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»Mann, das war wirklich schnell!« sagte Ben und stand auf. »Ich habe frühestens in einer halben Stunde mit dir gerechnet.«

»Ich hab' ein sch-schnelles R-R-Rad«, sagte Bill mit einigem Stolz. Einen Augenblick lang musterten sie einander mißtrauisch. Dann lächelte Ben schüchtern, und Bill erwiderte sein Lächeln. Der Junge war fett, aber ansonsten schien er in Ordnung zu sein. Er war nicht abgehauen. Das mußte ganz schön viel Mut erfordert haben, nachdem es ja schließlich durchaus mög-

lich war, daß Henry und seine Freunde sich immer noch in dieser Gegend herumtrieben.

Er winkte Eddie zu, der mit pfeifendem Atem dankbar zu ihm aufschaute . »Hier, Eddie.« Er warf ihm den Aspirator zu. Eddie schob das Ding in seinen Mund, drückte auf die Flasche und keuchte krampfhaft. Dann lehnte er sich mit geschlossenen Augen zurück. Ben betrachtete ihn besorgt.

»Es geht ihm echt schlecht, was?« sagte er. »Mann o Mann, ich hatte 'ne Zeitlang furchtbaren Bammel. Ich hab' überlegt, was ich tun soll, wenn er Krämpfe bekommt oder so was. Ich konnte mich überhaupt nicht mehr erinnern, was wir im Rot-Kreuz-Kurs gelernt haben. Hast du noch 'ne Ahnung davon?«

Bill nickte. »Er w-w-wird k-k-keine Krämpfe bekommen«, sagte er. »Diese M-M-Medizin w-wird ihm h-h-helfen. Schau!«

Eddie hatte die Augen geöffnet. Der pfeifende Atem hatte inzwischen aufgehört.

»Danke«, sagte er zu Bill. »Das war ein schlimmer Anfall.«

»Sie haben deine Nase ganz schön zugerichtet, was?« meinte Ben teilnahmsvoll.

»An meine Nase hab' ich gar nicht mehr gedacht«, sagte Eddie. Er stand auf und schob den Aspirator in seine Tasche. »Ich dachte daran, was meine Mutter sagen wird, wenn sie das Blut auf meinem Hemd sieht. Sie wird mit mir zum Arzt gehen wollen.«

»Warum denn?« fragte Ben. »Es hat doch aufgehört zu bluten. Ich erinnere mich an einen Jungen, mit dem ich zusammen im Kindergarten war. Scooter Morgan hieß er, und er holte sich eine blutige Nase, als er von den Kletterstangen runterfiel. Er mußte wirklich zum Arzt gebracht werden, aber nur, weil es nicht aufhörte zu bluten.«

»Ja?« fragte Bill interessiert. »Ist er g-g-g-gestorben?«

»Nein«, antwortete Ben. »Aber er hat eine Woche gefehlt.«

»Meine Mutter wird mich trotzdem hinschleppen«, sagte Eddie mürrisch. »Sie wird glauben, meine Nase sei gebrochen oder etwas Ähnliches. Sie schleift mich mindestens ein- bis zweimal im Monat zum Arzt. Es ist zum Verrücktwerden!«

»Wow!« sagte Ben, der so was noch nie gehört hatte. »Aber warum weigerst du dich nicht einfach?«

»Ach...«, sagte Eddie unbehaglich, gab aber keine weitere Erklärung dazu.

»Wie heißt du?« fragte Bill.

»Ben Hanscom. Ich bin in deiner Parallelklasse. Du bist Bill Denbrough.«

»Ja. Und das ist E-E-E-E...«

»Eddie Kaspbrak«, sprang Eddie ein.

»Freut mich, euch kennenzulernen.«

Ein kurzes Schweigen breitete sich aus, aber es war irgendwie ein behagliches Schweigen, das die Freundschaft der drei Jungen besiegelte.

»Warum waren diese Burschen hinter dir her?« fragte Eddie.

»Ach, die s-s-sind d-doch immer hinter jemandem h-her«, sagte Bill. »Ich h-h-hasse diese Arschlöcher.«

Ben verschlug es einem Moment lang die Sprache - hauptsächlich vor Bewunderung, weil Bill dieses verbotene Wort'benutzt hatte. Er selbst hatte es letztes Jahr in Halloween an einen Telefonmast geschrieben (mit winzigen Buchstaben), aber noch nie laut gesagt.

»Bowers saß während der Examensarbeiten zufällig neben mir. Er wollte bei mir abschreiben, aber ich ließ das nicht zu.«

»Du mußt den Wunsch haben, jung zu sterben, Junge«, sagte Eddie bewundernd.

Stotter-Bill fing laut zu lachen an, und Eddie stimmte ein. Ben warf ihnen einen scharfen Blick zu, stellte fest, daß er nicht ausgelacht wurde, und lächelte ein wenig.

»Ich nehm's selbst fast an«, sagte er. »Na ja, und jetzt muß er die Sommerschule besuchen, und da hat er mir aufgelauert, er und seine beiden Kumpane, und das ist dabei herausgekommen.«

Er zuckte mit den Schultern und betrachtete den Bach.

