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Gaiene gehörte zu den Ersten, die den Hangar verließen und vor sich ein halbes Dutzend Crewmitglieder des Schlachtkreuzers sahen, die zur Luke gekommen waren. Ein einzelner Schuss prallte von Gaienes Gefechtsrüstung ab, dann eröffneten er und die Soldaten um ihn herum das Feuer. Die Matrosen in ihren dünnen Schutzanzügen wurden von Projektilen förmlich durchsiebt. »Hatte keine Zeit«, sagte der Sergeant gleich neben Gaiene kleinlaut.

»Richtig, aber es war auch deren Schuld«, gab Gaiene zurück, während seine Gruppe durch die Korridore vorrückte. Wer mit dem Innenleben eines Kriegsschiffs nicht vertraut war, dem konnte das Ganze wie ein Labyrinth erscheinen, aber das aufs Visier projizierte Display versorgte die Soldaten mit einer Karte, auf der die Route zu ihren jeweiligen Zielen eingezeichnet war, zudem gab es von Zeit zu Zeit hilfreiche Hinweise wie »jetzt rechts abbiegen und die nächste Leiter nach unten nehmen«.

Gaienes Einheit schrumpfte allmählich zusammen, da sich immer wieder Trupps lösten und eine andere Richtung einschlugen. Er hatte aber weiterhin genügend Soldaten an seiner Seite, denn sein Ziel war die Brücke des Schlachtkreuzers, die sich tief im Inneren des Schiffs befand. Sirenen hatten zu heulen begonnen, wurden aber immer wieder von hektischen Befehlen über die Lautsprecheranlage unterbrochen.

»Der größte Teil der an Bord verbliebenen Besatzung hält sich an den entsprechenden Stationen auf«, meldete Lieutenant Colonel Safir. »Wir kassieren sie einen nach dem anderen ein.«

»Ein paar von ihnen sind im Schiff unterwegs«, warnte Gaiene, gerade als seine Einheit auf eine weitere Gruppe Matrosen traf, die eben im Begriff waren, ihre Schutzanzüge anzuziehen. Beide Gruppen starrten sich sekundenlang gegenseitig an, dann hoben die Matrosen die Arme und legten die Handflächen auf den Kopf, während sie nach hinten gingen, bis sie mit dem Rücken gegen ein Schott gedrückt dastanden. »Gut so«, sagte Gaiene. »Lasst ein paar Leute hier, um diese Truppe zu bewachen.«

Die nächste Gruppe Crewmitglieder, auf die sie trafen, war entweder motivierter oder einfach nur unvernünftiger als die erste. Die Waffen, die sie bei sich trugen, wurden sofort gezückt, doch bevor sie auch nur einen Schuss abfeuern konnten, hatten Gaienes Soldaten dieses Widerstandsnest so schnell eliminiert, dass sie kaum langsamer werden mussten und schon weiterstürmten, während die letzten tödlich getroffenen Widersacher gerade noch zu Boden sanken.

Gaiene behielt mit einem Auge auf sein Display die Marschrichtung im Blick, mit dem anderen überwachte er das Vorankommen seiner Streitmacht insgesamt, während er mit dem nächsten Auge nach unmittelbaren Gefahren Ausschau hielt. »Das sind aber drei Augen«, hatte ein junger Conner Gaiene der erfahrenen Veteranin geantwortet, die ihm gesagt hatte, was für die Erstürmung eines beliebigen Objekts unbedingt zu beachten war. Mit einem betrübten Lächeln hatte die Veteranin daraufhin erklärt: »Wenn du erst mal so weit aufgestiegen bist, dass man dich eine Erstürmung befehligen lässt, und du wirklich etwas taugst, dann wirst du schon dahinterkommen, wie du zwei Augen die Arbeit von drei erledigen lässt. Andernfalls wirst du sterben.«

Gaiene war nicht gestorben, ganz im Gegensatz zu dieser Veteranin, die die Weitergabe ihrer Erkenntnisse und Weisheiten nicht lange überlebt hatte. Manchmal störte es Gaiene, dass er sich kaum noch daran erinnern konnte, wie die Frau ausgesehen hatte, bevor sie bei einem Bombardement der Allianz von einem Projektil in winzige Stück gerissen worden war.

»Sieht gut aus«, meldete Safir.

Die Brigade nahm immer mehr Bereiche des Schiffs ein, der Widerstand bröckelte an den meisten Fronten, da den Überlebenden zunehmend klar wurde, wie aussichtslos ihre Lage war. »Werden Sie nicht unvorsichtig«, warnte Gaiene alle Soldaten. »Mobile Streitkräfte können hervorragend kämpfen, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen, außerdem sollen sich an Bord sehr viele Schlangen befinden.«

»Ein paar von ihnen haben wir entdeckt«, meldete der Führer einer Einheit gleich darauf. »Schlangen!« Hellere Symbole tauchten auf dem Display in einem Bereich des Schiffs auf, der weit von Gaienes momentaner Position entfernt war. Dort hatten sich ISD-Agenten nahe der zentralen Waffenkontroll-Zitadelle verschanzt und lieferten sich ein heftiges Feuergefecht mit den vorrückenden Soldaten.

