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Angenommen, es gab noch einen ANDEREN?

Und angenommen, diese Kinder waren Sendboten dieses ANDEREN?

Angenommen... nur einmal angenommen...

Es begann zu zittern.

Haß war neu Verletzt werden war neu SEINE Pläne durchkreuzt zu sehen, war neu Aber das allerschrecklichste Neue war diese Angst. Nicht Angst vor den Kindern - die war rasch vergangen -, sondern Angst davor, nicht das EINZIGE zu sein.

Nein. Es gab keinen ANDEREN. Ganz bestimmt nicht. Vielleicht weil sie Kinder waren, hatte ihre Vorstellungskraft eine gewisse Macht, die Es kurzfristig unterschätzt hatte. Aber nun, da sie kamen, würde Es sie ruhig kommen lassen. Sie würden kommen und Es würde sie eines nach dem anderen ins Makroversum schleudern. .. in die Totenlichter SEINER Augen. Ja.

Sobald die hierher gelangten, würde Es die kreischenden, um den Verstand gebrachten Geschöpfe in die Totenlichter schleudern.

2. In den Tunnels, 14.15 Uhr

Bev und Richie besaßen zusammen etwa zehn Streichhölzer, aber Bill erlaubte ihnen nicht, sie anzuzünden. Im Augenblick wurde das Rohr noch von schwachem Licht erhellt; er konnte etwa vier Fuß weit in den Tunnel sehen. Und wenn sie jetzt schon anfingen, die Streichhölzer zu benutzen, würden sie in fünf Minuten keine mehr haben.

Er vermutete, daß dieses schwache Licht durch die runden Belüftungslö-eher in den schweren Schachtdeckeln oder durch die Gitter der Gullys einfiel.

Das Wasser ging ihm jetzt bis zu den Hüfen. Drei- oder viermal waren Kadaver an ihm vorbeigeschwommen - Ratten, ein kleines Kätzchen, etwas, das aussah wie ein Murmeltier. Er hörte hinter sich einen seiner Freunde angeekelt etwas vor sich hin murmeln.

Das Rauschen des Wassers wurde lauter, schwoll zu einem eintönigen Brausen an. Das Kanalrohr zweigte nach rechts ab, und kurz hinter der Kurve endete es. Jetzt konnte er sehen, daß es aus drei anderen Rohren gespeist wurde. Hier war das Licht etwas heller, und als Bill hochblickte, sah er, daß sie in einem Steinschacht von etwa 15 Fuß Höhe standen. Oben war ein Gully, aus dem sich Sturzbäche von Wasser auf sie ergossen wie in einer Art primitiver Dusche.

Bill betrachtete ratlos die drei hier mündenden Rohre. Das zu seiner Linken befand sich etwa drei Fuß über seinem Kopf; es war offensichtlich ein weiteres Abflußrohr, denn das Wasser, das sich daraus in den Schacht ergoß, war ziemlich klar, obwohl kleine Äste, Blätter, leere Zigarettenschachteln und Papierabfälle darin schwammen. Auch aus dem etwas tiefer angebrachten Rohr zu seiner Rechten floß Wasser in das Kanalrohr, durch das sie gerade gewatet waren und das über dem Kenduskeag endete, in den das Abwasser mit Hilfe der Pumpe - die jetzt defekt war - geleitet wurde.

Das dritte Rohr, das dicht über der Wasseroberfläche aus dem Schacht ragte, spuckte einen stinkenden graubraunen Strom klumpiger Abwässer aus.

»E-E-Eddie!«

Eddie watete auf Bill zu. Seine Haare klebten ihm am Kopf, und sein Gips war durchweicht und tropfte.

»W-W-Welches?« Alle Klubmitglieder wußten, daß Eddie einen fast schon unheimlichen Orientierungssinn hatte. Wenn man sich in einer fremden Gegend verirrt hatte und an einen vertrauten Ort zurückkehren wollte, konnte Eddie einen hinführen; er bewegte sich mit unverminderter Zuversicht vorwärts, bog nach rechts und links ab, und man folgte ihm blindlings und hoffte, daß es gut ausgehen würde... und Eddie enttäuschte dieses Vertrauen nie. Bill hatte ihn etwas über ein Jahr gekannt, bevor sie beide sich mit Richie Tozier anfreundeten, und Bill hatte Richie einmal erzählt, als er und Eddie angefangen hätten, in den Barrens zu spielen, hätte er selbst ständig Angst gehabt, sich dort hoffnungslos zu verirren. Solche Ängste waren Eddie fremd, und er führte sie immer an der gewünschten Stelle heraus. »Wenn ich mich in Allagash verirren würde, und Eddie wäre bei mir, so würde ich mir überhaupt keine Sorgen machen«, hatte Bill zu Richie gesagt. »Er weiß es einfach. Er hat einen Kompaß im Kopf. So drückt es mein Vater aus.«

»Was - welches?« schrie Eddie, um das Brausen des Wassers zu übertönen. Er hielt seinen Aspirator mit der gesunden Hand fest umklammert, und er hatte mehr Ähnlichkeit mit einer ertrunkenen Ratte als mit einem Jungen.

