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»Ein Gefühl?«, wiederholte Drakon.

»Es gibt ein paar Tatsachen. Black Jack wollte von mir die Vorrichtung haben, mit der man verhindern kann, dass ein Portal per Fernsteuerung zerstört wird. Das heißt, die Allianz hat so etwas nicht besessen.«

»Und Sie haben ihm die Vorrichtung gegeben?«

Sie hielt kurz inne, dann nickte sie ohne ihn anzusehen. »Ja. Das war unsere Abmachung.«

»Gibt es noch andere Abmachungen?«

Iceni drehte sich zu ihm um und sah ihm in die Augen. »Keine, von denen Sie nichts wissen. Ich hatte diese Vereinbarung mit Black Jack vor unserer Revolte getroffen, Artur. Ich konnte das damals nicht mit Ihnen abstimmen. Ich konnte nicht mal mit Ihnen darüber reden, weil die Schlangen überall waren. Wissen Sie eigentlich, was mich an dieser Unterhaltung mit Captain Bradamont am meisten fasziniert hat?« Es war eine sehr plumpe Überleitung zu einem anderen Thema gewesen. Warum bekomme ich so was nicht mehr hin, wenn ich Drakon vor mir habe? Aus irgendeinem Grund bringt er mich aus dem Konzept.

Wenigstens sprach er sie nicht auf diesen misslungenen Themenwechsel an. »Nein, was fanden Sie so faszinierend?«

»Die Sache mit Black Jacks Dienstgrad. Auch wenn Captain Bradamont seine Ehre notfalls mit Händen und Füßen verteidigt, muss er irgendwelche Tricks und Kniffe angewandt haben, um mit der Heirat einer Untergebenen nicht gegen die Vorschriften zu verstoßen. Nur warum? Warum macht er sich diese Mühe? Und warum hat er sich anschließend nur wieder bis zum Admiral befördern lassen? Und was wissen wir über diese Captain Desjani?«

Drakon startete eine Datenabfrage. »Captain des Schlachtkreuzers Dauntless. Nach allem, was wir über sie zusammentragen konnten, gilt sie als äußerst effizient. Als Lieutenant führte sie ein Enterteam bei einer Mission an, für die sie mit dem Flottenkreuz der Allianz ausgezeichnet wurde. Das ist auch schon alles. Nein … warten Sie. Captain Desjani war anwesend, als Morgan und Malin mit Black Jack den Trick besprochen haben, mit dem wir Boyens losgeworden sind. Black Jack bestand darauf, dass sie an dem Treffen teilnimmt. Das bestätigt die Beziehung der beiden, von der Bradamont gesprochen hat.«

Nachdenklich stützte sie das Kinn auf einer Hand auf. »Dieses ganze Theater muss etwas mit den Vorschriften und Protokollen der Allianz zu tun haben. Vielleicht musste er sein Handeln vor der Flotte und den Bürgern rechtfertigen. Was das allerdings mit dem Wechsel der Dienstgrade zu tun hat, ist mir ein Rätsel. Vielleicht wird uns Captain Bradamont gelegentlich etwas Genaueres dazu sagen. Ich wollte sie vorhin nicht weiter bedrängen. Sie gibt sich uns gegenüber zwar sehr offen, als würden in ihrem hübschen Kopf keinerlei Geheimnisse schlummern. Aber irgendetwas verschweigt sie. Die Leute hegen immer irgendwelche Absichten, über die sie nichts nach außen lassen.«

Drakon ließ sich mit seiner Antwort einen Moment lang Zeit und starrte in die Ferne, ehe er wieder Iceni ansah. »Mein erster Eindruck von ihr war, dass sie genau so ist, wie sie sich präsentiert. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie uns etwas Gravierendes verheimlicht. Ich habe inzwischen mit Colonel Rogero gesprochen, und er sagt, sie ist vertrauenswürdig. Diese Bewertung zählt für mich.«

Ungewollt stieß Iceni ein spöttisches Lachen aus. »Ein verliebter Mann vertraut dem Objekt seiner Zuneigung? Ich möchte nicht wissen, wie viele Tragödien durch diese Einstellung ausgelöst worden sind.«

»Das ist … ein Argument.«

Iceni musterte ihn aufmerksam »Aber kein Argument, das Sie glücklich macht, würde ich sagen.«

»Ist das so offensichtlich?« Er zog kurz die Schultern hoch. »Sie kennen Colonel Gaiene. Das heißt, Sie kennen ihn, wie er heute ist.«

