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»Das ist mir klar.«

»Und wie erkenne ich Sie, Mr....?«

»Mr. Barr«, sagte Tom. Direkt vor ihm war ein großes Plakat mit der Aufschrift BAR HARBOR AIRLINES LEGT IHNEN NEUENGLAND zu FÜSSEN - UND DIE ganze welt! »Ich werde am Seiteneingang stehen. Und mein Gesicht ist ganz verschwollen. Meine Frau und ich sind gestern Rollschuh gelaufen, und dabei bin ich böse gestürzt. Aber es hätte schlimmer kommen können. Ich habe mir wenigstens nichts gebrochen.«

»Oh, das tut mir aber leid, Mr. Barr.«

»Ich werd's überleben. Bringen Sie den Wagen möglichst schnell her.«

Er legte auf, ging zum Seiteneingang und trat in den warmen, duftenden Maiabend hinaus. Jetzt war er direkt froh, daß alles so gekommen war.

Der Bursche, der sein Auto verkaufen wollte, war zehn Minuten später schon zur Stelle. Er war noch blutjung. Sie machten das Geschäft perfekt; der Junge schrieb einen Verkaufsbrief aus, den Tom gleichgültig in seine Manteltasche schob. Dann sah er zu, wie der Bursche die Nummernschilder abschraubte.

»Ich geb' Ihnen drei Dollar extra für den Schraubenzieher«, sagte Tom, als der Junge fertig war.

Dieser sah ihn nachdenklich an, als erwarte er eine Erklärung. Als keine erfolgte, zuckte er die Achseln, gab Tom den Schraubenzieher und nahm die drei Dollar. Tom sah ihn in ein Taxi steigen, dann setzte er sich ans Steuer des Fords.

Es war ein Scheißkarren; die Triebwelle ächzte, die Bremsen funktionierten nicht richtig, die Karosserie klapperte. Aber das störte Tom nicht. Er fuhr auf den Parkplatz, stellte seinen Wagen neben einem Subara ab, der so aussah, als stünde er schon ziemlich lange da, schraubte die Nummernschilder des Subarus ab und montierte sie an seinem Stationswagen. Er summte vergnügt bei der Arbeit.

Gegen zehn fuhr er auf der Route 2 ostwärts; auf dem Nebensitz lag eine Straßenkarte von Maine. Er hatte festgestellt, daß das Autoradio nicht funktionierte, aber das machte ihm nichts aus. Er hatte über vieles nachzudenken. Über all die wundervollen Dinge, die er mit Beverly anstellen würde, sobald er sie gefunden hatte.

Er war sich ganz sicher, daß Beverly irgendwo in der Nähe war. Und daß sie rauchte.

O mein liebes Mädchen, du hast dich mit dem falschen Mann eingelassen, als du mit Tom Huggins gefickt hast. O ja, das kann man wohl sagen. Die Frage ist jetzt nur: was sollen wir mit dir machen?

Der Ford fuhr durch die Nacht, und als Tom Newport erreichte, das schon so gut wie ausgestorben war, wußte er, was er mit Beverly machen würde. Er entdeckte auf der Hauptstraße einen Laden, der gerade schließen wollte. Er ging hinein und kaufte eine Stange Camel-Zigaretten. Der Besitzer wünschte ihm einen guten Abend. Tom wünschte ihm das gleiche.

Er legte die Zigarettenstange auf den Nebensitz, fuhr langsam weiter auf der Route 2 und hielt Ausschau nach der richtigen Abzweigung. Da war sie, Route 3, mit einem Wegweiser, auf dem derry 15 meilen stand.

Er bog ab und fuhr dann wieder schneller. Er warf einen Blick auf die Zigaretten und lächelte ein wenig. Im grünen Schein des Armaturenbretts sah sein Gesicht eigenartig dämonisch aus. Ich hob' Zigaretten für dich, Bevvie, dachte Tom, während der Wagen mit etwas mehr als 60 Meilen pro Stunde zwischen Tannenwäldern auf Derry zufuhr. O ja, meine Liebe. Eine ganze Stange. Nur für dich. Und wenn ich dich sehe, mein Schatz, werde ich dich zwingen, sie alle aufzuessen, mit Filter und allem. Und falls dieser Kerl, dieser Denbrough, ebenfalls ein bißchen Erziehung nötig hat, so läßt sich das leicht arrangieren. Kein Problem, Bevvie. Überhaupt kein Problem.

Zum erstenmal, seit das verdammte Drecksluder ihn angegriffen hatte und weggelaufen war, fühlte Tom sich wieder hundertprozentig wohl.

4

Audra Denbrough saß in der ersten Klasse einer DC-10 der British Airways, hoch über dem Atlantik, den sie nicht einmal sehen konnte. Sie hatte Heathrow um zehn vor sechs nachmittags verlassen. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß Flug 23 von London nach Los Angeles eine Zwischenlandung zum Auftanken machte... in Bangor.

