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Ente vom Rost mit gedämpften Maronen

Götterspeise

Ente chinesisch: Man bereite eine nicht zu fette Fleischente wie üblich vor und entbeine sie dann. Man koche aus den zerkleinerten Knochen und dem Entenklein eine kräftige, kurze Brühe. – Man schneide das Entenfleisch in Stücke, lasse sie in einer Kasserolle goldbraun anbraten und bestäube sie dann mit Mehl, das man mitrösten läßt, bis es gelb ist. Man gieße mit der Knochenbrühe auf, füge eine enthäutete frische Tomate, einige gehackte Pilze und vier Gramm Glutamat hinzu und lasse alles eine halbe Stunde auf kleiner Flamme schmoren. – Man schneide einige Ananasscheiben auf Achtel, mische sie unter das Fleisch und lasse alles noch eine Viertelstunde schmoren. – Man reiche dazu locker und körnig gekochten Reis.

Ente vom Rost: Man bereite eine junge, nicht zu fette Ente in der üblichen Art vor und reibe sie innen und außen mit Salz ein. Man kann sie je nach Geschmack auch innen mit Knoblauch einreiben und verschiedene Kräuter hineinlegen. – Man lege die Ente mit der Brust nach unten auf den Grill im Ofen und gebe etwas Wasser in die darunterstehende Grillpfanne. Man grille bei mittlerer Hitze, bepinsele die Ente häufig mit dem ausgebratenen Fett, das sich in der Pfanne sammelt. –

Man rechne als Bratdauer, je nach Größe, eine bis höchstens anderthalb Stunden. Man drehe die Ente in den letzten 20 Minuten mit der Brust nach oben. – Man bepinsele die gut gebräunte Haut der fertig gebratenen Ente mit kaltem Wasser und gebe noch für fünf Minuten gute Hitze, wodurch die Haut noch krosser und mürber wird. – Beigericht »Gedämpfte Maronen«: Man nehme soviel Maronen, wie man andernfalls Salzkartoffeln als Beilage benötigen würde, befreie sie von Schale und Haut und dämpfe sie in Salzwasser weich, achte darauf, daß sie nicht zerbröckeln. Man schwenke sie in Butter und gebe sie zu Tisch.

Götterspeise: Man nehme grobgeriebenes, sehr dunkles Brot – am besten Pumpernickel –, belege damit den Boden einer großen Glasschüssel und feuchte es mit etwas Kognak oder Kirschwasser an. Man gebe darauf eine Lage von gut abgetropften, eingemachten Sauerkirschen und darüber eine Lage Schlagsahne. Dann folgt wieder Brot und so fort, als letztes eine Lage Schlagsahne. – Man streue geriebene Schokolade darüber und verziere mit Kirschen. Man stelle die Speise kalt und lasse sie noch gut durchziehen.

Kopfschüttelnd trat er neben Bastian, der mit aufgekrempelten Ärmeln beim Fenster arbeitete. Er hatte ein Tier ausgenommen und rieb die Fleischteile nun innen und außen mit Salz ein.

»Was soll denn das?« fragte Thomas Lieven streng.

»Was heißt, was soll denn das?« knurrte Bastian gereizt. »Ich mache eine Ente. Paßt Ihnen was nicht?«

»Barbar.«

»Was haben Sie gesagt?« Der Riese schluckte.

»Ich habe Barbar gesagt. Ich nehme an, Sie wollen Ente vom Rost machen.«

»Allerdings!«

»Das eben nenne ich barbarisch.«

»Sieh mal an!« Bastian stemmte die Fäuste in die Hüften, vergaß Chantals Ermahnungen, lief vor Wut rot an und brüllte:

»Was verstehen Sie denn vom Kochen, Sie kleiner Klugscheißer?«

»Ein wenig«, antwortete Thomas fein. »Jedenfalls so viel, um sagen zu können, daß Sie hier ein Verbrechen begehen.«

»Ich war Schiffskoch. Und ich habe mein Leben lang Enten nur am Rost gemacht!«

»Dann haben Sie Ihr Leben lang ein Verbrechen begangen. Von anderen nicht zu reden.«

Im allerletzten Moment fielen Bastian die Ermahnungen Chantals ein. Er nahm sich wahnsinnig zusammen. Er legte beide Pfoten auf den Rücken, um zu verhindern, daß sie sich selbständig machten und etwas Unbedachtes taten. Seine Stimme klang gepreßt: »Und wie, hm, würden Sie eine Ente zubereiten, Monsieur Hunebelle?«

»Selbstverständlich nur auf chinesische Art …«

»Ha!«

»… weil allein die Zubereitung mit Ananas und Gewürzen den feinen Entengeschmack unverfälscht erhält, ja, mehr noch, ihn erst richtig herausarbeitet und unterstreicht!«

»Lächerlich«, sagte der Riese. »Vom Rost, das ist das einzig Senkrechte!«

»Weil Sie eben keine Eßkultur kennen«, sagte Thomas. »Gentlemen bevorzugen chinesisch.«

»Hören Sie mal, Sie feiner Pinkel, wenn Sie damit sagen wollen …«, begann Bastian und wurde von dem kleinen Zahnarzt unterbrochen, der ihn am Ärmel zupfte.