»Ein Trinker, der den Eindruck erweckt, nichts anderes zu tun zu haben, als nach der nächsten Frau Ausschau zu halten, die er ins Bett kriegen kann. Aber ich kenne die Berichte über Taroa. Er war dort äußerst effizient. Wollen Sie sagen, er hat der falschen Frau vertraut?«

»Im Gefecht kann er diese Dinge für eine Weile vergessen. Aber es war kein Fall von Vertrauensmissbrauch, sondern das genaue Gegenteil.« Drakon verzog den Mund. Er war sichtlich betrübt durch die Erinnerungen, die diese Unterhaltung zutage förderte. »Machen wir es schnell und schmerzlos. Lara war ein Major in einer anderen Einheit. Sie und Conner Gaiene interessierten sich nur füreinander und für keinen Menschen sonst. Conners Einheit geriet in einen Hinterhalt und wurde vom Gegner Mann für Mann dezimiert. Ich hatte alle Hände voll damit zu tun, einen massiven Gegenangriff zurückzuschlagen. Irgendwie schaffte Lara es, genügend Soldaten um sich zu scharen, um sich durch die feindlichen Linien bis zu Gaiene durchzukämpfen. Tatsächlich rettete sie Conner und gut die Hälfte seiner Einheit, aber sie selbst bekam davon nichts mehr mit, weil sie auf den letzten Metern starb, gerade als sie zu Gaiene durchbrachen.«

»Oh.« Iceni schwieg eine Zeit lang. »Deshalb ist er so.«

»Ja. Conner Gaiene hatte seine Traumfrau gefunden. Und fast jeden Tag werde ich daran erinnert, was aus ihm wurde, als er sie verlor.«

»Und Sie wollen nicht, dass Colonel Rogero das Gleiche widerfährt.«

»Richtig. Wenn diese Bradamont eine bösartige Frau sein sollte, was ich persönlich nicht glaube, dann wird sie ihm wehtun. Aber wenn sie eine gute Frau ist, dann könnte sie ihn noch viel schlimmer verletzen.«

»Nicht jeder Mann erleidet einen Zusammenbruch, wenn er eine Frau verliert«, erwiderte Iceni. Machen Sie aus Angst davor um jede Beziehung einen Bogen, Artur Drakon? Die Schlangen und das Syndikat konnten Ihnen nichts anhaben, aber haben Sie Angst, das könnte einer Frau gelingen? »Sie haben doch sicher auch jemanden verloren.«

»Hier geht es nicht um mich«, wandte Drakon etwas zu hastig und zu nachdrücklich ein.

»Und wenn es um Sie gehen würde?«

Für Sekunden wich er ihrem Blick aus. »Tut es aber nicht.«

»Dann hören Sie mir mal gut zu, Artur Drakon«, redete sie ungestüm weiter. »Nach allem, was Sie mir erzählt haben, war diese Lara eine außergewöhnliche Frau, die ihr eigenes Leben gegeben hat, um den Mann zu retten, den sie liebte. Und dieser Mann hält ihr Opfer in Ehren, indem er das Leben vergeudet, das sie gerettet hat! Wenn ich jemals für den Mann, den ich liebe, mein Leben geben sollte, dann sollte dieser Mann das gefälligst zu würdigen wissen und den Rest seines Lebens so verbringen, dass mein Opfer in Ehren gehalten wird! Ist das klar?«

Drakon nickte. »Das ist klar. Mir ist nur nicht klar, warum Sie mir das erzählen.«

»Das weiß ich auch nicht! Auf jeden Fall wissen Sie es jetzt! Und dass Sie mir das ja nicht wieder vergessen!«

»Wird nicht vorkommen.«

Nachdem Drakon gegangen war, saß sie eine Weile allein da und starrte auf das Display, ohne irgendetwas darauf wahrzunehmen. Warum regt mich der Anschlag auf sein Leben mehr auf als die Bombe, die mir gegolten hatte?

Das liegt daran, dass ich diesen großen Trottel so gut leiden kann. Er ist ein besserer Mann, als es ihm selbst klar ist. Er ist …

Ich mag ihn zu sehr.

Das kannst du nicht machen, Gwen. Wenn du deine persönlichen Gefühle in die Arbeit einfließen lässt, ist die Katastrophe garantiert. Er ist ein Mann, und er hegt ganz offensichtlich keine Gefühle für mich. Also wird er meine Gefühle für ihn dazu benutzen, das zu bekommen, was er haben will. Oder wenn er nicht ganz so rücksichtslos ist, wird er mir nur ins Gesicht lachen. Beides wäre aber immer noch besser, als wenn er Mitleid mit mir empfindet, weil er meine Gefühle nicht erwidern könnte. Mitleid werde ich niemals akzeptieren.