Der Tag hatte etwas von einem verrückten Alptraum an sich gehabt. Freddie Firestone, der Regisseur von >Attic Room<, hatte natürlich Bill gebraucht. Es hatte Ärger mit der Stuntwoman gegeben, die anstelle von Audra die Dachbodentreppe hinunterstürzen sollte. Auch diese Ersatzleute hatten eine Gewerkschaft, und die Frau hatte anscheinend ihr Soll für diese Woche erfüllt oder irgend so was Ähnliches. Die Gewerkschaft forderte, daß Freddie entweder einen Wisch für höhere Bezahlung unterschreiben oder eine weitere Frau engagieren sollte - nur war gar keine andere verfügbar. Freddie erklärte dem Gewerkschaftsboß, daß dann eben ein Mann die Szene spielen sollte. Eine kastanienbraune Perücke war ohnehin vorhanden, weil die Stuntwoman kurzes blondes Haar hatte, und der Stuntman könnte ja an den richtigen Stellen ein bißchen ausgepolstert werden - der Sturz sollte sowieso in voller Bekleidung und nicht etwa in Unterwäsche gefilmt werden.

Aber der Gewerkschaftsboß erklärte, das ginge nicht. Es verstieße gegen die Gewerkschafts Vorschriften. Ein Mann dürfe keine Frauenrolle übernehmen. Das wäre sexuelle Diskriminierung.

An dieser Stelle war Freddie der Geduldsfaden gerissen. Er erklärte dem Typen, einem fetten, schwitzenden Mann, der bestialisch stank, er könne ihn mal... Der Gewerkschaftsboß erwiderte darauf, Freddie solle lieber vorsichtig sein mit dem, was er sagte, sonst würden ihm für seinen Film keine Stunts mehr zur Verfügung stehen; dann machte er mit Daumen und

Zeigefinger eine >Bakschisch<-Geste, die Freddie zur Weißglut trieb. Der Gewerkschaftsboß war zwar groß, aber weichlich; Freddie, der immer noch jede Gelegenheit zum Footballspielen ausnutzte und früher auch ein erstklassiger Kricketspieler gewesen war, warf das Arschloch hinaus und zog sich zum Nachdenken in sein Büro zurück. Zwanzig Minuten später kam er wieder zum Vorschein und brüllte nach Bill. Er wollte die ganze Szene so umgeschrieben haben, daß der Sturz gestrichen werden konnte. Audra hatte ihm daraufhin mitteilen müssen, daß Bill nicht mehr in England war. »Was?« sagte Freddie. Ihm klappte der Unterkiefer herunter, und er starrte Audra an, als hätte sie den Verstand verloren. »Was erzählst du da?« »Er ist in die Staaten zurückgerufen worden.«

Freddie machte eine Geste, als wollte er sie bei den Schultern packen, und Audra wich etwas erschrocken einen Schritt nach hinten. Freddie betrachtete seine Hände, schob sie in die Hosentaschen und starrte sie nur weiter an.

»Es tut mir leid, Freddie«, sagte sie leise. »Wirklich.«

»Würdest du bitte in mein Büro gehen, Audra?« Sie nickte, und er fügte hinzu: »Ich komme sofort nach.«

Sie ging hinein und schenkte sich eine Tasse Kaffee aus der Kanne auf Freddies Wärmplatte ein. Ihre Hände zitterten leicht. Sie setzte sich und hörte, wie Freddie durch die Studiolautsprecher allen mitteilte, sie könnten nach Hause gehen; die Dreharbeiten seien für heute beendet. Audra zuckte zusammen. Da gingen mindestens 10000 Pfund so einfach den Bach runter.

Fünf Minuten später kam Freddie ins Büro, warf Audra einen prüfenden Blick zu und schenkte sich Kaffee ein. Er setzte sich und bot ihr eine Zigarette an.

Audra schüttelte den Kopf.

Freddie zündete sich eine an und betrachtete sie durch den Rauch. »Es ist etwas Ernstes, ja?«

»Ja«, antwortete Audra. Sie kämpfte mit den Tränen.

»Was ist passiert?«

Und weil sie Freddie wirklich gern hatte und ihm vertraute, erzählte Audra ihm alles wahrheitsgetreu. Freddie hörte sehr aufmerksam und ernst zu. Audras Bericht nahm nicht viel Zeit in Anspruch. Auf dem Parkplatz wurden immer noch Wagentüren zugeschlagen und Motoren angelassen, als sie schon fertig war.

Freddie schwieg länger und blickte nachdenklich aus dem Fenster. Schließlich wandte er sich wieder Audra zu. »Er muß einen Nervenzusammenbruch erlitten haben«, sagte er.