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»Und was ist mit Ihnen?«, fragte er Bradamont. »Was geschieht mit Ihnen, wenn diese Frachter geentert werden sollten?«

Sie beschrieb eine wütende und zugleich hilflose Geste. »Ich habe Befehle von Admiral Geary, die meine Anwesenheit auf diesem Schiff und in diesem System rechtfertigen. Allerdings hege ich ernsthafte Zweifel, dass mir das viel helfen wird, wenn ich unter diesen Umständen den Bodenstreitkräften oder der Luftwaffe in die Hände falle.« Sie sah Rogero an, ihr Blick verriet, was beide nicht in der Gegenwart anderer offen aussprechen konnten; ihre Verbindungen zu den Schlangen des Syndikats und zum Allianz-Geheimdienst.

Er wusste nicht, was er Unverfängliches sagen konnte, aber dann warf Ito helfend ein: »Ich weiß, was die Schlangen mit mir machen würden, wenn sie mich dabei erwischten, wie ich den Offizieren eines Allianz-Schiffs mit Rat und Tat zur Seite stehe«, sagte sie.

»Das letzte Allianz-Shuttle hat die Passagiere abgeliefert«, rief Lieutenant Foster erleichtert dazwischen und sah gleich darauf betreten drein, da er sich so unprofessionell verhalten hatte. »Das Shuttle legt jetzt ab. Von den anderen Frachtern wird gemeldet, dass alles Personal an Bord gebracht wurde, alle Luken geschlossen sind und die Soldaten zum Einsatz bereitstehen.«

Die Allianz-Shuttles fielen schnell zurück, während sie wendeten, um Kurs auf die Ambaru-Station zu nehmen. In dem Moment, als die Shuttles beschleunigten, entstand die optische Täuschung, dass die Frachter einen gewaltigen Satz nach vorn machten. Doch es genügte ein Blick auf das Display, um zu erkennen, dass das nicht mehr als ein Wunschtraum war. Zwar beschleunigten die Frachter weiter, doch das geschah unverändert träge.

»Lieutenant Foster«, befahl Rogero, »holen Sie Ihre Gefechtsrüstung und schließen Sie sich Ihrer Einheit an.«

Foster eilte von der Brücke, was jedoch dauerte, da ihm in dem beengten Raum immer wieder jemand im Weg stand. Bradamont sah dem Lieutenant hinterher, dann widmete sie sich wieder dem Flugplansystem. »Colonel Rogero, wir könnten noch etwas versuchen. Wenn die Frachter ihre Steuerdüsen abfeuern, um sie auf einen anderen Vektor zu bringen, dann werden die Shuttles mit den Kommandosoldaten an Bord ihre Vektoren ebenfalls ändern müssen, um den Abfangpunkt zu erreichen, der sich durch unser Manöver verschiebt. Wenn wir dann die Steuerdüsen in die entgegengesetzte Richtung zünden, sind auch die Verfolger gezwungen, wieder eine Kursänderung vorzunehmen.«

»Dann vergrößert sich unser Abstand?«, fragte Rogero. »Aber werden wir nicht langsamer, wenn wir unsere Flugrichtung ändern?«

»Nein, nicht bei einer so minimalen Änderung. Sie befinden sich im All. Wir weichen nur gerade so von unserem momentanen Kurs ab, dass die Shuttles reagieren müssen. Das bedeutet, der Abstand zu uns wird sich vergrößern, womit sie mehr Zeit benötigen, um uns einzuholen, obwohl sie nicht langsamer werden.«

»Und wenn sie nahe genug sind«, ergänzte Garadun, »wird das den Plan für die letzte Anflugphase völlig durcheinanderbringen. Fünf Grad Kursänderung?«

»Sieben«, erhöhte Ito.

Bradamont nickte. »Sieben Grad schaffen wir sogar mit diesen Frachtern, weil wir uns keine Sorgen darüber machen müssen, wie weit die Kurve wird, die wir fliegen. Nach oben und links. Damit sollten wir die Shuttles zu einer maximalen Kursänderung veranlassen.«

»Und was ist mit dem Allianz-Zerstörer?«, meldete sich Executive Barchi zu Wort. »Was wird er machen, wenn wir von unserem Vektor abweichen?«

»Die Kursänderung ist nicht so gravierend, dass sie für irgendetwas in diesem Sternensystem als bedrohlich erscheinen könnte«, fuhr Bradamont ihn an. »Und sie dauert auch nicht so lange. Außerdem hat der Zerstörer von Admiral Timbale den Befehl erhalten, uns zu beschützen. Uns wird also nichts passieren.«

»Tun Sie’s«, befahl Rogero.