»Erledigen Sie das, Safir!«, wies Gaiene sie an. Die Waffenkontrolle war Safirs Ziel, deshalb befand sie sich ohnehin schon in der Nähe.

Schlachtkreuzer waren fast so groß wie Schlachtschiffe, allerdings länger und schlanker, und sie bestanden aus einer scheinbar endlosen Ansammlung von Korridoren, durch die man zu weiteren Korridoren gelangte, die sich in scheinbar endlosen Reihen durch das Schiff zogen.

Der Kommandostab in der Brückenzitadelle war mittlerweile auf die unmittelbare Bedrohung seiner Position aufmerksam geworden und schloss Isolations- und Brandschutzbarrieren, um die Wege durch das Schiff zu versperren. Doch Gaienes Soldaten waren auf so etwas gefasst gewesen und konnten sich den Weg entweder freisprengen oder einfach die Befehle widerrufen, sodass die Sperren wieder aufgehoben wurden.

Triumphrufe waren über den Kommandokanal zu hören. Verärgert über den Lärm überprüfte Gaiene sein Display und stellte fest, dass das Schlangennest ausgehoben worden war. Natürlich waren sie alle tot. General Drakon hatte den Befehl gegeben, dem Gegner die Gelegenheit einzuräumen, sich zu ergeben, aber Schlangen versuchten das nur selten, und selbst wenn, wurden sie anschließend von rachsüchtigen Soldaten umgebracht. Gegen diese Aktion hatte der General sicher nichts einzuwenden, schließlich wusste er so gut wie jeder andere, dass Schlangen nicht zu den normalen Streitkräften zu zählen waren.

Gaiene und seine Soldaten kamen an einer Gruppe Crewmitglieder vorbei, von denen sie begeistert begrüßt wurden. Vor ihnen auf dem Boden lagen zwei blutüberströmte Leichen, beide trugen die Standardanzüge des ISD. Ein paar von Gaienes Leuten blieben auch hier zurück, um die Leute zu bewachen, die bislang für Supreme CEO Haris gearbeitet und nun ihre Kündigung in Blut geschrieben hatten.

Der größte Teil des Schiffs war erobert worden, die überlebenden Crewmitglieder trieb man in den Quartieren zusammen, um sie dort besser überwachen zu können. Nur die drei Zitadellen waren mit aktivierten Verteidigungsanlagen abgeriegelt und versiegelt worden. Gaiene legte eine kurze Pause ein, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen, während seine Leute daran arbeiteten, eine weitere Brandschutztür zu öffnen.

Die Hauptantriebs-Zitadelle, die Waffenkontroll-Zitadelle, die Brückenzitadelle. Diese letzte Verteidigungslinie diente dazu, feindliche Enterteams ebenso abzuwehren wie meuternde Arbeiter, denen es an Loyalität gegenüber ihren Herren mangelte, nachdem sie das Joch aus Disziplin, Angst und den allgegenwärtigen Schlangen abgeschüttelt hatten. »Wie sieht es aus, Safir?«

Lieutenant Colonel Safir klang verärgert. »Nicht zu schlecht. Wir haben ein paar Leute verloren, als wir das Schlangennest ausgehoben haben. Der Hauptantrieb wurde von uns eingenommen, und alle Kabel haben wir bis auf Weiteres abgetrennt, damit weder die Schlangen noch andere Ulindis eine Überladung auslösen können. Ich glaube, die Hauptantriebs-Zitadelle wird sich ergeben, aber ich fürchte, die Waffenkontroll-Zitadelle werden wir sprengen müssen.«

»Dringen Sie in die Waffenzitadelle vor und sorgen Sie dafür, dass die dort drinnen nicht das Feuer auf das Schlachtschiff eröffnen. Auf diese Idee könnten sie nämlich kommen, wenn sie nur ein wenig Zeit zum Nachdenken haben. Ich nähere mich der Brückenzitadelle«, sagte Gaiene. Die Brandschutztür vor ihm glitt zischend zur Seite, und er ging weiter, umgeben von seinen Soldaten. Ihre Bewegungen in den mit Servomotoren ausgestatteten Rüstungen wirkten seltsam delikat, wenn sie diese gleitenden Schritte vollführten, die in der beengten Umgebung an Bord eines Kriegsschiffs am zweckmäßigsten waren. »Sobald ich in Position gegangen bin, werde ich der Brückencrew zunächst eine Chance geben.«