Выбрать главу

»Mehr kann man nicht verlangen«, sagte Bradamont.

»Allianz-Marines?«, fragte Rogero. »Soll mich die Aussicht beruhigen, dass ich von Allianz-Marines umgeben sein werde?«

»Die können verdammt gut kämpfen, Donal!«

»Ich weiß. Ich habe gegen sie gekämpft. Genau deswegen freue ich mich ja nicht darauf, von diesen Leuten umzingelt zu sein.«

Timbale kam zum Ende. »Diese Badewannen, in denen Sie unterwegs sind, werden einige Zeit brauchen, um Ambaru zu erreichen. Aber kommen Sie nicht zu nah. Niemand möchte hier Frachter von Syndik-Herkunft innerhalb des Gefährdungsbereichs dieser Station sehen. Ich kann diese Zeit allerdings nutzen, um die Gefangenen raufbringen zu lassen und ein Shuttle für Sie bereitzustellen. Timbale, Ende.«

Bradamont sah Rogero abwartend an. »Kann ich ihm sagen, dass wir damit einverstanden sind?«

»Dass wir damit einverstanden sind? Ich bin derjenige, der sich auf diese Station begeben muss. Was wird die Allianz-Intelligenz wohl machen, wenn sich da herumspricht, dass Colonel Donal Rogero vor der Tür steht?«

»Erstens«, antwortete sie, »muss der Geheimdienst erst einmal dahinterkommen, dass der Midway-Colonel Rogero und der Sub-CEO Donal Rogero der Bodenstreitkräfte der Syndikatwelten ein und dieselbe Person sind. Zweitens sind für den Fall immer noch die Marines da. Und wenn der Geheimdienst dich trotzdem irgendwie in die Finger bekommen sollte, werde ich mich persönlich auf diese Station begeben und dich zurückholen, ganz egal, was ich dafür machen muss. Ich werde nicht zulassen, dass man dich hier so behandelt, wie die Syndiks es mit mir gemacht haben, und wenn ich dafür zu Maßnahmen greifen muss, die weder Admiral Timbale noch Admiral Geary gefallen werden.«

Rogero sah sie an und musste unwillkürlich lächeln. »Wie hattest du noch mal Präsidentin Iceni beschrieben?«

»Was? Wie kommst du denn jetzt darauf?«

»Nicht so wichtig. Sag deinem Admiral Timbale, dass ich zu ihm kommen werde.«

Sie warf ihm noch einen etwas argwöhnischen Blick zu, dann betätigte sie die Sendetaste. »Admiral Timbale, ich danke Ihnen. Ich werde Ihnen mit dieser Nachricht alle mir bekannten Informationen zukommen lassen, die Admiral Geary und unsere Aktivitäten in den von Aliens kontrollierten Regionen betreffen. Bevor ich damit beginne, sollen Sie zunächst wissen, dass Colonel Rogero sich zur persönlichen Übertragung der Fürsorge für die Gefangenen an Bord der Ambaru-Station bereit erklärt hat. Ich habe ihm deutlich gemacht, dass ihm dort keine Gefahr droht, da Sie seine Sicherheit verbürgt haben. Ich muss Sie allerdings darauf hinweisen, dass Colonel Rogeros Akte bei unserem Geheimdienst eine dicke Markierung tragen dürfte. Dabei handelt es sich um eine reine Geheimdienstangelegenheit, die nichts mit seinem Verhalten während des Kriegs zu tun hat. Sie haben mein Ehrenwort, Sir, dass es keine Markierung aufgrund von Kriegsverbrechen ist. Und nun zur Zusammenfassung von Admiral Gearys Mission …«

Nach einer langen, trägen Reise erreichten die Frachter, die zu mehr Leistung nicht in der Lage waren, die Ambaru-Station, zu der sie einige Lichtsekunden Abstand hielten. Das verringerte die Verzögerungen bei der Kommunikation auf ein Minimum, dass sie kaum feststellbar waren. »Ob Sie es glauben oder nicht, Captain Bradamont«, sagte Admiral Timbale, »aber ich habe bei einigen Syndiks ernsthafte Bedenken, sie an diese Leute von Midway zu übergeben. Es gibt keinen Zweifel daran, dass mindestens ein paar Gefangene unerschütterliche Patrioten der Syndikatwelten sind. Was werden die Leute bei Midway mit ihnen machen?«

»Sind irgendwelche Schlangen darunter, Admiral?«, fragte Bradamont und sah kurz zu Rogero.

