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»Ja, natürlich«, sagte Iceni leise. »Wir haben versucht, den Status des Schlachtschiffs zu verschweigen, aber vermutlich gibt es in diesem und jedem umliegenden Sternensystem keine einzige Menschenseele, die nicht längst weiß, dass sich an Bord nur eine Minimalbesatzung befindet und das Schiff von einer Fertigstellung noch immer weit entfernt ist. Die haben vor, hier einzufallen, das Schlachtschiff an sich zu reißen und es abzuschleppen, um es zu Hause zu komplettieren.«

»Also genau das, was wir zuvor bei Kane gemacht haben.«

Sie warf ihm einen verärgerten Blick zu. »Ich bin fest entschlossen, dass unser Diebstahl des Schlachtschiffs die letzte erfolgreiche Aktion dieser Art bleiben wird. Wenn Supreme CEO Haris zu einer lokalen Macht aufsteigen will, dann braucht er mehr Feuerkraft, und so wie es aussieht, will er die auf die gleiche Weise erlangen wie wir, indem er sich bei jemandem bedient, der schlechter ausgerüstet ist als er. Warum muss dieser Haris auch unbedingt einen Schlachtkreuzer haben?«

Iceni schüttelte ungeduldig den Kopf. »Selbst wenn die Heimkehrermission nicht die Hälfte unserer Schiffe mitgenommen hätte, wäre es ein gewagtes Spiel, sich mit einer Flotte anzulegen, die um einen Schlachtkreuzer herum aufgebaut ist.«

»Irgendwelche Vorschläge?«, wandte sich Drakon an Malin.

»Keine brauchbaren«, gab der Colonel zurück. »Unsere mobilen Streitkräfte sind einfach hoffnungslos unterlegen. Wir könnten versuchen, das Schlachtschiff woanders hinzubringen und es dort zu lassen, bis Haris’ Flotte sich zurückgezogen hat.«

»Wir können nicht das Schlachtschiff hier im System lassen und dieser Flotte mit ihm einfach aus dem Weg gehen?«, fragte Drakon.

Aber Iceni schüttelte den Kopf. »Kein Schlachtschiff kann vor einem Schlachtkreuzer davonfliegen. Es würde binnen kürzester Zeit eingeholt werden. Das Gleiche könnte passieren, wenn wir die Midway in ein anderes Sternensystem schicken. Wer immer das Schiff dort entdeckt, wird es sofort als eine sehr kostbare Beute erkennen und an sich nehmen.«

»In diesem Fall«, fuhr Malin fort, »ist die beste noch verbleibende Option die, den Schlachtkreuzer so nahe wie möglich an das Schlachtschiff heranzulocken, es dann zu sprengen und den Schlachtkreuzer auf diese Weise gleich mit zu zerstören.«

»Das ist überhaupt keine Option!«, widersprach Iceni, die vor Wut einen roten Kopf bekam. »Wir brauchen dieses Schlachtschiff!«

»Madam Präsidentin«, sagte Malin. »Wenn wir keinen anderen Weg finden, um Haris davon abzuhalten, das Schlachtschiff in seine Gewalt zu bringen, nehmen wir ihm immerhin die Möglichkeit uns zu bedrohen, wenn wir seinen Schlachtkreuzer eliminieren.«

»Und was haben wir davon, wenn das Syndikat gleich darauf die nächste Flotte herschickt?«, wollte Iceni wissen.

Malin zögerte, dann schüttelte er den Kopf. »Gar nichts, Madam Präsidentin.«

»Beide Schiffe zu sprengen ist eine schlechte Lösung«, fand Drakon. »Aber was können wir sonst noch machen?«

Nun ließ Iceni ihren Frust an ihm aus. »Warum verraten Sie mir das nicht? Sie sind der Militärexperte, General! Ich habe ein wenig Erfahrung mit mobilen Streitkräften, aber ich habe da nicht meine Karriere verbracht.«

»Meine Erfahrung betrifft Bodenstreitkräfte«, machte Drakon ihr in ruhigem Tonfall klar. »Ich habe durchaus schon solche Situationen erlebt, in denen jede Option schlecht ist. Es bleibt einem dann nichts anderes übrig, als die Vorgehensweise zu wählen, die einem noch die geringsten Schmerzen zufügt. Aber wir können nicht die Umstände verändern, mit denen wir konfrontiert werden.«

Sie warf ihm einen bösen Blick zu, dann sah sie weg, atmete tief durch und erlangte ihre Fassung zurück. »Ihnen fällt gar nichts anderes ein?«

Drakon konnte kaum sein Erstaunen über ihre enttäuschte Miene verbergen. War sie von ihm enttäuscht? Hatte sie erwartet, er würde schnell ein paar mobile Streitkräfte aus dem Hut zaubern? »Ich kämpfe nach ein paar Grundprinzipien. Eines dieser Prinzipien besagt, dass es ein Fehler ist, sich den Stärken des Feindes mit den eigenen Schwächen oder sich seinen Stärken mit den eigenen Stärken entgegenzustellen. Stattdessen sollte man sich den Schwächen des Feindes mit den eigenen Stärken entgegenstellen.«

»Und wie soll das hier funktionieren?«, fragte Iceni.

