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Einige Angreifer befestigten elektronische Geräte an den Kontrollen der Luken, um die Kontrolle über die Zugänge an sich zu reißen. Gleichzeitig hielten andere Sprengladungen bereit, die zum Einsatz kommen sollten, falls die Technik sich nicht überlisten ließ. Aber Gaiene wusste, dass die nicht nötig sein würden, da Kontos die Kontrollen für die Luken so hatte einstellen lassen, dass sie sich leicht überwinden ließen. Immerhin wollte der Mann nicht, dass sein neues Schlachtschiff mehr Kratzer abbekam als unbedingt nötig.

»Bereithalten«, sagte Gaiene und nahm dabei bewusster als zuvor jeden Herzschlag und jeden Atemzug wahr. Seine Hände hielten das Impulsgewehr fester umklammert, seine Finger ertasteten Metall, Legierungen und den Tod. »Folgen Sie dem Angriffsplan. Alle Einheiten: Waffen grün.«

Er kniete sich hin, um sicherer zielen zu können, und richtete seine Waffe auf die Luke. Die Frachtluken des Schlachtschiffs waren wegen der massiveren Panzerung erheblich schwerer als die eines Schlachtkreuzers, dementsprechend benötigten sie länger, um sich öffnen zu lassen. Doch auf gingen sie.

Die Angreifer drangen durch alle vier Luken gleichzeitig ein und rückten in einem geordneten Angriff vor, der auf die Zahl der Verteidiger abgestimmt war, die sie an Bord dieses Schiffs erwarteten. Zum Enterteam gehörten nur zwei Trupps Spezialeinsatzkräfte, die so wie Gaienes Leute gepanzerte Rüstung trugen und schwerbewaffnet und für den Nahkampf ausgebildet waren. Wie bei derartigen Einsätzen üblich bestand der Rest des Teams aus Crewmitgliedern des Schlachtkreuzers, die Schutzanzüge und Handfeuerwaffen aller Art trugen. Sämtliche Angreifer rechneten damit, auf nicht mehr als eine Hand voll Verteidiger zu treffen, die nur mäßig bewaffnet und ihnen praktisch schutzlos ausgeliefert waren. Beim Überwinden der Luke mussten sie zwangsläufig dicht an dicht vorrücken, wobei sie von oben, unten und von beiden Seiten kamen. Dabei waren sie vor dem Hintergrund des Weltalls als Silhouetten eindeutig zu erkennen, was sie zu perfekten Zielscheiben werden ließ.

Gaienes Visier richtete sich automatisch auf ein Ziel aus, eine einzelne Gestalt in Schutzanzug, die von seinem Gewehr klar und deutlich abgebildet wurde. Für einen Moment konnte er alles vergessen, die Vergangenheit ebenso wie den Schmerz, und er spürte nur die verderbliche Freude, über freies Schussfeld zu verfügen und eine leistungsfähige Waffe in seinen Händen zu halten. Sein Finger drückte den Abzug durch, die Waffe zuckte kurz, und gleich darauf erfolgte der Treffer, der den Schutzanzug zerfetzte und ein Loch in die Brust des glücklosen Soldaten riss, der von der Wucht des Aufpralls nach hinten geschleudert wurde.

Instinktiv suchte er nach dem nächsten Ziel, aber gleichzeitig mit ihm hatten auch alle seine Soldaten das Feuer eröffnet, sodass nur noch wenige Ziele verblieben waren. Von den siebenhundertzwanzig Angehörigen des Enterteams waren mehr als sechshundert der ersten Salve zum Opfer gefallen.

»Vorwärts!«, rief Gaiene.

Während die überlebenden Angreifer noch zu begreifen versuchten, was soeben passiert war, stießen sich Gaienes tausend Soldaten ab und nahmen Kurs auf den Schlachtkreuzer, wobei sie die restlichen Angreifer überrannten und ausschalteten, um dann ohne zu zögern durch das All auf das gegnerische Schiff zuzuhalten.

Fünfzig Meter sind keine weite Strecke, nicht einmal nach den Maßstäben einer Planetenoberfläche. Im Weltall sind fünfzig Meter überhaupt nicht erwähnenswert, es sei denn, sie waren die Entfernung zwischen einem selbst und der Sicherheit, zwischen einem selbst und dem Ziel, zwischen Leben und Tod. Männer und Frauen, die von dem einen Schiff zu einem Sprung zum anderen angesetzt hatten, überwanden diese fünfzig Meter innerhalb weniger Sekunden, die ihnen aber viel, viel länger vorkamen. Aufmerksame Wachposten in den Frachthangars hätten die Gegenattacke frühzeitig erkennen und die Luken in der wenigen verfügbaren Zeit schließen können, und vielleicht wäre der Schlachtkreuzer sogar noch in der Lage gewesen, mithilfe der Steuerdüsen auf Abstand zu Gaienes Einheiten zu gehen, bevor diese die Luken erreichen konnten.