»Schlangen?«

»Syndiks vom Inneren Sicherheitsdienst.«

»Ach so, diese Typen. Nein, von denen ist keiner erkannt worden.«

Rogero beugte sich vor. »Admiral Timbale, nur den Agenten des ISD droht Gefahr, wenn sie uns in die Finger fallen, und das liegt daran, dass das Blut unserer Leute an ihren Händen klebt. Jeder unserer Frachter verfügt über eine kleine Einheit Bodenstreitkräfte, die an Bord für die Sicherheit sorgen werden. Daher müssen wir uns nicht vor Aktionen der Syndikatsloyalisten fürchten. Wir werden auf dem Weg nach Midway jeden von Bord gehen lassen, der sich uns nicht anschließen möchte.«

Timbale machte eine lange Pause, dann sagte er sehr ernst: »Von Bord gehen lassen? Admiral Geary hat ein wenig auf mich abgefärbt, Colonel. Und deshalb hätte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich Ihnen Gefangene übergebe, die Sie auf halbem Weg nach Hause ›gehen lassen‹, indem Sie sie aus der Luftschleuse schmeißen.«

Rogero schüttelte entschieden den Kopf. »Das werden wir nicht machen. Wir befolgen den Befehl von General Drakon.«

»Und der besagt …?«

»Wir haben den Befehl, keine Gefangenen zu töten. An diesen Befehl halten wir uns, Admiral. Jeder Gefangene, der an uns übergeben wird und sich uns nicht anschließen will, wird von uns in einem der vom Syndikat kontrollierten Sternensysteme abgesetzt, die wir auf dem Heimweg durchqueren müssen.«

Timbale sah Rogero sekundenlang an, dann nickte er. »Hervorragend, Colonel. Das erste Shuttle ist auf dem Weg zu dem Frachter, auf dem Sie sich befinden. Mit diesem Shuttle kommen Sie dann her, und dann erledigen wir alles Notwendige. Keine Sorge, ich werde mit dem Abschluss der persönlichen Übertragung nicht warten, bis Ihnen die ersten Gefangenen ausgehändigt werden. Sorgen Sie dafür, dass diese Frachter bereit sind, einen ganzen Schwall an Gefangenen schnell und zügig an Bord zu nehmen.«

»Gibt es irgendeinen Grund zur Sorge, Admiral?«, fragte Bradamont ein wenig argwöhnisch. »Irgendwelche Bedrohungen?«

»Ich habe nicht jede Einheit in diesem Sternensystem hundertprozentig unter Kontrolle, Captain. Nicht einmal annähernd. Bislang habe ich allen, die es angeht, eine sehr sorgfältig zurechtgeschnittene Version der kommenden Ereignisse geliefert. Aber es könnte sein, dass einige der mir nicht unterstellten Einheiten des Allianz-Militärs von ihren Vorgesetzten Befehle erhalten, die Ihnen, mir und Colonel Rogero gar nicht gefallen würden, vor allem mit Blick darauf, was Sie mir über das mögliche Interesse des Geheimdienstes an Rogero gesagt haben. Je eher wir das hier hinter uns bringen, umso besser.«

»Das hört sich nicht gut an«, erklärte Rogero, nachdem das Gespräch beendet war.

»Ganz und gar nicht«, stimmte Bradamont ihm zu. »Flieg hin und komm so schnell wie möglich unversehrt zurück.«

»Ich werde mir Mühe geben.«

Dreizehn

Er hatte schon früher Orbitaleinrichtungen der Allianz betreten. Doch er hatte dabei bisher immer Gefechtsrüstung getragen und war an der Spitze seiner Soldaten vorgerückt, um gegen Verteidiger zu kämpfen, die mal kopflos, mal fest entschlossen, aber immer zäh gewesen waren. In Colonel Rogeros Geist ließ der Gedanke an Orbitaleinrichtungen der Allianz Bilder von zerfetztem Metall aufsteigen, Bilder von dichtem Rauch, der durch Korridore quoll, in denen oft das Vakuum herrschte, Bilder vom Tod rings um ihn herum, während Angreifer und Verteidiger gleichermaßen kämpften und verbluteten.

Es kam ihm unwirklich vor, als er nun das Shuttle verließ — ein Shuttle der Allianz! — und den sauberen, glatten Boden eines unbeschädigten Hangars betrat, von dem aus man zu einem offenen Durchgang gelangte.

Aber dort warteten auch Allianz-Marines, schwer bewaffnet und in gepanzerten Rüstungen, lediglich die Visiere waren hochgeklappt, was zumindest wie eine Friedensgeste wirkte. Es änderte aber nichts daran, dass ihre Waffen ganz so wirkten, als seien sie durchweg aktiviert und feuerbereit. Dieser Eindruck half ihm nicht, sich zu beruhigen, denn kampfbereite Allianz-Marines weckten sehr unangenehme Erinnerungen. Aber dann musste er daran denken, dass auch Honore Bradamont im Rahmen ihrer Pflichterfüllung auf ein vormals zum Syndikat gehörendes Kriegsschiff gekommen war, umgeben von einer vormals zum Syndikat gehörenden Crew. Was sie kann, kann ich auch.