gesagt hat: Jede Unterhaltung in der Öffentlichkeit oder über eine Komm-Leitung wird wahrscheinlich abgehört.«

»Ich dachte, die Schlangen sind alle weg«, merkte Bradamont an.

»So gut wie alle. Aber wir sind uns sicher, dass es immer noch mindestens einen Agenten unter den Zivilisten oder beim Militär gibt. Allerdings sind Schlangen nicht die Einzigen, die die Unterhaltungen anderer Leute belauschen. Sie wissen ja, wie das ist.«

Sie betrachtete ihn perplex. Eindeutig wusste diese Allianz-Offizierin nicht, wie es war. »General, reden Sie von offiziellen oder inoffiziellen Schnüfflern?«

»Sowohl als auch. Beim internen Taktieren und beim Wetteifern um Beförderungen kann es ziemlich hässlich zugehen.« Sie musste diese Dinge wissen, um nicht völlig unvorbereitet zu sein.

»Hässlich? Sie meinen so was wie Schlammschlachten?«

»Nein, ich meine so was wie Erpressung, Spionage und Attentate.«

Sie sah ihn sekundenlang an, schließlich erwiderte sie: »Ich warte gerade darauf, dass Sie ›war nur ein Scherz‹ sagen.«

»Haben Sie so etwas nicht in der Allianz?«, fragte Drakon.

»Nein. Das heißt, in seltenen Fällen schon. Aber nur in wirklich seltenen Fällen.« Bradamont schaute mit besorgter Miene vor sich auf den Boden. »Bei einigen Dingen, die Colonel Rogero mir gesagt hatte, war ich davon ausgegangen, ich hätte sie falsch aufgefasst.«

»Haben Sie aber nicht.« Drakon sah sie sehr eindringlich an. »Sie müssen wissen, wie hier was läuft. Oder wie hier was gelaufen ist, denn ich habe diese Dinge schon immer gehasst, und ich werde mein Bestes tun, um sie aus der Welt zu schaffen. Es gibt einen guten Grund, warum Offiziere stets Handfeuerwaffen tragen, und dieser Grund ist nicht etwa, dass wir auf eine Invasion durch die Allianz gefasst sein wollen. Aus dem gleichen Grund lasse ich mich auch oft von Leibwächtern begleiten. Ich werde mein Bestes tun, um Ihr Leben zu beschützen, und ich bin mir sicher, Colonel Rogero wird das auch tun. Dennoch müssen Sie wissen, wie es hier zugeht, damit Sie immer wachsam sind und die Augen offenhalten.«

»Ich … Das werde ich tun, General.« Sie sah zum großen Display an der vorderen Wand des Passagierabteils. Es zeigte jetzt nur noch den Planeten, auf den das Shuttle zuflog. »Ihre Welt ist wunderschön.«

»Ich habe schon schlimmere Planeten gesehen«, stimmte er ihr zu. »Werden Sie mit allem klarkommen, Captain?«

Der Ausdruck in ihren Augen veränderte sich, und dann sah Drakon vor sich die Befehlshaberin eines Allianz-Schlachtkreuzers; zäh, stahlhart, intelligent. Nicht nur kompetent, sondern äußerst geschickt. »Ich werde damit klarkommen, General.«

Er hatte sich immer gefragt, wieso sich Rogero in eine Kriegsgefangene hatte verlieben können. Nachdem Drakon diese Frau nun endlich kennengelernt hatte, war das gar nicht mehr so erstaunlich. »Wir landen gleich neben meinem Hauptquartier. Colonel Rogero wartet dort auf mich, aber den Grund dafür kennt er nicht.«

»Er wird die Nachrichten gesehen haben und …«

»Nein, hat er nicht. Soweit Colonel Rogero betroffen ist, sind Sie mit Black Jacks Flotte abgereist.«

Sie lächelte ihn an. »Sie sind ein gemeiner Mensch, General.«

»Die meisten Leute, die mir das sagen, meinen es auch so, müssen Sie wissen.«

»Das möchte ich bezweifeln, General. Darf ich Sie um einen Gefallen bitten?«

Colonel Rogero versuchte, nicht so verärgert dreinzuschauen, wie er sich fühlte. Es war bei Weitem nicht das erste Mal, dass er von seiner Einheit weggeholt worden war, weil General Drakon irgendeinen schwammigen Befehl erteilt hatte. Es war auch nicht das erste Mal, dass man ihn in einen gesicherten Konferenzraum im Hauptkommandokomplex eskortiert hatte, damit er dort auf den General wartete, der irgendwelche Befehle für ihn hatte, die so sensibel waren, dass er sie ihm auf keinem anderen Weg zukommen lassen konnte.

Aber er saß nun schon seit Stunden ganz allein in diesem Raum, der nicht nur gesichert, sondern auch noch verschlossen war. Er hatte auf keine einzige Komm-Leitung zugreifen können, war nicht in der Lage gewesen, sich um irgendetwas zu kümmern, was sich außerhalb dieser vier Wände abspielen mochte. Ich wollte die Ankunft der ehemaligen Gefangenen mitansehen. Es gab Gerüchte, dass der General dafür die Hauptorbitaleinrichtung aufsuchen würde. Warum sitze ich praktisch wie ein Gefangener hier, wenn sich draußen so viele Dinge ereignen?

Dabei war es ihm nicht nur um diese Gefangenen gegangen, auch wenn deren Ankunft eine ganze Welle von Gerüchten auslösen und sogar für Unruhe bei den Bürgern sorgen konnte. Irgendwo da draußen hielten sich immer noch Schlangen versteckt, und er konnte keine Jagd auf sie machen, wenn er in einem Raum festsaß, von dem aus er nicht einmal Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen konnte.

Steht etwa meine eigene Loyalität unter Verdacht? Colonel Morgan benimmt sich schon seit einiger Zeit in meiner Nähe etwas seltsam, aber Colonel Malin kennt mich gut genug, um zu wissen, dass ich General Drakon niemals hintergehen würde. Aber wenn vielleicht mehr Leute von meinen Verbindungen zu den Schlangen erfahren haben …

Rogero sah mit ungutem Gefühl zur Tür. Schutzhaft? Geht es darum? Soll ich davor bewahrt werden, dass meine eigenen Truppen mich umbringen, weil ich ein Agent der Schlangen war? Aber dann würde Drakon ihnen doch sicher die Wahrheit über mich sagen, dass ich die Schlangen in die Irre geführt und den General beschützt habe. Nur … würden sie überhaupt noch zuhören?

Er sah, wie der Riegel sich bewegte, dann ging die Tür auf, und General Drakon kam herein, der in keiner Weise beunruhigt oder besorgt zu sein schien. »Tut mir leid, dass ich Sie habe warten lassen, Donal. Aber es gab da eine Sache, die ich zuerst erledigen musste.«

»General«, sagte Rogero und stand etwas schneller als üblich von seinem Stuhl auf. »Gibt es irgendetwas …?«

Drakon winkte sofort ab. »Kein Grund zur Sorge. Ich habe Sie herbringen lassen, um Ihnen zu sagen, dass ich Ihnen eine weitere Aufgabe übertrage.«

»Eine weitere Aufgabe?« Das war keine erfreuliche Nachricht. Nebenjobs neigten dazu, dass sie übermäßig viel Zeit beanspruchten, die einem dann bei der Haupttätigkeit fehlte. Aber im Vergleich zu allem, was er sich in der Zwischenzeit ausgemalt hatte, war das noch das kleinste Übel. »Um was geht es?«