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Garadun schwieg eine Weile und dachte über Rogeros Worte nach. »Ich kann nicht an einen Frieden glauben. Jedenfalls jetzt noch nicht. Auch nicht, nachdem ich dieser Captain Bradamont zusehen konnte, wie sie uns aus der Klemme geholfen hat. Ich erkenne ihr berufliches Können an. Das kann ich auch akzeptieren und sogar bewundern. Aber das ist etwas anderes, als wenn ich sie selbst akzeptieren würde.«

So viele denken ganz genauso. Ich liebe diese Frau. Aber alle um mich herum misstrauen ihr. Sie sehen in ihr den Feind, während ich die Frau in ihr sehe. Wird sich das wohl jemals ändern? Aber Rogero behielt diese Überlegungen lieber für sich. »Sie sind mit dieser Einstellung nicht allein. Wir können es nicht vergessen, allein aus dem Grund, dass wir die Menschen nicht vergessen können, die in diesem Krieg gefallen sind. Aber wenn wir uns von der Vergangenheit unser Handeln bestimmen lassen, dann werden wir zu einem endlosen Krieg und einem endlosen Sterben verdammt sein. Wie sich das anfühlt, das weiß jeder von uns.«

»Und das nur zu gut«, stimmte Garadun ihm zu. »Was wissen wir über diese zwei neuen Rassen? Haben Sie sie gesehen?«

»Ein paar Bilder, und dann die Aufzeichnungen, die die Allianz zur Verfügung gestellt hat.« Rogero hielt inne und musste daran zurückdenken, als er zum ersten Mal das fremde Raumschiff gesehen hatte, mit dem Black Jacks Flotte nach Midway gekommen war. »Eine Spezies ist feindselig, die andere ist freundlich. Die Freundlichen haben uns geholfen. Sie haben ein Bombardement abgelenkt, das unsere Primärwelt treffen sollte …«

»Sie machen Witze!«

»Nein, das stimmt. Wir haben von ihnen noch viel zu lernen, und natürlich müssen wir dafür sorgen, dass Midway gegen jede Bedrohung geschützt wird, die von der Syndik-Regierung auf Prime ausgeht. Sind Sie sich wirklich ganz sicher, dass Sie uns dabei nicht helfen wollen?«

»Inzwischen bin ich mir da gar nicht mehr so sicher.« Garadun blickte auf einen weit entfernten Punkt. »Als ich jung war, wollte ich ein Späher werden, ein Entdecker. Als Junge träumte ich davon, derjenige zu sein, der irgendwo da draußen auf eine andere intelligente Spezies stößt. Die Existenz der Enigmas war streng geheim. Deshalb konnte ich mir ja ausmalen, ich hätte die Chance, als erster Mensch überhaupt fremdes Leben zu entdecken. Aber es gab keine entsprechenden Stellen. Niemand benötigte Entdecker, weil alle die Kriegsanstrengungen unterstützen mussten. Für die Forschung konnten keine Ressourcen aufgewendet werden, und außerdem war die Grenze aus Gründen abgeriegelt, die so geheim waren, dass niemand auch nur zu sagen wagte, dass sie geheim waren. Also ließ ich mich für die mobilen Streitkräfte anwerben und hegte die Hoffnung, wenn eines Tages der Krieg vorüber sein sollte, dann könnte ich mit diesen Fähigkeiten zum Späher werden und neue Sternensysteme entdecken und erforschen.« Er seufzte; die Erinnerungen stimmten ihn traurig. »Diese Träume habe ich vor langer Zeit aufgegeben. Die starben jedes Mal von Neuem; mit jeder neuen unmenschlichen bürokratischen Entscheidung, mit der ich leben musste, mit jeder Schlacht in einem neuen Sternensystem.«

Garadun spielte mit seinem Getränkebeutel, ehe er Rogero forschend ansah. »Aber vielleicht sind meine Träume ja genauso wenig tot, wie Black Jack es ist. Vielleicht sind sie nur in einen so tiefen Schlaf gefallen, dass mir gar nicht bewusst ist, wie lebendig sie eigentlich immer noch sind. Ich muss nach Darus und meine Familie sehen. Aber anschließend … Wenn ein ehemaliger Sub-CEO es bis nach Midway schaffen sollte, vielleicht gemeinsam mit seiner Familie, gäbe es dort einen Platz für ihn?«

»Da bin ich mir sehr sicher.« Rogero machte eine vage Geste. »Vielleicht auch auf Taroa, wenn Ihnen das lieber ist. Haben Sie nicht mal davon gesprochen, wie gut es Ihnen dort gefallen hat?«

»Taroa? O ja, da hat es mir gut gefallen. Ein hübscher Planet. Wie ist die Lage dort?«

»Eine Revolte. Das Volk regiert, aber es ist kein Mob. Sie haben eine Regierung gewählt, die von uns unterstützt wird. Während der Revolte gab es viele Tote, und sie können Einwanderer gut gebrauchen. Vor allem Einwanderer mit den passenden Fähigkeiten und Erfahrungen.«

»Ich werde darüber nachdenken«, versprach Garadun.

