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Drakon steckte seine Komm-Einheit weg, dabei fiel ihm auf, dass Morgan den toten Angreifer sehr eindringlich betrachtete. »Was entdeckt?«, fragte er.

»Wer will Sie wirklich aus dem Weg räumen?«, antwortete sie mit einer Gegenfrage.

»Sie meinen, abgesehen von den Schlangen, die sich immer noch irgendwo in diesem Sternensystem versteckt halten? Keine Ahnung, sagen Sie es mir.«

»Madam Präsidentin.« Morgan deutete mit einem Nicken auf den Toten. »Wer hat Zugriff auf diese Art von Nanos? Und solche Waffen?«

»Die Schlangen«, erwiderte Drakon geduldig.

»Die sind nicht die Einzigen.« Mit der Schuhspitze schob sie den Ärmel hoch, bis der Unterarm nicht mehr mit Stoff bedeckt war. »Sehen Sie das?«

Man konnte es gar nicht übersehen. »Eine Kennzeichnung aus einem Arbeitslager.«

»Wie viele Bürger, die eine Weile in einem Arbeitslager gesessen haben, wollen danach noch irgendetwas mit den Schlangen zu tun haben?«

Drakon wusste darauf keine Antwort.

Colonel Malin war außer sich, als er ins Hauptquartier zurückkam, und machte seine Abwesenheit beim Attentatsversuch auf Drakon mit einem regelrechten Wirbelsturm an Aktivität wieder wett. »Die Polizei hat jeden aufgegriffen, der die beiden toten Männer gekannt hat«, sagte er zu Drakon. Sie beide und Morgan hielten sich augenblicklich in einem abhörsicheren Konferenzraum auf.

Malin lud ein Bild auf das Display hoch, das jeden während des Feuergefechts abgegebenen Schuss zeigte. »Die Analyse der Schussfolge ergibt, dass die Angreifer zunächst auf Ihre Leibwächter geschossen haben, General, und nach der ersten Salve verlagerten sie sich auf Sie und Colonel Morgan. Die Reihenfolge der Ziele hat verhindert, dass Sie getroffen wurden, Sir. In den ersten Sekunden war nur die Hälfte der zum Einsatz gekommenen Waffen auf Sie gerichtet.«

Drakon betrachtete das Bild, dann sah er Malin an. »Colonel Morgan hat die Schützen absichtlich auf sich gelenkt.«

»Ja, Sir«, stimmte Malin ihm zu, was Morgan spöttisch grinsen ließ. »Aber es wurden schon zuvor zahlreiche Schüsse auf sie abgegeben, fast so viele wie auf Sie.«

Es war ziemlich offensichtlich, was das bedeutete. »Dann war Colonel Morgan als Ziel genauso wichtig wie ich? Wieso?«

»Sir, ich glaube, die Angreifer haben irrtümlich auf sie gezielt.«

Morgan lehnte sich auf ihrem Platz nach hinten und legte einen Fuß auf den Tisch, wobei sie ihr Bein auf eine Weise streckte, dass jeder Blick einfach dorthin wandern musste. »Sie sind ja nur eifersüchtig.«

»Keineswegs«, wehrte Malin ab. »Ich bin mir sicher, man hat Sie mit jemandem verwechselt.«

»Wer hätte sie denn sein sollen?«, wollte Drakon wissen.

»So gut wie jeder weiß, dass Sie sich auf der Orbitaleinrichtung mit der neuen Verbindungsoffizierin der Allianz getroffen haben und dass sie mit Ihnen und Präsidentin Iceni zum Planeten aufgebrochen ist. Das Shuttle von Präsidentin Iceni ist gelandet, sie hat es allein verlassen. Ihr Shuttle ist in einem abgeschirmten Bereich gelandet, der aber mit entsprechenden Kameras auch aus weiter Ferne beobachtet werden kann. Man kann also gesehen haben, wie Sie mit einer Frau das Shuttle verlassen.«

»Die haben geglaubt, ich mache mit Captain Bradamont einen Spaziergang? Morgan sieht Bradamont doch nicht einmal ähnlich!«

Malin machte eine Geste hin zu Morgan. »Eine Perücke, eine andere Uniform, ein wenig Schminke, dazu die Tatsache, dass die beiden die gleiche Statur haben — das dürfte genügen, um einen Beobachter zu dem Schluss kommen zu lassen, dass Sie von der Allianz-Offizierin begleitet wurden.«

»Die haben mich für das Allianz-Miststück gehalten?«, rief Morgan. »Jetzt fühle ich mich richtig beleidigt.«

»Colonel Morgan …«, begann Drakon gedehnt.

»Verzeihen Sie, Sir, ich werde mich künftig um eine andere Wortwahl bemühen, wenn es um unsere neue Freundin und Verbündete geht«, gab sie zurück.

