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»Das werde ich Ihnen zeigen. Kommen Sie.«

Rogero folgte ihm völlig ahnungslos, während Drakon vor ihm her durch den Komplex ging. »Wie macht sich Ihre Einheit?«, fragte der General.

»Alles bestens, General. Die Moral in der Truppe ist gut.«

»Hervorragend. Später muss ich noch mit Ihnen über Ihren Eindruck reden, was die Truppen und deren Einstellung gegenüber Zivilisten angeht.« Drakon blieb vor einer geschlossenen Tür stehen, hinter der sich eine kleine vollautomatische Snackbar befand, die vom Personal des Hauptquartiers genutzt wurde. »Aber das kann noch ein paar Stunden warten. So, da wären wir.«

»General?«

Drakon sah Rogero an. »Ihre neue, zusätzliche Aufgabe befindet sich hinter dieser Tür. Es ist etwas, dem nur Sie gewachsen sind, Colonel.«

»In einer … Snackbar?«

»Lassen Sie sich ruhig Zeit. Und wenn Sie da drinnen fertig sind, melden Sie sich im VIP-Quartier Eins. Verstanden?«

»VIP?«

»Tun Sie einfach nur, was ich Ihnen sage, Colonel.« Drakon drückte die Tür ein Stück weit auf, dann packte er Rogero am Arm und schob ihn durch den Spalt.

Verwundert und abermals ein wenig besorgt wollte sich Rogero soeben zu Drakon umdrehen, da hörte er, wie die Tür hinter ihm zugezogen wurde. Sein Blick wanderte durch den kleinen Raum, und er bemerkte, wie jemand von einem der Tische aufstand.

Es war einer der sehr seltenen Momente in seinem Leben, in denen Donal Rogero weder einen Ton herausbringen noch irgendeinen Gedanken fassen konnte.

»Ich habe dir was zu trinken spendiert«, sagte Captain Bradamont und hielt ihm eine Flasche hin. »Leider hatte ich keine hiesige Währung zur Hand, darum hat mir dein General etwas geliehen.«

Die Galauniform der Allianz, die sie trug, saß tadellos und erinnerte in keiner Weise an die zerrissene und verkohlte Gefechtsuniform, die Bradamont auf dem Gefangenentransporter und im Arbeitslager getragen hatte. Ein Kommandoanstecker ergänzte die Gefechtsauszeichnungen, zu denen seit dem letzten Mal ein paar neue hinzugekommen waren. Aber sie selbst hatte sich kein bisschen verändert. »Honore?«, brachte er schließlich heraus, als sein Gehirn wieder die Arbeit aufnahm. »Ist das wahr?«

Sie kam näher und bot ihm noch einmal die Flasche an. »Es ist wahr. Ich habe dir doch gesagt, beim nächsten Mal gebe ich einen aus. Dein General meinte, das ist ein besonders beliebtes Getränk.«

»Da hat er dir einen Bären aufgebunden.« Er fühlte sich ein wenig schwindlig. »Die Truppen haben das Zeug in Röchel umgetauft, weil es so eklig schmeckt. Wir benutzen es nur, um Messing zu polieren.«

»Oh, tut mir leid.« Sie stand da und sah ihn an. »Du hast gesagt, du würdest mir ein Mittagessen spendieren.«

»Ja, das ist wahr.« Er schüttelte den Kopf. »Ich … ich verstehe nicht.«

»Ich bin von der Allianz-Flotte freigestellt worden und habe den Befehl, als Verbindungsoffizier zwischen Allianz und Midway zu fungieren.«

»Das … das kann nicht sein«, stammelte er. »General Drakon weiß das von uns.«

»Ja, und Admiral Geary weiß es ebenfalls.«

»Aber … wieso dann?«

»Weil sie uns kennen«, erklärte Bradamont. »Sie wissen, dass wir trotz allem an unserer Ehre festgehalten und niemals unsere Pflichten vernachlässigt haben. Wir haben sie nie verraten, wir haben unsere Welten nie verraten, und wir haben uns auch gegenseitig nicht verraten. Vielleicht eignen wir uns deshalb besonders gut, um zu demonstrieren, wie unsere Völker zusammenarbeiten können. Es gab noch ein paar andere Gründe, wieso ich gebeten wurde, mich für diese Aufgabe freiwillig zu melden, aber darüber können wir bei Gelegenheit immer noch reden.«

Endlich regten sich genügend Neuronen in Rogeros Hirn, damit er richtig denken konnte. »General Drakon hat das hier arrangiert? Woher wusste er, dass deine letzten Worte lauteten, du würdest mir irgendwann was zu trinken spendieren?«

»Ich hab’s ihm gesagt.« Sie lächelte ihn an. »Er scheint mir ein ziemlich harter Boss zu sein, aber einer von den Guten.«

»Sogar einer von den sehr Guten. Er ist … er ist … verdammt, Honore, darf ich dich in den Arm nehmen? Darf ich dich küssen?«

»Warum fragst du mich umständlich, anstatt es einfach zu machen, Donal? Aber zerknittere mir nicht meine Uniform.«

Drakon wartete, bis eine Eskorte eintraf, die Bradamont zu ihrem Quartier begleiten sollte, dann befahl er ihnen zu warten, bis Colonel Rogero die Tür öffnete. Als er wegging, entdeckte er Morgan, die am Ende des Korridors stand und auf die Tür zur Snackbar starrte.

