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Renas Bohnen waren ihr ganzer Stolz. Sie weichte sie samstags abends ein und bereitete sie den ganzen Sonntag über auf schwachem Feuer zu. Sie schmeckten Henry nicht schlecht - zumindest war das ein Essen, das man so richtig in sich hineinschaufeln konnte -, aber nach acht Jahren verlor alles seinen Reiz.

Außerdem gab Rena sich mit kleinen Mengen Bohnen gar nicht erst ab. Wenn sie sonntags abends in ihrem uralten grünen DeSoto zu den Bowers fuhr (vom Rückspiegel baumelte eine nackte Babypuppe aus Gummi herab, die aussah wie das jüngste Opfer einer Lynchjustiz), hatte sie die den Bowers zugedachte Portion neben sich auf dem Beifahrersitz stehen. Sie aßen dann abends zu dritt davon (Rena verbreitete sich dabei ununterbrochen über ihre Kochkünste, der verrückte Butch Bowers grunzte und tunkte die Bohnensauce mit Brot auf oder befahl Rena einfach, den Mund zu halten, wenn im Radio ein Base- oder Footballspiel übertragen wurde; Henry aß schweigend, blickte aus dem Fenster und hing seinen eigenen Gedanken nach - beispielsweise war ihm sonntags abends beim Bohnenessen die Idee gekommen, Mike Hanions Hund Mr. Chips zu vergiften); am Montagabend gab es aufgewärmte Bohnen. Dienstags und mittwochs nahm Henry in einer Tupper-Schüssel Bohnen mit in die Schule. Donnerstags oder spätestens freitags brachten weder Henry noch sein Vater mehr Bohnen herunter. Trotz der geöffneten Fenster stank es in beiden Schlafzimmern nach Furzen. Butch vermischte die restlichen Bohnen mit anderen Abfällen und verfütterte sie an Bip und Bop, seine beiden Schweine. Am folgenden Sonntag tauchte Rena dann wieder mit einem dampfenden Kochtopf Bohnen auf, und der Kreislauf begann von neuem.

Nach Mr. Harrisons Ausführungen über die Brennbarkeit organisch erzeugter Methangase hatte Henry sofort beschlossen, die Sache auszuprobieren. Victor und Belch hatten begeistert zugestimmt. Patrick Hockstetter hatte wie immer nur sein etwas unheimliches Lächeln zur Schau getragen und genickt.

An diesem Morgen nun hatte Henry eine Riesenportion Bohnen mit in die Schule genommen, und sie hatten sie in der Mittagspause zu viert auf dem Spielplatz im Schatten einer großen alten Ulme vertilgt. Sie hatten gegessen, bis sie zu platzen glaubten.

Es war Patrick gewesen, der vorschlug, zur Müllhalde zu gehen, wo sich mitten am Nachmittag eines Werktags vermutlich kein Mensch aufhalten würde. Als sie dort ankamen, erfüllten die Bohnen ihren Zweck schon ganz ausgezeichnet.

4

Ganz allmählich bekam Beverly sich wieder unter Kontrolle und beschloß, doch lieber den Rückzug anzutreten. Die Jungen waren in ihre Beschäftigung vertieft, und selbst wenn sie sie sehen würden, hätte sie einen relativ großen Vorsprung - und im äußersten Notfall könnte sie sie höchstwahrscheinlich mit einigen Schleudergeschossen in Schach halten.

Sie wollte gerade zurückkriechen, als sie Victor sagen hörte: »Ich muß jetzt gehen, Henry. Mein Dad möchte, daß ich ihm heute nachmittag bei der Maisernte helfen.«

»Ach Scheiße«, sagte Henry. »Er wird's überleben.«

»Nein, er ist sowieso schon stinksauer auf mich. Wegen dem, was neulich passiert ist.«

»Verdammt, versteht der Mann denn keinen Spaß?«

Beverly hörte jetzt aufmerksamer zu, weil sie richtig vermutete, daß von der Rauferei die Rede war, die mit Eddies gebrochenem Arm geendet hatte.

»Nein, ich muß weg.«

»Ich glaube, ihm tut einfach der Arsch weh«, rief Patrick hinterhältig.

»Halt die Schnauze, du blödes Arschloch«, sagte Victor, »sonst kannste was erleben!«

»Ich muß auch weg«, sagte Belch.

»Mußt du etwa auch deinem Vater bei der Maisernte helfen?« fragte Henry wütend. Es war eine gemeine Frage, denn Belchs Vater war tot.

