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»Madam Präsidentin«, sagte Togo, »darf ich den Gedanken ins Spiel bringen, dass das Attentat auf General Drakon inszeniert war? Dass er es nur überlebt hat, weil die Schützen den Befehl hatten, ihn nicht zu töten?«

»Wollen Sie damit sagen, Drakon hat das Ganze selbst inszeniert? Und dass man nur die Allianz-Offizierin umbringen wollte?«

»Es wäre möglich. Captain Bradamont hatte zuvor mit Kommodor Marphissa zusammengearbeitet, weshalb man sie als Ihrem Lager zugehörig betrachtet haben könnte, Madam Präsidentin. Die enge Verbindung zwischen Ihnen und Black Jack ist schließlich weithin bekannt.«

»Was hat das … Was, wenn der Angriff ausschließlich Colonel Morgan galt?« Wir werden nicht mein Privatleben diskutieren. Aber was den Rest angeht — du hast das Thema zur Sprache gebracht, du kannst mir jetzt auch erzählen, was deiner Meinung nach dahintersteckt.

Togo schwieg ein paar Sekunden lang. »Wenn das der Fall gewesen sein sollte, dann war es ausschließlich im Hinblick auf Ihre Interessen bedauerlich, dass das Attentat gescheitert ist.«

Fast hätte Iceni darauf mit einem Lächeln reagiert. »Geben Sie mir sofort Bescheid, wenn Sie etwas Neues herausfinden.«

Nachdem Togo gegangen war, richtete sie ihren Blick abermals auf die Shuttles. Weniger als sechs Tage Zeit, um das alles über die Bühne zu bringen. Innerhalb der nächsten Stunde sollte der Frachter den Orbit verlassen.

Sie sah zum Hypernet-Portal ganz am Rand des Sternensystems. Marphissa und die anderen waren immer noch auf dem Weg ins Indras-System. Dort würden sie das Hypernet zu einem Zeitpunkt verlassen, an dem die Angelegenheit rund um Haris’ Flotte bereits erledigt war. Bis zu ihrer Rückkehr würden sie nicht wissen, ob das Schlachtschiff Midway weiterhin an der Orbitalstation festgemacht war, um jene Tausende Crewmitglieder an Bord zu nehmen, die zuvor zur Reserveflotte gehört hatten. Immer vorausgesetzt, die Heimkehrerflotte schaffte es bis nach Varandal, überzeugte die Allianz-Behörden davon, ihr die Gefangenen zu überlassen, und kehrte dann unversehrt nach Midway zurück.

Und hier hatte in der Zwischenzeit irgendjemand versucht, sie und General Drakon bei zwei separaten Anschlägen zu töten und es so aussehen zu lassen, als würden sie sich gegenseitig nach dem Leben trachten.

»Madam Präsidentin?« Die Anfrage kam über ihren allgemeinen Komm-Kanal rein. »Die Presseleute sind da und wollen Ihre Erklärung zu den Wahlen auf der unteren politischen Ebene hören. Es könnte sein, dass sie versuchen Fragen zu stellen.«

Iceni seufzte leise und antwortete: »Schon in Ordnung. Schicken Sie sie rein, und sagen Sie ihnen, ich werde jede Frage beantworten, die ich für angemessen halte.«

Ganz gleich, wie unangenehm diese Fragen auch werden sollten, sie waren zweifellos leichter zu beantworten als die Fragen, die ihr privat zu schaffen machten.

»Das gefällt mir überhaupt nicht«, beklagte sich Kapitan Stein und schaute genauso unglücklich drein, wie sie sich anhörte. Ihr Schwerer Kreuzer war einer von zweien im Orbit um den Gasriesen, deren Aufgabe es war, das Schlachtschiff Midway und die Orbitaleinrichtung zu beschützen. Ihr Schiff war zwei Lichtsekunden vom Dock der Einrichtung entfernt, auf dem sich Gaiene aufhielt, sodass es bei der Unterhaltung zu keinen spürbaren Verzögerungen kam.

Colonel Conner Gaiene zuckte mit den Schultern, um eine Entschuldigung anzudeuten, und hob die Hände, was so viel bedeuten sollte wie: Was bleibt uns anderes übrig? »Sie tun ja nur so, als würden Sie die Flucht ergreifen«, fügte er dann noch an.