Der Befehl wurde an die anderen Frachter weitergeleitet, und Sekunden später war ein leichter Druck zu spüren, der darauf hindeutete, dass die Steuerdüsen gezündet worden waren.

Funktionierte es? Die Vektoren der Frachter veränderten sich nur quälend langsam, aber es war völlig unmöglich festzustellen, ob die Shuttles die erhoffte Reaktion zeigten. »Zwanzig Minuten?«, fragte Ito, doch gemeint war diesmal nicht Rogero, sondern Bradamont.

»Könnte hinkommen«, erwiderte die Allianz-Offizierin. »Sind Sie auch einen Schlachtkreuzer geflogen?«

»Ganz genau.« Ito warf Rogero einen überlegenen Blick zu. »Wir sind die Besten.«

Rogero nickte nur und begriff erst mit Verspätung, dass Ito nicht nur sich, sondern auch Bradamont meinte. Geteilte Gefahren vermochten viel dazu beizutragen, Hürden im Kopf zu überwinden.

Der Frachter ruckelte ein wenig, woraufhin Rogero seine Hand so anspannte, als würde sie immer noch die Waffe halten, die längst wieder im Halfter an seiner Hüfte steckte. Das war es. Wir haben es nicht geschafft. Dieses Rucken muss von einem der getarnten Shuttles verursacht worden sein, das gegen den Frachter gestoßen ist. Wie lange noch, bis die Kommandosoldaten auf die Brücke vordringen?

Die anderen mussten sich die gleiche Frage gestellt haben, nur nicht der Frachter-Executive, der auf irgendetwas zu horchen schien. »Die interne Kommunikation arbeitet wieder«, sagte Barchi so fröhlich, dass die anderen darauf nur erschreckt reagieren konnten.

»Wunderbar«, murmelte Garadun.

»Colonel«, fuhr der Executive fort, »könnten Sie ihren Leuten sagen, sie sollen sich nicht alle gleichzeitig bewegen? Dieses Schiff ist nicht so ausgelegt, dass es mit plötzlichen Lastwechseln gut zurechtkommt.«

Rogero blinzelte den Mann ratlos an, der von den Ereignissen um sie herum gar nichts wahrzunehmen schien. »Wie meinen Sie das?«

»Dieses Rucken. Haben Sie das nicht bemerkt? Meine Arbeiter informieren mich gerade, dass ein ganzer Haufen von ihren Leuten zu den anderen rübergestürmt ist, die wir als Letzte an Bord geholt haben. Das ist verdammt viel Masse, die plötzlich ihre Position im Schiff verändert.«

»Das Rucken …« Rogero begann zu grinsen und sah, wie die anderen erleichtert lächelten. »Das war das Rucken?«

»Ja«, antwortete Executive Barchi verwundert. »Ist daran irgendwas lustig?«

»Nein, lustig nicht. Aber es sind sehr gute Neuigkeiten.«

Bradamont, die eben noch vor Anspannung wie erstarrt dagestanden hatte, lehnte sich jetzt beruhigt gegen die Steuerkontrollen. »Noch fünf Minuten, dann kehren wir auf den alten Kurs zurück.«

»Muss das sein?« Der Executive kratzte sich am Kopf. »Normalerweise zünden wir die Steuerdüsen nur, wenn es einen guten Grund dafür gibt. Sonst ist das rausgeschmissenes Geld.«

»Wir haben einen guten Grund«, versicherte ihm Rogero.

»Da kommt der Kreuzer«, warf Ito ein.

Der Leichte Kreuzer Coupe der Allianz glitt hinter den Frachtern vorbei und erinnerte dabei an einen eleganten Hai, der einen Schwarm träger Wale umkreiste. Rogero beobachtete das Schauspiel auf dem Display und fragte sich, ob der Kreuzer tatsächlich so nahe war, wie es ihm vorkam.

Offenbar war das tatsächlich der Fall. Ito schüttelte den Kopf. »Wenn sich der Kreuzer genau zwischen uns und den Shuttles befindet, dann sind sie schon viel zu nah an uns dran.«

»Ja«, stimmte Bradamont ihr zu. »Gehen wir zurück auf den alten Kurs.«

Der Befehl wurde an die anderen Frachter weitergegeben. Deren Bewegung nach links oben verlangsamte sich, kam zum Stillstand, und die Schiffe wechselten auf einen neuen Kurs, der sie nach rechts unten führte.

Fünf Minuten. Zehn. Zwanzig. »Wie lange noch, bis wir sie abgeschüttelt haben?«, erkundigte sich Rogero.