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»Zu ähnlich?«, wiederholte Bradamont ungläubig. »Diese beiden?«

»Na klar. Sie unterscheiden sich nur in der Herangehensweise. Morgan lacht dir ins Gesicht, kurz bevor sie dir eine Kugel in den Kopf jagt. Und wenn sie das macht, dann hat sie aus ihrer Sicht auch einen guten Grund dazu. Malin würde es dagegen eher ein wenig leid tun, dich selbst aus gutem Grund kaltblütig zu töten. Aber tot wärst du in beiden Fällen. Ich glaube, sie verfolgen beide große Pläne, allerdings sehr unterschiedliche Pläne, die aber jeweils dafür sorgen sollen, dass sie in den Mittelpunkt rücken.« Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: »Es gab einen Einsatz, an dem sie beide beteiligt waren, um eine Orbitalplattform einzunehmen. Das war unmittelbar nach der Vernichtung aller Schlangen. Es stellte sich heraus, dass der Befehlshaber der Plattform eine heimliche Schlange war. Während die Schlange getötet wurde, feuerte Malin einen Schuss ab, der so dicht an Morgan vorbeiging, dass er um ein Haar seinem Dauerstreit mit ihr ein Ende gesetzt hätte. Aber der General schickte ihn nicht in die Wüste, weil der Schuss die Schlange genau in dem Moment tötete, als die auf Morgan schießen wollte. Schon witzig, nicht wahr? Falls Malin tatsächlich versucht hat, Morgan zu töten, hat er ihr genau dadurch das Leben gerettet. Falls er ihr tatsächlich das Leben retten wollte … Na ja, dann hat es geklappt. Und sie hat gleich darauf versucht ihn umzubringen, weil sie dachte, er hätte auf sie geschossen und sie bloß verfehlt. Malin lebt heute nur noch, weil ihre Waffe erkannt hatte, dass es sich bei ihm nicht um einen Gegner handelte und deshalb blockierte.«

»Mit ihr möchte ich es mir nicht verscherzen«, stellte Bradamont fest.

»Mit ihr hat es sich schon das ganze Universum verscherzt«, erwiderte er. »Ich kenne keine Einzelheiten, aber als sie jünger war, wurde sie auf irgendeine Mission geschickt. Danach war sie nie wieder die Alte. Es gibt nur einen Menschen, der ihre unerschütterliche Loyalität genießt, nämlich General Drakon, weil er ihr eine Chance gegeben hat, die ihr niemand sonst geben wollte.«

»Sie war nett zu mir«, sagte sie. »Respektvoll. Das ist ein bisschen unheimlich.«

Rogero verspürte ebenfalls ein leichtes Frösteln. »Morgan gibt sich nur nett, wenn sie einen Grund dafür hat. Wenn sie sich so benimmt, dann glaubt sie, dass du für sie oder für General Drakon wichtig bist, aber das könnte in ihrem Kopf auch ein und dasselbe sein.«

»Warum behält er sie überhaupt?«

»Weil er versucht ihr zu helfen. Und weil General Drakon niemanden einfach aufgibt. Würde er sie entlassen und wegschicken, dann wäre sie binnen eines Monats tot. Möglicherweise würde sie einen ganzen Planeten mit ins Verderben reißen, aber auf jeden Fall würde sie ohne General Drakons Unterstützung nicht lange durchhalten.«

»Das klingt hart«, fand Bradamont. »Ich nehme an, wenn man ihr das ins Gesicht sagen würde, würde sie zum Berserker werden.«

»O ja. Das solltest du besser nicht versuchen.«

»Danke für den Ratschlag.« Bradamont stand auf und betrachtete Rogero sehnsüchtig. »Jetzt geh und mach die Luke auf, sonst verriegele ich sie und falle über dich her, und dann müssen deine Soldaten die Luke eintreten, um dich vor mir zu schützen.«

»Ich kann mich zwar vom Syndikat befreien, aber nicht von dir«, gab er zurück und öffnete die Luke.

Die erste Erwiderung auf Bradamonts Nachricht kam von den Allianz-Zerstörern.