»D-Du siehst aus, als h-h-hätten sie dich f-fast u-u-umgebracht«, sagte Bill.

»Ich bin von der Kansas Street die Böschung runtergefallen«, erklärte Ben. »Und wenn meine Mutter meine Kleidung sieht, wird sie mir vermutlich den Rest geben.«

Bill und Eddie brachen wieder in schallendes Gelächter aus, und diesmal fiel Ben ein. Sein Bauch schmerzte beim Lachen, aber er lachte trotzdem, schrill und ein bißchen hysterisch. Schließlich mußte er sich hinsetzen, und das plumpsende Geräusch, das sein Gesäß dabei machte, brachte ihn erneut zum Lachen. Es gefiel ihm, das gemeinsame Gelächer zu hören. Es war ein Geräusch, das er noch nie gehört hatte - gemeinsames Gelächter, von dem sein eigenes ein Teil war.

Er schaute zu Bill Denbrough hoch, ihre Blicke trafen sich, und schon mußten sie wieder lachen.

Bill zog seine Hose zurecht, stellte seinen Hemdkragen hoch und stolzierte mit geschwollener Brust umher. Mit tiefer Stimme gab er von sich: »Ich bring' dich um, Junge. Komm mir ja nich' in die Quere. Ich bin saudumm, aber ich bin groß und stark. Ich kann mit meiner Stirn Walnüsse knacken. Ich kann Essig pissen und Zement scheißen. Mein Name ist Henry Bowers, und ich bin das größte Arschloch in ganz Derry und Umgebung.«

Eddie wälzte sich auf dem Ufer hin und her und hielt sich den Bauch vor Lachen. Ben lachte Tränen.

Bill setzte sich neben sie. Allmählich beruhigten sie sich wieder.

»Die ganze Sache hat ein Gutes«, sagte Eddie. »Wenn Bowers in der Sommerschule ist, kann er uns hier unten nicht stören.«

»Kommt ihr oft hierher?« fragte Ben. Er war mehrmals am Kenduskeag spazierengegangen und auch schon beim Wasserturm gewesen, dessen Größe ihn faszinierte, aber in die Barrens war er heute zum erstenmal gekommen.

»K-K-Klar«, sagte Bill. »Es ist sch-sch-schön hier. N-N-Niemand stört uns h-h-h-hier. W-Wir haben eine M-M-Menge Spaß. Bowers und die a-a-a-an-deren kommen n-n-nie hierher.«

»Du und Eddie?« fragte Ben.

»R-R-R-R-...« Bill schüttelte den Kopf. Ben bemerkte, daß sein Gesicht sich verzerrte, wenn er stotterte, und plötzlich fiel ihm etwas Seltsames ein: Bill hatte überhaupt nicht gestottert, als er Henry Bowers imitiert hatte. »R-R-Richie Tozier k-k-kommt normalerweise auch h-h-her. Aber er m-m-mußte heute seinem V-V-V-Vater helfen, den D-Dachboden aufzuräumen.«

»Oh, den kenn' ich«, sagte Ben. »Ihr kommt wohl sehr oft her?« Dieser Gedanke faszinierte ihn - und weckte in ihm eine törichte Sehnsucht.

»Z-Z-Ziemlich oft«, bestätigte Bill, und Ben war völlig perplex, als er beiläufig hinzufügte: »W-W-Willst d-du morgen nicht auch h-h-herkommen? E-E-Eddie und i-ich haben v-v-versucht, einen D-D-Damm zu bauen.«

»Er hat nicht viel getaugt«, sagte Eddie.

Ben stand auf und ging zum Bach hinunter. Am Rand waren noch einige verflochtene kleine Äste zu sehen; ein paar weitere lagen auf einer Sandbank 40 oder 50 Fuß bachabwärts. Sonst war von dem Damm nichts mehr übrig.

»Ihr müßtet ein paar Bretter haben«, sagte Ben. »Und sie hintereinander anordnen... wie die Brotscheiben in einem Sandwich.«

Bill und Eddie starrten ihn verwirrt an, und Ben ließ sich auf ein Knie nieder. »Seht mal her«, sagte er. »Bretter hier und hier. Ihr rammt sie möglichst fest ins Bachbett. Versteht ihr? Dann füllt ihr, bevor das Wasser sie wegschwemmen kann, die Zwischenräume mit Steinen und Sand...«

»W-W-Wir!« verbesserte Bill.

»Was?« fragte Ben und schaute verdutzt hoch.

»W-W-Wir w-werden das machen.«

»Oh«, war das einzige, was Ben herausbrachte; er kam sich furchtbar dumm vor... und dann war er auf einmal wahnsinnig glücklich. »Ja. Wir. Jedenfalls, wenn ihr... wenn wir die Zwischenräume mit Steinen, Sand und sonstigem Zeug füllen, wird der Damm halten. Das vorderste Brett wird sich gegen die Steine lehnen. Wenn wir dann noch ein drittes Brett hätten - seht mal.« Bill und Eddie beugten sich über folgende Zeichnung im Sand und betrachteten sie mit großem Interesse: