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»Richtig, und du hast ja gesehen, was man mit mir gemacht hat. Erst wurde ich zum Arbeitslagerpersonal versetzt, und dann stand ich kurz davor, selbst in dessen Genuss zu kommen. Ohne General Drakon wäre ich wahrscheinlich längst in irgendeinem dieser Lager gestorben.«

»Ich ebenfalls«, ergänzte sie und konzentrierte sich auf die Komm-Anlage. »Bevor du es mir gesagt hattest, wäre ich von selbst nie auf den Gedanken gekommen, dass er den Schlangen vorgeschlagen hatte, unsere Beziehung für deren Zwecke auszunutzen. Ohne ihn hätten die Schlangen niemals Informationen über meine Verlegung in ein anderes Lager durchsickern lassen, damit man mich befreien konnte.«

Rogero nickte. »Er ist ein guter Mann. Er selbst glaubt zwar inzwischen nicht mehr daran, aber ich weiß, was für ein guter Mann er ist.«

Nach einer kurzen Pause fragte Bradamont: »Wieso? Wie kommt es, dass Drakon so eine schlechte Meinung von sich selbst hat?«

»Er war ein CEO. Um bis zum CEO aufzusteigen und innerhalb dieses Systems zu überleben, ist man gezwungen, Dinge zu tun, die einem nach und nach die Seele wegfressen. Ich bin zu vielen CEOs begegnet, denen nicht anzumerken war, dass sie ihrer Seele nachtrauerten. Aber General Drakon hat sich seine Seele zum größten Teil erhalten können.« Er tippte sich an die Brust. »Aber das heißt auch, dass er in seinem Herzen weiß, dass er viele falsche Dinge getan hat.«

»Manchmal ist es besser, wenn man so etwas einfach ignorieren kann«, murmelte Bradamont. »Es war ein hässlicher Krieg. Aber gab es irgendwann einmal einen Krieg, der nicht hässlich war? Jeder von uns hat in seinem Inneren Narben davongetragen.«

»Es war nicht nur der Krieg, Honore. Es war das System. Das Syndikatssystem. Man frisst die anderen, sonst wird man vom System gefressen.«

Sie nickte, diesmal ohne ihn anzusehen. »Aber du hast dich von dieser Art losgesagt. Du wirst einen besseren Weg gehen, sofern General Drakon und Präsidentin Iceni nicht irgendeinen fatalen Fehler machen.« Bradamont lehnte sich nach hinten und fuhr sich durchs Haar. »Wie sehe ich aus?«

»Schöner denn je.«

Sie musste lachen. »Schon gut, dass wir allein hier sind.«

»Und zu schade, dass wir nicht lange in diesem Raum allein sein können.«

»Vielleicht ist das gar nicht so verkehrt. Also gut. Stell dich so weit an den Rand, wie du nur kannst. Ich will sichergehen, dass du nicht im Bild bist.«

Rogero zog sich in eine Ecke zurück und drückte sich an die Wand.

Bradamont betätigte eine Taste, ihr Blick war auf die Kamera gerichtet. »Admiral Timbale, hier spricht Captain Honore Bradamont, vormalige befehlshabende Offizierin der Dragon. Admiral Geary hat mich aus der Flotte genommen, als die ins Midway-Sternensystem zurückgekehrt ist, und hat mir den Auftrag gegeben, als Verbindungsoffizier für die dortige Regierung und das Militär zu fungieren. Das Midway-Sternensystem hat sich vollständig von den Syndikatwelten losgesagt. Die neue Regierung ist stabil und hat einen Kurs hin zu mehr Demokratie eingeschlagen, außerdem hat sie umliegenden Sternensystemen dabei geholfen, sich gegen die Autorität der Syndikatwelten aufzulehnen. Ihre Flotte hat der unseren im Kampf gegen die Enigmas beigestanden. Sie benötigen das hier festsitzende Personal der Reserveflotte, um Kriegsschiffe zu bemannen, die sich derzeit noch in der Fertigstellung befinden und die verhindern sollen, dass den Syndikatwelten eine Rückeroberung des Midway-Sternensystems gelingt.