Aber die wenigen Wachposten waren tot oder lagen im Sterben, getötet von Gaienes getarnten Spähern, deren Gegenwart sie erst bemerkt hatten, als alles längst zu spät war.

Gaiene verspürte eine schwindelerregende Kombination aus Erleichterung und Orientierungslosigkeit, als er auf halbem Weg zu seinem Ziel war: ringsum von der Unendlichkeit umgeben, hinter sich das Schlachtschiff, das eine gepanzerte Mauer bildete, vor sich den Schlachtkreuzer, der sich in alle Richtungen erstreckte, während er auf die Frachtluke zuhielt, die vor seinen Augen rasch größer wurde, so als würde er aus beträchtlicher Höhe in den Hangar hineinstürzen.

Ihm blieb kaum Zeit, die panische Reaktion seiner Instinkte niederzuringen und sich stattdessen auf seinen Orientierungssinn zu verlassen — die Luke befindet sich vor mir, nicht unter mir —, da jagte er auch schon in den Hangar hinein. Mit geübter Leichtigkeit landete er auf den Füßen, wahrte die Balance und hielt seine Waffe dabei feuerbereit in den Händen. Seine Soldaten verfügten über ein sehr unterschiedliches Maß an Erfahrung mit den Manövern, die erforderlich waren, wenn man aus dem einen künstlichen Schwerkraftfeld sprang, durch die Schwerelosigkeit flog und in ein anderes künstliches Schwerkraftfeld eintauchte. Einige konnten sich so wie Gaiene auf den Beinen halten, andere rutschten über das Deck, ehe sie in der Lage waren, sich zu fangen, und aufspringen konnten. Diejenigen mit der geringsten Erfahrung schlugen mit Armen und Beinen rudernd hart auf und waren desorientiert und verwirrt durch den abrupten Wechsel, offensichtlich nicht fähig, zu bestimmen, wo oben und wo unten war.

Bei einer entschiedenen Verteidigung der Hangars hätten Gaienes Leute vermutlich erhebliche Verluste hinnehmen müssen, da gerade die, die sich bei der Landung auf dem Deck als ungeschickt entpuppten, für jeden Schützen ein leichtes Ziel abgegeben hätten. Doch der Befehlshaber des Schlachtkreuzers hatte keine Notwendigkeit gesehen, die Luken zu bewachen, und stattdessen seine gesamte Streitmacht zum Schlachtschiff geschickt. Ehe die Crew des Schlachtkreuzers begriff, wie ihr geschah, waren über siebenhundert ihrer Kameraden tot, und fast tausend gepanzerte Soldaten hatten den Weg in ihr Schiff gefunden — ein Schiff, das von den Syndikatwelten gebaut worden war; auf dessen Deckpläne Gaiene zugreifen konnte, um die Vorgehensweise beim Gegenangriff im Detail zu planen; dessen Betriebssysteme, Hard- und Software den Soldaten von Midway genauso vertraut waren wie der Besatzung des Schlachtkreuzers selbst.

Gaiene ging zwischen den Leichen von zwei Wachposten hindurch, während sich die äußeren Luken endlich schlossen, diesmal auf Befehl seiner eigenen Soldaten. »Versuchen Sie zu vermeiden, dass die Atmosphäre des Schiffs ins All entweicht«, hatte Drakon frühzeitig befohlen. »Die mobilen Streitkräfte sagen zwar, dass ihre Schiffe mit einem Vakuum im Inneren zurechtkommen, aber das kann ein ziemliches Chaos anrichten, und wir wollen das Schiff so intakt wie möglich in unsere Gewalt bringen.«

Einige von Gaienes Leuten hatten die Komm-Terminals und die Sensoren der Hangars mit kleinen Chaoskästchen versehen, die einen ganzen Strom aus irreführenden und trügerischen Nachrichten, Warnungen und Entwarnungen auf die Sensoren und in das interne Komm-System entließen. Die Offiziere und die übrigen Besatzungsmitglieder versuchten unterdessen, diesem Durcheinander auf den Grund zu gehen, was sie wertvolle Zeit kosten würde, ehe sie herausfanden, was sich tatsächlich auf ihrem eigenen Schiff abspielte.

In dem Moment, als sich die äußeren Luken schlossen und die Sicherheitssperren grün aufleuchteten, öffneten seine Soldaten die inneren Luken und drängten in die Gänge des Schlachtkreuzers.

Dort, wo man noch rechtzeitig Notfallverriegelungen hatte aktivieren können, sorgten Sprengladungen für freie Bahn, was nur ein paar Sekunden Verzögerung kostete, ehe auch die restlichen von Gaienes Leuten auf ihre Ziele innerhalb des Schiffs zueilten. »Denkt an den Befehl des Generals«, gab er über Funk durch. »Wenn die Zeit reicht, gebt ihr den Besatzungsmitgliedern die Chance zur Kapitulation.«