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»Ich weiß es nicht«, antwortete Bradamont.

»Der Zerstörer kehrt zurück«, warnte Ito die anderen.

Alle Blicke wanderten zu der Stelle auf dem Display, an der sich die Bandolier dicht hinter die Frachter setzte, dann aber nicht an ihnen vorbei weiterflog, sondern die Hauptantriebseinheiten auf vollen Schub hochfuhr, um das Schiff abzubremsen, bis es mit gleicher Geschwindigkeit wie die Frachter weiterflog und sich dabei genau hinter ihnen hielt.

»Was soll denn …«, begann Bradamont.

Die Steuerdüsen der Bandolier wurden gezündet. Da das Kriegsschiff um ein Vielfaches beweglicher war als die plumpen Frachter, begann sich der Rumpf sofort zu drehen, ohne die Position hinter den Frachtern zu verlassen. Dabei bewegte sich der Zerstörer mit einer solchen Präzision, als wäre er ein Zeiger auf einem riesigen Ziffernblatt.

»Die machen nicht unbedingt einen Hehl daraus, dass sie den Shuttles den Weg versperren wollen, nicht wahr?«, kommentierte Garadun das Geschehen. Er sah Rogero an, als könne er sich nicht entscheiden, ob dieses Manöver bei ihm Bewunderung oder Belustigung auslösen sollte. »Für die Entfernungen, mit denen man normalerweise im All rechnet, sind sie ziemlich dicht hinter uns.«

»Was bedeutet, dass die Kommandosoldaten mit ihren Shuttles auch nicht weit sein können«, folgerte Bradamont, die nur Anspannung ausstrahlte. »Das nächste Manöver der Bandolier wird uns zeigen, ob diese Aktion die Shuttles zu einer unendlichen Verfolgungsjagd gezwungen hat.«

Der Allianz-Zerstörer kam wieder zum Stillstand, nachdem er eine Drehung von dreihundertsechzig Grad beschrieben hatte.

Rogero fiel auf, dass er schon die ganze Zeit über gebannt den Atem anhielt, während er darauf wartete, was der Zerstörer als Nächstes machen würde. Der beschrieb eine Rollbewegung zur Seite und drehte sich gleichzeitig um seine Querachse, bis der Bug in die gleiche Richtung wies, in die auch die Frachter flogen.

Erleichtert und erschöpft nickte Bradamont. »Das war es. Jetzt begleiten sie uns nur noch. Ich gehe davon aus, dass die Coupe jeden Moment zurückkehrt und sich zur Bandolier gesellt.«

Auch Rogero spürte, wie die Anspannung sich in Erschöpfung verwandelte. »Das heißt, die bleiben jetzt hinter uns, bis wir den Sprungpunkt erreicht haben?«

»Wenn die Shuttles die Verfolgung aufgegeben haben, werden sich die zwei Schiffe vermutlich zu beiden Seiten neben uns setzen, damit die festen Verteidigungsanlagen nicht auf die Idee kommen, uns mit Steinen zu bombardieren, die ihre eigenen Schiffe treffen könnten. So würde ich es jedenfalls machen.«

»Danke, Captain Bradamont«, sagte Rogero. »Ich werde den Soldaten auf den anderen Einheiten Bescheid geben, dass der Status der Gefechtsbereitschaft bis auf Weiteres aufgehoben ist. Und ich werde Lieutenant Foster ausfindig machen, damit er weiß, dass wir uns alle wieder entspannen können. Es wäre sicher gut, wenn Sie ins Komm-Abteil zurückkehrten, um nachzusehen, ob Admiral Timbale Ihnen weitere Nachrichten geschickt hat.«

Sie nickte und lächelte flüchtig, ehe sie in Habachthaltung ging und salutierte.

Rogero erwiderte den Salut geübt zackig. Er wusste, dass sie dieser Bedrohung ohne Bradamont niemals entronnen wären.

»Da die Allianz-Streitkräfte unsere Eskorte bilden«, sagte Garadun und gab Ito ein Zeichen, »werden wir im Gegenzug diese Allianz-Offizierin eskortieren. In den Korridoren dieser Einheit ist sie nicht sicher, wenn sie allein unterwegs ist. Sie sollten ein paar Soldaten der Bodenstreitkräfte zu ihrer Bewachung abstellen, immerhin wimmelt es auf diesem Frachter von Veteranen der Reserveflotte.«

»Danke, das werde ich machen.«

Bradamont hielt den Blick auf das Display gerichtet. Bildete er sich das nur ein, oder war da gerade ein sehnsüchtiger Ausdruck in ihren Augen zu sehen gewesen? Sie hatte den Dienst auf einem Allianz-Schiff wie diesem aufgegeben, um als Verbindungsoffizier zu dienen, und jetzt musste sie tatenlos zusehen, wie andere diese Schiffe befehligten.

