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>Nein, Sir<, sagte ich.

Er schaute die anderen der Reihe nach an - Trevor Dawson, Carl Roone und Henry Whitsun, der dann im Herbst bei dem Feuer ums Leben kam -und sagte: >Diesen Klugscheißer von Nigger werde ich mir jetzt mal vornehmen. Und wenn ihr keine Lust habt, zusammen mit ihm einen angenehmen, lehrreichen Nachmittag zu verbringen, so würde ich euch dringend raten, schleunigst in eure Kaserne zu gehen, dort eure Klamotten abzuladen und euch dann beim wachhabenden Offizier zu melden. Kapiert? <

Sie setzten sich also in Bewegung, und Wilson brüllte ihnen nach: >Tempo, ihr verfluchten Nigger! Schwingt mal eure Ärsche! <

Sie machten, daß sie wegkamen, und Wilson ging mit mir zu einem der Lagerschuppen und holte für mich einen Spaten. Dann führte er mich auf das große Feld, dort, wo heute der Northeast Airlines Airbus Terminal ist. Schaute mich an, grinste, deutete auf den Boden und fragte: >Siehst du diese Grube da, Nigger? <

Es war keine Grube da, aber ich hielt es für besser, ihm zuzustimmen, ganz egal, was er sagte, also schaute ich auf die Stelle, wohin er deutete, und erklärte, natürlich sähe ich sie. Daraufhin knallte er mir seine Faust auf die Nase, und ich landete auf dem Boden, und das Blut floß über mein letztes frisches Hemd.

>Du kannst sie nicht sehen, weil irgend so ein verfluchter Niggerbastard sie zugeschüttet hat!< brüllte er. Auf seinen mageren Wangen glühten zwei große rote Flecken, aber zugleich grinste er, und es war nicht zu übersehen, daß er sich bestens amüsierte. >Was du jetzt also tun wirst, Mr. Einen-schönen-Nachmittag, ist, den Dreck aus meiner Grube rauszuschaufeln. Und zwar ein bißchen schnell!<

Ich schaufelte also drauflos, und bald stand ich bis zum Kinn in dieser Grube. Die letzten paar Fuß waren nasser, schwerer Lehm, und als ich fertig war, stand ich bis zu den Knöcheln im Wasser, und meine Schuhe waren völlig durchweicht.

>Komm raus, du Nigger !< befahl Wilson. Er saß gemütlich im Gras und rauchte eine Zigarette. Natürlich half er mir nicht dabei, aus der Grube rauszuklettern. Ich war von Kopf bis Fuß total verdreckt, von dem Blut auf meinem Hemd ganz zu schweigen. Er stand auf und schlenderte auf mich zu. Er deutete auf die Grube.

>Was siehst du da, Nigger?< fragte er mich.

>Ihre Grube, Herr Feldwebel<, sagte ich.

>Ja, aber ich habe beschlossen, daß ich sie nicht haben will<, erklärte er. >Du wirst jetzt meine Grube wieder zuschaufeln, Nigger. <

Also schaufelte ich sie wieder zu, und als ich damit fertig war, ging die Sonne schon fast unter, und es wurde langsam kühl. Er kam rüber und schaute sich die Sache an, nachdem ich mit der Rückseite des Spatens alles glattgeklopft hatte.

>Na, und was siehst du jetzt, Nigger?< fragte er mich.

>Einen Haufen Dreck, Sir<, sagte ich, und er schlug wieder zu. Mein Gott, ich war nahe daran, ihm die Schaufel auf den Schädel zu knallen. Aber wenn ich das getan hätte, hätte ich nie wieder die Sonne gesehen, außer durch Gitterstäbe hindurch. Und trotzdem glaube ich manchmal fast, daß die Sache es wert gewesen wäre. Aber irgendwie schaffte ich es, mich zu beherrschen.

