Выбрать главу

Gefahrensymbole flammten auf Gaienes Display auf, die ihn davor warnten, dass die Verteidigungsanlagen der Brückenzitadelle nicht mehr weit entfernt waren. Er verfügte über die Mittel, um diese Abwehrmechanismen zu überwinden und in die Zitadelle zu gelangen, doch das würde Zeit und Leben kosten, außerdem bedeutete es, auf diesem Schlachtkreuzer weitere Verwüstungen zu verursachen. Gaiene wies seine Soldaten an zu stoppen, solange sie noch nicht im Bereich der Verteidigungsanlagen waren, dann sah er sich nach einer Komm-Einheit um. »Wir sind hier. Brücke, bestätigen Sie das, Sie Dummköpfe.«

Die Komm-Einheit erwachte zum Leben, auf dem kleinen Monitor tauchte ein Offizier der mobilen Streitkräfte auf, der auf der Brücke den Kommandosessel innehatte. Gaiene kannte den Ausdruck in den Augen des Mannes, er hatte ihn schon etliche Male gesehen. Unglauben, Schock, Angst, Verwirrung. Dieser Blick bedeutete, dass Gaiene weiter auf den Mann einreden musste, damit der sich nicht von seinem Schock erholte und wieder klar zu denken begann. »Wir haben die Kontrolle über Ihre Einheit übernommen und werden in Kürze in Ihre Zitadelle vordringen. Um allzu große Schäden an diesem Schiff zu vermeiden, sind wir bereit, Ihnen die Chance zur Kapitulation zu geben, die Zitadelle zu öffnen und die Verteidigungsmechanismen zu deaktivieren. Sollten Sie sich ergeben, bleiben Sie am Leben, und wir entlassen Sie in die Freiheit. Wir halten Wort, wir sind keine Schlangen. Alle Schlangen in diesem Sternensystem sind tot. Sollten Sie sich allerdings nicht ergeben, dann sprengen wir uns den Weg zu Ihnen frei, werden keine Gnade walten lassen und werfen Ihre Leichen ins All. Aber vielleicht werden Sie noch gar nicht ganz tot sein, wenn wir Sie ins All befördern. In dem Fall werden wir auch Wort halten. Entscheiden Sie sich jetzt, ich bin kein geduldiger Mann.«

Rufe waren aus dem Hintergrund auf der Brücke zu hören, während der Commander des Schlachtkreuzers Gaiene anstarrte. Nach ein paar Sekunden legte Gaiene nach: »Jetzt. Kapitulation oder Tod. Ich werde Sie nicht ein drittes Mal fragen.«

Der Mann schaute auf etwas hinter ihm. Er schien dort gesehen zu haben, was er sehen musste, denn als er sich zu Gaiene umdrehte, nickte er ruckartig. »Ich bin einverstanden. Wir kapitulieren und übergeben Ihnen das Schiff.« Seine Hand zuckte wie aus eigenem Antrieb über die Kontrollen an seinem Kommandosessel. »Ich deaktiviere die Verteidigungsanlagen.«

»Sorgen Sie dafür, dass die anderen Zitadellen das Gleiche machen.«

»Über die Waffenzitadelle habe ich keine Kontrolle! Dort sitzen Haris’ Schlangen!«

»Lieutenant Colonel Safir, die Waffenzitadelle wird tatsächlich von den Schlangen kontrolliert. Da müssen Sie auf die harte Tour rein.«

»Dachte ich mir schon«, erwiderte Safir in einem finsteren, aber zufriedenen Tonfall. »Hier ist alles bereit, wir setzen die Erstürmung fort.«

Die Gefahrensymbole auf Gaienes Display erloschen, als rings um die Brückenzitadelle jeglicher Abwehrmechanismus abgeschaltet wurde. Er gab ein Zeichen, und sofort eilten einige Soldaten los und bogen um die Ecke in den Gang ein, an dessen Ende eine massiv gepanzerte Luke den Weg zur Brücke versperrte.

Es gab keine verborgenen Fallen, die auf die sich nähernden Soldaten reagiert hätten, also folgten Gaiene und die restlichen Soldaten. Gleichzeitig rückten von allen Seiten weitere Einheiten in Richtung Brücke vor. Wie es schien, hielt sich der Kommandant des Schiffs an sein Versprechen zu kapitulieren, da auch auf den Decks ober- und unterhalb der Brücke keine der üblichen Fallen auf Gaienes Leute ansprach.

Ein dumpfes Vibrieren war zu spüren, als die schweren Bolzen sich zurückzogen, und schließlich öffnete sich die Luke selbst.

Soldaten stürmten mit feuerbereiten Waffen nach drinnen, Gaiene folgte ihnen, während ein letzter Adrenalinschub die Erleichterung über den Sieg befeuerte.