»Sie werden den angehängt übermittelten Vektoren ins System hinein bis in die Nähe der Ambaru-Station folgen«, ließ Lieutenant Commander Baader sie wissen. »Alle sechs Frachter müssen sich an die vorgegebene Geschwindigkeit und den Kurs halten. Die Sai und die Assegai werden Sie begleiten und sicherstellen, dass Sie dem Vektor folgen. Baader, Ende.«

»Fliegen Sie los«, forderte Rogero den Frachter-Executive auf. »Und sorgen Sie dafür, dass die anderen Schiffe uns folgen.«

»Diese Allianz-Zerstörer sind nicht da, um uns zu eskortieren«, beklagte sich der Executive. »Die bleiben nur in der Nähe, um uns in Stücke zu schießen, sobald wir den Vektor verlassen.«

»Dann achten Sie eben darauf, dass Sie den Vektor nicht verlassen.«

Bradamont kam auf die Brücke und winkte ihm zu. »Ihre Komm-Wache sagt, es ist eine Nachricht eingegangen, die eine Allianz-Verschlüsselung verwendet.«

»Dann wollen wir sie uns mal ansehen«, entgegnete Rogero und folgte ihr in das winzige Abteil, wartete, bis der diensttuende Soldat gegangen war, und schloss die Luke hinter ihm. Die Größe des Raums machte es unausweichlich, dass er sich dicht neben Bradamont stellen musste, doch das war nicht gerade ein Umstand, der ihn störte.

»Captain Bradamont, hier spricht Admiral Timbale. Es erübrigt sich wohl zu sagen, dass ich überrascht bin.« Timbale schaute auf dem Komm-Display drein, als könne er Bradamont in Echtzeit sehen. »Es sind gute Neuigkeiten, dass Admiral Geary auf dem Heimweg und seine Mission erfolgreich abgeschlossen hat. Aber es sind schlechte Neuigkeiten, dass die Syndiks in der Lage sind, mit dem Hypernet zu spielen. Ich will alles wissen, was Sie mir darüber sagen können, was Admiral Geary und seiner Flotte widerfahren ist, seit sie Varandal verlassen haben. Habe ich das richtig verstanden, dass drei intelligente nichtmenschliche Spezies entdeckt wurden? Das ist bemerkenswert.

Sie haben mir alle Gründe geliefert, die ich benötige, um die Gefangenen zu übergeben. Ich will sie schon seit geraumer Zeit loswerden, aber niemand ist bereit, sie mir abzunehmen.« Timbale kratzte sich die Wange, dabei sah er auf irgendetwas, das sich neben ihm befand. »Ich habe hier fünftausendzweihunderteinundfünfzig Syndik-Gefangene. Die meisten gehörten der Reserveflotte an, aber ein paar Hundert stammen von woanders. Können Sie sie alle mitnehmen? Lassen Sie mich das möglichst bald wissen. Wenn wir die Überlebenden aussortieren müssen, die nicht zur Reserveflotte gehört haben, dann wird das eine Weile dauern.

Jetzt zum wirklich schwierigen Teil. Es muss eine persönliche Übertragung der Fürsorge erfolgen«, beharrte Timbale und tippte mit einem Finger auf die Tischplatte, um seine Worte zu unterstreichen. »Unter diesen Umständen kann ich keine Ausnahme zulassen. Es muss Jemandem diese Vereinbarung persönlich übergeben werden, und derjenige muss in meiner Gegenwart eine rechtsverbindliche Erklärung abgeben, dass er die Verantwortung für die Gefangenen übernimmt. Dass ich nicht zu den Syndiks gehen kann, versteht sich von selbst. Zu den Leuten von Midway … das ginge vielleicht noch. Aber symbolisch betrachtet wäre das auch nicht gut, weil sie immer noch zu sehr nach Syndiks aussehen. Einer von ihnen, der Senioroffizier, muss zu uns auf die Ambaru-Station kommen, damit die Anforderungen an die Übergabe der Gefangenen erfüllt werden.«

»Verdammt«, knurrte Bradamont.

»Derjenige wäre dann ich«, sagte Rogero. »Kann ich Timbale vertrauen?«

»Ja. Er würde keiner Falle zustimmen, erst recht nicht, wenn du auf Veranlassung von Admiral Geary hier bist. Wenn irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugehen würde, hätte er mir ein beiläufig wirkendes Zeichen gegeben.«

»Mir ist bewusst, welches Risiko das für Colonel Rogero bedeuten könnte«, redete Timbale weiter. »Übrigens hat die Tatsache, dass sie angefangen haben, militärische Dienstgrade anstelle von Executive und CEO zu benutzen, mir sehr dabei geholfen, diese Entscheidung zu treffen. Dennoch muss ich mich rechtlich bei dieser Übergabe absichern, sonst legen uns Folgsamkeitsoffiziere einen ganzen Haufen Steine in den Weg, die die Übergabe auf unbestimmte Zeit hinauszögern könnten. Wir halten das Treffen soweit wie möglich unter Verschluss, aber viel wird das nicht nützen. Irgendjemand wird etwas ausplaudern, am ehesten irgendwelche Zivilisten am Dock, sobald die Übergabe beginnt. Aber da gibt es genügend Marines, die im Ernstfall für Sicherheit sorgen können.«