Выбрать главу

Von niemandem!

Die voller Hoffnung auf den Namen Heimkehrerflotte getaufte Gruppe Schiffe war tags zuvor aufgebrochen. Drakon hatte die Abreise der Flotte beobachtet, mit der nicht nur Colonel Rogero und sechs Züge seines Bataillons sondern auch ein Großteil der Kriegsschiffe in Richtung Allianz aufbrachen, die eigentlich zur Verteidigung dieses Sternensystems zur Verfügung stehen sollten. Aber die Allianz-Offizierin hatte völlig recht, wenn sie sagte, dass selbst alle Schiffe zusammen nicht ausreichten, um Midway zu verteidigen. Aber das war etwas, was zwar der Verstand wusste, die Gefühle wollten beim Anblick der abreisenden Flotte jedoch am liebsten verzweifelt hinterherrufen, sie solle sofort umkehren.

Das Universum schien sich einen Spaß daraus zu machen, die Hoffnungen und Pläne der unbedeutenden Menschen mit Hohn und Spott zu überziehen. Folglich dauerte es nur eine Stunde, seit die Heimkehrerflotte durch das Hypernet-Portal das System verlassen hatte, da traf am Sprungpunkt von Maui ein Frachter ein, der eine dringende Nachricht überbrachte.

Aus diesem Grund kam Drakon nun wieder mit Gwen Iceni zusammen, die seit ihrem letzten Gespräch unter vier Augen ungewöhnlich gereizt erschien. Diesmal war es jedoch Colonel Malin, der Bericht erstattete, während Icenis Assistent Togo dastand und das Geschehen wortlos mitverfolgte. Sein todernster Gesichtsausdruck wies einen Hauch von Missbilligung auf, den Drakon noch nie bei dem Mann beobachtet hatte.

»Die Neuigkeiten aus Maui betreffen den Supreme CEO im Ulindi-Sternensystem«, berichtete Malin.

»Supreme CEO?« Drakon sah auf das Sternendisplay, Ulindi war — neben Midway — einer von drei Sternen, die sich von Maui aus anfliegen ließen. »Was soll denn das sein?«

»Ich würde meinen, dass der Titel doch alles besagt«, gab Iceni knapp zurück.

Malin besaß Erfahrung im Umgang mit Vorgesetzten, die nicht immer gut miteinander auskamen, weshalb er jetzt einfach so weiterredete, als hätte er die Bemerkungen gar nicht gehört: »Mit Blick auf das, was wir trotz aller Anstrengungen, die Ereignisse bei Ulindi totzuschweigen, gehört haben, sieht es so aus, dass CEO Haris es geschafft hat, die anderen CEOs in diesem System zu töten und die Opposition niederzuringen.«

Drakon sah blinzelnd auf sein Display und misstraute sofort dem, was er dort lesen konnte. »Haris ist ein CEO und eine Schlange. Wie hat er die Syndikatsregierung dazu gebracht, ihm den Titel Supreme CEO zu geben?«

»Haris unterhält keine Verbindungen mehr zur Syndikatsregierung.«

»Eine rebellierende Senior-Schlange?«

»Ja, Sir.«

Drakon sah Iceni an. »Kennen Sie diesen Haris?«

Sie schüttelte den Kopf. »Nein. Ich habe mich nie mit Schlangen abgegeben.« Dann gab sie ein wenig nach und ergänzte: »Selbst Schlangen können Ehrgeiz entwickeln. Dieser Haris könnte eine Chance gesehen haben, um seine Macht auszubauen, während die Syndikatwelten mit jedem Sternensystem, das sich von ihnen lossagt, schwächer werden.«

»Also hat er beschlossen, sein eigenes kleines Imperium aufzubauen?«

Malin ließ das Display auf ein neues Bild umschalten. »General, die Berichte aus Maui besagen, dass sich dort eine schlagkräftige Flotte aus Ulindi aufhält. Die war offenbar bereits kurz davor, den Sprung nach Midway zu unternehmen, sah aber davon ab, als Handelsschiffe Maui erreichten und dort von der Anwesenheit der Allianz-Flotte in unserem System berichteten. Als diese Nachricht dort verbreitet wurde, war sie allerdings schon deutlich überholt, schließlich hat Black Jack Midway verlassen, kurz nachdem diese Frachter sich auf den Weg nach Maui gemacht hatten.«

