Выбрать главу

»Dieses Allianz-Mauerblümchen«, gab Drakon lachend zurück, »ist die Befehlshaberin eines Schlachtkreuzers. Und Black Jacks Ehefrau.«

»Ehefrau?« Morgan zog eine Braue hoch. »Wann ist denn das passiert?«

»Scheint noch nicht lange her zu sein.«

»Die wird ihn nicht lange interessieren. Aber zurück zu unserem lieben Kontos. Was machen wir mit ihm?«

Es gefällt mir nicht, und ich möchte auch nichts tun, was Gwens Verdachtsmomente mir gegenüber bestätigen könnte. Aber ich muss es so formulieren, dass Morgan das auch begreift. »Es sieht doch so aus, Colonel. Wenn Sie einen Annäherungsversuch unternehmen, und Kontos beißt nicht an, sondern meldet den Vorfall seinen Vorgesetzten — wie stehen wir dann da? Sie bewegen sich auf seinem Schiff, und er kann dort alles aufzeichnen, was Sie sagen und tun, selbst wenn Sie beide sich in einem Quartier aufhalten, das angeblich nicht überwacht werden kann.«

Morgan zog die Brauen zusammen. »Das würde er wahrscheinlich machen, allein schon, um sich selbst zu schützen. Wenn das passiert, könnten unsere Pläne aufgedeckt werden.«

»Außerdem brauche ich Sie hier«, ergänzte Drakon. »Sie haben völlig recht, dass wir den Drahtziehern dieses Anschlags auf die Spur kommen müssen. Und das können Sie am besten.«

»Allerdings. Wer immer dieses Attentat befohlen hat, war sehr gut darin, seine Spuren zu verwischen.« Von Drakons Lob beschwichtigt erklärte sie gut gelaunt: »Aber ich werde die Hintermänner schon ausfindig machen.«

»Und wenn Sie die Hintermänner kennen, werden Sie mir erst sagen, um wen es sich handelt, und dann werde ich entscheiden, wie wir vorgehen. Richtig?«

»Ja, Sir«, erwiderte sie grinsend.

»Insbesondere, wenn Sie glauben, Colonel Malin oder Präsidentin Iceni sind darin verstrickt«, betonte Drakon und warf ihr einen warnenden Blick zu. »Präsidentin Iceni wird nichts zustoßen.«

Morgan erwiderte fröhlich: »Jawohl, Sir.«

»Madam Präsidentin, der militärische Sprengsatz, der für die Bombe unter Ihrem Schreibtisch benutzt wurde, konnte zurückverfolgt werden. Er stammt aus einem Munitionslager einer Untereinheit der Brigade, die dem Kommando von Colonel Rogero aus General Drakons Division untersteht.«

»Jemand muss dort den Sprengstoff herausgegeben haben«, überlegte Iceni. Sie befanden sich in ihrem Büro, also in einem Raum, der so abhörsicher war, wie es nur ging. Das Display über ihrem Schreibtisch zeigte einen Strom von Shuttles, die aus einer von Drakons Kasernen zu dem einzelnen Frachter hoch oben im Orbit flogen.

Togo, der ihrem Schreibtisch zugewandt dastand, nickte zurückhaltend. »Ich wollte Befragungen durchführen lassen, um herauszufinden, wer den Sprengstoff herausgegeben hat und unter welchem Vorwand das geschah. Allerdings wurde einer der zuständigen Sergeants vor Beginn dieser Verhöre tot in seinem Quartier aufgefunden. Todesursache scheint die Überdosis einer illegalen Droge namens Rapture zu sein.«

»Eine Überdosis? Vor Beginn der Befragung? Das war für irgendwen ja wohl sehr praktisch. Wer wusste davon, dass dieses Personal befragt werden sollte?«

»General Drakons Büro wurde davon in Kenntnis gesetzt, zwanzig Minuten bevor unser Team dort eintraf.«

»Zwanzig Minuten? Wer hat diese Aktion so lange im Voraus angekündigt?«, wollte Iceni wissen. »Muss ich jetzt etwa schon die einfachsten Sicherheitsaufgaben höchstpersönlich erledigen?«

»Das Verhörpersonal wurde durch einen Defekt an ihrem Fahrzeug aufgehalten«, antwortete Togo ohne Gefühlsregung. »Ich bin bereit, die volle Verantwortung für diesen Fehler zu übernehmen.«

»Das macht diesen Sergeant auch nicht wieder lebendig.« Iceni lehnte sich nach hinten und rieb sich nachdenklich mit einer Hand über den Mund. »Aber es ist nicht gesagt, dass er überhaupt etwas gewusst hat. Vergessen Sie nicht, ich habe Erfahrung mit den mobilen Streitkräften. Die Kontrollen können noch so streng sein, es ist immer möglich, kleine Mengen Sprengstoff aus dem Lager zu schaffen. Man muss nur zu Trainings- oder Demonstrationszwecken ganz offiziell eine bestimmte Menge entnehmen, aber in Wahrheit greift man sich etwas mehr und schafft den Rest beiseite.«