»Was ist mit Ito? Irgendeine Ahnung, was sie von der aktuellen Situation hält?«

»Das müssen Sie sie schon selbst fragen.« Garadun trank einen Schluck und grinste. »Sie wird mindestens einen Schweren Kreuzer haben wollen.«

»Ich habe keine Ahnung, ob ich ihr den versprechen kann.«

»Sagen Sie ihr einfach, Sie werden es versuchen. Sie braucht nur eine Ausrede, um in Midway zu bleiben. Der größte Teil der Besatzungsmitglieder will auch bleiben. Aber nicht etwa, weil sie so an ihren Supervisoren hängen«, fügte Garadun lachend an. »Allerdings glauben sie schon, dass wir uns gut um sie kümmern werden. Für sie ist Midway ihr Zuhause, viele von ihnen haben dort Verwandte, und nachdem wir jetzt eine ganze Weile ohne Schlangen in unserer Mitte leben durften, haben wir uns daran gewöhnt. Allerdings brauchen diese Leute schon jemanden, der ihnen sagt, wo es langgeht. Ito kann dafür sorgen.« Wieder lachte er ausgelassen. »Eine der Schlangen auf unserem Schiff hätte es fast bis zur Rettungskapsel geschafft, aber dann sah ich, wie Ito den Kerl erschoss, gerade als er die Luke erreicht hatte. Sie wird sich Ihnen anschließen.« Der dritte Lacher ging mit einem listigen Blick zu Rogero einher. »Ito hat mir gesagt, dass sie glaubt, Sie wären auf diese Allianz-Offizierin scharf. Können Sie sich das vorstellen? Frauen meinen immer, sie würden jedem Mann alles ansehen können.«

»Das kommt mir auch so vor«, erwiderte Rogero und hoffte, dass Garadun ihm keine verräterische Reaktion angemerkt hatte. Schnell wechselte er das Thema: »Wie sicher können Sie sich sein, dass sich unter den Arbeitern und Supervisoren, die wir jetzt mitgenommen haben, keine Schlangen oder Informanten der Schlangen befinden?«

Der Mann zuckte mit den Schultern. »So sicher, wie es eben geht. Sie wissen ja, wie oft es vorkommt, dass Schlangen es aus unerfindlichen Gründen nicht bis zu den Rettungskapseln schaffen, wenn ein Schiff aufgegeben werden muss. Als wir von den Allianz-Schiffen eingesammelt wurden, befand sich keine offen agierende Schlange unter uns. Im Lager wurde dann hin und wieder einer der Mitgefangenen für eine heimliche Schlange gehalten. Dann haben wir ein Gerichtsverfahren abgehalten, und wenn die Vorwürfe bestätigt wurden, nahmen wir uns der Schlange an. Danach übergaben wir die Leiche den Wachen, stets mit einer der üblichen Behauptungen, derjenige sei eine Treppe runtergefallen oder von einem Gebäude gestürzt.« Er warf Rogero einen wissenden Blick zu. »Es war schon ein wenig erschreckend, wie leicht den Arbeitern diese Ausreden über die Lippen kamen. Trotzdem, ich kann nicht schwören, dass wir tatsächlich alle Schlangen eliminiert haben. Ich glaube, es ist keiner mehr von ihnen da, aber es ist auch nicht so einfach, sie aufzuspüren.«

»Ja, ich weiß«, pflichtete Rogero ihm bei. »Was schätzen Sie, wie viele von den Leuten vorzeitig von Bord gehen wollen?«

»Geschätzt vielleicht tausendfünfhundert. Mehr aber nicht. Und die meisten davon werden so wenig Loyalisten sein wie ich. Das sind Leute, die zu ihren Familien wollen, die nicht in Midway leben. Und dann werden da sicher auch einige dabei sein, die es auf den Tod nicht ausstehen können, dass Midway irgendwas mit der Allianz zu schaffen hat. Wie lang noch bis zum Sprung?«

Rogero überprüfte sein Datenpad. »Vorausgesetzt auf dem Rest des Weges ereignet sich nichts mehr, haben wir noch gut fünf Stunden vor uns.«