»Nein, aber ich hab' 'nen Job- ich trag' den >Weekly Shopper< aus, und das muß ich heute abend machen. Ich krieg' Geld dafür«, erklärte Belch mit schwerfälliger Geduld.

Henry stieß ein angewidertes Grunzen aus, und Beverly riskierte wieder einen flüchtigen Blick um die Ecke. Victor und Belch waren aufgestanden und schlössen gerade ihre Gürtelschnallen. Patrick und Henry saßen immer noch mit heruntergelassenen Hosen in der Hocke. Das Feuerzeug glitzerte in Henrys Hand.

»Du kneifst nicht, oder?« fragte Henry Patrick.

»Nee.«

»Du mußt nicht Mais ernten oder irgend 'nen beschissenen Job erledigen?«

»Nee.«

»Also dann«, sagte Belch unsicher, »bis bald, Henry.«

»Okay«, sagte Henry und spuckte Belch vor die Füße.

Vic und Belch machten sich auf den Weg und gingen auf die beiden Reihen von Autowracks zu... und auf den Studebaker, hinter dem Beverly kauerte. Einen Moment lang konnte sie sich nicht vom Fleck rühren wie ein zu Tode geängstigtes Kaninchen. Dann schlich sie mit lautem Herzklopfen auf die linke Seite des Studebakers und schlüpfte in die Lücke zwischen ihm und dem danebenstehenden türlosen Ford. Sie glitt in den Ford und machte sich auf der schmutzigen Fußmatte möglichst klein. Sie hörte Victor und Belch vorbeigehen und sich leise unterhalten. Dann waren sie verschwunden. Bev beschloß, in ihrem Versteck zu bleiben. Sie hoffte, daß es Henry und Patrick zu zweit langweilig werden würde, und daß sie auch bald aufbrechen würden.

Los, dachte sie. Los, beeilt euch, haut ab, haut ab, verschwindet, bitte!

»Zehn Fuß!« kicherte Patrick (allein schon dieses Kichern ließ Beverly angeekelt schaudern, so als wäre plötzlich ein Wurm aus ihrem Salat herausgekrochen). »Zehn Fuß, Henry! Von strahlendem Blau! Ich schwor's dir!«

»Gib mir das Feuerzeug«, knurrte Henry.

Los, los, ihr Blödhammel, verschwindet!

Als Patrick wieder etwas sagte, war seine Stimme so leise, daß Bev ihn nur verstehen konnte, weil es an diesem schwülen Nachmittag völlig windstill war.

»Soll ich dir mal was zeigen?« fragte Patrick.

»Was denn?«

»Etwas Schönes.« Nach kurzer Pause fügte Patrick hinzu: »Es tut gut.«

»Was?« fragte Henry wieder.

Dann trat Schweigen ein.

Ich will nicht hinschauen, ich will nicht sehen, was sie jetzt treiben, und außerdem könnten sie mich sehen, das ist sogar sehr wahrscheinlich, denn für heute hast du dein Glück wirklich schon überstrapaziert. Also bleib unten. Keinen Blick...

Aber ihre Neugierde war jetzt größer als ihr gesunder Menschenverstand. Diese Stille hatte etwas Merkwürdiges an sich, etwas Beängstigendes. Sie hob ganz langsam den Kopf, bis sie durch die schmutzige Windschutzscheibe schauen konnte. Ihre Angst, daß die Jungen sie entdecken würden, erwies sich als überflüssig. Sie konzentrierten sich völlig auf das, was Patrick machte. Beverly begriff nicht, was da vor sich ging, aber sie spürte, daß es häßlich war... etwas anderes hatte sie von Patrick, der so unheimlich war, aber auch gar nicht erwartet.

Er hatte eine Hand zwischen Henrys Beinen, die andere zwischen seinen eigenen. Mit einer Hand rieb er Henrys Ding, mit der anderen sein eigenes.

Was macht er nur? fragte sich Beverly.

Sie wußte es nicht, aber es stieß sie ab. Trotzdem konnte sie nicht wegschauen.

Sie sah, daß Patricks Ding ein bißchen länger geworden war, aber nicht viel; es baumelte immer noch zwischen seinen Beinen herab wie eine Schlange ohne Rückgrat. Henrys Ding hingegen war erstaunlich gewachsen. Es ragte steif und hart in die Höhe, fast bis zu seinem Bauchnabel. Patricks Hand fuhr auf und ab, drückte manchmal auch fester zu oder kitzelte den komischen schweren Sack unter Henrys Ding.