Der Sub-CEO, der ihr solche Tricks für den Umgang mit Rivalen beigebracht hatte, war ein charmanter Mann gewesen, der sich selbst zu ihrem Mentor ernannt hatte. Seine Absicht war es gewesen, Iceni mit List in sein Bett zu bekommen, anstatt Druck auf sie auszuüben. Der Plan wäre vermutlich auch aufgegangen, hätte seine Frau ihn nicht wegen einer anderen Frau mitsamt seinem Bett in die Luft gejagt. So hatte er Gwen letztlich noch ein paar Erkenntnisse mehr mit auf den Weg gegeben als eigentlich beabsichtigt.

»Es ändert nichts an der Tatsache, Madam Präsidentin«, beharrte Togo, »dass der Sprengsatz bis zu einem Lager unter dem Kommando von Colonel Rogero zurückverfolgt werden konnte. Der ist, wie Sie wissen, ein treuer Anhänger von General Drakon.«

»Und das macht Sie kein bisschen misstrauisch?«, gab Iceni frostig zurück. »Keiner von diesen Männern ist ein Idiot.« Auch wenn man das von Drakon zumindest dann nicht sagen kann, wenn es darum geht, wie begriffsstutzig er sich in persönlichen Dingen verhält. »Einer von ihnen soll Sprengstoff verwenden, der so mühelos zu seiner Quelle zurückverfolgt werden kann? Selbst der einfachste Sub-Executive weiß, dass man alles vermeidet, was auf einen selbst deuten könnte.«

»Vielleicht war das ja die Absicht«, wandte Togo nach einer kurzen Pause ein. »Die beiden wissen, dass Sie eine solche Vorgehensweise als amateurhaft bezeichnen würden. Indem sie also Beweise hinterlassen, die eindeutig zu ihnen führen, überzeugen sie Sie davon, dass sie damit nichts zu tun haben können.«

Iceni lachte spöttisch. »Solche Dinge passieren in schlechten Romanen. Drakon ist ein erfolgreicher Befehlshaber. Er weiß, wie kurzsichtig es ist, einen Plan auf der Annahme aufzubauen, dass der Widersacher exakt so handelt, wie man sich das wünscht. Und je verwickelter dieser Wunsch ist, umso unwahrscheinlicher wird es, dass der andere jeden einzelnen Schritt so macht, wie es für ein Gelingen des Plans erforderlich ist. Was können Sie mir über den Zünder für die Bombe sagen?«

»Das, was ich bereits gesagt hatte, Madam Präsidentin. Er war auf Ihre Biometrik eingestellt und auf den Stuhl hinter Ihrem Schreibtisch gerichtet.«

Sie lehnte sich ein wenig vor und musterte Togo eindringlich. »Und wie konnten Sie dann von der Tür aus die Bombe aufspüren?«

Togo zögerte keine Sekunde lang. »Es gab ein kleines Leck, ein stecknadelgroßes Loch an der Seite, durch das die gerichteten Wellen seitlich und nach hinten austreten konnten.«

»Ah, verstehe. Was für ein Glück für mich. Gibt es irgendwelche Hinweise, wer hinter dem Attentat auf Drakon steckt und ob die Allianz-Offizierin ebenfalls im Visier der Angreifer war?«

»Nein, Madam Präsidentin. Die meisten Mitglieder von Volkes Wort wissen gar nichts von den Aktionen ihrer radikalsten Genossen. Und die sind spurlos verschwunden. Allerdings deuten Überreste darauf hin, dass sie Opfer dieser Sprengstoffgürtel geworden sein könnten. Drei weitere wurden ebenfalls tot aufgefunden, Todesursache waren bei ihnen die injizierten Nanos.«

»Die gleiche Art von Nanos, die den Mann umgebracht haben, den Colonel Morgan gefangen nehmen konnte?«

Togo verkrampfte sichtlich, als Morgans Name fiel, aber seine Stimme war weiterhin frei von Gefühlsregungen. »Ja, Madam Präsidentin.«

»Ich erwarte in beiden Punkten bessere Ergebnisse, und vor allem erwarte ich sie sehr bald. Wir müssen diesen von innen kommenden Bedrohungen ein Ende setzen. Wir haben mit den von außen kommenden Gefahren bereits genug zu tun.« Wieder sah sie zu ihrem Display, auf dem weitere Shuttles in Richtung Orbit und zurück in Richtung Planetenoberfläche unterwegs waren.