»Das verschafft uns Luft«, sagte Iceni. »Das ist gut.«

»Aber nur wenig Luft. Uns bleiben sechs Tage, um zu handeln, Madam Präsidentin«, erwiderte Malin und erklärte: »Ein Frachter mit Ziel Rongo hat Midway vor drei Tagen in Richtung Maui verlassen, und zweifellos wird er dort die Nachricht verbreiten, dass Black Jack inzwischen abgereist ist. Der Frachter benötigt viereinhalb Tage im Sprungraum, in Maui wird er die Nachricht verbreiten, und die Ulindi-Flotte wird sich auf den Weg hierher machen. Sie wird vermutlich einen halben Tag benötigen, um den Sprungpunkt nach Midway zu erreichen, dann ist sie viereinhalb Tage im Sprungraum unterwegs, ehe sie hier eintrifft. Alles in allem dürfte die Ulindi-Flotte in sechs Tagen hier ankommen.«

»Das ist allerdings sehr wenig Luft«, beklagte sich Iceni. »Gegen Ihre Berechnung ist nichts einzuwenden, denn wenn diese Flotte hört, dass Black Jack weg ist, wird sie keine Zeit vergeuden. Offenbar will Haris sein kleines Imperium ausweiten. Aber diese Flotte bei Maui wirkt auf mich nicht wie eine Streitmacht, die das Ziel hat, dieses Sternensystem zu erobern.«

»Nein, Madam Präsidentin, das ist richtig. Die Ulindi-Flotte besteht aus einem einzigen Schlachtkreuzer der C-Klasse und vier Jägern. Sollten sich Bodenstreitkräfte an Bord befinden, kann deren Zahl nur sehr niedrig ausfallen.«

»Keine Bodenstreitkräfte?« Drakon ließ sich das durch den Kopf gehen. Eine kleine Flotte, die um einen Schlachtkreuzer herum aufgebaut war, konnte in einem Sternensystem schwere Schäden anrichten, aber sie konnte ein System nicht einnehmen. Selbst wenn Midway sich unter Androhung eines Bombardements ergab, konnte Ulindi die Kontrolle über den Stern nur bis zu dem Moment aufrechterhalten, in dem der Schlachtkreuzer heimkehrte. »Was hat Ulindi noch?«

»Laut unseren Informationen verfügen sie noch über einen Schweren Kreuzer, der wohl in Ulindi geblieben ist, um Haris zu beschützen. Die Bodenstreitkräfte bewegen sich etwa in der Größe einer Division, aber die meisten Soldaten wurden erst vor Kurzem rekrutiert und sind noch so gut wie nicht ausgebildet. Weniger als eine Brigade ehemaliger Syndikatssoldaten bilden den Kern von Haris’ Bodenstreitkräften. Der Rest der Inneren Sicherheit wird von lokaler Miliz, Polizei und Schlangen übernommen.«

»Nicht gerade viel, um darauf ein ganzes Imperium zu errichten. Das reicht unter Umständen nicht mal aus, um Ulindi zu kontrollieren. Und wie sehen seine Pläne aus?«

Drakon hatte die Frage an Iceni und Malin gerichtet, die Präsidentin dachte kurz nach, dann erwiderte sie als Erste: »Er muss von unserer Intervention bei Taroa wissen. Vielleicht hat er sogar von unserem Vorstoß für ein engeres Verteidigungsbündnis erfahren, auch wenn die Regierung auf Taroa darüber eigentlich Stillschweigen bewahren sollte.«

Malin schüttelte den Kopf. »Überall in diesem Sternensystem weiß man von unserem Angebot an Taroa. Mehr als ein Vertreter der Freien Taroaner muss mit anderen darüber gesprochen haben.«

»Was bedeutet, dass Haris davon erfahren hat«, folgerte Drakon.

Iceni ballte die Faust und hätte sie auf den Tisch herabsausen lassen, aber dann bekam sie sich noch schnell in den Griff. »Ich hätte wissen müssen, dass wir uns lokale Probleme einhandeln, wenn wir versuchen, Taroa enger an uns zu binden. Haris sieht in uns eine Bedrohung für seinen Ehrgeiz, und er will unsere mobilen Streitkräfte treffen, bevor es uns gelingt, auch noch auf die Ressourcen von Taroa zuzugreifen.«

»Das klingt schlüssig«, stimmte Drakon ihr zu. »Jeder, der hier draußen ein Imperium aufbauen will, wird in uns Rivalen sehen, die so schnell wie möglich ausgeschaltet werden müssen.«

»Angesichts der Zusammensetzung der Ulindi-Flotte«, warf Malin verhalten ein, »gibt es noch eine andere Möglichkeit. Wegen der Abwesenheit von Kommodor Marphissa habe ich mit Kapitan-Leytenant Kontos über die Situation gesprochen.«

»Tatsächlich?« Wieder sah Drakon zu Iceni. »Und was hat Kontos gesagt.«

»Er meint, sie haben es auf das Schlachtschiff abgesehen.«

Zehn

Drakon hielt erschrocken inne. »Das Schlachtschiff?«