»W-Welches R-R-Rohr sollen wir n-n-n-nehmen?«

»Wohin willst du denn?« fragte Eddie und betrachtete zweifelnd die drei

Rohre. Sie würden in jedes leicht hineinpassen, obwohl sie sich in jenem, aus dem die unappetitliche braune Brühe herausfloß, etwas würden duk-ken müssen.

Bill dachte angestrengt nach, dann winkte er die anderen zu sich heran.

»W-Wo zum Teufel ist Es?« fragte sie.

»Stadtmitte«, erwiderte Richie. »Direkt unter der Stadtmitte. In der Nähe des Kanals.«

Beverly nickte zustimmend. »Oder unter ihm.«

Bill blickte in die Runde. Auch die anderen nickten. Es war nur eine Intuition, aber auf etwas anderes als Intuitionen konnten sie jetzt sowieso nicht bauen. Er wandte sich wieder Eddie zu. »W-W-Welches f-führt zur Sch-Sch-Sch-Stadtmitte?«

Widerwillig deutete Eddie auf das unappetitliche Rohr. »Das da«, sagte

er.

»Oh, pfui Teufel«, murmelte Stan unglücklich. »Das ist ein ScheißeRohr.«

»Wir...«, setzte Mike zum Sprechen an und verstummte sofort wieder. Er legte lauschend den Kopf zur Seite und riß beunruhigt die Augen auf.

»Was...«, begann Bill, aber Mike brachte ihn mit einer heftigen Geste zum Schweigen. Und dann hörte es auch Bill. Eilige platschende Schritte im Wasser. Henry und seine Freunde.

»Rasch«, flüsterte Ben. »Sie werden bald hier sein.«

Stan warf einen Blick über die Schulter hinweg in das Rohr, aus dem sie gekommen waren; dann preßte er die Lippen fest zusammen und nickte. »Scheiße läßt sich immerhin abwaschen«, murmelte er. »Los, gehen wir.«

Bill führte sie zu dem Rohr, schnitt eine Grimasse, als der Gestank ihm in die Nase stieg, und kletterte hinein. Dieser Gestank: Es waren Abwässer, es war Scheiße, aber daneben war hier auch noch ein anderer Geruch wahrnehmbar. Ein würzigerer, fleischigerer, lebendigerer Geruch. Das ist wirklich die richtige Richtung. Es ist hier gewesen... Es ist sehr oft hier gewesen.

Das Rohr war schmaler, als es zunächst ausgesehen hatte, und schon nach wenigen Fuß wurde die Luft gräßlich stickig, ranzig und giftig. Er tappte durch langsam abfließendes schlammartiges Zeug, von dem er wußte, daß es kein Schlamm war. Er warf einen Blick über die Schulter hinweg und sagte: »E-E-Eddie, du b-bleibst jetzt dicht h-h-hinter mir. Ich werde d-dich b-b-brauchen.«

»Wie ist es da drin, Big Bill?« erkundigte sich Eddie nervös.

»F-F-F-Fürchterlich«, sagte Bill und machte sich auf den Weg, um weiteren Fragen auszuweichen.

Das Licht wurde rasch immer schwächer, und zuletzt ging auch das letzte Grau in völlige Dunkelheit über. Bill tastete sich mit ausgestreckten Händen vorwärts; er hatte das Gefühl, den schrecklichen Gestank mit seinem Körper regelrecht zu durchschneiden. Und er rechnete halb damit, daß seine Hände jeden Augenblick in struppiges Fell greifen, daß grüne funkelnde Augen ihn aus der Dunkelheit anstarren würden, und daß das Ende kurz sein würde, begleitet von einem heißen Schmerz, wenn Es ihm den Kopf von den Schultern reißen würde.

Alle Geräusche wurden in dem dunklen Rohr verstärkt und hallten un

heimlich wider. Er hörte seine Freunde hinter sich schlurfen und ab und zu etwas murmeln. Glucksen und eigenartiges rasselndes Seufzen war zu hören. Einmal flutete ihm gräßlich warmes Wasser entgegen, durchnäßte ihn bis zu den Oberschenkeln und warf ihn fast um. Er spürte, wie Eddie sich krampfhaft an seinem Hemdrücken festhielt, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, und dann verebbte der Strom zum Glück wieder. Richie, der ihre Nachhut bildete, rief von hinten mit einer Art Galgenhumor: »Ich glaub', wir sind gerade von Rübezahl bepißt worden, Bill!«