Um schnell beim ersten Herzenslaut,
Schon immer mehr und mehr vertraut,
Ein Stelldichein herbeizuführen,
Wo schleunigst nach Verführerart
Der Unterricht vollendet ward.
XII
Wie früh verfing in seinen Netzen
Sich selbst die erzkokette Frau!
Und wie verstand er still zu hetzen,
Verdacht zu streun und boshaft schlau
Des Leumunds Gift herumzutragen,
Um Nebenbuhler abzuschlagen!
Nur ihr glücksel'gen Eheherrn
Saht ihn als Hausfreund immer gern:
Der Schelm sowohl, der selbst hienieden
Faublas' galante Wege lief,
Der Greis, der ohne Argwohn schlief,
Wie auch der Hahnrei, stets zufrieden
Mit seinem Wanst, so satt und dick,
Sich selbst und seinem Eheglück.
XIII/XIV
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
XV
Meist, eh er aufsteht, sind beizeiten
Schon Kärtchen da. Was gibt's, laß sehn;
Man lädt ihn richtig von drei Seiten
Zum Abend ein und bittet schön
Hier zum Geburtstag, dort zu Bällen.
Wie soll mein Schelm sich dazu stellen?
Wohin zuerst? Ach, einerlei,
Er schafft es schon für alle drei.
Einstweilen läßt er sich frisieren,
Stülpt auf den Kopf den Bolivar,
Fährt aus, stellt fein den Weltmann dar
Und geht geruhsam promenieren,
Bis allgemach die Stunde schlägt,
Da unser Freund zu speisen pflegt.
XVI
Schon dunkelt's. Schlitten her: geschwinde
Geht's »Platz da!« sausend übers Eis;
Zu Frost bereift bei scharfem Winde
Sein Biberkragen silberweiß.
Dort bei Talon zu guter Stunde
Harrt seiner schon die Tafelrunde,
Er tritt herein, der Pfropfen knallt,
Es strömt des Elfers Vollgehalt;
Zum blut'gen Roastbeef gibt's die Blüte
Von Frankreichs Küche, Trüffeln just,
Für junge Gaumen höchste Lust,
Straßburgs Pasteten erster Güte,
Limburger Käse unter Glas
Und schließlich goldne Ananas.
XVII
Man würde gern noch weiterzechen,
War das Menü doch reichlich fett,
Allein, die Uhr mahnt aufzubrechen:
Schon läutet's drüben zum Ballett.
Nun eilt Onegin ins Theater,
Allwo er sich als Kunstberater
Und Primadonnenfavorit
Nach Laune um Erfolg bemüht,
Und jeder kritisch sich betätigt,
Hier Beifall klatscht dem entrechat,
Dort mit Gezisch Kleopatra
Und Phädra abzutreten nötigt,
Vor allem Lärm macht, möglichst toll,
Damit man rings ihn hören soll.
XVIII
O Zauberwelt erlauchter Geister!
Wo einst so kühn die Geißel schwang,
Fonwisin, der Satire Meister,
Knjashnin manch klassisch Werk gelang;
Wo mit Semjonowa, der schönen,
Sich Oserow den Zoll der Tränen
Und Beifallsstürme spenden ließ;
Katenin seine Kunst bewies,
Der uns Corneille erst schätzen lehrte;
Wo Schachowskoi mit seiner Schar
Komödien – Liebling aller war,
Und wo Didelot sich stets bewährte –
Dort, dort in der Kulissen Raum
Träumt' ich so manchen Liebestraum.
XIX
Wo seid ihr göttlich Anmutsgleichen?
Ist euer Wirbel heut verrauscht?
Habt ihr mit andern, ach, nicht gleichen
Zu meinem Schmerz den Platz getauscht?
Tönt euer Sang noch süß belebend?
Wird Rußlands Terpsichore schwebend
Mein Aug' und Herz noch an sich ziehn?
Soll ich vergebens mich bemühn,
Ein teures Antlitz aufzufinden?
Und achtlos, mit dem Glas bewehrt,
Das fremden Reizen zugekehrt,
Enttäuschung mühsam nur verwinden,
Um gähnend unter all dem Schein
Entschwundnen Glücks gedenk zu sein?
XX
Schon ist das Haus gefüllt bis oben,
Parterre und Logen – dichter Hauf';
Die Galerie beginnt zu toben;
Da endlich rauscht der Vorhang auf:
Und lächelnd, in der Nymphen Reigen,
Umkost vom Zaubersang der Geigen,
Steht feenhaft im Märchenglanz
Istomina: sie hebt zum Tanz
Ihr Füßchen, kreist in leichten Ringen,
Dem Boden sanft nur angeschmiegt,
Schnellt auf – und plötzlich fliegt sie, fliegt Wie zarter Flaum auf Zephirs Schwingen;
Dreht blitzschnell Wirbel Schwung um Schwung
Und schließt graziös im Trillersprung.
XXI
Der Beifall rast. Jetzt kommt gewichtig
Onegin, zwängt sich stolpernd vor,
Erhebt sein Glas, durchmustert flüchtig
Der Logen reichen Damenflor,
Läßt Schmuck, Kostüm und Coiffüren
Sehr nonchalant Kritik passieren
Und dreht sich unbefriedigt um;
Grüßt da und dort ins Publikum
Mit streng bemeßner Etikette,
Beschaut dann, steif zurückgelehnt,
Die Bühne, kehrt sich ab und gähnt
Und murmelt: »Viel zuviel Ballette;
Das Personal taugt gar nichts mehr,
Und auch Didelot enttäuscht mich sehr.«
XXII
Noch flattern Engel, toben, dräuen
Lindwurm und Höllenkreatur,
Noch schnarcht der müde Troß Lakaien,
Die Pelze hütend, auf dem Flur;
Noch rauscht Musik, noch tönt dazwischen
Das Husten, Schneuzen, Klatschen, Zischen;
Noch breiten übers ganze Haus
Laternen ihren Schimmer aus;
Noch stampfen schauernd in den Strängen
Die Pferde, knirschen, schlagen sich,
Derweil die Kutscher ärgerlich
In Frost und Wärmefeuer drängen;
Doch fort schon ist Eugen: für ihn
Ist's Zeit, daheim sich umzuziehn.
XXIII
Soll nun vom Kabinett ich melden,
Wo unser Freund jetzt wohlbedacht
Als Muster junger Modehelden
Subtilste Toilette macht?
Was irgend London schwerbereichert
An Weltimporten aufgespeichert
Und gegen Holz und Talg und Teer
Zu Schiff uns austauscht übers Meer,
Und was Paris durch Kunstvermögen
Und als Geschmacksbeherrscherin
An Mitteln aufbringt, um den Sinn
Für Pracht und Luxus anzuregen –
Mit all dem schmückte seinen Hof
Der achtzehnjähr'ge Philosoph.
XXIV
Da sah man Stambuls Bernsteinpfeifen,
Nippes, Bronzen, Porphyr, Medaillons
Und (nur für Kenner) feinste Seifen,
Kristallgerät, Odeurflakons
Nebst kleinen Feilen, weichen Schwämmen,
Diversen Scheren, Messern, Kämmen
Und Bürsten jeder Wahl und Art
Für Zähne, Nägel, Kopf und Bart.
Man weiß, wie sich Rousseau beklagte,
Weil Grimm, der Weltmann, ruhig dreist
Vor ihm, dem lauten Feuergeist,
Die Nägel sich zu putzen wagte.
Doch war der Kämpfer für das Recht
In diesem Fall höchst ungerecht.
XXV
Es kann als Mensch sehr viel bedeuten,
Wer sonst auf saubre Nägel hält.