»Gar nicht. Bodenstreitkräfte können nicht gegen mobile Streitkräfte kämpfen, es sei denn, die mobilen Streitkräfte kommen zu ihnen und machen sich selbst zum Ziel. Es gibt aber keinen Grund, weshalb …« Er unterbrach sich und versuchte festzunageln, was an diesen letzten Worten so wichtig war.

»General?«, fragte Iceni zögerlich.

»Madam Präsidentin«, redete Drakon bedächtig weiter, während sein Verstand einen Gedanken zu fassen versuchte, der zum Greifen nah erschien. »Wie wird der Schlachtkreuzer versuchen, das Schlachtschiff zu erobern?«

»Da gibt es nur einen Weg. Man schickt ein Enterteam rüber, das groß genug ist, um die Minimalbesatzung des Schlachtschiffs zu überwältigen.«

»Mit Shuttles?«

»Nein. Ein einzelner Schlachtkreuzer hat nicht genug Shuttles an Bord, um das für den Überfall erforderliche Personal zu transportieren. Außerdem riskieren sie abgeschossen zu werden. Wenn das Schlachtschiff auch nur über ein paar funktionstüchtige Waffen verfügt, stellen Shuttles leichte Ziele dar.«

»Wir haben aber Shuttles eingesetzt, um das Schlachtschiff bei Kane zu erobern«, hielt Drakon dagegen.

»Richtig. Aber«, fuhr Iceni fort und tippte mit dem Zeigefinger auf den Tisch, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, »wir waren in sehr großer Sorge, dass die Shuttles während des Anflugs zerstört werden könnten. Wir haben die Shuttles genommen, weil es nicht anders ging. Wir waren uns bewusst, dass wir sie verlieren konnten. Ich hätte diese Angriffsmethode nicht gewählt, wenn es möglich gewesen wäre, unmittelbar von einer meiner Kampfeinheiten aus anzugreifen.«

»Man braucht also eine zahlenmäßig überlegene Truppe, die schnell handelt«, folgerte Drakon.

»Ganz genau. Unterscheidet sich das so sehr von der Vorgehensweise der Bodenstreitkräfte?«

»Nein.« Drakons Blick wanderte wieder in die Ferne, während er überlegte. »Ich habe noch keine Entermanöver mitgemacht. Erklären Sie mir, was der Schlachtkreuzer tun wird.«

Iceni zuckte mit den Schultern. »In diesem Fall ist das ziemlich einfach. Das Schlachtschiff verfügt über keinerlei funktionstüchtige Waffen, und die Crew ist nicht groß genug, um es zu bedienen. Ein Fluchtversuch ist sinnlos, weil der Schlachtkreuzer das Schiff mühelos einholen würde. Der Schlachtkreuzer wird sich dicht neben dem Schlachtschiff in Position bringen und jede Flugbewegung nachvollziehen, damit die beiden Schiffe sich im Verhältnis zueinander nicht bewegen. Dann wird ein Enterteam mit einem Sprung die Distanz zwischen beiden Schiffen überwinden und gleichzeitig bei verschiedenen Hauptluken eintreffen. Diese Luken werden geöffnet, man dringt in das Schlachtschiff vor und überrennt die Verteidiger. Kapitan-Leytenant Kontos und seine Crew können sich in den Verteidigungszitadellen für die Brücke, den Maschinenraum und die Waffenabteilungen verschanzen, aber das Enterteam wird entsprechend gerüstet sein und Gerät mitbringen, mit dem man innerhalb relativ kurzer Zeit die Zitadellen aufbrechen kann.«

»Dicht neben dem Schlachtschiff?«, warf Drakon ein. »Wie groß ist die Distanz zwischen beiden Schiffen?«

»Fünfzig Meter, vielleicht hundert, abhängig davon, wie risikofreudig der Befehlshaber des Schlachtkreuzers ist.«

»Und wie groß fällt dieses Enterteam aus?«

Iceni spreizte die Hände. »Kommt ganz drauf an. Ein Schlachtkreuzer sollte ungefähr tausendfünfhundert Mann Besatzung an Bord haben. Die Syndikatsdoktrin gibt nicht vor, wie viele Leute man abhängig von der Art und dem Zustand des Zielobjekts einsetzen sollte, legt aber die Hälfte der verfügbaren Crew als Maximum fest.«