Выбрать главу

»Oh, das ist eine von Haystacks glorreichen Ideen«, erklärte Richie.

»Letzten Monat hat er die Barrens überschwemmt. Diesen Monat hat er unter das Motto gestellt: >Schachtet euch euer eigenes Klubhaus aus!< Nächsten Monat...«

»Laß Ben in Ruhe«, sagte Bill. »Das Klubhaus wird bestimmt großartig.«

»Um Himmels willen, Bill, ich hab' doch nur Spaß gemacht.«

»M-M-Manchmal r-redest du zuviel dummes Zeug daher, R-Richie.«

Richie nahm den Vorwurf widerspruchslos hin.

»Ich kapier immer noch nichts«, sagte Mike.

»Nun, die Sache ist eigentlich ganz einfach«, schaltete Ben sich ein. »Sie wollten ein Baumhaus haben, und natürlich könnten wir eins bauen, aber Leute haben die dumme Angewohnheit, sich die Knochen zu brechen, wenn sie aus Baumhäusern stürzen, und deshalb werden wir das Quadrat, das ich dort drüben markiert habe, etwa fünf Fuß tief ausschachten. Viel tiefer können wir nicht graben, weil wir sonst vermutlich auf Grundwasser stoßen, das hier unten ziemlich nahe an der Oberfläche ist. Dann werden wir die Seiten abstützen, damit sie nicht einstürzen können.«

An dieser Stelle sah er Eddie bedeutungsvoll an, aber Eddie machte immer noch einen besorgten Eindruck.

»Und dann?« fragte Mike interessiert.

»Nun, dann werden wir das Ding abdecken.«

»Häh?«

»Wir werden Bretter über das Loch legen«, erklärte Ben geduldig. »Wir können eine Falltür zum Rein- und Raussteigen einbauen und sogar Fenster, wenn wir wollen...«

»Wir werden dazu einige Sch-Sch-Scharniere brauchen«, sagte Bill, ohne seinen Blick von den Wolken zu wenden.

»Die bekommen wir in Reynolds Eisenwarenhandlung«, sagte Ben.

»Sch-Sch-Spart also euer T-Taschengeld«, sagte Bill.

»Ich habe fünf Dollar«, sagte Beverly. »Die hab' ich mir von meinem Babysitter-Lohn zusammengespart.«

Richie kroch sofort auf allen vieren auf sie zu. »Ich liebe dich, Bevvie«, rief er und sah sie mit flehenden Hundeaugen an. »Willst du mich heiraten? Wir werden in einem Bungalow aus Fichtenholz wohnen... Fünf Dollar sind mehr als genug, Süße... nur wir drei, du und ich und das Baby...«

Beverly errötete, lachte und zog sich etwas von ihm zurück, während Ben die Szene mit einer Mischung von Amüsement und leichter Eifersucht beobachtete.

»W-w-wir t-teilen uns die K-K-K-Kosten«, sagte Bill. »D-Dazu haben wir ja einen K-K-Klub gegründet.«

»Wenn wir die Grube mit Brettern abgedeckt haben«, fuhr Ben fort, »werden wir Erde drüberschaufeln, glätten und vielleicht noch mit Tannennadeln bestreuen. Dann können wir dort unten sitzen, und Leute wie Henry Bowers und Co. werden nicht einmal wissen, daß wir dort sind, selbst wenn sie direkt über uns hinweglaufen.«

»Und das alles hast du dir ausgedacht?« rief Mike. »Das ist ja fantastisch!«

Ben lächelte und errötete.

Bill setzte sich plötzlich auf und sah Mike an. »W-W-Willst du uns h-hel-

fen?« »Na klar«, antwortete er. »Das würde mir viel Spaß machen.«

Die anderen tauschten Blicke.

Wir sind sieben, dachte Mike, und ohne jeden ersichtlichen Grund überlief ihn ein Schauder.

»Wann werdet ihr anfangen?«

»Sch-Sch-Schon s-sehr b-b-bald«, sagte Bill, und Mike wußte plötzlich -er wußte es -, daß Bill nicht Bens unterirdisches Klubhaus meinte. Auch Ben wußte es. Ebenso Richie, Beverly, Eddie und Stan. »W-Wir werden sehr b-b-bald anf-f-fangen.«

Schweigen trat ein, und Mike wurde sich plötzlich zweier Dinge bewußt: sie wollten etwas sagen, ihm etwas erzählen... und er war sich nicht ganz sicher, ob er es hören wollte. Ben stocherte mit einem Stecken in der Erde herum, und seine Haare verbargen sein Gesicht. Richie kaute an seinen ohnehin schon abgebissenen Fingernägeln. Nur Bill sah Mike offen ins Gesicht.

»Stimmt was nicht?« fragte Mike unbehaglich.