»Wir konnten die Individuen identifizieren, die Colonel Morgan unschädlich gemacht hat«, redete Malin weiter und deutete mit einer knappen Kopfbewegung auf Morgan. »Beide gehören einer extremen Gruppierung an, die sich Volkes Wort nennt und die sofortige und vollständige Demokratie fordert.«

Drakon zog skeptisch die Brauen zusammen. »Die wollen sofort alle Volksvertreter wählen?«

»Nein, Sir. Die wollen überhaupt keine Volksvertreter. Sämtliche Entscheidungen sollen per direkter Abstimmung getroffen werden.«

Morgans spöttisches Lachen hallte von allen Seiten wider. »O ja, als ob das funktionierte!«

»Ausnahmsweise teile ich Colonel Morgans Meinung«, erklärte Malin. »Allerdings wirft die Verbindung zu Volkes Wort eine entscheidende Frage auf. Ihre Philosophie könnte das Attentat auf Sie, General, erklären. Aber es erklärt nicht, warum sie auf eine Allianz-Offizierin schießen sollten.«

»Weil ihnen die Anwesenheit einer Allianz-Vertreterin gefallen müsste, richtig?«, fragte Drakon nachdenklich.

»Zumindest würden sie in ihr jemanden sehen, der ihren Plänen gewogen sein sollte«, bestätigte Malin.

Morgan tat so, als sei sie ganz darauf konzentriert, die Klinge ihres Messers zu begutachten. »Wo haben diese Typen von Volkes Wort die Waffen her, mit denen sie uns umbringen wollten?«

»Sie meinen, die haben sich auf einen Deal eingelassen?«, gab Drakon zurück.

»Ja, Sir.« Morgan balancierte die Messerspitze auf der Kuppe ihres Zeigefingers. »Jemand hat ihnen die Waffen angeboten, damit sie Sie umbringen, und im Gegenzug verpflichten sie sich, die Allianz- … Frau ebenfalls zu eliminieren.«

»Das wäre denkbar«, stimmte Malin ihr zu.

»Oder«, ergänzte Morgan, »sie hatten vor, die Frau ebenfalls zu erschießen und es dann so hinzustellen, als sei es ein Attentat gegen die Allianz gewesen, dem Sie zufälligerweise auch zum Opfer gefallen wären.«

Malin sah Drakon ernst an. »Sir, ich glaube, solange wir keine Details kennen, sollten wir davon ausgehen, dass der Anschlag Ihnen beiden galt.«

»Wo waren Sie eigentlich?«, fragte Morgan an Malin gerichtet, während sie das Messer hochwarf und am Heft auffing.

»Ich war in General Drakons Auftrag unterwegs und habe nach Hinweisen auf die Schlangen gesucht.«

Drakon nickte. »Ich weiß, wo er war. Colonel Malin steht nicht unter Verdacht.«

»Was ist mit unserer Präsidentin und ihrem Mann fürs Grobe namens Togo?«

»Ich glaube nicht, dass Präsidentin Iceni etwas damit zu tun hat«, sagte Drakon.

»Bei allem Respekt, Sir«, warf Morgan ein, »aber etwas nicht zu glauben ist eine ganz andere Sache als etwas zu wissen.«

»Das ist mir auch klar.« Seine Entgegnung musste ihm energischer als eigentlich beabsichtigt über die Lippen gekommen sein, da Morgan eine Augenbraue hochzog. »Colonel Malin, ich möchte, dass Sie nach Hinweisen suchen, ob irgendjemand von Präsidentin Icenis Stab mit dem Attentatsversuch auf Colonel Morgan und mich zu tun haben könnte.«

»General?«, sagte Morgan in einem amüsierten Tonfall. »Was ist, wenn die auf uns beide geschossen und dabei gewusst haben, dass ich es bin? Wer würde so was wollen?« Sie lächelte Malin an.

»Haben Sie einen Beweis dafür?«, fragte Drakon.

»Noch nicht.«

»Niemandem wird irgendetwas zustoßen, bis Sie einen Beweis haben, bis Sie mir den Beweis vorgelegt haben und bis Sie von mir einen eindeutigen Befehl erhalten haben, wie Sie vorgehen sollen. Ist das klar, Colonel Morgan?«

»Jawohl, Sir.« Sie setzte sich aufrechter hin und sah nach wie vor Malin an, während sie in einer Hand ihr Messer hielt. »Ich beschaffe die Beweise.«

Iceni beobachtete Captain Bradamont, wie sie den Raum betrat und sich vor den Tisch stellte, an dem Iceni und Drakon saßen. Bradamont befand sich auf ungewohntem Territorium, aber ihr Auftreten erweckte den Anschein, dass ihr diese Umgebung bestens vertraut war. Sie ist eine gefährliche Frau. Ist das alles, worauf ihr Codename Gottesanbeterin hindeuten soll, oder ist da noch mehr, was ich bislang bloß noch nicht gesehen habe? »Kommodor Marphissa hat vorgeschlagen, dass wir eine lange und gefährliche Mission durchführen sollten. Sie sagt, dieser Vorschlag beruht auf Ihren Informationen und Empfehlungen«, sagte Iceni.