>Das ist kein Haufen Dreck, du verdammter Scheißkerl! < brüllte er, und der Speichel flog ihm nur so von den Lippen. >Das ist meine Grube, und du wirst jetzt sofort den Dreck aus meiner Grube rausschaufeln. Und zwar ein bißchen schnell!<

Also schaufelte ich den Dreck aus seiner Grube, und dann mußte ich sie wieder zuschütten, und als ich damit fertig war, fragte er mich, warum ich seine Grube zugeschaufelt hätte, wo er doch gerade reinscheißen wollte. Also schaufelte ich sie noch einmal aus, und er ließ seine Hosen runter und hängte seine Arschbacken über die Grube und grinste zu mir hoch, während er sein Geschäft verrichtete, und fragte: >Wie heißt du, Nigger? <

>Hanlon<, sagte ich. >William J. Hanion, Sir.<

>Na, ist das Leben nicht einfach herrlich?< sagte er. >Du solltest diese Grube rasch zuschütten, gemeiner Soldat William J. Hanion. Und halt dich gefälligst ein bißchen ran. Du wirst immer langsamer<

Also hab' ich sie wieder zugeschaufelt, und an seinem Grinsen konnte ich ablesen, daß er vorhatte, sie mich wieder ausheben zu lassen und dieses Spielchen weiterzutreiben, bis ich umkippen würde. Aber in diesem Moment kam einer seiner Freunde mit einer Gaslaterne in der Hand quer übers Feld auf ihn zugelaufen und berichtete ihm, daß eine überraschende Inspektion stattgefunden hätte, und Wilson Schwierigkeiten bekommen würde, weil er nicht dagewesen wäre. Daraufhin ließ er mich gehen, und am nächsten Tag schaute ich mehrmals nach, ob sein Name auf der Strafli-ste stand, aber dem war nicht so. Ich nehme an, er hat einfach erzählt, daß er die Inspektion versäumt hätte, weil er einem großmäuligen Nigger beibringen mußte, wem all die Gruben auf dein Militärstützpunkt Derry gehörten, jene, die schon ausgehoben waren, und all jene, die noch nicht ausgehoben waren. Vermutlich haben sie ihm daraufhin einen Orden verliehen, anstatt ihn strafweise Küchendienst machen zu lassen.

Ja, so war die Lage für Kompanie E hier in Derry, damals, Anfang der 3oer Jahre, Mikey.«

Es muß so um 1958 herum gewesen sein, daß mein Vater mir diese Geschichte erzählte, und er ging damals schon auf die Fünfzig zu, obwohl meine Mutter erst knapp 40 war. Ich fragte ihn, warum er denn in Derry geblieben wäre, wenn dort solche Zustände geherrscht hätten.

»Na ja, ich war erst 16, als ich zum Militär ging«, erklärte er mir. »Geboren und aufgewachsen bin ich in Oxford, Mississippi, und Fleisch bekamen wir nur direkt nach der Baumwollernte und höchstens noch ab und zu im Winter zu sehen, wenn mein Vater einen Waschbären oder eine Beutelratte schoß. Meine einzige schöne Erinnerung an Oxford - das ist die Beutelrattenpastete, die mit Maisbrot wunderschön verziert wurde.

Und als dann mein Vater bei einem Unfall mit irgendeiner landwirtschaftlichen Maschine ums Leben kam, sagte meine Mutter, daß sie mit Philly Loubird nach Corinth umziehen würde, wo sie Verwandte hatte. Philly Loubird war das Nesthäkchen der Familie.«

»Sprichst du von Onkel Phil?« fragte ich. Ich mußte bei dem Gedanken lächeln, daß jemand ihn Philly Loubird nennen konnte. Er war Rechtsanwalt in Tuscon, Arizona, und er hatte sechs Jahre lang dem Stadtrat angehört. Als Kind hielt ich ihn für einen reichen Mann. Für einen Schwarzen war er das vermutlich auch. Er verdiente 1958 so an die 20000 Dollar im Jahr.

»So ist es«, sagte mein Vater. »Aber damals war er nur ein zwölfjähriger Junge, der eine Mütze aus Reispapier aufhatte und gestopfte Hosen trug und keine Schuhe besaß. All die anderen - wir waren sechs Geschwister -waren schon aus dem Haus. Also ging ich zum Amtsgebäude, wo der Rekrutierungsmensch saß, und bat, in die Armee aufgenommen zu werden. Er zeigte mir die Papiere und die Zeile, wo ich meine drei Kreuzchen hinmachen sollte. >Ich kann meinen Namen schreiben<, protestierte ich, und er lachte nur, so als ob er mir nicht glaubte.

>Also los, dann unterschreib, Junge<, meinte er.

>Einen Augenblick«, sagte ich. >Ich möchte Ihnen vorher noch ein paar Fragen stellen. <

>Nur raus damit<, sagte er. >Ich kann jede Frage beantworten.«

>Gibt es in der Armee zweimal wöchentlich Fleisch?< fragte ich.

>Nein<, sagte er. >Jeden Abend gibt's welches.<

>Sie müssen mich für einen totalen Dummkopf halten<, sagte ich.