»Was ist los, Bastian? Warum streiten? Wir haben doch zwei Enten! Versucht doch beides, Rost und chinesisch! Ich habe noch stundenlang zu tun.«

Bastian knurrte: »Du meinst ein Wettkochen?«

»Meine ich«, sagte der Kleine und schmatzte wieder, »ich mache euch den Schiedsrichter!«

Bastian begann plötzlich zu grinsen. Er fragte Thomas: »Sind Sie einverstanden?«

»Selbstverständlich. Ich brauche allerdings gewisse Zutaten. Pilze, Tomaten, Ananas, Reis.«

Der Zahnarzt kicherte: »Gehen Sie runter zu Henri. Henri hat alles.« Er klatschte vergnügt in die Hände. »Jetzt wird’s gemütlich! Ich bringe euch was bei! Ihr bringt mir was bei! An die Gewehre, Mitbürger!«

Danach entwickelte sich in Küche und Laboratorium des Dr. René Boule ein geschäftiges Treiben.

Während Bastian seine Ente mit Knoblauch abrieb, Kräuter hinzufügte und das Tierchen mit der Brust nach unten auf den Rost des Ofens legte, entbeinte Thomas Lieven das seine, zerhackte die Knochen und bereitete aus diesen und dem Entenklein eine kurze, kräftige Brühe. Während er wartete, daß die Brühe kochte, ging er zu dem kleinen Künstler, der im Labor arbeitete, und sah ihm bei seiner Tätigkeit zu.

Dr. Boule hatte in sieben Kuchenformen mittlerweile sieben dünne Goldwannen hergestellt. Nun füllte er die erste von ihnen mit flüssigem Blei. Der Zahnarzt sprach: »Das Blei erkalten lassen. Jetzt ist nur noch eine Seite der Goldverkleidung offen. Man lege eine Schamotteplatte darauf, damit das Blei nicht wieder flüssig wird, wenn es mit dem flüssigen Gold in Berührung kommt. Diese letzte Schamotteplatte ist sehr wichtig. So vermeidet man Verfärbungen der Goldoberfläche, die jeden Fachmann mißtrauisch machen würden.«

Thomas wanderte in die Küche zurück, um nach seinem Süppchen zu sehen, schnitt das Entenfleisch in Stücke und wanderte zurück ins Labor, um nach seinen Barren zu sehen.

Dr. Boule hatte mittlerweile in einem Tiegel wieder Gold flüssig gemacht und goß dieses nun über die Schamotteplatte in die Kuchenform. Er sprach: »Man warte, bis die Schaumkronen verschwunden sind. Das Gold setzt sich von selber. Die Oberfläche muß einen kleinen erhöhten Rand haben – wie ein Stück Schmierseife. Nun, bevor das Metall erkaltet, schnell das Wichtigste: die Punze.«

»Bitte, die was?«

»Die Punze. Der Prägestempel, der die Echtheit und den Goldgehalt ausweist.« Dr. Boule schrie in die Küche. »Was für einen Stempel soll ich nehmen, Bastian?«

»Scheideanstalt von Lyon!« schrie der Riese zurück. Er bepinselte gerade sein Tierchen mit ausgebratenem Fett.

»Na schön«, sagte Dr. Boule. »Ich habe nämlich eine ganze Sammlung von Punzen der verschiedensten Scheideanstalten und Banken.« Er zeigte sie Thomas. »Ich habe sie als Negativ in Linoleum geschnitten und die Linoleumstückchen auf Holzklötze geklebt. Nun passen Sie auf!«

Er nahm den entsprechenden Prägestempel und beschmierte das Linoleum mit Olivenöl. Sodann drückte er den Stempel in eine Ecke der noch weichen Goldoberfläche des ersten Barrens. Zischend verbrannte der Ölfilm. Blitzschnell hob Dr. Boule den Stempel wieder ab, bevor das heiße Metall das Linoleum zerstören konnte. Der Augenblick des Aufpressens hatte genügt. Der Barren trug jetzt den Stempel genau so, als wäre er hineingeschlagen worden. Der Zahnarzt sagte: »Die Unebenheiten, die Asche, die Schwitze – das alles lasse man am Barren. Echte Barren werden auch nicht gereinigt.«

»Und daß der Betrug entdeckt wird?«