»Kämen unsere Befehle nicht von der Präsidentin persönlich, würden die Gryphon und die Basilisk in der Nähe der Einrichtung bleiben und kämpfen!«

War er jemals so enthusiastisch gewesen wie diese Kapitan Stein? Es fiel ihm schwer, sich daran zu erinnern. So wie viele andere Offiziere bei den mobilen Streitkräften war Stein für ihren Dienstrang recht jung. Die dienstälteren Offiziere waren auf unterschiedliche, aber in jedem Fall fatale Weise vom Schicksal heimgesucht worden, als das Sternensystem gegen das Syndikat rebelliert hatte. »Entfernen Sie sich nicht zu weit. Es könnte sein, dass wir die vier Jäger rund um den Schlachtkreuzer vertreiben müssen.«

»Wir werden mehr tun als sie nur zu vertreiben«, versicherte Stein ihm und ergänzte: »Lassen Sie sich von Kontos keine Vorschriften machen.«

»Kommen Sie, Kapitan. Ich weiß, Kapitan-Leytenant Kontos wurde ziemlich schnell bis weit nach oben befördert, aber so ist es doch uns allen ergangen, nicht wahr?«

Stein lächelte ihn an. »Nicht Sie bei den Bodenstreitkräften. Sie hätten mehr von Ihren Supervisoren töten sollen.«

»Ich war einer dieser Supervisoren«, machte Gaiene ihr klar. »Und ich fühle mich auf meinem Platz in der Befehlshierarchie sehr wohl. Wenn Sie irgendwann mal die Oberfläche besuchen, dann kommen Sie bei mir vorbei, damit wir bei einem Drink das Thema vertiefen können.«

Kapitan Stein hatte diesen Gesichtsausdruck, als würde sie sich fragen, ob er wirklich gerade eben versucht hatte, sich an sie ranzumachen. Dann schien sie aber zu dem Schluss gekommen zu sein, dass Gaiene das so nicht gemeint haben konnte. »Der Sprungpunkt von Maui ist von unserer momentanen Position am Gasriesen zweieinhalb Lichtstunden entfernt. Wenn wir die Ankunft der feindlichen Flotte sehen, werden wir mindestens drei Stunden warten. Bis dahin sollten sie sich auf Vektoren festgelegt haben, die klar erkennen lassen, ob sie hierher unterwegs sind. Dann werden wir so tun, als würden wir uns entfernen und Sie Ihrem Schicksal überlassen.«

»Versuchen Sie nicht, sich meinetwegen mit diesem Monster anzulegen«, warnte Gaiene. »Ich habe keine Lust, eine Traueransprache für die Gryphon zu halten.«

Stein lachte, weil sie entweder den Witz verstanden hatte oder weil sie nicht unhöflich sein wollte. Ihm war aufgefallen, dass mit den Jahren jüngere Frauen verstärkt dazu neigten, ihn höflich zu behandeln. Für jeden Mann mit eindeutigen Absichten war das ein sehr schlechtes Zeichen. Aber zumindest wurde er von jungen Frauen nicht ausgelacht, sagte er sich, als er die Unterhaltung mit Stein beendete. Bevor es dazu kommt, werde ich bestimmt noch Gelegenheit haben, einen ehrenvollen Tod in der Schlacht zu finden. Oder einen ehrlosen Tod, herbeigeführt vom aufgebrachten Verwandten einer Geliebten. Ich frage mich, wie lange es noch dauern wird, bis der Moment kommt, an dem es mir egal ist, ob es auf die eine oder die andere Weise geschieht.

»Da sind sie.« Lieutenant Colonel Safir, die befördert worden war, um den Platz als Gaienes Stellvertreter zu übernehmen, der nach der Versetzung von Lieutenant Colonel Lyr auf das Orbitaldock bei Taroa frei geworden war, betätigte eine Taste, um ein Display gleich neben ihr zu aktivieren.

Colonel Gaiene legte den Kopf ein wenig schräg, als betrachte er intensiv das Display. »Das sind nur Lichtpunkte.«

»Ich kann das vergrößern.« Die kleinen Punkte wurden größer und nahmen schließlich die Gestalt von Haien an, die die Bodenstreitkräfte zu fürchten und zu hassen gelernt hatten. Ein großer Hai flog voran, vier deutlich kleinere Schiffe folgten ihm wie Putzerfische.

»Unsere Ziele«, kommentierte Gaiene. »Wieso habe ich mich dafür bloß freiwillig gemeldet?«

»Haben Sie nicht«, widersprach ihm Safir. »Keiner von uns hat das. Uns wurde einfach gesagt, was wir zu tun haben.«

»Ach, deshalb sind wir hier.«

Safir grinste ihn an. Sie hatte kein Problem mit seinem Sarkasmus, und sie wusste genau, wann er etwas ernst meinte und wann es ihm nur darum ging, Gefühle zu überspielen und zu verdrängen. Sie hatte ihm auch zu verstehen gegeben, dass sie kein Interesse an einer engeren Beziehung hatte, selbst wenn Gaiene sich über Drakons ausdrücklichen Befehl hinweggesetzt und sein Glück bei ihr versucht hätte. Alles in allem war sie eine wertvolle Stellvertreterin. »Wann ist der Frachter aufgebrochen?«, wollte er wissen.