Als sich ihre Blicke für einen kurzen Moment trafen, fand er seine Vermutung bestätigt.

»Vielen Dank«, sagte Rogero und meinte damit diesmal nur sie. Er war sich sicher, sie wusste, dass er sich damit nicht nur auf ihre Hilfe bei diesem jüngsten Zwischenfall bezog. »Ich begleite Sie ebenfalls. Es liegt auf meinem Weg.«

Er, Bradamont, Garadun und Ito verließen die Brücke und gelangten in die Korridore, in denen sich jetzt die Überlebenden der Reserveflotte drängten. Bradamonts Allianz-Uniform zog sofort alle Blicke auf sich, die nach erstem Erstaunen schnell in Wut und Hass umschlugen. Zornige Rufe wurden laut, man versuchte nach ihr zu greifen und sie zu stoßen, doch Garadun und Ito herrschten die Umstehenden in der gleichen Lautstärke an. Ein Jahr in Kriegsgefangenschaft hatte niemanden die gnadenlose Disziplin vergessen lassen, die den Streitkräften der Syndikatwelten ein Leben lang eingehämmert worden war. Auf die Befehle eines Sub-CEO und einer Executive hin wichen die Männer und Frauen immer noch automatisch zurück und ihre Gesichter wurden ausdruckslos, während sie Habachtstellung einnahmen.

Zumindest Ito war wieder ganz die Executive. Ihre Stimme hallte durch den Korridor und war tragend genug, um auch noch weiter entfernt deutlich wahrgenommen zu werden. »Sie hören jetzt zu! Jeder Arbeiter, jeder Supervisor, jeder Junior- Executive wird dieser Allianz-Offizierin mit Respekt begegnen, die als unmittelbare Assistentin von Colonel Rogero agiert. Jede unangemessene Bemerkung und jede Form von Handgreiflichkeit werden wie ein vorsätzlicher Angriff auf einen Supervisor geahndet. Haben Sie das verstanden?«

Alle im Korridor ließen die erforderliche zwei Sekunden währende Pause verstreichen, dann antworteten sie in einem laut dröhnenden Chor: »Jawohl, Madam Executive!«

Den Rest des Weges bis zum winzigen Komm-Abteil wurden sie von Schweigen begleitet, und alle befreiten Gefangenen gingen entlang der Schotte schneller in Habachthaltung, als die kleine Gruppe sich durch den Frachter bewegen konnte. Als Bradamont im Begriff war sich am Ziel angekommen von Rogero zu verabschieden, bedeutete sie ihm, etwas näher zu ihr zu treten. »Hat sie sich tatsächlich so darüber geärgert, wie ich behandelt worden bin?«

Mit leiser Stimme antwortete Rogero: »Ich glaube, Executive Ito war sehr unzufrieden darüber, wie man Ihnen begegnet ist. Aber das hängt mit Ihren Leistungen zusammen. Sie sieht in Ihnen eine Ebenbürtige, auch wenn Sie bis vor Kurzem noch der Feind waren. Was sie dabei so aufgebracht hat, war das Benehmen von Managern und Supervisoren gegenüber jemandem im Executive-Rang. Dazu kam dann noch die mangelnde Disziplin, sich ein solches Auftreten in ihrer Gegenwart und der von Sub-CEO Garadun zu erlauben.«

»Ich verstehe.« Bradamont lächelte ironisch. »Ich sollte wohl dankbar sein, egal aus welchem Grund.«

»Ich lasse zwei Soldaten herkommen, noch bevor Sie das Komm-Abteil wieder verlassen. Ab jetzt haben Sie eine Eskorte.«

»Sieht ganz so aus, als würden Itos Anweisungen befolgt«, stellte Bradamont fest.

Rogero hielt kurz inne, dann wurde ihm bewusst, wie wenig Bradamont darüber wusste, auf welche Weise die Dinge nach Syndikat-Art abliefen. Es fiel ihm schwer, ihr den Begriff ›unschuldig‹ zuzuschreiben, aber es war ja tatsächlich so, dass sie außer dem Angriff auf General Drakon kurz nach ihrer Ankunft praktisch nichts über diese düstere Seite des Lebens in den Syndikatwelten wusste. »Ihnen war klar, dass man Leibwächter auf dem Planeten benötigt.«

»Ja. Diese Notwendigkeit wurde von dem Attentat auf Ihren General mehr als deutlich unterstrichen. Aber das geschah in einer Umgebung, die sich viel schlechter kontrollieren lässt als hier. Ich sehe hier, welche Disziplin diesen Leuten anerzogen wurde.«