Sehr langsam sagte Bilclass="underline" »W-W-Wir sind ein K-Klub. Du k-k-kannst M-Mitglied w-w-werden, wenn du w-willst, aber du d-d-d-darfst unsere Geh-h-h-heimnisse n-niemandem p-p-preisgeben.«

»Du meinst, solche Dinge wie das Klubhaus?« fragte Mike und fühlte sich noch unbehaglicher als zuvor. »Na klar...«

»Wir haben noch ein anderes Geheimnis«, sagte Richie, ohne Mike anzuschauen. »Und Big Bill sagt, wir hätten in diesem Sommer etwas Wichtigeres zu tun als unterirdische Klubhäuser zu bauen.«

»Und er hat völlig recht«, meinte Ben.

Plötzlich ertönte ein pfeifendes Keuchen, und Mike zuckte zusammen. Aber es war nur Eddie, der nach Luft schnappte. Er sah Mike entschuldigend an, zuckte die Achseln und nickte dann.

»Also los«, sagte Mike schließlich. »Spannt mich nicht so auf die Folter.«

Bill warf einen Blick in die Runde. »Hat jemand w-w-was dagegen, daß er M-M-Mitglied in unserem K-Klub wird?«

Niemand hob die Hand oder sagte etwas.

»W-W-Wer w-will es ihm s-s-sagen?« fragte Bill.

Wieder trat ein längeres Schweigen ein.

Schließlich seufzte Beverly und sah Mike ernst an.

»Die Kinder, die ermordet worden sind«, sagte sie. »Wir wissen, wer es getan hat. Aber Es ist kein menschliches Wesen.«

3

Nacheinander berichteten sie ihm alles: vom Clown auf dem Eis, vom Aussätzigen unter der Veranda, von dem Blut und den Stimmen aus dem Abfluß, von den Toten Jungen, die die Treppe im Wasserturm herabgestiegen waren. Richie erzählte, was passiert war, als er und Bill in die Neibolt Street gegangen waren, und zuletzt berichtete Bill von dem Schulfoto, auf dem Georgie ihm zugezwinkert hatte, und von jenem anderen Foto, in das er seine Hand gesteckt hatte. Schließlich erklärte er Mike, daß Es seinen Bruder George ermordet hätte, und daß der Klub der Verlierer fest entschlossen sei, das Monster zu töten... was immer dieses Monster in Wirklichkeit auch sein mochte.

Auf dem Nachhauseweg an jenem Abend dachte Mike, daß er eigentlich beim Zuhören zuerst ungläubig und dann entsetzt hätte sein müssen, daß er eigentlich hätte wegrennen müssen, so schnell er nur konnte, ohne sich noch einmal umzuschauen, daß er eigentlich hätte überzeugt sein müssen, entweder von einer Gruppe weißer Kinder, die etwas gegen Schwarze hatten, zum Narren gehalten zu werden (und das war sogar noch die tröstlichere der beiden Hypothesen) oder mit sechs total Verrückten zusammenzusitzen, die sich auf irgendeine Weise gegenseitig mit ihren Wahnvorstellungen angesteckt hatten, so wie sich in einer Klasse jeder beim anderen mit einer bösartigen Grippe anstecken kann.

Aber er war nicht weggerannt, denn trotz seiner Angst, seines Entsetzens, fühlte er sich in ihrer Mitte seltsam wohl und geborgen. Und außerdem hatte er das Gefühl, nun endlich heimgekehrt zu sein. Wir sind sieben, dachte er wieder, nachdem Bill geendet hatte.

Er öffnete den Mund, ohne genau zu wissen, was herauskommen würde.

»Ich habe diesen Clown gesehen«, hörte er sich sagen.

»Was?« fragten Richie und Stan gleichzeitig, und Beverly drehte so rasch ihren Kopf nach ihm um, daß ihr Pferdeschwanz über die linke Schulter flog.

»Ich habe ihn am 4. Juli gesehen«, sagte Mike langsam, hauptsächlich zu Bill gewandt. Bills scharfer, äußerst konzentrierter Blick ließ ihn nicht los, verlangte von ihm fortzufahren. »Ja, am 4. Juli...« Er verstummte für kurze Zeit und dachte: Aber das war nicht das erste Mal, daß ich ihn gesehen habe. Ich habe ihn wiedererkannt. Und es war auch nicht das erste Mal, daß ich etwas... etwas Eigenartiges gesehen habe.

Er dachte an den Vogel - zum erstenmal seit Mai erlaubte er es sich, bewußt daran zu denken. Bisher hatte der Vogel ihn nur in seinen Alpträumen heimgesucht. Er hatte geglaubt, verrückt zu werden. Es war eine Erleichterung festzustellen, daß er nicht verrückt war... aber es war eine furchterregende Erleichterung.