»Stimmt das, was ich gehört habe?«, wollte sie von Drakon wissen.

Der sah sie zunächst nur ernst an, dann antwortete er mit einer Gegenfrage: »Ist das der richtige Tonfall, wenn Sie mit mir reden?«

Sie zwang sich sichtlich, ihre Verärgerung zumindest ein wenig zu bändigen. »Verzeihen Sie, Sir. Stimmt es, dass sich eine Allianz-Offizierin in diesem Raum aufhält, die nicht unter Arrest steht?«

»Wir befinden uns nicht mehr im Krieg mit ihnen, Colonel Morgan. Tatsächlich verhält sich die Allianz sogar in vieler Hinsicht so wie ein Verbündeter.«

»Sir …«

»Ja, eine Offizierin der Allianz hält sich in diesem Raum auf. Sie ist eine offizielle Repräsentantin der Allianz, und sie steht unter dem persönlichen Schutz von Präsidentin Iceni und mir. Sie ist mein Spross. Haben Sie das verstanden? Ihr wird nichts zustoßen, und sie wird mit dem ihrem Dienstgrad eines Flottencaptains entsprechenden Respekt behandelt.«

»Ihr … Spross.« Morgan starrte ihn wutentbrannt an. »Eine Allianz-Offizierin. Diese Leute haben gemordet und …«

»Wir haben alle gemordet, Colonel Morgan. Der Krieg ist vorbei. Wir haben immer noch genügend gemeinsame Feinde. Wir fangen jetzt von vorn an. Und selbst wenn das alles nicht stimmen würde, benötigen wir die Unterstützung von Black Jack, die uns diese Frau bringt. Sie könnte die Einzige sein, die uns genug Zeit verschafft, damit wir unsere Streitkräfte so gestärkt bekommen, dass wir ganz auf eigenen Beinen stehen können.«

Die Art, wie sie nahezu augenblicklich die Fassung zurückerlangte, war erschreckend und mehr als beunruhigend. Das Feuer in Morgans Augen erlosch, an seine Stelle rückte ein eiskalter Schild, der keinen Gedanken und keine Gefühlsregung erkennen ließ. Ihr Gesicht nahm einen ganz ähnlichen Ausdruck an wie ihre Augen. »Ja, General, ich habe verstanden.« Sogar ihre Stimme hatte jetzt wieder den gewohnt respektvollen Tonfall angenommen.

»Colonel Morgan … Roh, wir müssen die Dinge anders anpacken. Lange Zeit waren für uns Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein und dasselbe. Damals, jetzt und zukünftig hat immer nur Krieg geherrscht. Dieser immer gleiche Ablauf ist endlich durchbrochen worden. Die Zukunft kann jetzt anders sein als die Vergangenheit. Die Zukunft kann jetzt besser sein als die Vergangenheit.«

Gefühle begannen sich wieder zu regen, Morgan nickte zustimmend. »Ja, Sir. Die Zukunft wird besser sein. Wir werden stärker werden, und wir werden eine bessere Zukunft schaffen.«

»Sie haben verstanden, dass Captain Bradamont mein Spross und der von Präsidentin Iceni ist und dass das bedeutet, dass ihre Sicherheit zu gewährleisten ist?«

Morgan lächelte und nickte. »Es bedeutet nicht, dass sie in irgendeiner Weise Ihre Erbin ist.«

»Das ist richtig. Kommen Sie mit, ich will mit Ihnen darüber reden, wie wir die Schlangen ausfindig machen können, die sich noch auf diesem Planeten oder irgendwo anders im Sternensystem versteckt halten.«

»Ich habe intensiv gesucht und auch schon ein paar Hinweise gefunden«, sagte Morgan, während sie neben ihm herging. Sie verließen das Hauptquartier durch den Vordereingang und gelangten auf den freien Bereich davor. Sofort scharte sich eine Gruppe Leibwächter um Drakon. Sein Blick fiel auf die Grünfläche, die den Platz zu einem großen Teil für sich beanspruchte, und so wie fast immer fiel ihm wieder ein, welchen Aufwand das Syndikat betrieben hatte, damit der Rasen stets perfekt aussah. Man war sogar so weit gegangen und hatte mit Genmanipulation gearbeitet, um Gras wachsen zu lassen, das genau den »richtigen« Grünton aufwies und bei dem jeder Halm genau die richtige Dicke erreichte. Irgendwann hatte er sich mal mit den offiziellen Spezifikationen für Gras beschäftigt und sich nur gewundert, wie viel Arbeit man in eine so unwichtige Angelegenheit investieren konnte, vor allem mit Blick auf die Neigung der Syndikatbürokratie, Themen zur Sicherheit der Soldaten zu übergehen, denen es auch nur im Rahmen offizieller Anlässe gestattet war, den Rasen zu betreten.