Admiral Gearys Flotte befindet sich auf dem Rückflug von Midway, wurde aber durch ein Störmanöver der Syndiks aufgehalten. Ich weiß nicht genau, in welche Situation er geraten ist, aber wir haben dadurch herausgefunden, dass die Syndiks in der Lage sind, vorübergehend die Nutzung des Hypernets zu verhindern. Dadurch war Admiral Geary gezwungen, mit der Flotte Kurs auf Sobek zu nehmen. Zweifellos befindet er sich von dort aus auf dem Heimweg, aber es ist anzunehmen, dass die Syndiks ihm trotz der Friedensvereinbarungen Hindernisse in den Weg gelegt haben. Auf dem Weg durch das Enigma-Gebiet hat die Flotte beträchtliche Gefechtsschäden davongetragen, ebenso beim Kontakt mit einer zweiten nichtmenschlichen Spezies sowie schließlich bei der Rückkehr durch das Gebiet der Enigma-Rasse. Erschwert wird die Rückreise durch ein erbeutetes Kriegsschiff der Aliens, das ins Allianz-Gebiet gebracht werden soll. Begleitet wird die Flotte zudem von sechs Schiffen einer dritten nichtmenschlichen Spezies, die an friedlichen Beziehungen zu uns interessiert ist.

Ich kann Sie mit weiteren Informationen zum erfolgreichen Verlauf von Admiral Gearys Mission versorgen, aber da es sich um extrem sensible Daten handelt und ich von ihm zum Dienst bei Midway abgestellt worden bin, möchte ich nicht publik machen, dass ich nach Varandal zurückgekehrt bin. Das Flottenhauptquartier wird sicherlich Admiral Gearys Befehle hinsichtlich meines Verbleibs als Verbindungsoffizier widerrufen wollen und mich zu sich zitieren, damit ich mein gesamtes Wissen ohne Rücksicht darauf preisgebe, wie Admiral Geary seine Informationen nach seiner Heimkehr präsentieren möchte.

Natürlich unterstehe ich hier Ihrer Befehlsgewalt, aber meine Auslegung von Admiral Gearys Befehlen lässt mich zu dem Schluss kommen, dass ich alles unternehmen sollte, um eine Freilassung dieser Kriegsgefangenen zu erreichen, damit die ins Midway-Sternensystem heimkehren können. Danach sollte ich mich selbst auch wieder dorthin zurückbegeben, um die Situation im Auge zu behalten und den Allianz-Behörden über alle maßgeblichen Entwicklungen Bericht zu erstatten. Ich möchte Sie respektvoll darum bitten, dass wir die Überstellung der Syndik-Kriegsgefangenen in diesem Sternensystem auf die Frachter unter dem Kommando von Colonel Rogero so schnell wie möglich erledigen können. Captain Bradamont, Ende.«

Rogero wartete, bis sie die Verbindung beendet hatte, dann sagte er: »Das wird ihn aber hellwach machen, wenn er mitten in der Nacht diese Nachricht erhält.«

»O ja.«

Er betrachtete sie noch einen Moment länger und überlegte, ob er ihr die nächste Frage tatsächlich stellen sollte, entschied sich dann aber dafür. »Glaubst du das wirklich? Das, was du über Präsidentin Iceni und General Drakon gesagt hast, meine ich.«

»Was ich gesagt habe? Du meinst, dass eure Regierung stabil ist und dass demokratische Reformen angelaufen sind? Ja. Soweit ich das erkennen kann, ist es so.«

»Was hältst du von Präsidentin Iceni?«

»Willst du mir Informationen entlocken, um sie an deinen Boss weiterzugeben?«, fragte Bradamont in amüsiertem Tonfall, doch ihre Augen verrieten, dass es nicht witzig gemeint war.

»Nein. Ich will nur wissen, was du denkst. Ich werde das niemandem erzählen.«

Sie hielt inne und dachte einen Moment lang nach. »Ich glaube, sie ist ein knallhartes Miststück. Und das meine ich auf eine gute Art.«

»Kann man das auf eine gute Art meinen?«, fragte er. »Dann denkst du, sie wird tatsächlich etwas für ihr Volk tun?«

»Ja, das würde ich sagen. Aber stell dich ihr nicht in den Weg. Ich glaube, wer das macht, wird es bitter bereuen.«

»Und ihr Assistent? Dieser Togo?«

Bradamont schüttelte den Kopf. »Der ist mir ein Rätsel. Ich habe auch noch nicht genug von ihm zu sehen bekommen. So, und jetzt wirst du mir etwas über die beiden Assistenten deines Generals erzählen.«

Rogero musste lachen. »Die zwei sind schon ein Paar, wie? Aber in dem, was sie tun, sind sie wirklich sehr gut, Honore. Jeder für sich ist schon beeindruckend, und gemeinsam unterstützen sie General Drakon in einem Maß, für das man sonst eine ganze Brigade benötigt, vielleicht sogar mehr.«

»Hassen die beiden sich wirklich so sehr, wie es den Eindruck macht?«

»Die hassen sich wie die Pest«, antwortete Rogero. »Morgan war schon ein paar Jahre hier, als auf einmal Malin dazukam. Sie waren sich auf Anhieb spinnefeind. Die zwei sind sich zu ähnlich, würde ich sagen.«