Die Brückencrew stand größtenteils an den jeweiligen Stationen und hielt die Arme hoch, die Hände hatten sie alle auf den Kopf gelegt. Einige von ihnen standen bei einem Mann und einer Frau in der Standardkleidung des ISD, die beide mit unnatürlich angewinkelten Köpfen vor ihnen auf dem Deck lagen. Gaiene warf den beiden einen verächtlichen Blick zu, dann sagte er zu einem seiner Offiziere: »Vergewissern Sie sich, dass die zwei auch wirklich tot sind. Sorgen Sie dafür, dass alle entwaffnet werden, und dann bringen Sie sie runter in die Quartiere zu den anderen Crewmitgliedern. Lieutenant Bulgori, übernehmen Sie die Komm-Kontrollen und lassen Sie das Schlachtschiff wissen, dass wir die Brücke dieser Einheit eingenommen haben und uns der Rest in Kürze ebenfalls gehören wird.«

Eine Reihe schwacher Erschütterungen durchfuhr das Schiff. Gaiene konzentrierte sich auf sein Display und vergrößerte den Bereich, in dem sich Lieutenant Colonel Safir mit ihrem Teil der Brigade aufhielt. Die Verteidigungsanlagen rings um die Waffenkontrolle waren zerstört worden, sodass die Soldaten jetzt in der Lage waren, Sprengladungen anzubringen, die sogar die gepanzerten Luken rings um die Zitadelle überwinden konnten. Bei den Detonationen waren Löcher in die Panzerung gerissen worden, durch die nun Antipersonen- und elektromagnetische Impulsgranaten in die Zitadelle geschossen wurden. Gleich darauf folgten Gaienes Leute, die noch im Laufen das Feuer eröffneten.

Ein paar Schlangen hielten sich noch auf den Beinen, ihre Konturen waren inmitten der Rauchwolken kaum zu erkennen, die von den Sprengladungen und Granaten verursacht worden waren. Gaiene blieb kaum Zeit, sich auf die Bilder zu konzentrieren, da wurden die Leiber der Schlangen auch schon von Sperrfeuer zerfetzt und zu Boden geschleudert.

»Wir haben die Zitadellen für die Antriebs- und die Waffenkontrolle eingenommen«, meldete Safir. »Die Antriebskontrolle kapitulierte, kaum dass wir die Verteidigungsanlagen ausgeschaltet hatten.«

»Danke«, erwiderte Gaiene. »Ich fürchte, wir werden von unseren Werftarbeitern einiges zu hören bekommen, weil wir die Waffenkontrolle so verwüstet haben.«

»Wir haben versucht, die Schäden auf ein Minimum zu beschränken«, konterte Safir grinsend.

»Ja, aber die Leute, die das reparieren müssen, werden das nicht einsehen. Sie wissen, wie die sind. ›Sie haben das kaputt gemacht‹, heißt es dann. Es gehört zu unserem Job, dass Dinge kaputt gehen, aber das begreifen die einfach nicht. Apropos Job: Sie haben gute Arbeit als Stellvertreterin geleistet und alle Erwartungen Ihrer Vorgesetzten in Sie erfüllt und so weiter und so fort. So, jetzt müssen wir erst mal die internen Sensoren wieder in Betrieb nehmen, damit wir uns sicher sein können, dass sich nicht noch irgendwo ein paar Crewmitglieder versteckt halten.«

»Wir sind schon dabei, Colonel. Sieht so aus, als hätten wir zwischen vier- und fünfhundert Besatzungsmitglieder gefangen genommen. Das Schiff war ein wenig unterbesetzt.«

»Das ist es jetzt erst recht.«

»Wir haben Kontakt zur Midway«, berichtete Lieutenant Bulgori. »Eine Minute nach Beginn unserer Erstürmung haben die Gryphon und die Basilisk aus nächster Nähe das Feuer auf die vier Jäger eröffnet, die den Schlachtkreuzer begleiten. Drei wurden zerstört, der vierte ergab sich, nachdem sie ihm den Antrieb zerschossen hatten.«

Danke, Kapitan Stein. Zu schade, dass Sie keine Lust haben, diesen Sieg mit mir auf eine sehr unangemessene Weise zu feiern. Gaiene sah sich erschöpft um und spürte, wie schon jetzt die Farbe aus der Welt um ihn herum zu weichen begann. Sie hatten gewonnen. Es war nicht wichtig. Nichts war wirklich wichtig, aber wenigstens hatte diese Operation ihn für kurze Zeit wiederbeleben können. Und es war ein Sieg für Artur Drakon geworden, der ihn davor bewahrt hatte, in einem Arbeitslager oder irgendwo in der Gosse zu krepieren. Das alles war so gut, wie es nur sein konnte … in einem Universum, das für ihn keine Bedeutung mehr besaß.